Villmar-Weyer (kobinet)
Stephan Laux und Inklusion
Stephan Laux spricht über Inklusion.
Inklusion bedeutet: Alle Menschen gehören dazu.
Jeder darf mitmachen.
Niemand wird ausgeschlossen.
Er geht zu einer Sitzung.
Eine Sitzung ist ein Treffen.
Dort kommen Menschen zusammen.
Sie reden über wichtige Themen.
Die Sitzung ist vom Ausschuss für Kultur, Sport und Soziales.
Ein Ausschuss ist eine Arbeits-Gruppe.
Die Gruppe arbeitet für die Gemeinde.
Sie macht Vorschläge oder trifft Entscheidungen.
Der Ausschuss gehört zur Gemeinde.
Eine Gemeinde ist ein Ort.
Dort leben und arbeiten Menschen.
Der Ausschuss stimmt über eine neue Regel ab.
Die Regel ist für einen Beirat.
Ein Beirat ist eine Gruppe.
Der Beirat berät die Gemeinde.
Er hilft bei wichtigen Entscheidungen.
Der Beirat ist für Menschen mit Behinderungen.
Er ist auch für ältere Menschen.
Stephan Laux spricht über Inklusion.
Aber wichtige Personen fragen ihn selten.
Die Aktion Mensch fragt ihn nicht.
Aktion Mensch ist ein Verein.
Der Verein unterstützt Menschen mit Behinderungen.
Die Kobinet-Nachrichten fragen ihn auch nicht.
Kobinet-Nachrichten berichten über Themen für Menschen mit Behinderungen.
Stephan Laux spricht trotzdem oft über Inklusion.
Er wartet nicht auf eine Einladung.
Er schreibt eine Kolumne.
Eine Kolumne ist ein Text in der Zeitung.
Dort schreibt er seine Meinung.
Er übt dort eine Rede.
Er hält die Rede in Hessen.
8 Personen hören ihm zu.
Die Rede von Stephan Laux
Sehr geehrte Damen und Herren vom Ausschuss.
Ich möchte mit Ihnen über Inklusion sprechen.
Wenn ich über Inklusion rede, höre ich oft:
"Wir haben andere Probleme."
"Es gibt Kriege auf der Welt."
"Das Klima verändert sich."
"Die Wirtschaft geht nicht gut."
"Gemeinden haben Schulden."
"Schwimm-Bäder müssen schließen."
"Es gibt weniger Geld für Hilfen."
Manche sagen:
"Barriere-freie Zugänge sind nicht wichtig."
Barriere-frei bedeutet: Alle können etwas nutzen.
Es gibt keine Hindernisse.
"Selbst-bestimmtes Leben ist nicht wichtig."
Selbst-bestimmt bedeutet:
Menschen mit Behinderung entscheiden selbst.
Niemand sagt ihnen, was sie tun müssen.
"Es wurde schon viel gemacht."
"Menschen mit Behinderungen müssen weniger Geld akzeptieren."
Weniger Geld bedeutet: Es gibt weniger Hilfe.
Die neue Regel geht nicht um Barriere-Freiheit.
Sie geht um Teilhabe.
Teilhabe bedeutet: Alle dürfen mitmachen.
Alle gehören dazu.
Die Regel geht um Politik in der Gemeinde.
Menschen mit Behinderungen sollen mitreden.
Ältere Menschen sollen auch mitreden.
Am besten fragt man die Betroffenen.
Betroffene sind Menschen mit dem Thema.
Ein älterer Aktivist hat gesagt:
"Alt werden ist wie eine Behinderung."
"Irgendwann brauchen viele Pflege."
"Das kann jedem passieren."
Die neue Regel sagt:
Der Beirat darf in Sitzungen reden.
Das ist kein Geschenk.
Das ist ein Recht.
Das Recht steht in der UN-Behinderten-Rechte-Konvention.
Das ist ein Vertrag.
Viele Länder haben den Vertrag unterschrieben.
Der Vertrag schützt die Rechte von Menschen mit Behinderungen.
Ich habe ein Buch mitgebracht.
Das Buch heißt: "2031 – Deutschland, die Welt blickt auf dich!"
Das Buch ist von Uwe Heineker.
Es geht um die Rechte von Menschen mit Behinderungen.
Deutschland hat die Rechte unterschrieben.
Aber Deutschland hält sich nicht immer daran.
Im Jahr 2031 prüft die UN:
Hat Deutschland die Regeln eingehalten?
In manchen Orten ist das egal.
Dort sagt man:
"Es gibt wichtigere Probleme."
"Zum Beispiel Migration."
Migration bedeutet: Menschen ziehen um.
