Menschen mit Behinderung erleben manchmal schlechte Dinge auf Messen.
Das ist Anja Schneider aus Hannover passiert.
Sie war auf der REHACARE-Messe in Düsseldorf.
REHACARE bedeutet: Ein großer Markt für Hilfs-Mittel.
Dort zeigen Firmen neue Geräte für kranke Menschen.
Die Messe ist einmal im Jahr in Düsseldorf.
Anja Schneider braucht eine Liege zum Liegen.
Sie braucht auch einen Patienten-Lifter.
Patienten-Lifter bedeutet: Ein Gerät zum Heben von Menschen.
Der Lifter hilft beim Um-Setzen von kranken Menschen.
Pflege-Kräfte können Menschen damit sicher bewegen.
Vor der Messe hat sie gefragt:
Gibt es barriere-freie Toiletten?
Barriere-frei bedeutet: Ohne Hindernisse für Menschen mit Behinderung.
Die Antwort war: Ja gibt es.
Es gibt einen Container mit barriere-freien Toiletten.
Es gibt auch einen Wickel-Raum für Erwachsene.
Wickel-Raum bedeutet: Ein Raum zum Windel-Wechseln.
Dort können Menschen ihre Windeln wechseln.
Der Raum hat einen Wickel-Tisch und warmes Wasser.
Aber das war nicht wahr.
Anja Schneider kam in den Wickel-Raum.
Da war keine Toilette drin.
Die Patienten-Lifter hatten keinen Strom mehr.
Es gab auch keine Lade-Kabel.
Anja Schneider wollte Hilfe vom Malteser Medical-Service.
Malteser Medical-Service bedeutet: Helfer für kranke Menschen auf der Messe.
Aber sie haben ihr nicht geholfen.
Sie haben gesagt: Wir wollen nichts von deinen Problemen hören.
Andere Roll-Stuhl-Fahrer hatten auch Probleme.
Charlotte Zach ist eine Kollegin von Anja Schneider.
Sie war 4 Stunden auf der Messe.
Sie hat nur 1 barriere-freie Toilette gefunden.
Alle anderen Behinderten-WCs waren kaputt.
Vor der 1 Toilette war eine lange Schlange.
Charlotte Zach ist dann mit Hilfe auf eine normale Toilette gegangen.
Das können aber nicht alle Menschen mit Behinderung.
Anja Schneider konnte 15 Stunden lang nicht auf die Toilette gehen.
Jetzt hat sie Schmerzen im Unter-Leib.
Unter-Leib bedeutet: Der untere Teil vom Bauch.
Das kommt von dem langen Warten.
Anja Schneider fragt sich: Wie kann das sein?
Alle reden von Inklusion.
Inklusion bedeutet: Alle Menschen machen mit.
Niemand wird ausgeschlossen.
Menschen mit Behinderung sollen überall mit-machen können.
Aber auf dieser Messe gab es nicht mal Toiletten für Menschen mit Behinderung.

Foto: Anja Schneider
Düsseldorf / Hannover (kobinet) Nicht nur wer eine Reise tut, kann einiges erleben – bei behinderten Menschen trifft zuweilen auch der Spruch "Wer eine Messe besucht, kann einiges erleben" zu. So erging es zumindest Anja Schneider aus Hannover und einer ihrer Kolleginnen, als sie die diesjährige REHACARE in Düsseldorf besuchten. Eine Messe, von der man meinen dürfte, dass es kein Problem ist, barrierefreie Toiletten zu finden. "Wie kann Inklusion in aller Munde sein und wir Inklusion einfordern, wenn nicht einmal auf einer solchen Veranstaltung die absolut grundlegendsten Bedürfnisse eines Menschen gesichert sind?" Diese Frage stellt Anja Schneider zum Abschluss des Berichts über ihre Erfahrungen in Sachen Toilettennutzung während der REHACARE, den sie den kobinet-nachrichten zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt hat.
Bericht von Anja Schneider
Am 17.09.2025 fand die REHACARE statt. Als Person mit Mobilitätseinschränkung, die auf einen Patientenlifter und eine Liege angewiesen ist, bin ich es gewohnt, bei allen Veranstaltungen vorab die Gegebenheiten abzufragen. Dies habe ich auch für die REHACARE getan, obwohl man denken müsste, dass bei einer solchen Veranstaltung alle Bedarfe berücksichtigt würden. Durch diverse E-Mails konnte ich in Erfahrung bringen, dass es einen Container mit barrierefreien Toiletten gebe und ein „Wickelraum für Erwachsene“ vorhanden sei.
Als ich kurz vor Messeende den Raum mit einer Liege und einem Patientenlifter betrat, bemerkte ich zunächst, dass dieser Raum über keine Toilette verfügte und beide Patientenlifter nicht geladen waren. Auch Ladekabel waren nicht auffindbar! Dadurch hatte sich mein spontaner Notfallplan, wegen der fehlenden Toilette ins Waschbecken zu urinieren, erledigt! Der Malteser Medical-Service verweigerte mir seine Hilfe und gab mir zu verstehen, ich solle sie mit meinen Problemen nicht weiter behelligen.
