Menu Close

Literaturbeilage spezial: Geschenkte Demokratie?

alte Schreibfeder liegt auf einem Brief
Literaturbeilage Spezial „geschenkte Demokratie?“
Foto: Momentmal In neuem Fenster öffnen via Pixabay In neuem Fenster öffnen

Staufen (kobinet) Statt eines Editorials dieser Teaser:
Im Zusammenhang der kriegsdienstlichen Mobilmachung ist vom „zu verteidigenden Geschenk der Demokratie“ die Rede. Der darüber anders denkende kobinet-Redakteur Hans-Willi Weis illustriert am Beispiel seiner politischen Sozialisation, dass die Wirklichkeit komplexer und komplizierter ist als der Spruch von der „geschenkten Demokratie“ suggeriert. Sein literarischer Essay über die Achtundsechziger-Generation erschient erstmals 2009 in der Kulturzeitschrift „Das Plateau“.

IGEL-Monatsrückblick: Realität schlägt Reden – Inklusion ohne Schönfärberei – Zeit zum Handeln

Logo: IGEL-Monatsrückblick
IGEL-Monatsrückblick
Foto: IGEL-Media

Bad Segeberg / Kassel (kobinet) „Realität schlägt Reden: Inklusion ohne Schönfärberei – Zeit zum Handeln.“ So hat Sascha Lang den Monatsrückblick auf die Behindertenpolitik im Oktober 2025 getitelt. Gemeinsam mit kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul blickt Sascha Lang in der neuesten Episode des Podcasts Inklusion Ganz Einfach Leben (IGEL) auf einige Ereignisse und Themen, die die Behindertenpolitik im Oktober 2025 bestimmt haben. Unter anderem geht es um den Jahresempfang des Bundesbehindertenbeauftragten, um das Behindertengleichstellungsgesetz und die Förderung bzw. Nichtförderung des barrierefreien Personenverkehrs in Deutschland.

Wenn Barrieren ein Reiseerlebnis ausbremsen

Quadratische Metallplatte die auf Tischhöhe in Ringanlage Pömmelte mit ihren Pfosten und Wegen zeigt
Tastmodell des Ringheiligtums in Pömmelte
Foto: H. Smikac

MAGDEBURG (kobinet) Ein interessantes Reiseziel lässt sich schnell finden, denn zu sehen und zu erleben gibt es überall etwas. Das trifft auch für Reisende mit Mobilitätseinschränkungen zu. Allerdings sollte man eine solche Reise schon etwas vorbereiten und sich darauf einstellen, dass man den Rat von Broschüren doch nicht überall befolgen kann. Zu den ganz besonderen Reisezielen gehören die „Himmelswege“, die Zeugnisse des astronomischen Wissens unserer ganz frühen Vorfahren, die es in Sachsen-Anhalt zu erleben und zu bestaunen gibt.

Abschied von drei starken behinderten Frauen

Schwarze Fläche
Dunkelheit
Foto: ISL

Kassel (kobinet) Der November ist meist ein trüber und regnerischer Monat, ein Monat, in dem verstärkt an die Verstorbenen gedacht wird. Im November 2025 muss die Behindertenbewegung in verschiedenen Ländern Abschied von langjährig aktiven und prägenden behinderten Frauen nehmen, die die Behindertenbewegung entscheidend vorangebracht haben. Während die kobinet-nachrichten mit ihren begrenzten ehrenamtlichen und finanziellen Ressourcen leider nur eingeschränkt berichten können, wenn jemand aus der Behindertenbewegung gestorben ist, erinnert kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul heute an drei starke behinderte Frauen aus verschiedenen Ländern. Diese sind im Oktober gestorben und werden im November 2025 beigesetzt. Marita Boos-Waidosch aus Mainz ist am 1. Oktober 2025, Roswitha Schachinger aus Wien am 18. Oktober und Molly Holsapple aus Portland, Oregon in den USA in der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober gestorben.

Wenn eine eine Reise mit der Bahn tut

ICE mit großem Rollizeichen
ICE mit großem Rollizeichen
Foto: ISL

Berlin (kobinet) Wie oft erlebt man Zugfahrten, bei denen sich nicht behindert scheinende Menschen wegen Verspätungen von 10 Minuten unendlich aufregen. Ingrid Stubenvoll ist als erfahrene Bahnreisende ganz andere Herausforderungen gewohnt. Was die Rollstuhlnutzerin kürzlich bei einer Bahnfahrt von Berlin nach Ravensburg im Süden Deutschlands erlebt hat, schildert sie in einem Bericht für die kobinet-nachrichten.

Steht die Regierungskoalition am 3. Dezember mit leeren Händen da?

