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Arbeitslosigkeit steigt: Menschen mit Behinderung dürfen nicht zu Verlierern des Strukturwandels werden

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Foto: ht

Düsseldorf (kobinet)

Laut der vom DGB vorgestellten Zahlen des DGB liegt die Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderung bei bundesweit zwölf Prozent – damit ist sie im dritten Jahr in Folge gestiegen. Besonders betroffen ist dabei Nordrhein-Westfalen, wie der Präsidenten des VdK Nordrhein-Westfalen, Horst Vöge, mitteilte: "Fast jeder dritte arbeitslose schwerbehinderte Mensch kommt aus unserem Bundesland. Diese Personen drohen zu den Verlierern des Strukturwandels zu werden. Das dürfen wir nicht hinnehmen." Der VdK NRW fordert deshalb, Prävention und Rehabilitation zu stärken. Unterstützungsangebote müssen früher greifen, um Beschäftigungsverhältnisse zu sichern. Menschen mit Behinderung brauchen Schutz vor dem Herausfallen aus dem Arbeitsmarkt. Gleichzeitig müssen Arbeitgeber ihrer gesetzlichen Verantwortung zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen stärker gerecht werden. Wer dieser Verpflichtung nicht nachkommt, muss mit deutlicheren finanziellen Sanktionen rechnen.


Darüber hinaus muss nach Ansicht des VdK-Nordrhein-Westfalen die Rolle der Inklusionsbetriebe weiter ausgebaut werden und es braucht in Betrieben generell mehr Schwerbehindertenvertretungen sowie ein besseres Eingliederungsmanagement. Die Vertretungen seien ein wichtiger Schutz für Beschäftigte mit Behinderung. Dafür bräuchten sie starke Beteiligungsrechte und ausreichende Ressourcen.

Mit 192.630 bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten schwerbehinderten Arbeitslosen wurde im Juli 2026 ein trauriger Rekord erreicht. Dies war der höchste Wert in der Zeitreihe der arbeitslosen schwerbehinderten Menschen in Deutschland, die von der Bundesagentur für Arbeit seit 1. Januar 2007 geführt wird. Im August 2026 hat sich diese Situation noch weiter verschärft und wurde der neue traurige Rekord mit 194.164 arbeitslos gemeldeten schwerbehinderten Menschen gemeldet. Im Vergleich zum Vormonat sind dies noch einmal 1.534 schwerbehinderte Arbeitslose mehr. Der Vergleich zur Arbeitslosenzahl schwerbehinderter Menschen in Deutschland vor einem Jahr macht die verschärfte Situation am Arbeitsmarkt für schwerbehinderte Menschen noch deutlicher. Mit der ohnehin schon hohen Zahl von 187.050 im August 2025 hat sich die Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen innerhalb eines Jahres um 7.114 Menschen erhöht.

Die steigende Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen und die Stagnation in Sachen Reform des Werkstättensystems hin zu einer fairen Bezahlung und zu einer verbesserten Vermittlung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt hat auch die Journalistin Anna Laura Müller zu einem Kommentar für die Frankfurter Rundschau veranlasst. Sie schreib in ihrem Kommentar vom 1. September 2026 unter der Überschrift "Zu oft nur leere Phrasen: Unsere Arbeitswelt ist von Inklusion noch zu weit entfernt" u.a.: "Für alle, die das Thema schon etwas länger verfolgen, ist die Nachricht wenig überraschend: Die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung ist auch in der Wirtschaftskrise stärker gestiegen als die Zahl derjenigen ohne Schwerbehinderung. Der bittere Trend, der sich hier fortsetzt, ist besonders absurd, wenn man sich vor Augen führt, dass arbeitslose Menschen mit Schwerbehinderung durchschnittlich besser qualifiziert sind als solche ohne Schwerbehinderung. Im Hinblick auf die Situation in Werkstätten für behinderte Menschen betont sie, dass auch in Werkstätten für behinderte Menschen viele Personen arbeiten, die potenziell auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gelangen könnten. "Die tauchen in der Arbeitslosenquote erst gar nicht auf. Die Menschen dort bekommen keinen Mindestlohn, da sie nur in einem arbeitnehmerähnlichen Verhältnis beschäftigt werden – als arbeitslos gelten sie damit nicht. Weniger als ein Prozent der Menschen wird von der Werkstatt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vermittelt und das, obwohl Werkstätten sich eigentlich diesem Ziel verpflichtet haben."

Link zum Kommentar von Anna Laura Müller vom 1. September 2026 in der Frankfurter Rundschau

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