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Nachgehakt II: BR-Radltour 2025 – „Positives Feedback“ ersetzt keine Informationspflicht

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Ein Mann in einen Anzug und Zylinder aus dem Letzte Jahrhundert stzeht bei seinem Hoch-Rad. Schwarz Weiß Foto
35 Jahre BR-Radltour – und immer noch mit Denkweisen von vorgestern!
Foto: Ralph Milewski

Fladungen (kobinet) Am 9. April 2025 veröffentlichte ich auf kobinet einen Beitrag über die fehlenden Standards zur Barrierefreiheit bei der BR-Radltour, einer der größten und traditionsreichsten Veranstaltungen des Bayerischen Rundfunks. In seiner Antwort erklärte der BR damals, man befinde sich noch in der Planungsphase und arbeite daran, Informationen zur Barrierefreiheit schnellstmöglich bereitzustellen. Heute, Ende August 2025, steht fest: Diese Zusage wurde nicht eingelöst. Bis zum Start der Radltour am 3. August gab es keinerlei veröffentlichte Informationen auf den Seiten des BR oder der Etappenorte.

Stattdessen verweist der BR nun auf angeblich positive Rückmeldungen von Teilnehmenden, ohne Belege vorzulegen und ohne seine Verantwortung für eine rechtzeitige und transparente Informationspolitik wahrzunehmen. Doch selbst wenn diese Rückmeldungen existieren sollten, entbindet das den Veranstalter nicht von der Pflicht, rechtzeitig vollständige Informationen zur Barrierefreiheit bereitzustellen. Diese Informationen sind keine freiwillige Zusatzleistung, sondern die Grundlage für selbstbestimmte Teilhabe.

Das Argument erinnert an eine Haltestelle ohne Fahrplan. Nur weil einige Fahrgäste zufällig die richtige Bahn erwischt haben und ihre Fahrt angenehm fanden, bedeutet das nicht, dass das Fehlen des Fahrplans kein Problem war. Auch bei der BR-Radltour bleibt das Fehlen klarer und frühzeitiger Informationen zur Barrierefreiheit ein strukturelles Versäumnis, unabhängig davon, wie viele Teilnehmende am Ende zufrieden waren.

Die BR-Radltour startete am 3. August 2025 in Bad Neustadt. Potenzielle Teilnehmende mussten sich selbst zusammensuchen, ob eine Teilnahme überhaupt möglich sein würde. Auch auf den offiziellen Seiten des Bayerischen Rundfunks und der Etappenorte gab es keinerlei Hinweise. Dass bis heute keine relevanten Informationen zugänglich sind, zeigt deutlich, dass diese auch nicht in die tatsächliche Planung eingeflossen sind. Die im April gemachten Zusicherungen des BR waren somit ohne Substanz.

Die Rückmeldung der Geschäftsstelle des Bayerischen Landesbeauftragten für die Belange von Menschen mit Behinderung fiel ebenfalls zurückhaltend aus. Zwar wurde anerkannt, dass die Informationslage unzureichend ist. Gleichzeitig verwies man darauf, die weiteren Planungen abwarten zu wollen. Diese Haltung vermittelt den Eindruck, als handele es sich um ein laufendes Experiment, obwohl die BR-Radltour seit 35 Jahren stattfindet und längst etablierte Standards bestehen müssten.

Das Kernproblem liegt darin, dass Verantwortung zwischen verschiedenen Ebenen verwischt wird. Der Bayerische Rundfunk verweist auf die Etappenorte, diese wiederum auf die Veranstaltungsorganisation, während die politische Begleitung sich auf Beobachtung beschränkt. Solange keine verbindlichen Vorgaben existieren, bleibt Barrierefreiheit eine freiwillige Zusatzleistung. Wer keine Standards definiert, muss auch keine einhalten.

Es ist zudem wichtig, zwischen zwei Ebenen zu unterscheiden. Erstens geht es um Informationen zur Barrierefreiheit. Diese müssen frühzeitig, vollständig und leicht zugänglich bereitgestellt werden, damit Betroffene selbstbestimmt entscheiden können, ob eine Teilnahme möglich ist. Zweitens geht es um die tatsächliche Umsetzung der Barrierefreiheit vor Ort. Beides hängt zusammen, erfordert aber unterschiedliche Planungs- und Kommunikationswege. Dass der Bayerische Rundfunk selbst für die Informationsbereitstellung keine verlässlichen Strukturen geschaffen hat, ist das eigentliche Versäumnis.

Die bisherigen Abläufe belegen, dass hier kein Einzelfall und kein Übergangsproblem vorliegt. Nach 35 Jahren BR-Radltour ist das Fehlen verbindlicher Informationsstandards zur Barrierefreiheit ein strukturelles Defizit. Der Bayerische Rundfunk hat es über Jahrzehnte versäumt, Verfahren zur frühzeitigen und transparenten Kommunikation aufzubauen. Dass diese Lücke auch 2025 unverändert fortbesteht, zeigt, dass das Problem nicht in einzelnen Planungsphasen liegt, sondern im System selbst.

Bleibt die Frage, wie es nun weitergeht. Wird der Bayerische Landesbeauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung nach dieser Korrespondenz tätig werden? Und wird der Bayerische Rundfunk endlich eine klare Stellungnahme abgeben oder sich erneut in unbelegten Behauptungen, abstrusen Entschuldigungen und unverbindlichen Beteuerungen verlieren und die Sache damit am Ende einfach abcanceln?

Disclaimer: Dieser Beitrag gibt ausschließlich die persönliche Meinung des Autors wieder und entspricht ggf. nicht der Haltung der Redaktion der kobinet-nachrichten.