Ottmar Miles-Paul
Ottmar Miles-Paul
Foto: Irina Tischer

Berlin (kobinet) „Versprechungen waren gestern, nun zählt, was konkret getan wird“, so bringen es immer mehr Aktive in der Behindertenpolitik auf den Punkt. Und genau diese Frage, was die seit dem Frühjahr regierende Regierungskoalition aus CDU, SPD und CSU in Sachen Behindertenpolitik konkret getan hat, dürfte spätestens am 3. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen, im Mittelpunkt stehen. Gerade aus den Reihen der CDU und CSU war der Stillstand in der Behindertenpolitik während der Ampelregierung aus der Opposition heraus fortwährend beklagt worden. Nun blockieren das CDU-geführte Wirtschaftsministerium und das CSU-geführte Innenministerium seit über drei Monaten die Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) für mehr Barrierefreiheit. Das SPD-geführte Bundesministerium für Arbeit und Soziales hatte bereits Anfang Juli 2024 einen Referentenentwurf für die BGG-Reform in die Ressortabstimmung gegeben. Auch bei der Reform des Werkstättensystems und für mehr Alternativen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt geht es nicht voran. So zeichnet es sich ab, dass auch der nächste 3. Dezember ein Tag wird, an dem die Regierungskoalition mit leeren Händen dasteht.

Merz der Verschwörungstheoretiker

Vorn ein Findling mit Inschrift Willis Blick, dahinter Bäume im Sonnenlicht im hellen Grün.
durchschaut die Verschwörungstheorie aus dem Kanzleramt und wundert sich, wie man ihr auf den Leim gehen kann
Foto: Hubertus Thomasius

Staufen (kobinet) Dass die kürzlich vom Kanzler im Bundestag vorgetragene Verschwörungstheorie im Plenum keinen Sturm der Heiterkeit ausgelöst hat, muss allen ein Alarmsignal sein, die ihren Verstand noch nicht an der Garderobe der politischen und medialen Mainstreampropaganda abgegeben haben.

Selbsthilfe mit Wohlfühleffekt

info Zeichen
info schwarz
Foto: Susanne Göbel

Münster (kobinet) „‚Deaf Ohr Alive NRW‘ heißt die Abteilung Junge Selbsthilfe des Cochlea Implantat (CI) Verbands Nordrhein-Westfalen. Deren Mitglieder haben sich zum Ziel gesetzt, jungen Menschen mit Hörminderung, insbesondere CI-Trägern und CI-Trägerinnen von 18 bis 35 Jahren, eine Plattform zum Austausch zu geben und an gemeinsamen Aktivitäten teilzunehmen. Welche Ziele die coole Truppe hat und was das Gruppenleben so besonders macht, darüber sprachen wir mit Toby Raulien vom Leitungsteam. Im Vorgespräch haben wir uns auf ein kollegiales ‚Du‘ verständigt“, heißt es in der Einleitung eines Interviews, das Michael Kalthoff-Mahnke vom Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben NRW geführt und mit dem Titel „Selbsthilfe mit Wohlfühleffekt“ veröffentlicht hat.

IGEL-Podcast: Das Kurt-Lindemann-Haus – Inklusion leben, Beruf finden, Zukunft gestalten

Cover des IGEL-Podcast mit Jana Nichols und Osman Karcier
Cover des IGEL-Podcast mit Jana Nichols und Osman Karcier
Foto: IGEL-Media

Heidelberg (kobinet) „Das Kurt-Lindemann-Haus – Inklusion leben, Beruf finden, Zukunft gestalten“, so lautet der Titel der 290. Episode des Podcasts Inklusion Ganz Einfach Leben (IGEL). Dieses Mal geht es um den Übergang von der Schule in den Beruf und darüber, wie ein spezialisiertes Berufsförderungswerk diesen Weg ebnet. Zu Gast beim IGEL-Podcast-Moderator Sascha Lang sind Jana Nichols und Osman Karcier vom Kurt-Lindemann-Haus (KLH), dem Berufsförderungswerk Heidelberg-Schlierbach.

Debattenbeitrag: Menschenrechte statt Stigmatisierung – Unterstützung psychisch erkrankter Menschen verbessern

Logo des Gesamtverband des Paritätischen
Logo des Gesamtverband des Paritätischen
Foto: Paritätischer Gesamtverband

Berlin (kobinet) „Solingen, Magdeburg, Aschaffenburg, Mannheim, Hamburg – diese Städte standen im Laufe des vergangenen Jahres teilweise synonym für schreckliche Taten, über die medial intensiv berichtet und politisch teils hitzig diskutiert wurde. Mit Blick auf die Täter konzentrierte sich die öffentliche Aufmerksamkeit schnell auf ihre psychische Erkrankung, ihre Flucht- und Migrationsgeschichte oder die Kombination aus beidem. Marta Bociek, Referentin für Flüchtlingshilfe, humanitäre Auslandshilfe und internationale Kooperation, und Carola Pohlen, Referentin für die Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen und psychischen Erkrankungen vom Gesamtverband des Paritätischen, haben hierzu einen Debattenbeitrag unter dem Motto „Menschenrechte statt Stigmatisierung – Unterstützung psychisch erkrankter Menschen verbessern“ veröffentlicht.

