Fladungen (kobinet) Die Fürst Donnersmarck-Stiftung macht eine Ausstellung.
Die Ausstellung heißt "In meine Welt hinein".
Sie ist im Rathaus Reinickendorf.
Der Titel klingt nah und persönlich.
Aber der Flyer und die Einladung zeigen etwas anderes.
Die Ausstellung zeigt nicht wirklich Kunst.
Sie zeigt vor allem die Einrichtung.
Das ist eine wichtige Stelle wie eine Schule oder ein Museum mit festen Regeln.
Die Künstler stehen nicht im Mittelpunkt.
Ihre Werke stehen auch nicht im Mittelpunkt.
Stattdessen steht die Betreuung im Mittelpunkt.
Die Botschaft ist: Seht her, wir machen Inklusion.
Inklusion bedeutet: Alle Menschen gehören dazu.
Menschen mit Behinderung und Menschen ohne Behinderung leben und arbeiten zusammen.
Der Flyer nennt 14 Kunst-Schaffende mit Namen.
Aber sie werden nicht als Künstler vorgestellt.
Sie werden als Klienten vorgestellt.
Das sind Menschen, die Hilfe beim Wohnen bekommen.
Bei der Eröffnung sprechen nicht die Künstler.
Es sprechen eine Bezirks-Bürger-Meisterin und eine Behinderten-Beauftragte.
Es spricht auch ein Bereichs-Leiter.
Das ist ein Chef in einer Firma für einen bestimmten Bereich.
Ein Mitarbeiter hält den Vortrag zur Einführung.
Keine Kunst-Experten sind dabei.
Kein örtlicher Kunst-Verein ist dabei.
Keine Kultur-Agentur ist dabei.
Keine unabhängigen Experten sind dabei.
Das sind Menschen, die sich sehr gut mit Kunst oder Ausstellungen auskennen.
Die Ausstellung bleibt in einem geschlossenen Rahmen.
Sie wird nicht in den allgemeinen Kunst-Bereich gebracht.
Das ist der Ort, wo Kunst in Museen oder Galerien gezeigt wird.
Diese Ausstellung macht genau das falsch.
Das habe ich schon kritisiert.
In meinem Artikel "Es regnet schlechte Behandlung auf Menschen mit Behinderung" schrieb ich über geschlossene Hilfe-Systeme.
Schlechte Behandlung bedeutet: Menschen mit Behinderung werden unfair behandelt.
Hilfe-Systeme sind Unterstützungen in Schule oder bei der Arbeit.
Diese Systeme ersetzen Selbst-Bestimmung durch Betreuung.
Anerkennung gibt es nur in eigenen Sonder-Räumen.
In meinem Artikel "Die Identitäts-Falle der Behinderung – Teil 4" beschrieb ich etwas anderes.
Menschen mit Behinderung werden automatisch in Sonder-Gruppen geschoben.
Das passiert auch da, wo ihre Kunst keine besondere Behandlung braucht.
Die FDST-Ausstellung macht beides.
Sie schafft Sichtbarkeit.
Aber nur unter den Bedingungen der Einrichtung.
Das ist eine andere Welt der Fürsorge.
Das ist eine getrennte Welt neben unserer normalen Welt.
Solche Ausstellungen dürfen natürlich stattfinden.
Sie können für viele Teilnehmer wertvoll sein.
Sie können Ergebnisse von kreativer Beschäftigung zeigen.
Sie können Ergebnisse von Therapie zeigen.
Aber dann müssen sie auch so genannt werden.
Sie sind Präsentationen aus einem Betreuungs-Programm.
Sie sind keine Kunst-Ausstellungen im professionellen Sinn.
Das Problem entsteht anders.
Einrichtungen wie die FDST machen diese Formate bewusst größer.
Sie benutzen den Begriff Kunst.
Sie benutzen den Anspruch Inklusion.
Damit wollen sie Anerkennung für ihre eigene Arbeit.
Die Ausstellung wird Teil der Selbst-Darstellung der Einrichtung.
Sie wird Teil der lokalen Politik.
Sie wird nicht Teil einer gleich-berechtigten Kunst-Landschaft.
Dadurch verschwimmen die Grenzen.
Künstlerische Eigen-Bestimmung und betreute Kreativ-Beschäftigung werden vermischt.
Eigen-Bestimmung bedeutet: Die Künstler entscheiden selbst über ihre Kunst.
Das benutzt wieder Menschen mit Behinderung für fremde Ziele.
Das bedeutet: Jemand benutzt andere Menschen für seine eigenen Ziele und denkt nicht an deren Gefühle.
Echte Inklusion würde anders aussehen.
Künstler mit Behinderung würden wie alle anderen ausstellen.
In offenen Ausschreibungen.
Barriere-frei zugänglich.
