Kassel (kobinet)
Vor 2 Jahren hat Ottmar Miles-Paul ein Buch geschrieben.
Das Buch heißt: Zündeln an den Strukturen.
Es ist ein Roman.
Das ist ein dickes Buch mit einer erfundenen Geschichte.
In der Geschichte brennt eine Werk-Statt ab.
Werk-Stätten sind Arbeits-Plätze für Menschen mit Behinderung.
Helen Weber und ihre Freunde haben das Feuer gelegt.
Das Buch zeigt: Was passiert ohne Werk-Stätten?
Können Menschen mit Behinderung dann besser arbeiten?
Hartmut Smikac hat mit Ottmar Miles-Paul geredet.
Sie sprachen über das Buch.
Sie sprachen auch über Veränderungen bei Werk-Stätten.
Das Budget für Arbeit ist eine Alternative.
Menschen mit Behinderung bekommen Geld vom Staat.
Mit dem Geld können sie normale Jobs machen.
Sie haben etwas Neues gemacht.
Früher schrieben Sie nur Nach-Richten.
Dann haben Sie einen Roman geschrieben.
Warum haben Sie das gemacht?
Ich habe lange überlegt.
Soll ich einen Roman schreiben?
Ich wollte wichtige Bot-Schaften vermitteln.
Es geht um bessere Arbeits-Plätze.
Menschen mit Behinderung sollen nicht ausgegrenzt werden.
Ich habe viele Gespräche über Werk-Stätten gehört.
Die Gespräche waren oft sehr theoretisch.
Etwas ist möglich.
Aber es ist noch nicht passiert.
Es ist nur eine Idee.
Die Menschen mit Behinderung kamen nicht vor.
Ihre Wünsche und Träume waren unwichtig.
Es ging nur um Zahlen und Geld.
Ich kenne viele Menschen aus Werk-Stätten.
Ihre Sicht war mir wichtig.
Viele sind nicht zufrieden in den Werk-Stätten.
Deshalb habe ich den Roman geschrieben.
Was passierte nach der Ver-Öffentlichung?
Etwas bekannt machen.
Dann können alle Menschen das lesen.
Das Timing war perfekt.
Kurz nach dem Buch gab es Kritik an Deutschland.
Das war bei einer UN-Prüfung in Genf.
Die Vereinten Nationen prüfen ein Land.
Sie schauen: Hält sich das Land an wichtige Regeln?
Deutschland hat keine Strategie für bessere Arbeits-Plätze.
Das ist ein Plan.
Man überlegt sich: Was will ich erreichen?
Menschen sollen von Werk-Stätten wegkommen.
Dann kamen schockierende Zahlen heraus.
Das Bundes-Ministerium veröffentlichte eine Studie.
Das ist ein Amt in Deutschland.
Dort arbeiten Menschen für die Regierung.
Das ist eine Unter-Suchung.
Menschen wollen etwas genau wissen.
Menschen in Werk-Stätten verdienen nur 226 Euro im Monat.
Nur 0,35 Prozent kommen auf den normalen Arbeits-Markt.
Über 45.000 Betriebe beschäftigen keine Menschen mit Behinderung.
Sie zahlen lieber eine Strafe.
Das zeigt das Problem deutlich.
Welche Rolle spielte der Roman dabei?
Der Roman war ein guter Auf-Hänger.
So konnte ich über die Probleme sprechen.
Die Aus-Grenzung wurde öffentlich diskutiert.
Die schlechte Bezahlung auch.
Bis Ende 2024 habe ich über 20 Lesungen gemacht.
Das war in Deutschland, Luxemburg und Österreich.
Die Diskussionen waren spannend.
Viele Menschen wollen inklusive Arbeits-Plätze.
Das Thema war wichtig.
Die Bundes-Regierung wollte Reformen machen.
Aber die Koalition ist zerbrochen.
Deshalb passierte nichts.
Viele Leser wussten nichts von den Problemen.
Sie kannten die schlechte Bezahlung nicht.
Sie wussten nicht von der schlechten Behandlung.
Das hat neue Aktivitäten ausgelöst.