Die Krüppelkommune von Hartroda: Lesung mit Karsten Krampitz auf der Frankfurter GegenBuchMasse

Cover des Roman: Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung
Cover des Roman: Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung
Foto: EDITION NAUTILUS

Frankfurt (kobinet) „Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung“, so lautet der Titel eines vor Kurzem erschienenen Romans von Karsten Krampitz. Sandra Niggemann und Matthias Rösch haben am 18. Oktober 2025 die Buchvorstellung von Karsten Krampitz über die Krüppelkommune von Hartroda im autonomen Zentrum ExZess in Frankfurt besucht. Den folgenden Bericht über die Lesung und den Roman haben die beiden den kobinet-nachrichten zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.

Beständiges Schnellboot statt riesiger Tanker

Vier sich gegenseitig am Handgelänk haltende Hände darunter die Buchstaben BSK
Logo des BSK
Foto: BSK e.V.

Hannover (kobinet) „Beständiges Schnellboot statt riesiger Tanker“, so hat Karl Finke seinen Bericht getitelt, den er den kobinet-nachrichten im Nachgang der Veranstaltung zum 70-jährigen Bestehen des Bundesverbands Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) vom 13. September 2025 in Krautheim zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt hat. Dabei blickt Karl Finke auf das Verbandsgeschehen des BSK im Zusammenhang mit der allgemeinen Entwicklung der Behindertenpolitik der letzten Jahrzehnte zurück.

Blinde wieder sehend machen: Zwischen Versprechen, Wissenschaft, Forschung, Scharlatanismus und Hoffnung

Cover des IGEL-Podcast Sonntag trifft IGEL vom Oktober 2025
Cover des IGEL-Podcast Sonntag trifft IGEL vom Oktober 2025
Foto: IGEL-Media

Bad Segeberg / Halle (kobinet) „Blinde wieder sehend machen – Zwischen Versprechen, Wissenschaft, Forschung, Scharlatanismus und Hoffnung“, so lautet der Titel des Podcasts Inklusion Ganz Einfach Leben (IGEL) aus der Reihe Sonntag trifft IGEL. Nach der Woche des Sehens und rund um den Tag des weißen Stocks am 15. Oktober sprechen Sascha Lang und Jennifer Sonntag in der Ausgabe Sonntag trifft IGEL vom 19. Oktober 2024 über ein sensibles Thema: die Frage, ob man Blindheit „heilen“ kann. Immer wieder tauchen Berichte über neue Implantate, Netzhaut-Chips oder Gentherapien auf, die Hoffnungen wecken – aber auch Risiken bergen, wie es unter anderem in der Ankündigung heißt.

Gehen Sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen!

Gruppe von Menschen. Eine Person hat einen Mundschutz
Nicht jede Behinderung ist sichtbar.
Foto: Britta Wilkens (KI)

Berlin (kobinet) Stimmt. Wenn es um unsichtbare Behinderungen geht, gibt es nichts zu sehen. Für viele ist das ein Grund, sich damit auch nicht zu beschäftigen.
Dabei sollte genau dies passieren. Bitte gehen Sie nicht einfach mit Nichtbeachtung weiter durch Ihr gesellschaftliches Leben, sondern halten Sie gedanklich einmal inne und fragen Sie sich, was eine unsichtbare Behinderung für Betroffene und auch ihre Angehörigen bedeutet.

Teilnahme an politischen Prozessen ohne Barrieren muss selbstverständlich werden

Evelyn Schön
Evelyn Schön
Foto: privat

Kiel (kobinet) Evelyn Schön und Janine Kolbig vom Zentrum für selbstbestimmtes Leben Norddeutschland (ZSL Nord) wünschen sich, dass es eine Selbstverständlichkeit wird, dass Menschen mit Behinderungen an politischen Prozessen teilnehmen und diese Teilnahme nicht an strukturellen Barrieren scheitert. Die Beteiligung von Menschen mit Behinderungen sollte als Mehrwert und nicht als Mehraufwand wahrgenommen werden. Zudem wünschen sie sich, dass sich mehr Menschen mit Behinderungen einbringen und sich die „Arbeit“ nicht auf wenige Schultern verteilt. „Wir alle sind in der Verantwortung, unsere Gesellschaft inklusiv mitzugestalten“, betont Evelyn Schön im mit Janine Kolbig abgestimmten Interview mit kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul im Vorfeld einer Online-Veranstaltung zur Partizipation behinderter Menschen in Schleswig-Holstein, die am 22. Oktober 2024 um 17:00 Uhr stattfindet und für die eine Anmeldung noch möglich ist.

Zurückschlagen, zurückschießen – eine toxisch männliche Lustbefriedigung

Vorn ein Findling mit Inschrift Willis Blick, dahinter Bäume im Sonnenlicht im hellen Grün.
beobachtet, wie toxische Männlichkeit kriegerischen Ausagieren entgegenfiebert
Foto: Hubertus Thomasius

Staufen (kobinet) Nun geht es Schlag auf Schlag, endlich!