Sie suchen einen neuen Ort zum Leben.
Stephan Laux fragt sich:
Wird das bei uns auch so?
Sollen wir nicht alle Menschen einbeziehen?
Der Beirat kostet kein Geld.
Aber er ist wichtig.
Er zeigt:
Die Gemeinde hält ihre Versprechen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Foto: Caleb Oquendo
Villmar-Weyer (kobinet)
Am kommenden Mittwoch ist Stephan Laux zu einer öffentlichen Sitzung eingeladen. Der Ausschuss für Kultur, Sport und Soziales ist ein Gremium der Gemeindevertretung seines Heimatortes und soll über die Genehmigung einer Satzung eines Beirates für Menschen mit Behinderungen und Senior*innen abstimmen.
Stephan Laux wird eher selten um Impulse zum Thema Inklusion und UN‑BRK gebeten. Weder in der allgemeinen Öffentlichkeit noch innerhalb der behindertenpolitischen Szene. Er wurde noch nie von Ottmar Miles Paul, vom Bifos-Institut und schon gar nicht von der Aktion Mensch gebeten, seine Meinung vor anderen Menschen kundzutun. Eigentlich auch nicht von den Kobinet-Nachrichten. Und dennoch tut er es immer wieder uneingeladen.
In seiner neuen Kolumne probt er deshalb seine Rede, die er in der hessischen Provinz vor 8 Zuhörenden halten will:
Sehr geehrte Mitwirkende im Ausschuss für Kultur, Sport und Soziales,
wenn ich mich in den letzten Jahren in ein Gespräch über Inklusion oder die UN-BRK verwickeln ließ, erfuhr ich oft sinngemäß folgende Reaktion:
Haben wir momentan nicht andere Probleme! Wir haben auf der ganzen Welt Krisen und Kriege. Wir spüren den Klimawandel. Die Wirtschaft wächst nicht wie gewünscht. Gemeinden und Kommunen sind hoch verschuldet, müssen Schwimmbäder schließen und Leistungen streichen.
Da gibt es wichtigere Dinge zu entscheiden, als barrierefreie Zugänge und selbstbestimmtes Leben. Dafür wird doch seit Jahren viel getan. Da muss man dann auch mal zufrieden sein. Auch Menschen mit Behinderungen müssen Kürzungen hinnehmen.
Im Ihnen vorliegenden Entwurf einer Satzung des Beirates für Menschen mit Behinderungen und Senior*innen geht es nicht um Barrierefreiheit. Es geht um gleichberechtigte Teilhabe am kommunalpolitischen Geschehen in unserer Gemeinde. Es geht darum, die Perspektive von Menschen mit Behinderungen in politische Prozesse und Entscheidungen einzubeziehen. Das gelingt am besten, indem man Betroffene fragt.
Auch Senior*innen gelten hier als Experten. "Alt werden ist Behinderung im Endstadium", so drückte es einmal ein Mittsiebziger-Aktivistenkollege aus. Wir alle können irgendwann, spätestens am Ende unseres Lebens, von Pflegebedürftigkeit betroffen sein.
Deshalb besteht die Kernforderung des neuen Satzungsentwurfes aus einem Rederecht des Beirates in Sitzungen der Gemeindevertretung. Die Gewährung dieses Rechtes und die Einbeziehung der Redebeiträge in politische Entscheidungen ist kein Zugeständnis.
Sie ergibt sich aus der UN‑BRK.
Zu diesem Fakt habe ich Ihnen ein Buch von Uwe Heineker, als Literaturempfehlung mitgebracht. "2031– Deutschland, die Welt blickt auf dich!" versteht sich als Anklageprotokoll eines eklatanten Völkerrechtsbruchs.
Das Jahr 2031 gilt in manchen behindertenpolitischen Aktivist*innenkreisen als Jahr der Abrechnung. Dann überprüft die UN, ob Deutschland die Maßnahmen zur gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Behinderungen, die es völkerrechtsbindend ratifizierte, nach etlichen Rügen umgesetzt hat.
In Teilen Sachsen-Anhalts und in der Trump-Administration, schert man derzeit wenig um Dinge wie das Völkerrecht. Auch hier argumentiert man, es gebe dringendere Probleme (wie etwa Migration).
Mir stellt sich die Frage, ob wir bald in der deutschen und Kommunalpolitik zu ähnlichen Einstellungen tendieren.
Die Einbeziehung eines Beirates für Menschen mit Behinderungen und Senior*innen in kommunalpolitische und demokratische Prozesse der Gemeinde ist nicht umsonst. Aber sie kostet kein Geld.
