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Hans-Willis Nachricht der Woche

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Foto: ht

Staufen (kobinet) Unschwer zu erraten ist es natürlich die Umbenennung des US-Verteidigungsministeriums, des Pentagon, in Kriegsministerium. Eine seit Langem überfällige Korrektur. Eine Richtigstellung, die auch dem hiesigen Kriegsminister gut anstünde. Ein deutsches Kriegsministerium reimte sich gleich viel besser auf die geforderte Kriegstüchtigkeit. Warum mit der Wahrheit noch länger hinterm Berg halten?

Eine weitere Nachricht. In der ein von den gegenwärtig sich Bekriegenden peinlich gehütetes Geheimnis offengelegt wird. Von einer an der Fortsetzung ihrer Feindseligkeiten interessierten „Zusammenarbeit der Netanyahu-Regierung mit der Hamas“ hat der israelische Historiker Moshe Zimmermann kürzlich im Deutschlandfunk gesprochen. Eine ebenso mutige wie erschreckend wahre Feststellung. It takes two to tango – zum Kriegführen, nötigenfalls bis zur gegenseitigen Vernichtung, braucht es zwei gleichermaßen entschlossene Mitspieler, Kriegsparteien oder Feinde genannt. – Moshe Zimmermanns Beobachtung frappiert mich umso mehr, als ich unlängst selbst mit Blick auf den Ukrainekrieg und dessen drohende Ausweitung zu einem großen, ganz Europa erfassenden Krieg von „Komplizenschaft“ gesprochen habe. Die regierenden „Masters of War“ auf beiden Seiten gebärden sich wie zum Äußersten entschlossene Komplizen. Gleichsam Verschwörende des von ihren entfesselten Kriegsmaschinerien verursachten Infernos (ob zu Angriffs- oder Verteidigungszwecken ist in diesem Fall einerlei). Gerechtfertigt hier wie dort mit kraftmeierischen Sprechblasen, „jeden Quadratzentimeter NATO-Territorium verteidigen“, „die Ukraine vollständig entnazifizieren“.

In Anbetracht dieser Nachrichtenlage stellt sich einem vernunftbegabten Wesen vor allem die eine Frage: Wer fällt den politisch Machtbesessenen in den Arm und hindert sie am Durchdrehen? Die Antwort, die sich mir aufdrängt: niemand. Niemand hält die rasenden Netanyahu, Trump, Putin, Xi, Kim und Konsorten auf, niemand hindert die Zweitligisten von der Leyen, Merz, Tusk, Kaja Kallas et tutti quanti daran, großmäulig Öl ins Feuer zu gießen. „Whatever it takes“, so tönen sie, einmal auf der abschüssigen Bahn ihrer unseligen Feindrhetorik gibt es auf dem Weg in den Abgrund, in den sie uns alle mit hineinreißen, für sie anscheinend kein Halten mehr.

Dies bestätigt mir die vorerst letzte, mich erschütternde Wochennachricht. Einer Flamme gleich züngelt sie aus dem Mund der EU-Frontfrau von der Leyen und verkündet triumphierend, was die Stunde geschlagen hat. Und was die Osteuropäer am unmittelbarsten spüren, „they can feel the ground shifting beneath them“, sie fühlen bereits, wie ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Und als könnte sie es gar nicht erwarten, dass auch die Letzten hierzulande das zu spüren bekommen, dreht sie den verbalen Flammenwerfer bis zum Anschlag auf. Das Wort „fight“, Kampf, steht über allem und sie wiederholt es gebetsmühlenartig. Drohung und Befehl in einem. „Make no mistake, this is a fight for our future“. Europa müsse kämpfen, jetzt! Es fallen die Adjektive „unerbittlich“ und „gnadenlos“. Denn „die Frontlinien für eine neue, auf Macht basierende Weltordnung werden jetzt gezogen“. Und mit der Machttrunkenheit der gnadenlos Machtbesessenen setzt sie ihrer Zuhörerschaft die Pistole auf die Brust: Hat Europa den Mut zu diesem Kampf? Haben wir die nötige Geschlossenheit und spüren wir die Dringlichkeit, den politischen Willen und das Geschick, um sie zu finden?

Diese „State of the Union Speech“, eine veritable Brandrede, ist ein einziges uns Einschwören auf Krieg, das sich einer raffinierten Rhetorik bedient. Das enthusiastische Ja zu Kampf und Krieg unter Berufung auf das „Friedensprojekt Europa“. Dem der Feind keine Alternative zum Kriegführen lässt, keine andere Wahl, als mitzuspielen. Wörtlich: „Dies ist Russlands Krieg und es soll dafür bezahlen.“ Kampfdrohne mit Kampfdrohne vergelten. Bei deren Herstellung, der Raffinesse ihrer tödlichen Technik – Frau von der Leyen beschwört zu diesem Zweck unseren großartigen menschlichen Erfindergeist – wir Europäer besser sein müssen als die Russen.

Während ich dies schreibe, heulen draußen die Sirenen zum Probealarm. Von der Leyens kaum verhüllte „Endkampf-Rhetorik“ löst einmal mehr meine Endzeitstimmung aus. Ihr martialischer Auftritt steht exemplarisch für eine mittlerweile irreversibel verblendete Politik. Die geradezu danach giert, ihre gewaltaffine Phraseologie, ihr unablässig projiziertes Feindbild bestätigt zu erhalten. Was meine Endzeitstimmung nur allzu realistisch erscheinen lässt. Sodass ich mich tatsächlich frage, ob das Sirenengeheul beim nächsten Mal nicht schon den Ernstfall bedeuten wird.

Wie verhalten wir uns dann, wir Behinderten, an die von der Leyens Rede schließlich ebenso adressiert ist? Werden wir mit unserem Blindenstock die Straße entlang tasten, im Rollstuhl panisch umherirren, auf der Suche nach einem barrierefreien Bunker oder Schutzraum? Die Kampfdrohnen, dieses Wunderwerk menschlicher Erfindungsgabe, längst im Anflug …