Staufen (kobinet)
Immer mehr Menschen mit Behinderung haben Angst.
Auch ältere Menschen haben Angst.
Auch Kinder haben Angst.
Sie fühlen sich nicht geschützt.
In den **Medien** wird viel über Krieg geredet.
**Medien** bedeutet: Alle Mittel für Nachrichten.
Zum Beispiel: Zeitung, Radio und Fernsehen.
Auch das Internet gehört dazu.
Das macht den Menschen Angst.
Sie wissen nicht: Was sollen wir tun?
Wo können wir uns verstecken?
Politiker sagen: Der Krieg kann auch zu uns kommen.
Sie sagen das immer öfter.
Aber was passiert dann mit Menschen mit Behinderung?
Werden blinde Menschen mit ihren Stöcken auf der Straße sein?
Werden Menschen im **Roll-Stuhl** schnell fahren können?
Sie suchen dann einen **Schutz-Raum**.
Aber viele **Schutz-Räume** sind nicht **barriere-frei**.
**Barriere-frei** bedeutet: Menschen mit Behinderung können diese Räume gut nutzen.
Die Menschen haben große Angst vor Raketen.
Sie haben Angst vor **Kampf-Drohnen**.
**Kampf-Drohnen** bedeutet: Das sind Flug-Geräte ohne Pilot.
Sie können Waffen tragen.
Menschen steuern sie vom Boden aus.
Hans-Willi hat das letzte Woche geschrieben.
Er hat gesagt: Die Politiker haben keine Angst.
Sie sind in sicheren **Bunkern**.
**Bunker** bedeutet: Ein sehr starkes Gebäude.
Er schützt Menschen vor Gefahr.
Die Wände sind sehr dick.
Die Politiker reden von Sicherheit und Frieden.
Aber sie sind selbst gut geschützt.
Politiker reden wie Soldaten
Ein **Kultur-Wissenschaftler** heißt Klaus Theweleit.
**Kultur-Wissenschaftler** bedeutet: Menschen, die das Leben von anderen Menschen erforschen.
Sie schauen: Wie leben Menschen zusammen?
Welche Gewohnheiten haben sie?
Er arbeitet in Freiburg.
Die Zeitung DIE ZEIT hat mit ihm geredet.
Das war im Mai.
Klaus Theweleit sagt: Politiker reden nicht über die **Wirklichkeit**.
**Wirklichkeit** bedeutet: Alles was wahr ist.
Es ist das echte Leben.
Es ist nicht erfunden.
In Wirklichkeit sterben Menschen im Krieg.
Menschen werden verletzt.
Körper werden kaputt gemacht.
Theweleit sagt: Trump und Putin reden sehr komisch.
Ich hätte das nicht gedacht.
Wir können nicht alles verstehen.
Wir können nicht alles erklären.
Auch von der Leyen redet wie ein Soldat.
Auch andere Politiker reden so.
Zum Beispiel Mark Rutte von der **NATO**.
**NATO** bedeutet: Das ist eine Gruppe von Ländern.
Sie helfen sich bei der Sicherheit.
Zum Beispiel Manfred Weber von der **EU**.
**EU** bedeutet: Eine Gruppe von 27 Ländern in Europa.
Sie arbeiten zusammen.
Sie reden mit Gewalt.
Theweleit nennt diese Menschen **Panzer-Menschen**.
**Panzer-Menschen** bedeutet: Menschen mit sehr harter Haut.
Sie zeigen keine Gefühle nach außen.
Sie schützen sich vor Verletzungen.
Er hat ein Buch darüber geschrieben.
Das Buch heißt Männer-Phantasien.
Elon Musk sagt auch: Man braucht Gewalt für den Frieden.
Diese Menschen haben Angst vor ihrem eigenen Körper.
Sie denken: Ihr Körper geht kaputt.
Deshalb wollen sie einen Panzer um sich.
Sie denken nur an Gewalt.
Viele Menschen sagen dann: Aber Putin hat angefangen.
Putin hat zuerst geschlagen.
Wir wehren uns nur.
Das ist wie im **Kinder-Garten**.
Da sagen Kinder auch: Der andere hat angefangen.
Aber das ist keine gute Politik für Erwachsene.
Theweleit sagt: Diese Männer und Frauen sitzen in **Talk-Shows**.
**Talk-Shows** bedeutet: Das sind Fernseh-Sendungen zum Sprechen.
Ein Moderator spricht mit verschiedenen Gästen.
Die Gäste erzählen ihre Geschichten.
Sie fordern Waffen und Bomben.
Das finde ich **gedanken-los**.
Wir sollten aufhören mit diesem Gerede.
Dann gehen wir nicht weiter in Richtung Gefahr.