Und den taffen Jungs und Mädels auf Sendung, ob im Bundestag oder auf Deutschlandfunk, WhatsApp oder X, kann es, so wie sie reden, gar nicht schnell genug gehen mit dem „Hurra, wann ist der Krieg denn endlich da“. Runterholen, abschießen, ob Drohne oder russischen Kampfjet. Den „frechen Provokationen Putins“, so eine große Tageszeitung, die gebührende Antwort erteilen. Nicht den Schwanz einziehen, Stärke zeigen! Durch echte Männlichkeit, egal ob von Frau oder Mann verkörpert. Die maskuline Potenz fiebert förmlich nach Genugtuung. Nach Zurückschlagen, Draufschlagen, Dreinschlagen, Kurz- und Kleinschlagen. Dem Gewaltphantasma männlicher Lustbefriedigung.

Aufklärung über Strategie der AfD tut auch in der Behindertenpolitik not

Mandy Müller
Mandy Müller
Foto: Ottmar Miles-Paul

Kassel / Berlin (kobinet) Mandy Müller hat sich in ihrer im Sommer 2024 eingereichten Bachelorarbeit intensiv mit den behindertenpolitischen Positionierungen der AfD beschäftigt. Sie tritt neben dem Angebot von Empowerment-Schulungen für den Umgang mit Argumenten und Aktivitäten der AfD dafür ein, dass auch in den Reihen der Behindertenorganisationen verstärkt Aufklärung über die Positionen und Strategien der AfD in Sachen Behindertenpolitik betrieben werden muss. Max Prigge von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) führte folgendes Interview mit Mandy Müller aus Kassel.

Die Fantasie vom normalen Volk – Die Ordnungsideologie der Mitte

Bronzeskulptur eines aufgerichteten, nach oben gestreckten menschlichen Körpers mit weit ausgebreiteten Armen. Die Aufnahme zeigt die Figur aus der Untersicht, vor hellem Himmel und einem angedeuteten Baum im Hintergrund.
Die Fantasie vom normalen Körper
Foto: Ralph Milewski

Fladungen (kobinet) In der taz beschreibt die Historikerin Dagmar Herzog im Interview „Die Fantasie vom schönen Volk“ die eugenische und sexuelle Ideologie der Rechten, insbesondere der AfD, als Fortsetzung einer alten, zutiefst deutschen Obsession. Es ist die Vorstellung vom schönen, starken, makellosen Körper, der sich über die Schwachen erhebt und an ihrer Erniedrigung Freude findet.

Während Herzog überzeugend darlegt, wie sehr sich die Rechte an der Ästhetik und der Ideologie der NS-Zeit bedient, bleibt eine Frage offen: Welche Fantasie treibt die politische und gesellschaftliche Mitte an, jene, die vorgibt, das Gegenteil zu sein?

Warten auf eine echte BGG-Reform ist Warten auf Godot

Frau sitzt wartend vor einer geschlossenen Tür, gesehen durch ein Autofenster.
Warten auf die nächste Reform.
Foto: Ralph Milewski

Fladungen (kobinet) Die angekündigte Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes wird, sofern sie überhaupt kommt, voraussichtlich strukturell wirkungslos bleiben. Sie adressiert wahrscheinlich nicht die Orte, an denen Teilhabe tatsächlich scheitert. Das politische Ritual erzeugt Bewegung ohne Veränderung.

Reform bedeutet nicht Fortschritt

Seit Jahren wird Barrierefreiheit im privaten Bereich als der nächste große Schritt verkauft. Die Szene reagiert vorhersehbar mit Hoffnung, Druck und Empörung über Verzögerungen. Der Denkfehler liegt im Begriff selbst. Nicht das Ausbleiben der Reform ist das Problem, sondern ihr erwartbarer Inhalt. Eine Reform ist in diesem Politikfeld kein Programm, sondern ein Etikett.

SaLü: Kein Sportbad für behinderte Menschen?

Bild vom Sportbad in Lüneburg
Bild vom Sportbad in Lüneburg
Foto: Cécile Lecomte

Lüneburg (kobinet) Die Kletteraktivistin Cécile Lecomte hat die Kostenübernahme für einen Sportrollstuhl beantragt. Im Gespräch wurde ihr Schwimmen statt WCMX (Skaten) nahegelegt. Das sei nicht so gefährlich wie Skaten und gut für ihr Rheuma. Dies hat sie zu einer Recherche über die Möglichkeiten des Sportschwimmens vor Ort beim SaLü, einer Salztherme mit Rehabereich, Wasserviertel und Sportbad in Lüneburg, veranlasst. Die Ironie der Geschichte ist: Das einzige Sportbad in Lüneburg befindet sich im SaLü und ist für Rollstuhlnutzende unerreichbar. Es gibt eine Treppe. Wie kann das sein, fragte sich die Aktivistin gegen Ableismus und recherchierte für folgenden Bericht, den die kobinet-nachrichten veröffentlichen.