Aber nicht alle waren erfolgreich.
Was macht die Lobby genau?
Das ist eine Gruppe von Menschen.
Die Menschen wollen etwas erreichen.
Das Bundes-Ministerium wollte Reformen.
Es gab einen Dialog-Prozess.
Menschen reden miteinander.
Sie suchen gemeinsam nach Lösungen.
Aber der Schwung ging verloren.
Am Ende passierte nichts.
Die Werk-Stätten-Lobby war sehr aktiv.
Sie haben massiv Druck gemacht.
Den Werk-Statt-Beschäftigten wurde Angst gemacht.
Man sagte ihnen: Die Bösen wollen eure Werk-Statt schließen.
Dann habt ihr gar nichts mehr.
So verteidigten sie das schlechte System.
Die Lobby hatte sogar Erfolg.
Im neuen Koalitions-Vertrag steht etwas Schlechtes.
Das ist ein Vertrag zwischen Parteien.
Die Parteien arbeiten dann zusammen.
Werk-Stätten sollen wieder Geld aus der Ausgleichs-Abgabe bekommen.
Firmen müssen Menschen mit Behinderung einstellen.
Oder sie zahlen eine Strafe.
Wilfried Oellers von der CDU hat das durchgesetzt.
Er ist auch bei der Lebenshilfe aktiv.
Das ist schlecht.
Die Ausgleichs-Abgabe soll normale Arbeits-Plätze fördern.
Nicht die Werk-Stätten.
Wie waren die Reaktionen bei den Lesungen?
Das hat viel Spaß gemacht.
Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich.
Wir sprachen über die Roman-Figuren.
Wir sprachen auch über das Thema.
Manche kritisierten das Ab-Fackeln von Werk-Stätten.
Das ist keine Lösung.
Das wissen auch die Roman-Figuren.
Aber es half beim Nach-Denken.
Was kann man wirklich tun?
Das Budget für Arbeit spielt eine wichtige Rolle.
Dazu gab es viele Fragen.
Am spannendsten waren die eigenen Erfahrungen.
Teil-Nehmer erzählten von ihren Initiativen.
Das brachte viele Lösungs-Ansätze.
Sie haben Ende 2024 eine Pause gemacht.
Was kommt jetzt?
Die Reiserei war anstrengend.
Ich brauchte eine Pause.
Eine Reform des Werk-Stätten-Systems wird es nicht geben.
Jedenfalls nicht bald.
Aber es gibt neue Hoffnung.
Im Herbst mache ich wieder Lesungen.
Das ist in Oldenburg in Holstein.
Auch in Schwabach bei Nürnberg.
Und in Darmstadt.
Sabine Lohner ist wieder dabei.
Sie ist meine Vorlese-Assistentin.
Sie kann auch im Dunkeln lesen.
Sie ist blind und liest Braille-Schrift.
Das sind Punkte zum Fühlen mit den Fingern.
Blinde Menschen können so lesen.
Und es kommt ein neuer Roman.
Der ist schon fast fertig.
Ein neuer Roman?
War der erste Roman kein Einzel-Fall?
Ich habe lange überlegt.
Soll ich noch einen Roman schreiben?
Das bedeutet wieder lange Nächte am Computer.
Dann hatte ich eine Idee.
Vor allem haben mich die Fragen der Leser motiviert.
Wie geht es mit Helen Weber weiter?
Was passiert mit der Ent-Hinderungs-Gruppe?
Bekommen sie Jobs auf dem normalen Arbeits-Markt?
Wie entwickelt sich die Inklusion in Deutschland?
Diese Fragen kamen immer wieder.
Die Leser wollten eine Fort-Setzung.
Darauf darf man gespannt sein.
Gibt es schon einen Titel?
Wann kommt der neue Roman?
Der Titel steht fest.
Er heißt: Ich will raus.
Wer mich kennt, kann sich etwas denken.
Aber das Buch muss noch korrigiert werden.
Es braucht ein Cover und anderes.
Ich denke, der Roman ist im Oktober fertig.
Vielleicht auch im November 2025.
Die österreichische Online-Bibliothek bidok soll wieder mitmachen.