Auf meiner Rückreise und im Nachhinein erfuhr ich von anderen Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrern, dass auch diese massive Probleme mit der Toilettensituation auf der REHACARE hatten.
So schilderte mir beispielsweise meine Kollegin Charlotte Zach, dass sie in den vier Stunden Aufenthalt nur eine funktionierende barrierefreie Toilette gefunden habe. In allen anderen Hallen waren die ausgeschilderten Behinderten-WCs defekt. Vor der einzig funktionierenden Toilette bildete sich eine entsprechend lange Schlange. Meine Kollegin entschied sich letztendlich dazu, mit Hilfe von Assistenz eine nicht barrierefreie Toilettenkabine zu nutzen, um nicht die ganze Messe zu verpassen. Diese Möglichkeit hatte meine Kollegin, doch viele andere sicher nicht.
Ich, Anja Schneider, habe noch heute mit gesundheitlichen Folgen, wie zum Beispiel Schmerzen im Unterleib, zu kämpfen, weil ich insgesamt 15 Stunden nicht auf eine Toilette gehen konnte.
Wie kann Inklusion in aller Munde sein und wir Inklusion einfordern, wenn nicht einmal bei einer solchen Veranstaltung die absolut grundlegendsten Bedürfnisse eines Menschen gesichert sind?

Foto: Anja Schneider
Düsseldorf / Hannover (kobinet) Nicht nur wer eine Reise tut, kann einiges erleben – bei behinderten Menschen trifft zuweilen auch der Spruch "Wer eine Messe besucht, kann einiges erleben" zu. So erging es zumindest Anja Schneider aus Hannover und einer ihrer Kolleginnen, als sie die diesjährige REHACARE in Düsseldorf besuchten. Eine Messe, von der man meinen dürfte, dass es kein Problem ist, barrierefreie Toiletten zu finden. "Wie kann Inklusion in aller Munde sein und wir Inklusion einfordern, wenn nicht einmal auf einer solchen Veranstaltung die absolut grundlegendsten Bedürfnisse eines Menschen gesichert sind?" Diese Frage stellt Anja Schneider zum Abschluss des Berichts über ihre Erfahrungen in Sachen Toilettennutzung während der REHACARE, den sie den kobinet-nachrichten zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt hat.
Bericht von Anja Schneider
Am 17.09.2025 fand die REHACARE statt. Als Person mit Mobilitätseinschränkung, die auf einen Patientenlifter und eine Liege angewiesen ist, bin ich es gewohnt, bei allen Veranstaltungen vorab die Gegebenheiten abzufragen. Dies habe ich auch für die REHACARE getan, obwohl man denken müsste, dass bei einer solchen Veranstaltung alle Bedarfe berücksichtigt würden. Durch diverse E-Mails konnte ich in Erfahrung bringen, dass es einen Container mit barrierefreien Toiletten gebe und ein „Wickelraum für Erwachsene“ vorhanden sei.
Als ich kurz vor Messeende den Raum mit einer Liege und einem Patientenlifter betrat, bemerkte ich zunächst, dass dieser Raum über keine Toilette verfügte und beide Patientenlifter nicht geladen waren. Auch Ladekabel waren nicht auffindbar! Dadurch hatte sich mein spontaner Notfallplan, wegen der fehlenden Toilette ins Waschbecken zu urinieren, erledigt! Der Malteser Medical-Service verweigerte mir seine Hilfe und gab mir zu verstehen, ich solle sie mit meinen Problemen nicht weiter behelligen.
Auf meiner Rückreise und im Nachhinein erfuhr ich von anderen Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrern, dass auch diese massive Probleme mit der Toilettensituation auf der REHACARE hatten.
So schilderte mir beispielsweise meine Kollegin Charlotte Zach, dass sie in den vier Stunden Aufenthalt nur eine funktionierende barrierefreie Toilette gefunden habe. In allen anderen Hallen waren die ausgeschilderten Behinderten-WCs defekt. Vor der einzig funktionierenden Toilette bildete sich eine entsprechend lange Schlange. Meine Kollegin entschied sich letztendlich dazu, mit Hilfe von Assistenz eine nicht barrierefreie Toilettenkabine zu nutzen, um nicht die ganze Messe zu verpassen. Diese Möglichkeit hatte meine Kollegin, doch viele andere sicher nicht.
Ich, Anja Schneider, habe noch heute mit gesundheitlichen Folgen, wie zum Beispiel Schmerzen im Unterleib, zu kämpfen, weil ich insgesamt 15 Stunden nicht auf eine Toilette gehen konnte.
Wie kann Inklusion in aller Munde sein und wir Inklusion einfordern, wenn nicht einmal bei einer solchen Veranstaltung die absolut grundlegendsten Bedürfnisse eines Menschen gesichert sind?