IGEL-Podcast: Im Takt des Lebens – Bewegung neu erfahren

Cover des IGEL-Podcast mit Alexandra Schubert
Cover des IGEL-Podcast mit Alexandra Schubert
Foto: IGEL-Media

Bad Segeberg (kobinet) „Im Takt des Lebens – Bewegung neu erfahren“, so lautet der Titel der aktuellen Episode des Podcasts Inklusion Ganz Einfach Leben (IGEL). Zum internationalen Tag des weißen Stocks, der traditionell am 15. Oktober begangen wird, sprach der IGEL-Podcast-Macher Sascha Lang mit Alexandra Schubert von der Firma Novafon über körperliche und mentale Belastungen im Alltag blinder und sehbehinderter Menschen. Die Folge beleuchtet, wie regelmäßige Bewegung, bewusste Pausen und gezielte Reize helfen können, den Körper zu entspannen und die Wahrnehmung zu stärken, wie es in der Ankündigung des Podcasts heißt.

Strukturelle Fehlentwicklung im Teilhabesystem – eine persönliche Beobachtung

drei rote Ausrufezeichen
Drei rote Ausrufezeichen
Foto: ht

Rügen (kobinet) Viola Krippner hat den kobinet-nachrichten einen Beitrag mit dem Titel „Strukturelle Fehlentwicklung im Teilhabesystem – eine persönliche Beobachtung“ zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Die pflegende Angehörige eines schwerstbehinderten jungen Mannes und ehrenamtliche Betreuerin, die beruflich als Pflegefachkraft und selbstständige Alltagshelferin nach § 45a SGB XI tätig ist, blickt dabei auf ihre Erfahrungen der letzten Jahre in Sachen Eingliederungshilfe und Assistenz zurück.

Reform des Behindertengleichstellungsgesetz: Verlorengegangen im Herbst der Reformen?

Sharepic: Im Herbst der Reformen: Wo ist denn nur das BGG mit der Suche im Laubhaufen
Sharepic: Im Herbst der Reformen: Wo ist denn nur das BGG mit der Suche im Laubhaufen
Foto: Juliane Harms mit KI

Berlin (kobinet) Die Ungeduld und vor allem der Ärger der Verbände behinderter Menschen im Hinblick auf konkrete gesetzliche Regelungen zur Verbesserung der Barrierefreiheit ist mittlerweile unermesslich. Seit Jahrzehnten drückt sich Deutschland darum, Barrierefreiheit durch konkrete und umfassende gesetzliche Regelungen wirksam im privaten Bereich festzuschreiben und einzuführen. Was in anderen Ländern wie den USA, Großbritannien oder Österreich längst gängige Praxis ist, scheint in Deutschland eine unerträgliche Belastung der Wirtschaft und damit politisch nicht machbar zu sein. Nachdem der Jahresempfang des Bundesbehindertenbeauftragten und die letzte Nachtsitzung des Koalitionsausschusses anscheinend immer noch keine Einigung für die Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) für mehr Barrierefreiheit gebracht haben, hat Juliane Harms zur KI gegriffen und ein Bild kreiert, das die Suche nach der BGG-Reform in einem Laubhaufen im Herbst der Reformen darstellt. Eine gute Vorlage für einen Kommentar von kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul.

Tipps für barrierefreie Veranstaltungen

Symbole von Behinderungen auf symbolischen Tastenfläschen
Symbole Behinderung
Foto: Pixabay/renma

SAINT-NAZAIRE (kobinet) Wenn schon Veranstaltung, dann sollte diese auch barrierefrei sein. Das leuchtet jedem ein, nur ist das praktisch, wie Stehtische und unübersichtliche Gestaltung bei vielen Veranstaltungen zeigen, nicht ganz so einfach umgesetzt. Andrea Halbritter, eine in Frankreich lebende Germanistin und Übersetzerin für Einfache Sprache, hat deshalb in ihrem aktuellen Newsletter einige Tipps zur Vorbereitung barrierefreier Veranstaltungen zusammengestellt.

inklusion – die geschichte des guten gewissens

Schwarz-weißes Foto: Mann sitzt nachts allein auf einem Stuhl im Freien, liest in einem Buch, beleuchtet nur von einer einzelnen Schreibtischlampe – stille, surreale Szene.
Inklusion – ein Märchen von der Menschenwürde
Foto: Ralph Milewski

Fladungen (kobinet) Die Vorstellung, Inklusion sei Ausdruck gesellschaftlicher Einsicht und moralischen Fortschritts, ist eine beruhigende Erzählung. Sie klingt nach Verantwortung, nach Reue, nach einem kollektiven Lernprozess – und ist doch das Gegenteil davon: eine Selbstvergewisserung, mit der sich eine Gesellschaft bestätigt, ihre Vergangenheit überwunden zu haben. In Wahrheit war Inklusion nie die Vollendung eines Lernprozesses, sondern die Verpackung der Fortsetzung – die elegante Übersetzung alter Kontrollstrukturen in die Sprache des Fortschritts.