Das ist eine Internet-Bibliothek aus Österreich.
Dort kann man Bücher kostenlos herunterladen.
Dann kann man den Roman kostenlos herunterladen.
17 Euro für ein Buch ist viel Geld für manche Menschen.
Wie kann man informiert bleiben?
Ich schlage vor: Lest die kobinet-nachrichten.
Mit Glück berichten sie über den neuen Roman.
Oder schickt mir eine E-Mail.
Dann nehme ich euch in einen Ver-Teiler auf.
Das ist eine Liste mit E-Mail-Adressen.
Alle Menschen auf der Liste bekommen die gleiche Nach-Richt.
Vielen Dank für das Gespräch.
Viel Erfolg mit dem zweiten Roman.
Und viel Erfolg bei den nächsten Lesungen.
Die E-Mail geht an: [email protected]

Foto: LB Bremen
Kassel (kobinet) Vor zwei Jahren, Ende August 2023, hat Ottmar Miles-Paul seinen ersten Roman mit dem Titel "Zündeln an den Strukturen" veröffentlicht. Mit der fiktiven Geschichte der Brandstiftung von Helen Weber und ihren Freunden am Werkstattgebäude öffnet er mit dem Werk den Blick dafür, welche Entwicklungen es für einen inklusiveren Arbeitsmarkt geben könnte, wenn es keine Werkstatt in der Stadt mehr gäbe. kobinet-Redakteur Hartmut Smikac sprach mit dem Romanautor über sein Werk, aber vor allem darüber, was sich in den zwei Jahren seit dessen Veröffentlichung in Sachen Reform des Werkstättensystems und für die Nutzung des Budget für Arbeit als Alternative zur Werkstatt getan hat.
Hartmut Smikac: Vor zwei Jahren haben Sie Neuland betreten. Vom Schreiben von Nachrichten, Presseerklärungen und Fachartikeln haben Sie sich auf die literarische Bühne mit der Veröffentlichung Ihres Reportage-Romans „Zündeln an den Strukturen“ begeben. Wie kam es dazu?
Ottmar Miles-Paul: Ja, ich hatte damals lange überlegt, ob ich den Sprung vom Nachrichtenschreiber zum Roman-Autor wagen sollte. Da ich die Botschaften, die ich für einen inklusiveren Arbeitsmarkt statt der Ausgrenzung in Werkstätten für behinderte Menschen neben der Geschichte im Roman nicht ganz beiseite lassen konnte, ist dabei das Formal des Reportage-Roman herausgekommen. Anlaß für das Schreiben des Romans war, dass ich sehr viele Diskussionen zum Werkstättensystem geführt und verfolgt hatte. Dabei ging es meist recht theoretisch und abgehoben zu. Die behinderten Menschen selbst, ihre Träume, Wünsche und Möglichkeiten spielten dabei meist keine Rolle. Es ging um Vermittlungsquoten und zunehmend auch um das durchschnittliche Werkstattentgelt. Da ich im Laufe meines behindertenpolitischen Engagements aber viele behinderte Menschen aus Werkstätten kennenlernen durfte, kam mir die Perspektive der Menschen, die in diesem System arbeiten bzw. kaum Chancen auf Veränderungen haben, viel zu kurz. Und so haute ich in die Tasten und habe den Roman geschrieben. Denn dieser handelt vor allem von behinderten Menschen, die in der Werkstatt für behinderte Menschen nicht zufrieden sind.
Hartmut Smikac: Den Roman konnten Sie dann veröffentlichen und was passierte dann?