Unter gleichen Voraussetzungen.
Sie würden nicht auf ihre Wohn-Form reduziert.
Sie bräuchten keine Stiftungs-Strukturen.
Ihre Werke würden besprochen und kritisiert.
Wie die Werke jedes anderen Kunst-Schaffenden.
Sie würden nicht als Sozial-Projekt präsentiert.
Solange Kunst von Menschen mit Behinderung nur so sichtbar wird, bleibt sie abhängig.
Die Stiftung hat die Macht zu bestimmen.
Die Öffentlichkeit ist ein Neben-Effekt von betreuten Wohn-Formen.
Sie ist nicht das Ergebnis von künstlerischer Selbst-Bestimmung.
Diese Ausstellung zeigt nicht "In meine Welt hinein".
Sie zeigt sehr deutlich, wie eng die Grenzen dieser Welt sind.
Einrichtungen entscheiden, wer Künstler sein darf.
Therapie-Ergebnisse und Kunst werden bewusst nicht unterschieden.
Das soll eine Inklusions-Geschichte bedienen.
Das ist eine Erzählung über Inklusion.
Am Ende wirkt dieses Format wie eine Übertragung.
Künstlerische Wert-Schätzung wird auf betreute Klienten übertragen.
Es gibt keine erkennbare öffentliche Präsenz.
Die Beteiligten sind nicht als eigenständige Künstler sichtbar.
Nur außerhalb dieser Einrichtung nicht.
Sichtbar wird vor allem das Bild der Einrichtung.
Das Bild, das die Einrichtung selbst von "Kunst und Inklusion" zeichnet.
Die Beteiligten können dieses Bild nicht aus eigener Position formen.
Das Bild wird für sie entworfen.
Diese Kritik richtet sich nicht gegen die Menschen.
Nicht gegen die Menschen, die die Werke geschaffen haben.
Ihre Kreativität verdient Respekt.
Ihr Ausdruck verdient Wert-Schätzung.
Das Problem liegt im Umgang anderer mit diesen Arbeiten.
Im Problem der Fremd-Bestimmung.
In der Übertragung von Erzählungen der Einrichtung.
Im zu häufigen Gebrauch von Begriffen wie "Kunst" und "Inklusion".
Das soll ein positives Bild der Einrichtung zeichnen.
Die Ausstellung im Treppen-Haus des Rathauses zeigt vor allem eins.
Solche Formate werden von außen bestimmt.
Nicht von den Menschen, deren Werke hier im Mittelpunkt stehen sollten.
Dieser Text ist in Leichter Sprache nach DIN SPEC 33429.

Foto: Ralph Milewski
Fladungen (kobinet) Die Fürst Donnersmarck-Stiftung lädt zur Gruppenausstellung "In meine Welt hinein" in das Rathaus Reinickendorf ein. Schon der Titel suggeriert Nähe und Einblick, doch ein Blick auf Flyer und Einladungstext zeigt, dass diese Ausstellung weniger Kunst als Institution kommuniziert. Nicht die Künstler:innen, ihre Autorschaft und ihre Werke stehen im Mittelpunkt, sondern der betreuende Rahmen, die Funktionsträger:innen und die Botschaft: Seht her, wir ermöglichen Inklusion.
Der Flyer listet 14 namentlich genannte Kunstschaffende auf und doch werden sie nicht als Künstler:innen vorgestellt, sondern als „Klient:innen“ des Ambulant Betreuten Wohnens. Die Eröffnung bestreiten nicht sie, sondern eine Bezirksbürgermeisterin, eine Behindertenbeauftragte und ein Bereichsleiter der Stiftung. Der einführende Vortrag kommt von einem Mitarbeiter der Einrichtung. Kunst- und Kulturverantwortliche wie ein örtlicher Kunstverein, eine Kulturagentur oder unabhängige Kurator:innen sind nicht zu sehen. Die Ausstellung bleibt damit in einem geschlossenen sozialen Rahmen und wird nicht in den allgemeinen Kunstkontext eingebettet.
Damit reproduziert diese Ausstellung genau jene Strukturen, die ich in früheren Artikeln auf kobinet kritisiert habe. In „Es regnet – Ableismus – auf Menschen (mit Behinderung)“ ging es um geschlossene Förderökonomien, die Autonomie ersetzen durch Betreuung und Anerkennung nur innerhalb eigener Sonderräume zulassen. In „Zwischen Selbstbild und Fremdzuschreibung: Die Identitätsfalle der Behinderung – Teil 4“ beschrieb ich, wie Menschen mit Behinderung reflexartig in Sonderkategorien geschoben werden, selbst dort, wo ihre Kunst keiner besonderen Behandlung bedarf. Die FDST-Ausstellung vereint beides: Sie schafft Sichtbarkeit, aber ausschließlich auf institutionellen Bedingungen, innerhalb einer Parallelwelt der Fürsorge.