Die alltäglichen Freuden des Busfahrens als blinde Person.

Schwarze Fläche
Dunkelheit
Foto: ISL

Mainz (kobinet) Passend zur Woche des Sehens, die vom 8. bis 15. Oktober 2025 begangen wird, hat sich Nina Becker vom Mainzer Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen auf Facebook mit einem Beitrag mit dem Titel „Die alltäglichen Freuden des Busfahrens als blinde Person“ zu Wort gemeldet. Unzuverlässige Ansagen, Probleme bei der Platzsuche im Bus, die Unsicherheit, ob die Haltestellen durchgesagt werden – das sind nur einige Aspekte, die Nina Becker bei einer Busfahrt begleiten und die sie in ihrem Beitrag beschreibt.

Zwischen Analyse und Alibi. Die bequeme Rezeption von Mandy Müllers Bachelorarbeit

Detailaufnahme. Apfel hängt am Baum über einem Acker
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm…
Foto: Ralph Milewski

Fladungen (kobinet) Die Bachelorarbeit von Mandy Müller über die behindertenpolitischen Positionierungen der AfD ist ohne Zweifel eine präzise und notwendige Untersuchung. Sie zeigt, dass gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit bei der AfD kein Zufall, sondern strukturelles Prinzip ist. Müller belegt, wie die Partei unter dem Deckmantel des „Schutzes“ behinderter Menschen deren Exklusion als Fürsorge tarnt – mit der perfiden Botschaft, sie seien „besser aufgehoben“ in den geschützten Sonderwelten, die man ihnen bereitwillig zugesteht. Doch so klar und aufrüttelnd diese Analyse auch ist, sie wird schnell zum moralischen Feigenblatt, wenn man sie falsch liest. Und genau das geschieht derzeit.

Meine Erwiderung auf die Oktober-Kolumne

Stephan Riedl mit Glas Cola
Der Autor mit Cola
Foto: Riedl

Berlin (kobinet) Auch im Oktober ruft Hans-Willi Weis zum Nachdenken über Krieg und Frieden auf – doch seine Argumentation bleibt einseitig. Es ist Zeit für eine differenzierte Antwort. Kurz gesagt:
Für einen Verteidigungskrieg ist es gerechtfertigt, Krieg führen zu können. Zu Inklusion gehört auch, bei Sicherheitsfragen mitreden zu können.

1 Einleitung
2 Völkerrechtliche Fakten
3 Angriffs- und Verteidigungskrieg
4 Übertragung auf den Ukraine-Krieg
5 Postheroisch heißt NICHT pazifistisch!
6 Sollten Menschen mit Behinderung Krieg führen können?
7 Fazit

Heike Heubach will Partizipation stärken sowie Barrierefreiheit und Teilhabe vorantreiben

Heike Heubach
Heike Heubach
Foto: Deutscher Bundestag

Berlin (kobinet) Im Interview mit den kobinet-nachrichten betont die Behindertenbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Heike Heubach, dass die Verbändeanhörung zur Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) umgehend stattfinden muss, denn nur mit der Expertise der Betroffenen entstehe ein wirksames und zukunftsfähiges Gesetz. „Dieses Vorhaben steht im Koalitionsvertrag – und alle Koalitionspartner stehen in der Pflicht, das auch einzuhalten. Die SPD ist bereit zu liefern. Jetzt müssen CDU und CSU endlich beweisen, dass auch sie es mit Inklusion und Teilhabe ernst meinen“, betonte die selbst gehörlose SPD-Bundestagsabgeordnete unter anderem im Interview mit kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul.

IGEL-Monatsrückblick – Disability Pride, Eingliederungshilfe und die Frage: Wer hört uns wirklich?

Logo: IGEL-Monatsrückblick
IGEL-Monatsrückblick
Foto: IGEL-Media

Bad Segeberg / Kassel (kobinet) „Disability Pride, Eingliederungshilfe und die Frage: Wer hört uns wirklich?“ So hat Sascha Lang den Monatsrückblick auf die Behindertenpolitik im September 2025 getitelt. Gemeinsam mit kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul blickt Sascha Lang in der neuesten Episode des Podcasts Inklusion Ganz Einfach Leben (IGEL) auf einige Ereignisse und Themen, die die Behindertenpolitik im September 2025 bestimmt haben. Unter anderem geht es um die Disability Pride Demo in Kassel, Empowerment, die Herausforderungen mit der Eingliederungshilfediskussion und vieles mehr.

Welche Sau treibt die CDU/CSU als nächstes durchs Dorf, um Unsicherheit auszulösen?