Ottmar Miles-Paul: Der Roman kam tatsächlich genau zur rechten Zeit. Kurz nach der Veröffentlichung gab es für Deutschland eine kräftige Klatsche bei der Staatenprüfung Ende August 2023 in Genf zur UN-Behindertenrechtskonvention. Deutschland wurde heftig dafür kritisiert, dass es beispielsweise keine Strategie zum Übergang von Werkstätten auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gibt. Und kurz darauf wurden dann auch konkrete Zahlen einer vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales veröffentlichten Studie zum Werkstattentgelt und zu den Vermittlungsquoten auf den allgemeinen Arbeitsmarkt veröffentlicht. Selbst meine Romanfiguren waren von diesen Fakten entsetzt: Nur 226 Euro pro Monat Durchschnittslohn gibt es in den Werkstätten und eine Vermittlungsquote von 0,35 Prozent ist kaum zu unterbieten. Mehr braucht man über dieses Werkstätten-System, aber auch über viele Arbeitgeber*innen in Deutschland nicht zu sagen. Über 45.000 beschäftigungspflichtige Betriebe beschäftigen keinen einzigen behinderten Menschen und zahlen lieber eine Ausgleichsabgabe.
Hartmut Smikac: Und wo kam dabei der Roman ins Spiel?
Ottmar Miles-Paul: Der Roman war ein guter Aufhänger, die Diskussion über die Ausgrenzung und die miserable Bezahlung und Perspektiven in den Werkstätten in einer anderen Form an die Öffentlichkeit zu tragen. Bis Ende 2024 habe ich beispielsweise über 20 Lesungen zum Thema in Deutschland, Luxemburg und Österreich durchgeführt. Dabei gab es meist spannende Diskussionen und vor allem Leute, die entweder schon daran arbeiteten oder sich verstärkt für inklusviere Arbeitsplätze auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt stark machen. Das Thema war in dieser Zeit nämlich heiß, denn die rot-grün-gelbe Bundesregierung wollte Reformen vornehmen. Dies scheiterte jedoch nachdem die Koalition geplatzt war.
Aber auch von einer Reihe von Leser*innen bekam ich die Rückmeldung, dass sie gar nicht gewusst hatten, dass behinderte Menschen in den Werkstätten so wenig verdienen und dass sie zum Teil so behandelt werden, wie Helen Weber, Bernd Friedrich und Klaus Kriske dies im Roman erlebten. Das hat ebenfalls einige Aktivitäten in Gang gebracht. Nicht alle erfolgreich, denn es hat sich in dieser Zeit auch gezeigt, welches Beharrungsvermögen die Aussonderungsmaschinerie in Deutschland hat und welche Lobbyarbeit dieses System entfalten kann.
Hartmut Smikac: Was bewirkt diese Lobby genau?
Ottmar Miles-Paul: Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hatte nach der Veröffentlichung der Studie zum Werkstättenentgelt einen intensiven Dialogprozess für Reformen des Werkstättensystems gestartet. Der anfängliche Schwung verpuffte zusehends und übrig blieben minimale Hoffnungen für echte Veränderungen. Am Ende kam ja gar nichts. Das hatte entscheidend damit zu tun, weil die Werkstättenlobby massiv auf der Matte stand. Zudem wurde vielen Werkstattbeschäftigten eingeredet, dass die Bösen da draußen die Werkstatt schließen würden und sie dann ohne alles dastehen würden. So verteidigten sie das schlechte System. So macht man Lobby damit sich möglichst nichts in Richtung Inklusion verändert.
Die Werkstättenbefürworter hatten sogar den Erfolg, dass nun im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Regierungskoalition steht, dass Werkstätten für behinderte Menschen wieder Förderungen aus den Mitteln der Ausgleichsabgabe bekommen sollen. Bisher wurde dies zum Glück noch nicht im Gesetz verankert, aber Wilfried Oellers von der CDU, der auch bei der Lebenshilfe aktiv ist, hat seine Verbindungen genutzt und diese unsägliche Maßnahme in den Koalitionsvertrag hineingedrückt. Dabei waren viele froh, dass diese Förderung mit dem Gesetz für einen inklusiven Arbeitsmarkt endlich gestrichen wurde. Denn die Ausgleichsabgabe soll Arbeitsplätze auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt fördern.
Hartmut Smikac: Und wie waren die Reaktionen bei den Lesungen?