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) Und gleichzeitig fühlen sich zunehmend mehr Behinderte und andere besonders Vulnerable, Kinder und Alte schutzlos und verwundbar. Einem medialen Kriegsgetöse sondergleichen preisgegeben, dürften die meisten von ihnen keine Antwort haben auf die Frage: Was tun? Wie verhalten und wohin mit uns, insbesondere dann, "wenn der Krieg zu uns kommt", wie die politischen Panzermänner und Panzerfrauen dies als immer wahrscheinlicher beschwören? Werden Blinde mit ihren Stöcken, Gehbehinderte in ihren Rollstühlen draußen zu sehen sein, hastig unterwegs zu einem barrierefreien Schutzraum oder verzweifelt auf der Suche danach? Die Kampfdrohnen und Raketen bereits im Anflug.
Mit dieser Ungewissheit endete Hans-Willis Top-Nachricht der Woche vom vergangenen Freitag. Ungesagt blieb dabei, dass eines gewiss ist: Das politische Führungspersonal plagt jene Ungewissheit oder Sorge nicht. Seinen „fight for a continent that is whole and free and at peace“ (so von der Leyen) führt und befehligt es von einer sicheren Bunkeranlage aus. Nichts auf der Welt liegt denen dort, perfekt gepanzert, mehr am Herzen als unser aller Sicherheit, Freiheit und Frieden.
Die Rückkehr soldatischer Männlichkeit in Habitus und Rede
Wem dies ein wenig irreal vorkommt, liegt vielleicht nicht ganz falsch. Darauf deutet ein Gespräch hin, das die Wochenzeitung DIE ZEIT im Mai dieses Jahres mit dem Freiburger Kulturwissenschaftler Klaus Theweleit führte. Und das um die „Rückkehr der soldatischen Männlichkeit“ kreiste.
Ich zitiere Klaus Theweleit: „Die politischen Reden geschehen mit großer Selbstverständlichkeit im Irrealen.“ Soll heißen: Real ist das blutige Gemetzel des Krieges, die zerfetzten Körper und so weiter. Zitat: „Was Trump und Putin tun, wie die reden – ich zum Beispiel habe das nicht für möglich gehalten. Daraus folgt, dass wir nicht so tun sollten, als könnten wir das alles, was um uns herum abläuft, verstehen und erklären wie den Lauf von Billardkugeln.“ Wie Theweleit bei Trump und Putin, so erkenne ich auch im Gestus der von der Leyen-Rede und in der Pose flankierender Stellungnahmen von NATO-Generalsekretär Mark Rutte, EU-Kommissar Manfred Weber und anderen „das Auftrumpfen einer bestimmten Art von gewalttätiger Männlichkeit“. Als „Panzermenschen“ hat Theweleit diesen Typus in seinem Standardwerk „Männerphantasien“ charakterisiert. – „Ohne massive Gewaltanwendung könne man auch nicht friedlich sein, sage beispielsweise auch Elon Musk.“ „So wie der Körpertyp, um den es sich hier handelt, behauptet, aus Notwehr zu handeln, weil der Rest der Welt ihm den Platz zum Leben nimmt und seine Körperlichkeit zu zerstören droht. Sein Körper droht ständig zu fragmentieren, wogegen er sich zu panzern versucht. Seine Daseinsweise ist Gewalt.“
Soweit die Worte des psychoanalytisch auf die bizarre Szenerie blickenden Theweleit. Wir alle wissen, was an dieser Stelle folgt: Der Einwand nämlich, aber Putin hat mit der Gewalt angefangen, er hat mich als Erster gehauen und ich wehre mich bloß. – Willkommen im politischen Kindergarten, wo der seelische Primitivismus ungehemmt ausagiert wird und die infantilen Reaktionsweisen als Sicherheitspolitik durchgehen.
Noch einmal Theweleit: „Furchtbar, diese Männer und auch Frauen, die aus ihren Talkshow-Sesseln heraus Waffen und Bomben fordern. So zu sprechen finde ich, um es freundlich zu sagen, gedankenlos.“ – Ich halte fest: Mit gedankenlosem Geplapper aufzuhören, dies wäre wohl ein erster Schritt, durch den ich mich nicht meinerseits weiter auf den Abgrund zubewege.

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) Und gleichzeitig fühlen sich zunehmend mehr Behinderte und andere besonders Vulnerable, Kinder und Alte schutzlos und verwundbar. Einem medialen Kriegsgetöse sondergleichen preisgegeben, dürften die meisten von ihnen keine Antwort haben auf die Frage: Was tun? Wie verhalten und wohin mit uns, insbesondere dann, "wenn der Krieg zu uns kommt", wie die politischen Panzermänner und Panzerfrauen dies als immer wahrscheinlicher beschwören? Werden Blinde mit ihren Stöcken, Gehbehinderte in ihren Rollstühlen draußen zu sehen sein, hastig unterwegs zu einem barrierefreien Schutzraum oder verzweifelt auf der Suche danach? Die Kampfdrohnen und Raketen bereits im Anflug.