Solche Ausstellungen dürfen selbstverständlich stattfinden. Sie können für viele Teilnehmende ein wertvolles Forum sein, um Ergebnisse kreativer Beschäftigung oder Therapieprozesse zu zeigen. Aber dann müssen sie auch genau so benannt werden, als Präsentationen aus einem Betreuungs- oder Förderprogramm, nicht als Kunstausstellungen im professionellen Sinn und schon gar nicht als Beleg für gelungene Inklusion.
Das Problem entsteht, wenn Einrichtungen wie die FDST diese Formate bewusst mit dem Begriff Kunst und dem Anspruch „Inklusion“ aufladen, um damit gesellschaftliche Anerkennung für ihre eigene Arbeit zu generieren. Die Ausstellung wird so Teil der Selbstdarstellung der Institution und der lokalen Politik, nicht Teil einer gleichberechtigten Kunstlandschaft. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen künstlerischer Autorschaft und betreuter Kreativbeschäftigung, was letztlich wieder Menschen mit Behinderung instrumentalisiert.
Echte Inklusion würde bedeuten, dass Künstler:innen mit Behinderung wie alle anderen ausstellen, in offenen Ausschreibungen, barrierefrei zugänglich und unter gleichen Voraussetzungen. Sie würden nicht auf ihre Wohnform reduziert und bräuchten keine Stiftungsstrukturen, um ihre Kunst in die Öffentlichkeit zu bringen. Ihre Werke würden kuratiert, diskutiert und kritisiert wie die jedes anderen Kunstschaffenden und nicht präsentiert als Sozialprojekt.
Solange Kunst von Menschen mit Behinderung nur unter solchen Vorzeichen sichtbar wird, bleibt sie institutionell abhängig. Die Definitionsmacht liegt bei der Stiftung, die Öffentlichkeit ist ein Nebeneffekt betreuter Wohnformen, nicht das Ergebnis künstlerischer Selbstbestimmung. Diese Ausstellung zeigt nicht „In meine Welt hinein“, sondern sehr deutlich, wie eng die Grenzen dieser Welt gezogen werden, wenn Institutionen entscheiden, wer Künstler sein darf und wenn Therapieergebnisse und Kunst bewusst nicht unterschieden werden, um ein Inklusionsnarrativ zu bedienen.
Am Ende wirkt dieses Format wie eine Projektion künstlerischer Wertschätzung auf eine betreute Klientel. Es gibt keine erkennbare öffentliche Präsenz der Beteiligten als eigenständige Künstler:innen außerhalb dieser Einrichtung. Sichtbar wird vor allem das Bild, das die Institution selbst von „Kunst und Inklusion“ zeichnet – ein Bild, das die Beteiligten nicht aus eigener Position heraus formen können, sondern das für sie entworfen wird.
Diese Kritik richtet sich ausdrücklich nicht gegen die Menschen, die die gezeigten Werke geschaffen haben. Ihre Kreativität und ihr Ausdruck verdienen Respekt und Wertschätzung. Das Problem liegt im Umgang anderer mit diesen Arbeiten: in der Fremdbestimmung, in der Projektion von institutionellen Erzählungen und im inflationären Gebrauch von Begriffen wie „Kunst“ und „Inklusion“, um ein positives Bild der Einrichtung und ihrer Arbeit zu zeichnen. Die Ausstellung im Treppenhaus des Rathauses zeigt vor allem, wie sehr solche Formate von außen definiert werden – nicht von den Menschen, deren Werke hier eigentlich im Mittelpunkt stehen sollten.

Foto: Ralph Milewski
Fladungen (kobinet) Die Fürst Donnersmarck-Stiftung lädt zur Gruppenausstellung "In meine Welt hinein" in das Rathaus Reinickendorf ein. Schon der Titel suggeriert Nähe und Einblick, doch ein Blick auf Flyer und Einladungstext zeigt, dass diese Ausstellung weniger Kunst als Institution kommuniziert. Nicht die Künstler:innen, ihre Autorschaft und ihre Werke stehen im Mittelpunkt, sondern der betreuende Rahmen, die Funktionsträger:innen und die Botschaft: Seht her, wir ermöglichen Inklusion.
Der Flyer listet 14 namentlich genannte Kunstschaffende auf und doch werden sie nicht als Künstler:innen vorgestellt, sondern als „Klient:innen“ des Ambulant Betreuten Wohnens. Die Eröffnung bestreiten nicht sie, sondern eine Bezirksbürgermeisterin, eine Behindertenbeauftragte und ein Bereichsleiter der Stiftung. Der einführende Vortrag kommt von einem Mitarbeiter der Einrichtung. Kunst- und Kulturverantwortliche wie ein örtlicher Kunstverein, eine Kulturagentur oder unabhängige Kurator:innen sind nicht zu sehen. Die Ausstellung bleibt damit in einem geschlossenen sozialen Rahmen und wird nicht in den allgemeinen Kunstkontext eingebettet.
