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Eindruck, dass Inklusion seitens der Politik nicht gewollt ist

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Uwe Heineker
Uwe Heineker
Foto: privat

Kassel (kobinet) Uwe Heineker engagiert sich schon seit über einem halben Jahrhundert in der Behindertenpolitik. Er kann sich mittlerweile des Eindrucks nicht mehr verwehren, dass Inklusion seitens der Politik - entgegen ihrer Inklusionsrhetorik - in Wirklichkeit nicht gewollt ist. Dies ist eine seiner Aussagen im Interview, das kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul mit ihm vor allem im Hinblick auf nicht erfolgende und seit langem geforderte Reformen im Werkstätten-System geführt hat.

kobinet-nachrichten: Sie sind schon seit vielen Jahren in der Behindertenbewegung aktiv. Welche Themen hat Sie dabei besonders beschäftigt?

Uwe Heineker: Es sind nicht Jahre – eher mittlerweile ein halbes Jahrhundert. Meine Themen waren und sind barrierefreier öffentlicher Personenverkehr sowie „Werkstätten“ für Menschen mit Behinderung.

kobinet-nachrichten: Vor zwei Jahren hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales eine Studie zum Entgelt in Werkstätten für behinderte Menschen und Alternativen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vorgelegt. Getan hat sich seither jedoch nichts. Wie schätzen Sie diese Entwicklung ein?

Uwe Heineker: Wegen meiner Erfahrung, wie rückblickend die Politik – egal welcher Couleur – das Thema angegangen ist – sehr pessimistisch: Deutschland kassierte 2015 und 2023 vom Prüfungsausschuss der Vereinten Nationen zur Umsetzung der Behindertenrechtskonvention zudem harsche Rügen und dessen handreichende Empfehlungen wurden einfach ignoriert. Stattdessen werden die Werkstätten mittlerweile als „inklusiv“ bezeichnet – was sie nicht sind – das ist eine nicht mehr verantwortbare Verwässerung des Inklusionsbegriffes! Meine Prophezeiung: die nächste Staatenprüfung 2031 wird genauso aussehen.

kobinet-nachrichten: Sie haben an einem Buch zur Situation in Sachen Inklusion und Werkstätten mitgeschrieben. Worum ging es dabei genau und wo kann man das Werk bestellen?

Uwe Heineker: Der Titel des Buches lautet: „Von Behinderung befreit – Inklusive Alternativen zur Sonderwelt bei Bildung, Arbeit und Wohnen“. Die bedenklichen Mängel an sozialer Inklusion beschreiben Fachleuten in diesem Buch aus eigenem Erleben. Zu ihnen gehören wissenschaftlich qualifizierte ExpertInnen mit jahrzehntelangen Praxiserfahrungen im Bildungs- und Sozialsektor, u.a. als Leitungsmitglieder in den „Werkstätten“. Ich selbst beschreibe meinen Bildungsweg und die historischen, sozialen und politischen Zusammenhänge, angefangen von der amtsärztlich attestierten „Bildungsunfähigkeit“ bis zum Hochschulabschluss als Diplom-Sozialarbeiter. Alle AutorInnen entwerfen konkrete Alternativen zu den zahlreichen deutschen Sondereinrichtungen. Link zur Bezugsquelle des Buches: https://www.amazon.de/Von-Behinderung-befreit-Alternativen-Sonderwelt/dp/3170450646?source=ps-sl-shoppingads-lpcontext&ref_=fplfs&psc=1&smid=A3JWKAKR8XB7XF&language=de_DE

kobinet-nachrichten: Wie schätzen Sie die derzeitigen Entwicklungen in der Behindertenpolitik in Deutschland ein?

Uwe Heineker: Ich sehe hier eher einen Rückstand anstatt eines Fortschritts. ich kann mich mittlerweile nicht des Eindrucks verwehren, dass Inklusion seitens der Politik – entgegen ihrer Inklusionsrhetorik – in Wirklichkeit nicht gewollt ist.

kobinet-nachrichten: Wenn Sie zwei Wünsche frei hätten, welche wären dies?

Uwe Heineker: Menschen mit Behinderung und ihre verbrieften Rechte ernst nehmen. Besagte Rechte ohne wenn und aber umsetzen – jetzt!

kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview.

Lesermeinungen

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1 Lesermeinung
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Uwe Heineker
29.08.2025 11:51

Ergänzende Anmerkung zum besagten Buch: es kann auch direkt beim Verlag bezogen werden https://shop.kohlhammer.de/von-behinderung-befreit-45064.html#147=19