Mit dieser Ungewissheit endete Hans-Willis Top-Nachricht der Woche vom vergangenen Freitag. Ungesagt blieb dabei, dass eines gewiss ist: Das politische Führungspersonal plagt jene Ungewissheit oder Sorge nicht. Seinen „fight for a continent that is whole and free and at peace“ (so von der Leyen) führt und befehligt es von einer sicheren Bunkeranlage aus. Nichts auf der Welt liegt denen dort, perfekt gepanzert, mehr am Herzen als unser aller Sicherheit, Freiheit und Frieden.
Die Rückkehr soldatischer Männlichkeit in Habitus und Rede
Wem dies ein wenig irreal vorkommt, liegt vielleicht nicht ganz falsch. Darauf deutet ein Gespräch hin, das die Wochenzeitung DIE ZEIT im Mai dieses Jahres mit dem Freiburger Kulturwissenschaftler Klaus Theweleit führte. Und das um die „Rückkehr der soldatischen Männlichkeit“ kreiste.
Ich zitiere Klaus Theweleit: „Die politischen Reden geschehen mit großer Selbstverständlichkeit im Irrealen.“ Soll heißen: Real ist das blutige Gemetzel des Krieges, die zerfetzten Körper und so weiter. Zitat: „Was Trump und Putin tun, wie die reden – ich zum Beispiel habe das nicht für möglich gehalten. Daraus folgt, dass wir nicht so tun sollten, als könnten wir das alles, was um uns herum abläuft, verstehen und erklären wie den Lauf von Billardkugeln.“ Wie Theweleit bei Trump und Putin, so erkenne ich auch im Gestus der von der Leyen-Rede und in der Pose flankierender Stellungnahmen von NATO-Generalsekretär Mark Rutte, EU-Kommissar Manfred Weber und anderen „das Auftrumpfen einer bestimmten Art von gewalttätiger Männlichkeit“. Als „Panzermenschen“ hat Theweleit diesen Typus in seinem Standardwerk „Männerphantasien“ charakterisiert. – „Ohne massive Gewaltanwendung könne man auch nicht friedlich sein, sage beispielsweise auch Elon Musk.“ „So wie der Körpertyp, um den es sich hier handelt, behauptet, aus Notwehr zu handeln, weil der Rest der Welt ihm den Platz zum Leben nimmt und seine Körperlichkeit zu zerstören droht. Sein Körper droht ständig zu fragmentieren, wogegen er sich zu panzern versucht. Seine Daseinsweise ist Gewalt.“
Soweit die Worte des psychoanalytisch auf die bizarre Szenerie blickenden Theweleit. Wir alle wissen, was an dieser Stelle folgt: Der Einwand nämlich, aber Putin hat mit der Gewalt angefangen, er hat mich als Erster gehauen und ich wehre mich bloß. – Willkommen im politischen Kindergarten, wo der seelische Primitivismus ungehemmt ausagiert wird und die infantilen Reaktionsweisen als Sicherheitspolitik durchgehen.
Noch einmal Theweleit: „Furchtbar, diese Männer und auch Frauen, die aus ihren Talkshow-Sesseln heraus Waffen und Bomben fordern. So zu sprechen finde ich, um es freundlich zu sagen, gedankenlos.“ – Ich halte fest: Mit gedankenlosem Geplapper aufzuhören, dies wäre wohl ein erster Schritt, durch den ich mich nicht meinerseits weiter auf den Abgrund zubewege.





In meinem Ohr höre ich schon das „Ja, aber“: Ja, aber wenn du dich nicht wehren willst gegen Putin usw., was ist statt dessen deine Lösung? – Wenn ich mich nicht bewaffnet gegen Putin wehre, so wehre ich mich jedoch verbal gegen dieses zwanghafte Lösungsorientiert-Sein-Müssen. Zumal, wenn mir eine Lösung abverlangt wird, für all den Mist den die „große Politik“ angerichtet hat. So größenwahnsinnig bin ich nicht, dass ich mir anmaße, ihnen nun die Lösung zu servieren, wie wir aus dem Schlamassel, den sie angerichtet hat, wieder herauskommen.
So ähnlich sieht das wohl auch Theweleit, ich zitiere ihn noch einmal. Er spricht von den Widersprüchen, in denen wir alle feststecken:“Ich kann sagen, ich bin absolut gegen den Krieg. Was Putin tut, wird an dieser Haltung nichts ändern. Trotzdem hat die Ukraine natürlich das Recht, sich zu wehren und sie braucht Waffen dafür … das widerstrebt vollkommen dem, was ich als absoluter Kriegsgegner denke. Ich gehe aber deshalb nicht auf die Straße und halte Transparente hoch …. passiver Widerstand zum Beispiel wurde nicht einmal erwogen. Solche Gemengelagen sind voller Widersprüche, sie sind nicht mit irgendeiner Logik auflösbar.“
Sich die eigene Ohnmacht eingestehen, wäre ein erster Schritt, um das uns mit Tod und Massenvernichtung bedrohende Chaos nicht selber aktiv mit zu befördern, in das sich eine irrationale Politik hieingeritten hat.
Hans-Willi Weis