Ottmar Miles-Paul: Das hat viel Spaß gemacht und war ganz unterschiedlich. Die Form des Romans bot die Möglichkeit, zum einen über die Romanfiguren bzw. die Entwicklungen im Roman zu reden. Andererseits ging es aber auch um das Thema. So entwickelten sich ganz unterschiedliche Diskussionen. Natürlich wurde von manchen kritisiert, dass das Abfackeln von Werkstätten keine Lösung ist. Das haben sogar die Romanfiguren eingesehen. Dennoch bot das Gedankenspiel die Möglichkeit, zu überlegen, was man konkret tun kann, damit behinderte Menschen mehr Jobs außerhalb der Werkstatt bekommen. Und das Budget für Arbeit spielt im Roman ja auch eine wichtige Rolle. Dazu gab es einige Fragen. Am spannendsten war für mich, wenn die Teilnehmenden an den Lesungen von ihren eigenen Erfahrungen oder Initiativen berichteten. Dabei kamen vielfältige Perspektiven und Lösungsansätze zur Sprache.
Hartmut Smikac: Sie haben Ende 2024 eine Pause mit den Lesungen eingelegt. Was kommt jetzt?
Ottmar Miles-Paul: Ja, Ende 2024 musste ich eine Pause mit den Lesungen einlegen, weil die Rumreiserei viel Kraft gekostet hatte. Und schließlich war dann klar, dass es erst mal keine Reform des Werkstättensystems nach dem Koalitionsbrauch geben wird. Nun werden die Karten wieder neu gemischt und leichte Hoffnungen auf eine entsprechende Reform kommen auf. Und es gibt noch einige Anfragen für Lesungen, die ich vertrösten musste. Im Herbst gehts also wieder mit ein paar Lesungen in Oldenburg in Holstein, in Schwabach bei Nürnberg und in Darmstadt los. Dabei freue ich mich, dass Sabine Lohner wieder als meine Vorleseassistenz mit dabei ist. Sie ist eine tolle Leserin, die bei Bedarf auch im Dunkeln lesen kann, weil sie aufgrund ihrer Blindheit die Texte in Brailleschrift liest.
Und dann kommt nun auch der neue Roman, der sich schon in der Korrektur befindet.
Hartmut Smikac: Ein neuer Roman? Bleibt der Roman „Zündeln an den Strukturen“ keine Eintagsfliege eines sonstigen Nachrichtenschreibers?
Ottmar Miles-Paul: Ich habe mir lange überlegt, ob ich mich noch einmal ans Roman-Schreiben mit langen Nächten vor dem Computer machen soll. Dann hatte ich eine Idee und habe angefangen, in die Tasten zu hauen. Vor allem haben mich aber die immer wiederkehrenden Fragen von Leser*innen des ersten Romans herausgefordert und angetrieben. „Wie geht es denn mit Helen Weber und den anderen von der Enthinderungsgruppe weiter?“ „Klappt es mit den Jobs auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt?“ Und „wie entwickelt sich die Inklusion in Deutschland weiter?“ Dies waren nur einige Fragen, die ich immer wieder bei Lesungen oder von Leser*innen des Romans mit der Ermunterung weiterzuschreiben bekommen habe. Man darf also gespannt sein.
Hartmut Smikac: Gibt es schon einen Titel und wann ist mit dem neuen Roman zu rechnen?
Ottmar Miles-Paul: Der Titel steht: „Ich will raus“ lautet dieser. Wer mich näher kennt, kann erahnen, was da kommen könnte. Aber zuerst einmal muss das Werk Korrektur gelesen werden, ein Cover wird gebraucht und so manches mehr. Ich rechne damit, dass wir es schaffen, dass der Roman im Oktober oder November 2025 fertig ist und zum Kauf zur Verfügung steht. Hoffentlich macht die österreichische Online-Bibliothek bidok wieder mit, so dass wir auch diesen Roman zum kostenfreien Download einstellen können. Denn für viele sind 17 Euro viel Geld, was der erste Roman gekostet hat.
Hartmut Smikac: Dann kann man also gespannt sein, was aus dem Herzen der Behindertenbewegung auf uns zukommt. Was kann man tun, wenn man über das Erscheinen des Romans informiert werden will.
