Kassel
Lukas Hernicht hat eine Rede gehalten.
Das war am 27. September 2025.
Das war in Kassel.
Es gab eine Demo für Menschen mit Behinderung.
Die Demo heißt: Disability Pride Demo.
Lukas hat dort gesprochen.
Lukas nutzt einen Sprach-Computer.
Er spricht damit.
Ein Sprach-Computer ist ein Gerät.
Menschen drücken auf Tasten.
Oder sie drücken auf Bilder.
Dann spricht der Computer laut.
So können Menschen sprechen.
Lukas ist von der Gruppe jumemb.
Jumemb bedeutet: Selbst-Vertretung junger Menschen mit Behinderung.
Selbst-Vertretung bedeutet: Menschen sprechen für sich selbst.
Sie sagen ihre Meinung.
Sie entscheiden selbst.
Lukas hat eine Welt beschrieben.
In dieser Welt leben Menschen mit Behinderung gut.
Sie können selbst bestimmen.
Selbst bestimmen bedeutet: Man entscheidet für sich selbst.
Man braucht niemand anderen dafür.
Sie bekommen die Hilfe.
Diese Hilfe brauchen sie.
Menschen mit Sprach-Computer sprechen selten öffentlich.
Deshalb teilen wir seine Rede hier.
Lukas hat das erlaubt.
Rede von Lukas Hernicht
Die Rede war bei der Disability Pride Demo.
Das war am 27. September 2025.
Hallo alle.
Ich heiße Lukas.
Ich komme aus München.
Ich habe eine Zerebral-Parese.
Die habe ich von Geburt an.
Zerebral-Parese bedeutet: Das Gehirn ist verletzt.
Die Verletzung passiert vor der Geburt.
Oder bei der Geburt.
Deshalb können Menschen ihre Muskeln nicht gut steuern.
Das ist eine Behinderung.
Ich brauche Assistenz für alles.
Das ist in meinem Leben so.
Assistenz bedeutet: Eine Person hilft anderen Menschen.
Sie macht Sachen zusammen mit ihnen.
Das ist im Alltag so.
Ich kommuniziere mit Hilfe.
Kommunizieren bedeutet: Menschen geben Informationen weiter.
Ein Mensch spricht.
Der andere hört zu.
Ich nutze einen Sprach-Computer.
Ich habe eine schwere körperliche Behinderung.
Deshalb brauche ich gute Assistenten.
Nur so kann ich mit-machen.
Ich habe viel Ausgrenzung erlebt.
Ausgrenzung bedeutet: Menschen werden nicht mit-gemacht.
Andere lassen sie nicht dabei sein.
Sie dürfen nicht mit-machen.
Das ist nicht fair.
Das war in der Schul-Zeit.
Das war auch danach.
Ich durfte keine vertrauten Assistenten haben.
Das war in der Schule so.
Deshalb konnte ich keinen Abschluss machen.
Ich wurde auch nicht aufgenommen.
Das war in einer Werkstatt.
Das Leben für Menschen wie mich soll so sein:
Wir sitzen in Förder-Stätten.
Förder-Stätten sind besondere Arbeits-Plätze.
Dort arbeiten Menschen mit Behinderung.
Sie bekommen dort Hilfe.
Sie lernen dort neue Sachen.
Wir haben keine Assistenten.
Wir schauen anderen bei der Arbeit zu.
Wir schauen anderen beim Leben zu.
Das macht mir Angst.
Ich habe angefangen.
Ich zeige mich.
Ich erzähle anderen über mein Leben.
Ich erzähle von Selbst-Bestimmung.
Ich erzähle von meinen Wünschen.
So wurde ich Mitglied von jumemb.
In jumemb arbeiten Menschen mit Behinderung.
Sie vertreten ihre Interessen selbst.
Deshalb spreche ich heute vor euch.
Ich habe mir Gedanken gemacht.
Ich denke über eine Welt nach.
In dieser Welt können wir alle teil-haben.
In dieser Welt können Mund-Sprecher mich ansprechen.
Das sind Menschen.
Sie sprechen mit dem Mund.
Sie schauen mir in die Augen.
Sie warten.
Sie warten, bis ich antworte.
Ich antworte mit meiner Mimik.
Oder ich antworte mit dem Sprach-Computer.
Sie haben keine Angst vor Kontakt.
Sie können ihren Kindern erklären.
Sie erklären: Warum ich im Rollstuhl sitze.
Dann habe ich das Gefühl: Ich habe einen guten Platz.
Für die Umsetzung brauchen wir gute Assistenten.
Sie sollen bezahlt werden.
Das soll ohne rechtlichen Kampf sein.
Sie sollen ein gutes Gehalt bekommen.
Der Staat soll das bezahlen.
In dieser Wunsch-Welt können wir arbeiten.
Wir sind behinderte Menschen.
Wir arbeiten nach unseren Fähigkeiten.
