Foto: Hans-Willi Weis
Staufen (kobinet)
Europa im verteidigungspolitischen Fieberwahn – Intellektuelle desavouieren „postheroische Zivilisiertheit“ durch Moralisierung des Militärischen
Ungläubiges Staunen, das sich in blankes Entsetzen verwandelt, diese Worte beschreiben vielleicht am ehesten, was ich dieser Tage empfinde, höre ich in den Medien die um die Schlagworte „Sicherheit“ und „Verteidigung“ kreisenden Nachrichten und Kommentare. Mein Entsetzen darüber, wie in einer 180-Gradwendung bislang Gültiges an politischen und humanen Standards gleichsam über Nacht abgeräumt wird, geht einher mit der Fassungslosigkeit desjenigen, der in einer Nachkriegszeit aufwuchs und sozialisiert wurde, für die ein Bewusstsein vom Mörderischen eines jeden Krieges bestimmend und prägend war. Mithin ein Bewusstsein auch vom unbezweifelbaren und unbedingt bewahrenswerten zivilisatorischen Fortschritt eines postheroischen Selbstverständnisses in Gesellschaft und Politik. Ein Bewusstsein, dem eine Wiederkehr oder Rückkehr des Krieges ein quasi absolutes politisches und moralisches No-Go erscheint. Ungläubiges Augenreiben nicht zuletzt und besonders in den zurückliegenden Tagen über das Tempo und die Nonchalence der vollständigen Abkehr von diesem Bewusstsein. Als deren beredte Fürsprecher in der medialen Öffentlichkeit sich ausgerechnet – was für jemanden für mich, der sich mit Hannah Arendt zu sprechen dem „Leben des Geistes“ verbunden fühlt, dem Ganzen sozusagen die Krone aufsetzt – linksliberale Intellektuelle zu Wort melden und sich beflissen in die geistige Mentorenrolle der epochalen Kehre begeben. Ihrer meines Erachtens fatalen Argumentation möchte ich in dieser Fortsetzung meiner vorangegangenen Überlegungen („Unseren Masters of War ins Wort fallen“, mein Essay in der vorigen Literaturbeilage) abermals nachdrücklich widersprechen.