Ottmar Miles-Paul: Ich würde vorschlagen, die kobinet-nachrichten aufmerksam zu verfolgen. Mit Glück berichten diese darüber, wenn der Roman und dessen Figuren das Licht der Welt erblickt haben. Wer mir aber eine Mail schickt, diejenigen kann ich in einen Verteiler aufnehmen, über den ich dann informiere, wenn der neue Roman erschienen ist. Die Mail kann an [email protected] geschickt werden.
Hartmut Smikac: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg im Finale zur Veröffentlichung des zweiten Romans und bei den nächsten Lesungen.

Foto: LB Bremen
Kassel (kobinet) Vor zwei Jahren, Ende August 2023, hat Ottmar Miles-Paul seinen ersten Roman mit dem Titel "Zündeln an den Strukturen" veröffentlicht. Mit der fiktiven Geschichte der Brandstiftung von Helen Weber und ihren Freunden am Werkstattgebäude öffnet er mit dem Werk den Blick dafür, welche Entwicklungen es für einen inklusiveren Arbeitsmarkt geben könnte, wenn es keine Werkstatt in der Stadt mehr gäbe. kobinet-Redakteur Hartmut Smikac sprach mit dem Romanautor über sein Werk, aber vor allem darüber, was sich in den zwei Jahren seit dessen Veröffentlichung in Sachen Reform des Werkstättensystems und für die Nutzung des Budget für Arbeit als Alternative zur Werkstatt getan hat.
Hartmut Smikac: Vor zwei Jahren haben Sie Neuland betreten. Vom Schreiben von Nachrichten, Presseerklärungen und Fachartikeln haben Sie sich auf die literarische Bühne mit der Veröffentlichung Ihres Reportage-Romans „Zündeln an den Strukturen“ begeben. Wie kam es dazu?
Ottmar Miles-Paul: Ja, ich hatte damals lange überlegt, ob ich den Sprung vom Nachrichtenschreiber zum Roman-Autor wagen sollte. Da ich die Botschaften, die ich für einen inklusiveren Arbeitsmarkt statt der Ausgrenzung in Werkstätten für behinderte Menschen neben der Geschichte im Roman nicht ganz beiseite lassen konnte, ist dabei das Formal des Reportage-Roman herausgekommen. Anlaß für das Schreiben des Romans war, dass ich sehr viele Diskussionen zum Werkstättensystem geführt und verfolgt hatte. Dabei ging es meist recht theoretisch und abgehoben zu. Die behinderten Menschen selbst, ihre Träume, Wünsche und Möglichkeiten spielten dabei meist keine Rolle. Es ging um Vermittlungsquoten und zunehmend auch um das durchschnittliche Werkstattentgelt. Da ich im Laufe meines behindertenpolitischen Engagements aber viele behinderte Menschen aus Werkstätten kennenlernen durfte, kam mir die Perspektive der Menschen, die in diesem System arbeiten bzw. kaum Chancen auf Veränderungen haben, viel zu kurz. Und so haute ich in die Tasten und habe den Roman geschrieben. Denn dieser handelt vor allem von behinderten Menschen, die in der Werkstatt für behinderte Menschen nicht zufrieden sind.
Hartmut Smikac: Den Roman konnten Sie dann veröffentlichen und was passierte dann?
Ottmar Miles-Paul: Der Roman kam tatsächlich genau zur rechten Zeit. Kurz nach der Veröffentlichung gab es für Deutschland eine kräftige Klatsche bei der Staatenprüfung Ende August 2023 in Genf zur UN-Behindertenrechtskonvention. Deutschland wurde heftig dafür kritisiert, dass es beispielsweise keine Strategie zum Übergang von Werkstätten auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gibt. Und kurz darauf wurden dann auch konkrete Zahlen einer vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales veröffentlichten Studie zum Werkstattentgelt und zu den Vermittlungsquoten auf den allgemeinen Arbeitsmarkt veröffentlicht. Selbst meine Romanfiguren waren von diesen Fakten entsetzt: Nur 226 Euro pro Monat Durchschnittslohn gibt es in den Werkstätten und eine Vermittlungsquote von 0,35 Prozent ist kaum zu unterbieten. Mehr braucht man über dieses Werkstätten-System, aber auch über viele Arbeitgeber*innen in Deutschland nicht zu sagen. Über 45.000 beschäftigungspflichtige Betriebe beschäftigen keinen einzigen behinderten Menschen und zahlen lieber eine Ausgleichsabgabe.
