Fladungen (kobinet)
Inklusion bedeutet: Menschen mit und ohne Behinderung leben zusammen.
Sie arbeiten zusammen.
Das ist ganz normal.
Alle Menschen haben die gleichen Rechte.
Bei Inklusion gibt es keine besonderen Bedingungen.
Es gibt keine Extra-Regeln.
Niemand wird zu etwas gezwungen.
In Deutschland wird das Wort Inklusion falsch benutzt.
Viele Leute nennen Dinge Inklusion.
Diese Dinge haben aber nichts mit echter Inklusion zu tun.
Zum Beispiel: Es gibt Gesetze für Firmen.
Die Firmen müssen Menschen mit Behinderung einstellen.
Oder die Firmen müssen Geld bezahlen.
Das sind nur Verwaltungs-Regeln.
Verwaltung regelt wichtige Sachen für Menschen.
Das ist keine Inklusion.
3 Zeitungen haben darüber geschrieben.
Das sind die Süddeutsche Zeitung, andererseits und FragDenStaat.
Die Zeitungen zeigen: Das Wort Inklusion wird falsch benutzt.
In den Artikeln steht: Firmen vermeiden Inklusion.
Oder: Firmen verdienen Geld mit Inklusion.
Diese Wörter sind falsch.
Eine Regel vom Staat ist keine Inklusion.
Auch wenn alle Firmen die Regel befolgen.
Die Regel zwingt die Firmen zu etwas.
Das ist nötig geworden.
Denn die Menschen haben ihre Einstellung nicht geändert.
Selbst wenn alle Firmen die Regel befolgen: Das ist noch keine Teilhabe.
Teilhabe bedeutet: Bei etwas mit-machen können.
Es bedeutet nur: Der Staat zwingt die Firmen.
Die Firmen nehmen Menschen mit Behinderung nicht gerne.
Dieser Unterschied ist sehr wichtig.
Zwangs-Regeln sind nicht grundsätzlich schlecht.
Sie können nötig sein.
Sie helfen gegen Benachteiligung.
Benachteiligung bedeutet: Jemand wird schlecht behandelt.
Sie machen Menschen mit Behinderung sichtbar.
Aber die Regeln lösen das Problem nicht.
Sie sind nur ein Not-Behelf.
Not-Behelf bedeutet: Eine schnelle Hilfe für kurze Zeit.
Es ist nicht die beste Lösung.
Sie ersetzen keine gute Einstellung.
Sie ersetzen keinen Wandel.
Sie ersetzen keine Selbstverständlichkeit.
Die Medien benutzen das Wort Inklusion falsch.
Das macht doppelten Schaden.
Erstens: Die Leute denken: Regeln befolgen ist schon Fortschritt.
Zweitens: Das Wort Inklusion verliert seine Bedeutung.
Inklusion bedeutet: Solche Gesetze sind nicht mehr nötig.
Alle Menschen haben die gleichen Chancen.
Das ist ganz normal geworden.
Wenn man Verwaltung und Zwang Inklusion nennt: Dann ändert sich die Bedeutung.
Es geht nur noch um Zahlen.
Es geht nur noch um Papier-Kram.
Das eigentliche Ziel geht verloren.
Besonders auffällig ist das Magazin andererseits.
Das Magazin sagt über sich: Wir sind inklusiv.
Das Magazin macht gute Recherchen.
Es geht um Behinderung und Gesellschaft.
Bei andererseits arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung zusammen.
Sie machen gemeinsam Journalismus.
Deshalb fällt auf: Auch dieses Magazin benutzt das Wort falsch.
Das Magazin wollte zeigen: Deutschland ist weit weg von echter Inklusion.
Aber die Wörter im Artikel sind falsch.
Quoten-Regeln werden mit Inklusion gleich-gesetzt.
Quoten-Regeln bedeutet: So viele Menschen müssen dabei sein.
Zum Beispiel: 5 von 100 Menschen mit Behinderung.
Dabei sind Quoten nur erzwungene Mindest-Beteiligung.
Wenn man alles Inklusion nennt: Dann wird das Wort beliebig.
Man nennt auch Zwangs-Maßnahmen Inklusion.
Man nennt auch Symbol-Politik Inklusion.
Symbol-Politik bedeutet: Man tut nur so als ob.
Man nennt auch Pflicht-Erfüllung Inklusion.
Wenn das Wort beliebig wird: Dann gibt es kein Ziel mehr.
Ohne klare Grenzen des Wortes verschwindet die Vision.
Vision bedeutet: Ein großer Plan für die Zukunft.
Die Vision ist: Alle Menschen haben gleiche Teilhabe.