Sie wäre aber ein Zeichen, dass man sich wenigstens auf kommunalpolitischer Ebene versucht, an Zusagen zu halten.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Stephan Laux, Oktober 2026
Foto: Caleb Oquendo
Villmar-Weyer (kobinet)
Am kommenden Mittwoch ist Stephan Laux zu einer öffentlichen Sitzung eingeladen. Der Ausschuss für Kultur, Sport und Soziales ist ein Gremium der Gemeindevertretung seines Heimatortes und soll über die Genehmigung einer Satzung eines Beirates für Menschen mit Behinderungen und Senior*innen abstimmen.
Stephan Laux wird eher selten um Impulse zum Thema Inklusion und UN‑BRK gebeten. Weder in der allgemeinen Öffentlichkeit noch innerhalb der behindertenpolitischen Szene. Er wurde noch nie von Ottmar Miles Paul, vom Bifos-Institut und schon gar nicht von der Aktion Mensch gebeten, seine Meinung vor anderen Menschen kundzutun. Eigentlich auch nicht von den Kobinet-Nachrichten. Und dennoch tut er es immer wieder uneingeladen.
In seiner neuen Kolumne probt er deshalb seine Rede, die er in der hessischen Provinz vor 8 Zuhörenden halten will:
Sehr geehrte Mitwirkende im Ausschuss für Kultur, Sport und Soziales,
wenn ich mich in den letzten Jahren in ein Gespräch über Inklusion oder die UN-BRK verwickeln ließ, erfuhr ich oft sinngemäß folgende Reaktion:
Haben wir momentan nicht andere Probleme! Wir haben auf der ganzen Welt Krisen und Kriege. Wir spüren den Klimawandel. Die Wirtschaft wächst nicht wie gewünscht. Gemeinden und Kommunen sind hoch verschuldet, müssen Schwimmbäder schließen und Leistungen streichen.
Da gibt es wichtigere Dinge zu entscheiden, als barrierefreie Zugänge und selbstbestimmtes Leben. Dafür wird doch seit Jahren viel getan. Da muss man dann auch mal zufrieden sein. Auch Menschen mit Behinderungen müssen Kürzungen hinnehmen.
Im Ihnen vorliegenden Entwurf einer Satzung des Beirates für Menschen mit Behinderungen und Senior*innen geht es nicht um Barrierefreiheit. Es geht um gleichberechtigte Teilhabe am kommunalpolitischen Geschehen in unserer Gemeinde. Es geht darum, die Perspektive von Menschen mit Behinderungen in politische Prozesse und Entscheidungen einzubeziehen. Das gelingt am besten, indem man Betroffene fragt.
Auch Senior*innen gelten hier als Experten. "Alt werden ist Behinderung im Endstadium", so drückte es einmal ein Mittsiebziger-Aktivistenkollege aus. Wir alle können irgendwann, spätestens am Ende unseres Lebens, von Pflegebedürftigkeit betroffen sein.
Deshalb besteht die Kernforderung des neuen Satzungsentwurfes aus einem Rederecht des Beirates in Sitzungen der Gemeindevertretung. Die Gewährung dieses Rechtes und die Einbeziehung der Redebeiträge in politische Entscheidungen ist kein Zugeständnis.
Sie ergibt sich aus der UN‑BRK.
Zu diesem Fakt habe ich Ihnen ein Buch von Uwe Heineker, als Literaturempfehlung mitgebracht. "2031– Deutschland, die Welt blickt auf dich!" versteht sich als Anklageprotokoll eines eklatanten Völkerrechtsbruchs.
Das Jahr 2031 gilt in manchen behindertenpolitischen Aktivist*innenkreisen als Jahr der Abrechnung. Dann überprüft die UN, ob Deutschland die Maßnahmen zur gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Behinderungen, die es völkerrechtsbindend ratifizierte, nach etlichen Rügen umgesetzt hat.
In Teilen Sachsen-Anhalts und in der Trump-Administration, schert man derzeit wenig um Dinge wie das Völkerrecht. Auch hier argumentiert man, es gebe dringendere Probleme (wie etwa Migration).
Mir stellt sich die Frage, ob wir bald in der deutschen und Kommunalpolitik zu ähnlichen Einstellungen tendieren.
Die Einbeziehung eines Beirates für Menschen mit Behinderungen und Senior*innen in kommunalpolitische und demokratische Prozesse der Gemeinde ist nicht umsonst. Aber sie kostet kein Geld.
Sie wäre aber ein Zeichen, dass man sich wenigstens auf kommunalpolitischer Ebene versucht, an Zusagen zu halten.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Stephan Laux, Oktober 2026





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