Hartmut Smikac: Und wo kam dabei der Roman ins Spiel?
Ottmar Miles-Paul: Der Roman war ein guter Aufhänger, die Diskussion über die Ausgrenzung und die miserable Bezahlung und Perspektiven in den Werkstätten in einer anderen Form an die Öffentlichkeit zu tragen. Bis Ende 2024 habe ich beispielsweise über 20 Lesungen zum Thema in Deutschland, Luxemburg und Österreich durchgeführt. Dabei gab es meist spannende Diskussionen und vor allem Leute, die entweder schon daran arbeiteten oder sich verstärkt für inklusviere Arbeitsplätze auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt stark machen. Das Thema war in dieser Zeit nämlich heiß, denn die rot-grün-gelbe Bundesregierung wollte Reformen vornehmen. Dies scheiterte jedoch nachdem die Koalition geplatzt war.
Aber auch von einer Reihe von Leser*innen bekam ich die Rückmeldung, dass sie gar nicht gewusst hatten, dass behinderte Menschen in den Werkstätten so wenig verdienen und dass sie zum Teil so behandelt werden, wie Helen Weber, Bernd Friedrich und Klaus Kriske dies im Roman erlebten. Das hat ebenfalls einige Aktivitäten in Gang gebracht. Nicht alle erfolgreich, denn es hat sich in dieser Zeit auch gezeigt, welches Beharrungsvermögen die Aussonderungsmaschinerie in Deutschland hat und welche Lobbyarbeit dieses System entfalten kann.
Hartmut Smikac: Was bewirkt diese Lobby genau?
Ottmar Miles-Paul: Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hatte nach der Veröffentlichung der Studie zum Werkstättenentgelt einen intensiven Dialogprozess für Reformen des Werkstättensystems gestartet. Der anfängliche Schwung verpuffte zusehends und übrig blieben minimale Hoffnungen für echte Veränderungen. Am Ende kam ja gar nichts. Das hatte entscheidend damit zu tun, weil die Werkstättenlobby massiv auf der Matte stand. Zudem wurde vielen Werkstattbeschäftigten eingeredet, dass die Bösen da draußen die Werkstatt schließen würden und sie dann ohne alles dastehen würden. So verteidigten sie das schlechte System. So macht man Lobby damit sich möglichst nichts in Richtung Inklusion verändert.
Die Werkstättenbefürworter hatten sogar den Erfolg, dass nun im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Regierungskoalition steht, dass Werkstätten für behinderte Menschen wieder Förderungen aus den Mitteln der Ausgleichsabgabe bekommen sollen. Bisher wurde dies zum Glück noch nicht im Gesetz verankert, aber Wilfried Oellers von der CDU, der auch bei der Lebenshilfe aktiv ist, hat seine Verbindungen genutzt und diese unsägliche Maßnahme in den Koalitionsvertrag hineingedrückt. Dabei waren viele froh, dass diese Förderung mit dem Gesetz für einen inklusiven Arbeitsmarkt endlich gestrichen wurde. Denn die Ausgleichsabgabe soll Arbeitsplätze auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt fördern.
Hartmut Smikac: Und wie waren die Reaktionen bei den Lesungen?
Ottmar Miles-Paul: Das hat viel Spaß gemacht und war ganz unterschiedlich. Die Form des Romans bot die Möglichkeit, zum einen über die Romanfiguren bzw. die Entwicklungen im Roman zu reden. Andererseits ging es aber auch um das Thema. So entwickelten sich ganz unterschiedliche Diskussionen. Natürlich wurde von manchen kritisiert, dass das Abfackeln von Werkstätten keine Lösung ist. Das haben sogar die Romanfiguren eingesehen. Dennoch bot das Gedankenspiel die Möglichkeit, zu überlegen, was man konkret tun kann, damit behinderte Menschen mehr Jobs außerhalb der Werkstatt bekommen. Und das Budget für Arbeit spielt im Roman ja auch eine wichtige Rolle. Dazu gab es einige Fragen. Am spannendsten war für mich, wenn die Teilnehmenden an den Lesungen von ihren eigenen Erfahrungen oder Initiativen berichteten. Dabei kamen vielfältige Perspektiven und Lösungsansätze zur Sprache.