Diese Vision ist ein politisches und moralisches Ziel.
Es bleibt dann nur Verwaltungs-Handeln.
Die Verwaltung macht sich selbst wichtig.
Sie will nie über sich hinaus.
Sprache schafft Wirklichkeit.
Wir nennen Zwang Inklusion.
Wir nennen Verwaltung Inklusion.
Wir nennen Ausgleichs-Zahlungen Inklusion.
Ausgleichs-Zahlungen bedeutet: Jemand bekommt Geld zurück.
Dann verstecken wir: Echte Teilhabe fehlt.
Wir verschieben den Maß-Stab.
Das Wort bedeutet nichts mehr.
Eine Gesellschaft braucht Quoten.
Diese Gesellschaft hat keine Inklusion erreicht.
Sie verwaltet Benachteiligung.
Sie überwindet die Benachteiligung nicht.
Inklusion wäre erst dann da: Gesetzliche Pflichten werden nicht mehr gebraucht.
Menschen sind selbstverständlich gleichberechtigt vertreten.
Gleichberechtigung bedeutet: Alle Menschen haben die gleichen Rechte.
Das gilt für alle Bereiche der Gesellschaft.
Aber man nennt jede Maßnahme Inklusion.
Man nennt jeden Büro-Akt Inklusion.
Man nennt jede Ausgleichs-Regel Inklusion.
Dann wird der eigentliche Anspruch entwertet.
Entwertet bedeutet: Etwas ist weniger wert geworden.
Das machen sogar Medien.
Diese Medien sagen über sich: Wir sind inklusiv.

Foto: Ralph Milewski
Fladungen (kobinet) Inklusion bedeutet, dass Menschen mit und ohne Behinderung selbstverständlich und gleichberechtigt zusammenleben und arbeiten. Sie bedeutet Teilhabe ohne Vorbedingungen, ohne Sonderstrukturen und ohne Zwangsmechanismen. In Deutschland wird der Begriff aber zunehmend für Dinge verwendet, die mit echter Inklusion nichts zu tun haben. Er dient als Etikett für gesetzliche Pflichten, Quotenregelungen oder finanzielle Ausgleichszahlungen, obwohl diese lediglich Verwaltungsinstrumente sind. Die aktuelle Recherche von Süddeutscher Zeitung, "andererseits" und "FragDenStaat" zeigt diese begriffliche Schieflage sehr deutlich.
In den Artikeln wird von „vermeideter Inklusion“ gesprochen oder davon, dass Unternehmen „mit Inklusion Geld verdienen“. Diese Wortwahl ist grundlegend falsch. Eine gesetzliche Quote, auch wenn sie von allen Unternehmen lückenlos erfüllt würde, ist kein Beweis für gelebte Inklusion. Sie ist ein Zwangsinstrument, das ohne gesellschaftlichen Haltungswandel nötig geworden ist. Selbst die perfekte Umsetzung wäre nicht gleichbedeutend mit Teilhabe, sondern lediglich ein Zeichen dafür, dass man Menschen gesetzlich in Unternehmen hineinzwingt, weil sie dort nicht selbstverständlich willkommen sind.
Diese Unterscheidung ist zentral. Das heißt nicht, dass solche Zwangsmaßnahmen grundsätzlich falsch wären. Sie können notwendig sein, um Diskriminierung zu begrenzen oder überhaupt erstmal Sichtbarkeit und Zugang zu schaffen. Aber sie sind keine Lösung für Inklusion, sondern lediglich ein Notbehelf. Als Ersatz für Haltung, Strukturwandel und gelebte Selbstverständlichkeit dürfen sie nicht missverstanden werden.
Wenn Medien diesen Mechanismus unter dem Begriff Inklusion verhandeln, entsteht ein doppelter Schaden. Zum einen wird suggeriert, dass gesetzliche Erfüllung von Quoten schon Fortschritt wäre. Zum anderen wird der eigentliche Anspruch des Begriffs entwertet. Inklusion beschreibt einen Zustand, in dem solche Gesetze überflüssig sind, weil gleiche Chancen selbstverständlich geworden sind. Indem man Verwaltung und Zwang mit Inklusion verwechselt, verschiebt man die Bedeutung in Richtung von Zahlen und Formalien und entfernt sich vom ursprünglichen Ziel.