Damit reproduziert diese Ausstellung genau jene Strukturen, die ich in früheren Artikeln auf kobinet kritisiert habe. In „Es regnet – Ableismus – auf Menschen (mit Behinderung)“ ging es um geschlossene Förderökonomien, die Autonomie ersetzen durch Betreuung und Anerkennung nur innerhalb eigener Sonderräume zulassen. In „Zwischen Selbstbild und Fremdzuschreibung: Die Identitätsfalle der Behinderung – Teil 4“ beschrieb ich, wie Menschen mit Behinderung reflexartig in Sonderkategorien geschoben werden, selbst dort, wo ihre Kunst keiner besonderen Behandlung bedarf. Die FDST-Ausstellung vereint beides: Sie schafft Sichtbarkeit, aber ausschließlich auf institutionellen Bedingungen, innerhalb einer Parallelwelt der Fürsorge.
Solche Ausstellungen dürfen selbstverständlich stattfinden. Sie können für viele Teilnehmende ein wertvolles Forum sein, um Ergebnisse kreativer Beschäftigung oder Therapieprozesse zu zeigen. Aber dann müssen sie auch genau so benannt werden, als Präsentationen aus einem Betreuungs- oder Förderprogramm, nicht als Kunstausstellungen im professionellen Sinn und schon gar nicht als Beleg für gelungene Inklusion.
Das Problem entsteht, wenn Einrichtungen wie die FDST diese Formate bewusst mit dem Begriff Kunst und dem Anspruch „Inklusion“ aufladen, um damit gesellschaftliche Anerkennung für ihre eigene Arbeit zu generieren. Die Ausstellung wird so Teil der Selbstdarstellung der Institution und der lokalen Politik, nicht Teil einer gleichberechtigten Kunstlandschaft. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen künstlerischer Autorschaft und betreuter Kreativbeschäftigung, was letztlich wieder Menschen mit Behinderung instrumentalisiert.
Echte Inklusion würde bedeuten, dass Künstler:innen mit Behinderung wie alle anderen ausstellen, in offenen Ausschreibungen, barrierefrei zugänglich und unter gleichen Voraussetzungen. Sie würden nicht auf ihre Wohnform reduziert und bräuchten keine Stiftungsstrukturen, um ihre Kunst in die Öffentlichkeit zu bringen. Ihre Werke würden kuratiert, diskutiert und kritisiert wie die jedes anderen Kunstschaffenden und nicht präsentiert als Sozialprojekt.
Solange Kunst von Menschen mit Behinderung nur unter solchen Vorzeichen sichtbar wird, bleibt sie institutionell abhängig. Die Definitionsmacht liegt bei der Stiftung, die Öffentlichkeit ist ein Nebeneffekt betreuter Wohnformen, nicht das Ergebnis künstlerischer Selbstbestimmung. Diese Ausstellung zeigt nicht „In meine Welt hinein“, sondern sehr deutlich, wie eng die Grenzen dieser Welt gezogen werden, wenn Institutionen entscheiden, wer Künstler sein darf und wenn Therapieergebnisse und Kunst bewusst nicht unterschieden werden, um ein Inklusionsnarrativ zu bedienen.
Am Ende wirkt dieses Format wie eine Projektion künstlerischer Wertschätzung auf eine betreute Klientel. Es gibt keine erkennbare öffentliche Präsenz der Beteiligten als eigenständige Künstler:innen außerhalb dieser Einrichtung. Sichtbar wird vor allem das Bild, das die Institution selbst von „Kunst und Inklusion“ zeichnet – ein Bild, das die Beteiligten nicht aus eigener Position heraus formen können, sondern das für sie entworfen wird.
Diese Kritik richtet sich ausdrücklich nicht gegen die Menschen, die die gezeigten Werke geschaffen haben. Ihre Kreativität und ihr Ausdruck verdienen Respekt und Wertschätzung. Das Problem liegt im Umgang anderer mit diesen Arbeiten: in der Fremdbestimmung, in der Projektion von institutionellen Erzählungen und im inflationären Gebrauch von Begriffen wie „Kunst“ und „Inklusion“, um ein positives Bild der Einrichtung und ihrer Arbeit zu zeichnen. Die Ausstellung im Treppenhaus des Rathauses zeigt vor allem, wie sehr solche Formate von außen definiert werden – nicht von den Menschen, deren Werke hier eigentlich im Mittelpunkt stehen sollten.