Wir arbeiten nach unseren Träumen.
Wir arbeiten mit allen Menschen zusammen.
Wir bekommen die Unterstützung.
Diese brauchen wir.
Wir bekommen Geld für unsere Arbeit.
Von diesem Geld können wir leben.
Dafür werden wir auch ausgebildet.
Wir dürfen studieren.
Bildung muss selbst-verständlich sein.
Das gilt für behinderte Menschen.
Sie müssen nicht beweisen.
Sie müssen nicht mit Intelligenz-Tests beweisen.
Intelligenz-Tests sind besondere Aufgaben.
Menschen lösen dabei Rätsel und Fragen.
Die Tests zeigen: Wie gut kann jemand denken.
Experten nutzen die Tests.
Sie müssen nicht beweisen: Sie können lernen.
Die Schulen sollen so gestaltet werden:
Alle Kinder lernen zusammen.
Bildung zusammen macht das möglich:
Alle lernen voneinander.
Alle verstehen: Was jeder braucht.
Wissen bedeutet: Veränderung ist möglich.
Wir können zusammen die Welt verändern.
So ist Teil-habe möglich.
In dieser Welt können wir zusammen Spaß haben.
Das ist in der Frei-zeit.
Es gibt keine Grenzen.
Diese können wir nicht schaffen.
Zum Beispiel: Mit Rollstuhl bei einem Segel-Törn mit-fahren.
Ein Segel-Törn ist eine Reise.
Das ist mit einem Segel-Boot.
Das Boot fährt mit Wind-Kraft.
Die Reise dauert mehrere Tage.
Menschen machen das als Urlaub.
Unter dem Sternen-Himmel schlafen.
Die Fische im Meer beobachten.
Willkommen in einer gemeinsamen Welt!
Foto: ISL
Kassel (kobinet) "Willkommen in einer gemeinsamen Welt!" So lautet der Schlusssatz der Rede, die Lukas Hernicht am 27. September 2025 auf der Kundgebung der Disability Pride Demo in Kassel hielt. In der Rede, die Lukas Hernicht von der Selbstvertretung junger Menschen mit Behinderungen (jumemb) mittels eines Sprachcomputers hielt, skizziert er eine Welt, in der er mit seinem hohen Unterstützungsbedarf gleichberechtigt und selbstbestimmt mit der nötigen Assistenz leben kann. Da es nicht üblich ist, dass Menschen, die einen Talker zur Kommunikation nutzen, auf Kundgebungen zu Wort kommen, dokumentieren die kobinet-nachrichten im Folgenden die Rede von Lukas Hernicht, die dieser dankenswerterweise zur Veröffentlichung bereitgestellt hat.
Rede von Lukas Hernicht bei der Disability Pride Demo am 27. September 2025
Hallo alle. Ich heiße Lukas und komme aus München. Ich habe von Geburt an eine Zerebralparese und brauche Assistenz für alles in meinem Leben. Ich kommuniziere unterstützt mit Assistenz und einem Sprachcomputer. Aufgrund meiner schweren körperlichen Behinderung brauche ich gute Assistenten, um teilhaben zu können. Ich habe viel Ausgrenzung erlebt – in meiner Schulzeit und auch danach. Mit vertrauten Assistenten in der Schule zu lernen war nicht möglich, und so durfte ich keinen Abschluss machen und wurde auch nicht in einer Werkstatt aufgenommen. Das Leben für Menschen wie mich soll so verlaufen, dass wir in Förderstätten sitzen, ohne Assistenten, und den anderen bei ihrer Arbeit und ihrem Leben zuschauen. Das macht mir Angst, und ich habe angefangen, mich zu zeigen und anderen über mein Leben mit Selbstbestimmung und Wünschen zu erzählen. So wurde ich auch Mitglied der Gruppe Jumemb, in der Menschen mit Behinderung sich politisch engagieren und ihre Interessen selbst vertreten. Deshalb spreche ich heute vor euch. Ich habe mir Gedanken gemacht über eine Welt, wie sie aussieht, wenn wir alle voll daran teilhaben können.
In dieser Welt können Mundsprecher mich ansprechen und mir in die Augen schauen und warten, bis ich antworte – mit meiner Mimik oder meinem Sprachcomputer. Sie haben keine Angst vor Kontakt. Sie können ihren Kindern erklären, warum ich im Rollstuhl sitze. Dann habe ich das Gefühl, dass ich einen guten Platz zwischen ihnen habe. Zur Umsetzung brauchen wir gute Assistenten, die ohne rechtlichen Kampf mit gutem Gehalt vom Staat finanziert werden.