Hartmut Smikac: Sie haben Ende 2024 eine Pause mit den Lesungen eingelegt. Was kommt jetzt?
Ottmar Miles-Paul: Ja, Ende 2024 musste ich eine Pause mit den Lesungen einlegen, weil die Rumreiserei viel Kraft gekostet hatte. Und schließlich war dann klar, dass es erst mal keine Reform des Werkstättensystems nach dem Koalitionsbrauch geben wird. Nun werden die Karten wieder neu gemischt und leichte Hoffnungen auf eine entsprechende Reform kommen auf. Und es gibt noch einige Anfragen für Lesungen, die ich vertrösten musste. Im Herbst gehts also wieder mit ein paar Lesungen in Oldenburg in Holstein, in Schwabach bei Nürnberg und in Darmstadt los. Dabei freue ich mich, dass Sabine Lohner wieder als meine Vorleseassistenz mit dabei ist. Sie ist eine tolle Leserin, die bei Bedarf auch im Dunkeln lesen kann, weil sie aufgrund ihrer Blindheit die Texte in Brailleschrift liest.
Und dann kommt nun auch der neue Roman, der sich schon in der Korrektur befindet.
Hartmut Smikac: Ein neuer Roman? Bleibt der Roman „Zündeln an den Strukturen“ keine Eintagsfliege eines sonstigen Nachrichtenschreibers?
Ottmar Miles-Paul: Ich habe mir lange überlegt, ob ich mich noch einmal ans Roman-Schreiben mit langen Nächten vor dem Computer machen soll. Dann hatte ich eine Idee und habe angefangen, in die Tasten zu hauen. Vor allem haben mich aber die immer wiederkehrenden Fragen von Leser*innen des ersten Romans herausgefordert und angetrieben. „Wie geht es denn mit Helen Weber und den anderen von der Enthinderungsgruppe weiter?“ „Klappt es mit den Jobs auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt?“ Und „wie entwickelt sich die Inklusion in Deutschland weiter?“ Dies waren nur einige Fragen, die ich immer wieder bei Lesungen oder von Leser*innen des Romans mit der Ermunterung weiterzuschreiben bekommen habe. Man darf also gespannt sein.
Hartmut Smikac: Gibt es schon einen Titel und wann ist mit dem neuen Roman zu rechnen?
Ottmar Miles-Paul: Der Titel steht: „Ich will raus“ lautet dieser. Wer mich näher kennt, kann erahnen, was da kommen könnte. Aber zuerst einmal muss das Werk Korrektur gelesen werden, ein Cover wird gebraucht und so manches mehr. Ich rechne damit, dass wir es schaffen, dass der Roman im Oktober oder November 2025 fertig ist und zum Kauf zur Verfügung steht. Hoffentlich macht die österreichische Online-Bibliothek bidok wieder mit, so dass wir auch diesen Roman zum kostenfreien Download einstellen können. Denn für viele sind 17 Euro viel Geld, was der erste Roman gekostet hat.
Hartmut Smikac: Dann kann man also gespannt sein, was aus dem Herzen der Behindertenbewegung auf uns zukommt. Was kann man tun, wenn man über das Erscheinen des Romans informiert werden will.
Ottmar Miles-Paul: Ich würde vorschlagen, die kobinet-nachrichten aufmerksam zu verfolgen. Mit Glück berichten diese darüber, wenn der Roman und dessen Figuren das Licht der Welt erblickt haben. Wer mir aber eine Mail schickt, diejenigen kann ich in einen Verteiler aufnehmen, über den ich dann informiere, wenn der neue Roman erschienen ist. Die Mail kann an [email protected] geschickt werden.
Hartmut Smikac: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg im Finale zur Veröffentlichung des zweiten Romans und bei den nächsten Lesungen.