Ottmar Miles-Paul
Ottmar Miles-Paul
Foto: Irina Tischer

Kassel (kobinet) Man dürfte meinen, dass die Zuwächse der AfD bei der Bundestagswahl und zuletzt bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen bei den demokratischen Parteien einen ernsthaften Prozess des Nachdenkens eingeleitet hätten. Wenn man sich jedoch die Debatten der letzten Wochen über alle möglichen Vorschläge für Kürzungen im sozialen Bereich anschaut, scheint der gesunde demokratische Menschenverstand derzeit vor allem auf Seiten der CDU und CSU nicht weit her zu sein. Die unsäglichen Diskussionen beispielsweise über Kürzungen beim Bürgergeld, der Vorschlag für die Abschaffung der Pflegestufe 1 oder die Debatte um Arztgebühren verunsichern nicht nur. Sie verärgern derzeit viele Wählerinnen und Wähler beziehungsweise treiben sie in die Fänge derjenigen, die mit einfachen Antworten aufwarten und bisherige demokratische Regeln infrage stellen. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul fragt sich deshalb, welche Sau als nächstes, vor allem von den Vertreterinnen und Vertretern der CDU und CSU, durchs Dorf getrieben wird, um Menschen noch mehr zu verunsichern.

Ich habe den Absprung aus der Werkstatt geschafft

Nancy Frind
Nancy Frind
Foto: privat

Berlin / Erfurt (kobinet) „Nancy Frind hat fast sieben Jahre in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung gearbeitet – als Beschäftigte und später auch als Frauenbeauftragte und Werkstatträtin. Heute ist sie Referentin bei der Liga Selbstvertretung und kämpft für bessere Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung und mehr Mitspracherecht. Im Gespräch erzählt sie von Zugehörigkeit und Abhängigkeit in der Werkstatt, vom schwierigen Ausstieg und von ihrer Vision einer inklusiveren Arbeitswelt. In dieser soll es auch weiterhin Werkstätten geben – aber immer mit der Option zu gehen.“ So heißt es zur Information über Nancy Frind im Rahmen eines Interviews, das auf dem Blog Berlinklusiv mit dem Titel „Ich habe den Absprung geschafft“ veröffentlicht wurde.

Unseen Lives stellt vor: Ottmar Miles-Paul

Ottmar Miles-Paul
Ottmar Miles-Paul
Foto: Irina Tischer

Berlin (kobinet) Ottmar Miles-Paul ist Aktivist, Netzwerker und Autor – und eine prägende Stimme der Bewegung von Menschen mit Behinderungen in Deutschland. Von Jugend an sehbehindert, setzte er sich unermüdlich für ein selbstbestimmtes Leben ein: als Landesbeauftragter in Rheinland-Pfalz, als Autor einer literarischen Streitschrift gegen institutionalisierte Ausgrenzung und als Strippenzieher im besten Sinne – jemand, der Fäden verbindet, damit Neues entstehen kann. Im Hörstück „Paul hört nicht auf“ erzählt er mit Humor, Klarheit und Nachdruck von Begegnungen, Missverständnissen und Momenten, die seine Haltung geprägt haben. So heißt es in der Ankündigung des knapp 25-minütigen Hörstücks „Paul hört nicht auf“, das im Rahmen des Projekts „Unseen Lives“ von Kulturregen Berlin auf YouTube veröffentlicht wurde.

Willkommen in einer gemeinsamen Welt

Lukas Hernicht sitzt im Rollstuhl vor seinem Talker
Lukas Hernicht sitzt im Rollstuhl vor seinem Talker
Foto: ISL

Kassel (kobinet) „Willkommen in einer gemeinsamen Welt!“ So lautet der Schlusssatz der Rede, die Lukas Hernicht am 27. September 2025 auf der Kundgebung der Disability Pride Demo in Kassel hielt. In der Rede, die Lukas Hernicht von der Selbstvertretung junger Menschen mit Behinderungen (jumemb) mittels eines Sprachcomputers hielt, skizziert er eine Welt, in der er mit seinem hohen Unterstützungsbedarf gleichberechtigt und selbstbestimmt mit der nötigen Assistenz leben kann. Da es nicht üblich ist, dass Menschen, die einen Talker zur Kommunikation nutzen, auf Kundgebungen zu Wort kommen, dokumentieren die kobinet-nachrichten im Folgenden die Rede von Lukas Hernicht, die dieser dankenswerterweise zur Veröffentlichung bereitgestellt hat.

Kritik an Toilettensituation auf der REHACARE

Lifter in der Toilette bei der REHACARE 2025
Bild von den Liftern in der Toilette auf der REHACARE 2025
Foto: Anja Schneider

Düsseldorf / Hannover (kobinet) Nicht nur wer eine Reise tut, kann einiges erleben – bei behinderten Menschen trifft zuweilen auch der Spruch „Wer eine Messe besucht, kann einiges erleben“ zu. So erging es zumindest Anja Schneider aus Hannover und einer ihrer Kolleginnen, als sie die diesjährige REHACARE in Düsseldorf besuchten. Eine Messe, von der man meinen dürfte, dass es kein Problem ist, barrierefreie Toiletten zu finden. „Wie kann Inklusion in aller Munde sein und wir Inklusion einfordern, wenn nicht einmal auf einer solchen Veranstaltung die absolut grundlegendsten Bedürfnisse eines Menschen gesichert sind?“ Diese Frage stellt Anja Schneider zum Abschluss des Berichts über ihre Erfahrungen in Sachen Toilettennutzung während der REHACARE, den sie den kobinet-nachrichten zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt hat.