Besonders bemerkenswert ist, dass auch ein Magazin wie „andererseits“, das sich selbst als inklusiv versteht und investigative Recherchen zu Behinderung und Gesellschaft liefert, denselben Begriff in diesem Kontext übernimmt. „andererseits“ arbeitet mit einem inklusiven Redaktionsansatz, Menschen mit und ohne Behinderung machen gemeinsam Journalismus. Gerade deshalb fällt auf, dass auch hier das Vokabular nicht präzise bleibt. Das Magazin wollte vermutlich aufzeigen, wie weit Deutschland von echter Inklusion entfernt ist. Die gewählte Formulierung führt aber dazu, dass Quotenregelungen sprachlich mit Inklusion gleichgesetzt werden, selbst wenn sie nur erzwungene Mindestbeteiligung sind.
Wenn man aber alles Inklusion nennt – selbst Zwangsmaßnahmen, Symbolpolitik oder bloße Pflichterfüllung – dann wird der Begriff unverbindlich und beliebig. Und wenn der Begriff beliebig wird, gibt es auch kein Ziel mehr, auf das man hinarbeiten könnte. Denn ohne klare Begriffsgrenzen verschwindet die Vision von gleichberechtigter Teilhabe als politisch-moralische Zielmarke. Es bleibt dann bei einem Verwaltungshandeln, das sich selbst legitimiert, ohne je über sich hinauszuwollen.
Sprache schafft Realität. Wenn wir Zwang, Verwaltung und Ausgleichszahlungen Inklusion nennen, verschleiern wir, dass echte Teilhabe fehlt. Wir verschieben den Maßstab, bis das Wort nichts mehr bedeutet. Eine Gesellschaft, die auf Quoten angewiesen ist, hat keine Inklusion erreicht. Sie verwaltet Diskriminierung, statt sie zu überwinden.
Inklusion wäre erst dann Realität, wenn gesetzliche Pflichten nicht mehr gebraucht würden und Menschen selbstverständlich gleichberechtigt in allen gesellschaftlichen Bereichen vertreten wären. Solange man aber jede Maßnahme, jeden bürokratischen Akt und jede Kompensationsregelung mit diesem Wort versieht, wird der eigentliche Anspruch systematisch entwertet – selbst von Medien, die sich als inklusiv verstehen.

Foto: Ralph Milewski
Fladungen (kobinet) Inklusion bedeutet, dass Menschen mit und ohne Behinderung selbstverständlich und gleichberechtigt zusammenleben und arbeiten. Sie bedeutet Teilhabe ohne Vorbedingungen, ohne Sonderstrukturen und ohne Zwangsmechanismen. In Deutschland wird der Begriff aber zunehmend für Dinge verwendet, die mit echter Inklusion nichts zu tun haben. Er dient als Etikett für gesetzliche Pflichten, Quotenregelungen oder finanzielle Ausgleichszahlungen, obwohl diese lediglich Verwaltungsinstrumente sind. Die aktuelle Recherche von Süddeutscher Zeitung, "andererseits" und "FragDenStaat" zeigt diese begriffliche Schieflage sehr deutlich.
In den Artikeln wird von „vermeideter Inklusion“ gesprochen oder davon, dass Unternehmen „mit Inklusion Geld verdienen“. Diese Wortwahl ist grundlegend falsch. Eine gesetzliche Quote, auch wenn sie von allen Unternehmen lückenlos erfüllt würde, ist kein Beweis für gelebte Inklusion. Sie ist ein Zwangsinstrument, das ohne gesellschaftlichen Haltungswandel nötig geworden ist. Selbst die perfekte Umsetzung wäre nicht gleichbedeutend mit Teilhabe, sondern lediglich ein Zeichen dafür, dass man Menschen gesetzlich in Unternehmen hineinzwingt, weil sie dort nicht selbstverständlich willkommen sind.
Diese Unterscheidung ist zentral. Das heißt nicht, dass solche Zwangsmaßnahmen grundsätzlich falsch wären. Sie können notwendig sein, um Diskriminierung zu begrenzen oder überhaupt erstmal Sichtbarkeit und Zugang zu schaffen. Aber sie sind keine Lösung für Inklusion, sondern lediglich ein Notbehelf. Als Ersatz für Haltung, Strukturwandel und gelebte Selbstverständlichkeit dürfen sie nicht missverstanden werden.
Wenn Medien diesen Mechanismus unter dem Begriff Inklusion verhandeln, entsteht ein doppelter Schaden. Zum einen wird suggeriert, dass gesetzliche Erfüllung von Quoten schon Fortschritt wäre. Zum anderen wird der eigentliche Anspruch des Begriffs entwertet. Inklusion beschreibt einen Zustand, in dem solche Gesetze überflüssig sind, weil gleiche Chancen selbstverständlich geworden sind. Indem man Verwaltung und Zwang mit Inklusion verwechselt, verschiebt man die Bedeutung in Richtung von Zahlen und Formalien und entfernt sich vom ursprünglichen Ziel.
