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Politische Panzermänner und Panzerfrauen, wohin man sieht (II)

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Vorn ein Findling mit Inschrift Willis Blick, dahinter Bäume im Sonnenlicht im hellen Grün.
nimmt die Rückkehr der soldatischen Männlichkeit ins Visier.
Foto: Hubertus Thomasius

Staufen (kobinet) Und gleichzeitig fühlen sich zunehmend mehr Behinderte und andere besonders Vulnerable, Kinder und Alte schutzlos und verwundbar. Einem medialen Kriegsgetöse sondergleichen preisgegeben, dürften die meisten von ihnen keine Antwort haben auf die Frage: Was tun? Wie verhalten und wohin mit uns, insbesondere dann, "wenn der Krieg zu uns kommt", wie die politischen Panzermänner und Panzerfrauen dies als immer wahrscheinlicher beschwören? Werden Blinde mit ihren Stöcken, Gehbehinderte in ihren Rollstühlen draußen zu sehen sein, hastig unterwegs zu einem barrierefreien Schutzraum oder verzweifelt auf der Suche danach? Die Kampfdrohnen und Raketen bereits im Anflug.

Mit dieser Ungewissheit endete Hans-Willis Top-Nachricht der Woche vom vergangenen Freitag. Ungesagt blieb dabei, dass eines gewiss ist: Das politische Führungspersonal plagt jene Ungewissheit oder Sorge nicht. Seinen „fight for a continent that is whole and free and at peace“ (so von der Leyen) führt und befehligt es von einer sicheren Bunkeranlage aus. Nichts auf der Welt liegt denen dort, perfekt gepanzert, mehr am Herzen als unser aller Sicherheit, Freiheit und Frieden.

Die Rückkehr soldatischer Männlichkeit in Habitus und Rede

Wem dies ein wenig irreal vorkommt, liegt vielleicht nicht ganz falsch. Darauf deutet ein Gespräch hin, das die Wochenzeitung DIE ZEIT im Mai dieses Jahres mit dem Freiburger Kulturwissenschaftler Klaus Theweleit führte. Und das um die „Rückkehr der soldatischen Männlichkeit“ kreiste.

Ich zitiere Klaus Theweleit: „Die politischen Reden geschehen mit großer Selbstverständlichkeit im Irrealen.“ Soll heißen: Real ist das blutige Gemetzel des Krieges, die zerfetzten Körper und so weiter. Zitat: „Was Trump und Putin tun, wie die reden – ich zum Beispiel habe das nicht für möglich gehalten. Daraus folgt, dass wir nicht so tun sollten, als könnten wir das alles, was um uns herum abläuft, verstehen und erklären wie den Lauf von Billardkugeln.“ Wie Theweleit bei Trump und Putin, so erkenne ich auch im Gestus der von der Leyen-Rede und in der Pose flankierender Stellungnahmen von NATO-Generalsekretär Mark Rutte, EU-Kommissar Manfred Weber und anderen „das Auftrumpfen einer bestimmten Art von gewalttätiger Männlichkeit“. Als „Panzermenschen“ hat Theweleit diesen Typus in seinem Standardwerk „Männerphantasien“ charakterisiert. – „Ohne massive Gewaltanwendung könne man auch nicht friedlich sein, sage beispielsweise auch Elon Musk.“ „So wie der Körpertyp, um den es sich hier handelt, behauptet, aus Notwehr zu handeln, weil der Rest der Welt ihm den Platz zum Leben nimmt und seine Körperlichkeit zu zerstören droht. Sein Körper droht ständig zu fragmentieren, wogegen er sich zu panzern versucht. Seine Daseinsweise ist Gewalt.“

Soweit die Worte des psychoanalytisch auf die bizarre Szenerie blickenden Theweleit. Wir alle wissen, was an dieser Stelle folgt: Der Einwand nämlich, aber Putin hat mit der Gewalt angefangen, er hat mich als Erster gehauen und ich wehre mich bloß. – Willkommen im politischen Kindergarten, wo der seelische Primitivismus ungehemmt ausagiert wird und die infantilen Reaktionsweisen als Sicherheitspolitik durchgehen.

Noch einmal Theweleit: „Furchtbar, diese Männer und auch Frauen, die aus ihren Talkshow-Sesseln heraus Waffen und Bomben fordern. So zu sprechen finde ich, um es freundlich zu sagen, gedankenlos.“ – Ich halte fest: Mit gedankenlosem Geplapper aufzuhören, dies wäre wohl ein erster Schritt, durch den ich mich nicht meinerseits weiter auf den Abgrund zubewege.

Lesermeinungen

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Silvia Hauser
20.09.2025 11:11

In meinem Ohr höre ich schon das „Ja, aber“: Ja, aber wenn du dich nicht wehren willst gegen Putin usw., was ist statt dessen deine Lösung? – Wenn ich mich nicht bewaffnet gegen Putin wehre, so wehre ich mich jedoch verbal gegen dieses zwanghafte Lösungsorientiert-Sein-Müssen. Zumal, wenn mir eine Lösung abverlangt wird, für all den Mist den die „große Politik“ angerichtet hat. So größenwahnsinnig bin ich nicht, dass ich mir anmaße, ihnen nun die Lösung zu servieren, wie wir aus dem Schlamassel, den sie angerichtet hat, wieder herauskommen.

So ähnlich sieht das wohl auch Theweleit, ich zitiere ihn noch einmal. Er spricht von den Widersprüchen, in denen wir alle feststecken:“Ich kann sagen, ich bin absolut gegen den Krieg. Was Putin tut, wird an dieser Haltung nichts ändern. Trotzdem hat die Ukraine natürlich das Recht, sich zu wehren und sie braucht Waffen dafür … das widerstrebt vollkommen dem, was ich als absoluter Kriegsgegner denke. Ich gehe aber deshalb nicht auf die Straße und halte Transparente hoch …. passiver Widerstand zum Beispiel wurde nicht einmal erwogen. Solche Gemengelagen sind voller Widersprüche, sie sind nicht mit irgendeiner Logik auflösbar.“

Sich die eigene Ohnmacht eingestehen, wäre ein erster Schritt, um das uns mit Tod und Massenvernichtung bedrohende Chaos nicht selber aktiv mit zu befördern, in das sich eine irrationale Politik hieingeritten hat.
Hans-Willi Weis