In dieser Wunschwelt können wir behinderten Menschen arbeiten – nach unseren Fähigkeiten und Träumen, mit allen Menschen zusammen, mit der Unterstützung, die wir dafür brauchen, und mit Geld für unsere Arbeit, von dem wir auch leben können. Dafür werden wir auch ausgebildet oder dürfen studieren. Bildung muss selbstverständlich sein für behinderte Menschen. Sie müssen auch nicht mit Intelligenztests nachweisen, dass sie lernen können. Die Schulen sollen so gestaltet werden, dass alle Kinder zusammen lernen dürfen. Bildung gemeinsam ermöglicht, dass alle voneinander lernen und verstehen, was jeder braucht. Wissen bedeutet, dass Veränderung möglich ist, und wir können zusammen die Welt verändern. So ist Teilhabe möglich. In dieser Welt können wir auch zusammen Spaß in der Freizeit haben, weil es keine Grenzen gibt, die wir nicht schaffen können – wie etwa mit Rollstuhl bei einem Segeltörn mitfahren und unter dem Sternenhimmel schlafen und die Fische im Meer beobachten. Willkommen in einer gemeinsamen Welt!
Foto: ISL
Kassel (kobinet) "Willkommen in einer gemeinsamen Welt!" So lautet der Schlusssatz der Rede, die Lukas Hernicht am 27. September 2025 auf der Kundgebung der Disability Pride Demo in Kassel hielt. In der Rede, die Lukas Hernicht von der Selbstvertretung junger Menschen mit Behinderungen (jumemb) mittels eines Sprachcomputers hielt, skizziert er eine Welt, in der er mit seinem hohen Unterstützungsbedarf gleichberechtigt und selbstbestimmt mit der nötigen Assistenz leben kann. Da es nicht üblich ist, dass Menschen, die einen Talker zur Kommunikation nutzen, auf Kundgebungen zu Wort kommen, dokumentieren die kobinet-nachrichten im Folgenden die Rede von Lukas Hernicht, die dieser dankenswerterweise zur Veröffentlichung bereitgestellt hat.
Rede von Lukas Hernicht bei der Disability Pride Demo am 27. September 2025
Hallo alle. Ich heiße Lukas und komme aus München. Ich habe von Geburt an eine Zerebralparese und brauche Assistenz für alles in meinem Leben. Ich kommuniziere unterstützt mit Assistenz und einem Sprachcomputer. Aufgrund meiner schweren körperlichen Behinderung brauche ich gute Assistenten, um teilhaben zu können. Ich habe viel Ausgrenzung erlebt – in meiner Schulzeit und auch danach. Mit vertrauten Assistenten in der Schule zu lernen war nicht möglich, und so durfte ich keinen Abschluss machen und wurde auch nicht in einer Werkstatt aufgenommen. Das Leben für Menschen wie mich soll so verlaufen, dass wir in Förderstätten sitzen, ohne Assistenten, und den anderen bei ihrer Arbeit und ihrem Leben zuschauen. Das macht mir Angst, und ich habe angefangen, mich zu zeigen und anderen über mein Leben mit Selbstbestimmung und Wünschen zu erzählen. So wurde ich auch Mitglied der Gruppe Jumemb, in der Menschen mit Behinderung sich politisch engagieren und ihre Interessen selbst vertreten. Deshalb spreche ich heute vor euch. Ich habe mir Gedanken gemacht über eine Welt, wie sie aussieht, wenn wir alle voll daran teilhaben können.
In dieser Welt können Mundsprecher mich ansprechen und mir in die Augen schauen und warten, bis ich antworte – mit meiner Mimik oder meinem Sprachcomputer. Sie haben keine Angst vor Kontakt. Sie können ihren Kindern erklären, warum ich im Rollstuhl sitze. Dann habe ich das Gefühl, dass ich einen guten Platz zwischen ihnen habe. Zur Umsetzung brauchen wir gute Assistenten, die ohne rechtlichen Kampf mit gutem Gehalt vom Staat finanziert werden.
In dieser Wunschwelt können wir behinderten Menschen arbeiten – nach unseren Fähigkeiten und Träumen, mit allen Menschen zusammen, mit der Unterstützung, die wir dafür brauchen, und mit Geld für unsere Arbeit, von dem wir auch leben können. Dafür werden wir auch ausgebildet oder dürfen studieren. Bildung muss selbstverständlich sein für behinderte Menschen. Sie müssen auch nicht mit Intelligenztests nachweisen, dass sie lernen können. Die Schulen sollen so gestaltet werden, dass alle Kinder zusammen lernen dürfen. Bildung gemeinsam ermöglicht, dass alle voneinander lernen und verstehen, was jeder braucht. Wissen bedeutet, dass Veränderung möglich ist, und wir können zusammen die Welt verändern. So ist Teilhabe möglich. In dieser Welt können wir auch zusammen Spaß in der Freizeit haben, weil es keine Grenzen gibt, die wir nicht schaffen können – wie etwa mit Rollstuhl bei einem Segeltörn mitfahren und unter dem Sternenhimmel schlafen und die Fische im Meer beobachten. Willkommen in einer gemeinsamen Welt!