Besonders bemerkenswert ist, dass auch ein Magazin wie „andererseits“, das sich selbst als inklusiv versteht und investigative Recherchen zu Behinderung und Gesellschaft liefert, denselben Begriff in diesem Kontext übernimmt. „andererseits“ arbeitet mit einem inklusiven Redaktionsansatz, Menschen mit und ohne Behinderung machen gemeinsam Journalismus. Gerade deshalb fällt auf, dass auch hier das Vokabular nicht präzise bleibt. Das Magazin wollte vermutlich aufzeigen, wie weit Deutschland von echter Inklusion entfernt ist. Die gewählte Formulierung führt aber dazu, dass Quotenregelungen sprachlich mit Inklusion gleichgesetzt werden, selbst wenn sie nur erzwungene Mindestbeteiligung sind.
Wenn man aber alles Inklusion nennt – selbst Zwangsmaßnahmen, Symbolpolitik oder bloße Pflichterfüllung – dann wird der Begriff unverbindlich und beliebig. Und wenn der Begriff beliebig wird, gibt es auch kein Ziel mehr, auf das man hinarbeiten könnte. Denn ohne klare Begriffsgrenzen verschwindet die Vision von gleichberechtigter Teilhabe als politisch-moralische Zielmarke. Es bleibt dann bei einem Verwaltungshandeln, das sich selbst legitimiert, ohne je über sich hinauszuwollen.
Sprache schafft Realität. Wenn wir Zwang, Verwaltung und Ausgleichszahlungen Inklusion nennen, verschleiern wir, dass echte Teilhabe fehlt. Wir verschieben den Maßstab, bis das Wort nichts mehr bedeutet. Eine Gesellschaft, die auf Quoten angewiesen ist, hat keine Inklusion erreicht. Sie verwaltet Diskriminierung, statt sie zu überwinden.
Inklusion wäre erst dann Realität, wenn gesetzliche Pflichten nicht mehr gebraucht würden und Menschen selbstverständlich gleichberechtigt in allen gesellschaftlichen Bereichen vertreten wären. Solange man aber jede Maßnahme, jeden bürokratischen Akt und jede Kompensationsregelung mit diesem Wort versieht, wird der eigentliche Anspruch systematisch entwertet – selbst von Medien, die sich als inklusiv verstehen.





Hmm,
ich weiß nicht so recht, ob das, was dieser Meinugsbeitrag kritisieren will, von ihm auch richtig abgebildet wird:
Was mir hier fehlt, ist einfach die Darstellung von Optionen! Unklar ist auch, auf welchen Inklusionsbegriff zurückgeriffen wird – schaue ich mir die UNBRK an, dann sehe ich dieses Problem nicht. Da geht es „nur“ um Chancengleichheit. Hier sollte man mal beim üblichen Sprachgebrauch bleiben, wie ihn insbesondere der Sport bietet – in so mancher Sportart gibt es das Handicap….
Wenden wir den Fokus mal aufs Grundsätzliche – Inklusion ist ja, wie der Beitrag unterschlägt – keinesfalls eine Sache „für/mit Behinderten“, dann müsste man ernstgenommen sich die Frage stellen: Wie sieht denn eine inklusive Gesellschaft aus? Und um eine solche zu erreichen – mal abgesehen von der Frage, ob nicht jeder von uns da eine eigene Vorstellung zu hat – denke ich, dass wir noch eine Weile beim „antianarchistischen Ansatz“, also einer Welt mit Gesetzen bleiben werden wollen/müssen…
Nebenbei wird in keiner Stelle reflektiert, warum „unser“ Arbeitsmarkt so exklusiv ist, dass jährlich Zehntausende „durch’s Raster“ fallen und dabei so „krank“ werden, dass für sie eine Teilhabe an diesem „System“ nicht mehr erreichbar ist!
Sorry, ohne die gesellschaftliche Realität anzuerkennen, verkommt Inklusion eben nur zu einer „Sprachhülse“, die behauptet die Realität zu kritisieren und moralinsauer auftritt…
Seit ihr auf einmal allesamt „Hirnficker“? So hieß bei uns geistig jung gebliebenen Altachtundsechzigern, wenn Diskutierende sich im Formalismus und in Abstraktionen verbeißen. Also alle mal die Kiefermuskulatur entspannen! Und der folgende Kalauer hilft auch: Gefragt „gibt es ein Leben ohne, neben oder nach der Inklusion?“ Antworte ich, „im Prinzip ja, es ist nur ziemlich exklusiv, aber man gönnt sich ja sonst nichts“.
Grüße von Hans-Willi Weis