Kundenzufriedenheit und Barrierefreiheit in der Zukunft der Bahn

Eisenbahnsignal, das ein rotes Licht zeigt
Auf „Freie Fahrt“ warten
Foto: GoranH In neuem Fenster öffnen via Pixabay In neuem Fenster öffnen

BERLIN (kobinet) Die neue Bundesregierung wird immer wieder mit vielen neuen Hoffnungen verbunden. Mit der „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“ hat nun Wirtschaftsminister Patrick Schnieder „in einem 360-Grad-Blick“ seinen Vorschlag zur Reform der Deutschen Bahn vorgelegt. Nun also endlich Schluss mit den vielen Problemen für alle Bahnreisenden, auch jene mit verminderter Mobilität? Oder zumindest gibt es „Licht am Ende des Tunnels“, beziehungsweise ein erkennbares Ende dieser Probleme in der Ferne? Wer sich diese Agenda einmal in Ruhe anschaut, wird von dieser Hoffnung nur schwer zu überzeugen sein.

Schichtwechsel: Chance auf Arbeitsplatzwechsel oder Propaganda für Aussonderung unter Mindestlohn?

Symbol Fragezeichen
Symbol Fragezeichen mit Schatten
Foto: ht

Berlin (kobinet) Alle Jahre wieder wird der Schichtwechsel zwischen behinderten Beschäftigten in Werkstätten für behinderte Menschen und Mitarbeitern bei Arbeitgebern auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt öffentlichkeitswirksam gepriesen und beklatscht. „Toll, dass Unternehmen ihre Türen für behinderte Menschen aus Werkstätten für behinderte Menschen an diesem Tag öffnen. Toll, dass Beschäftigte aus Unternehmen einen Tag lang in Werkstätten arbeiten, um diese kennenzulernen und Vorurteile abzubauen“, mag die eine oder der andere da denken. Kritischere Geister fragen sich, was bei diesem sogenannten „Schichtwechsel“, der zuweilen auch als „Sichtwechsel“ verstanden werden will, für die behinderten Menschen konkret herauskommt, die mit einem Durchschnittslohn von ca. 230 Euro pro Monat weit unter dem Mindestlohn und ohne ernsthafte Vermittlungschancen von ca. 0,35 Prozent im Jahr in einem Aussonderungssystem verharren müssen. Anlass für einen Kommentar von kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul, der sich fragt, ob der sogenannte Schichtwechsel eher der Propaganda für ein Aussonderungssystem unterhalb des Mindestlohns statt der Vermittlung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt dient.

Herbst der Reformen kann beginnen

Person mit kobinet-T-Shirt mit Blick auf den Reichstag
Person mit kobinet-T-Shirt mit Blick auf den Reichstag
Foto: Susanne Göbel

Berlin (kobinet) Den sommerlichen Temperaturen folgt herbstliches Wetter. Mit dem heutigen Eintritt in den Herbst fragen sich viele Menschen mit Behinderung, was der von Bundeskanzler Friedrich Merz angekündigte „Herbst der Reformen“ für sie bringen wird. Während der bereits für Mitte Juli 2025 zur Verbändeanhörung angekündigte Referentenentwurf für die Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) für mehr Barrierefreiheit – vor allem auch im privaten Bereich – in der Sommerhitze im Wirtschafts- und Innenministerium stecken geblieben ist, wird die derzeitige Diskussion hauptsächlich von Kürzungsvorschlägen im sozialen Bereich dominiert, wie die LIGA Selbstvertretung kritisiert.

REHACARE 2025: Internationale Vielfalt, KI und kritische Lücken

Sascha Lang vom IGEL-Podcast auf der REHACARE 2025
Sascha Lang vom IGEL-Podcast auf der REHACARE 2025
Foto: IGEL-Media

Düsseldorf (kobinet) Mit mehr als 34.000 Besucherinnen und Besuchern aus 88 Ländern und über 800 Ausstellenden aus 40 Nationen hat die REHACARE INTERNATIONAL 2025 erneut ihre Rolle als internationale Leitmesse für Rehabilitation, Prävention, Inklusion und Pflege unter Beweis gestellt. Auffällig war in diesem Jahr die starke Präsenz asiatischer Anbieter, die insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz, Robotik und digitaler Assistenzsysteme neue Maßstäbe setzten. Pflege- und Rehatechnik „Made in Asia“ prägte vielerorts das Bild der Messe.