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Matti, der Knecht. (für meine Enkel)

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Foto: OpenClipart-Vectors

Villmar - Weyer (kobinet)

Nachdem sich der Kolumnist Stephan Laux erfolgreich als Sportredakteur hervorgetan hat (er hat immerhin zielsicher den Fußballweltmeister 2026 vorausgesagt), versucht er sich jetzt auch als kultur- und bildungspolitischer Journalist.

Wohin soll das führen, wenn sich behinderte Menschen und selbst ernannte behindertenpolitische Aktivisten jetzt auch noch zur Kultur äußern, anstatt sich um ihre Sachen (Barrierefreiheit usw.) zu kümmern?

Lesen Sie selbst!

Wenn man in der Behindertenhilfe tätig ist, fühlt man sich manchmal so, wie sich aktuell Tankstellenmitarbeitende oder Zugbegleiter*innen bei der Deutschen Bahn fühlen müssen.

Man hat weder die ungerechtfertigt hohen Preise gemacht, noch ist man persönlich für Verspätungen oder Ausfälle verantwortlich. Man muss einfach nur das ausbaden oder verkaufen, was andere verbockt, beschlossen oder aus reiner Gier entschieden haben. Für die Mitarbeitenden selbst waren die Folgen voraussehbar: unzufriedene, wütende Kunden, Übergriffe und schlechte Stimmung in der Belegschaft. So etwas verschärft nicht nur den Fachkräftemangel, sondern führt letztendlich auch wirtschaftlich in die Katastrophe.

Mein jüngster Enkelsohn ist gerade in das 1. Schuljahr gekommen und hört (mehr oder weniger) auf den schönen Namen Matti. Der kommt aus dem Finnischen und bei der Recherche zur Herkunft dieses Namens bin ich auf ein Theaterstück von Bertolt Brecht gestoßen.

"Herr Puntila und sein Knecht Matti." Ich erinnere mich an dieses Werk, das Brecht im finnischen Exil geschrieben hat, nicht, weil ich so kulturbeflissen bin.

Nein! So etwas hat man in einer Oberstufe, Ende der 70er Jahre im Deutsch- oder Gesellschaftskundeunterricht gelesen. Mit etwas Glück hatte man im Unterricht eine ehemalige 68er‑, studentenbewegte Lehrkraft. Mit etwas Pech, einen kurz vor der Pension stehenden Alt-Nazi. Ich hatte größtenteils Glück! Ob Brechts Stück damals klausurrelevant war, weiß ich nicht mehr. Ich habe Teile meiner Gymnasialzeit aus guten Gründen verdrängt.

Dennoch fiel mir der Inhalt von "Herr Puntila und sein Knecht Matti" wieder ein. Und das Internet bestätigte mir, dass ich mit meiner Interpretation nicht ganz falsch lag.

Hier die Kurzfassung:

Herr Puntila, Gutsbesitzer und der Chef des Knechtes, ist gut gelaunt, zugewandt und gerecht, solange er betrunken ist. Sobald er wieder nüchtern ist, wird er zum ausbeuterischen, karrieregeilen, egoistischen Unsympathen.

Während seiner Trinkgelage entwickelt er mit seinem Angestellten menschenfreundliche Konzepte und hat auch ansonsten ganz vernünftige Ideen. Sobald er aber nicht mehr unter Alkoholeinfluss steht, wirft er alles wieder über den Haufen und zeigt sein wahres Gesicht. Sein Knecht Matti ist ein aufrechter, fleißiger und empathischer Arbeiter (solche Menschen haben früher mal die SPD gewählt) und muss erkennen:

Der Kapitalismus triumphiert über den guten Charakter.

In der Politik wird sicher auch viel Alkohol getrunken. Ende der 70er gehörte das zum politischen Profil. Da brauchte man eine Leber wie ein Löschblatt, um in politischen Kreisen überhaupt anerkannt zu werden.

Heutzutage trinken Politiker selten in der Öffentlichkeit. Manche von ihnen scheinen eher trunken von ihrer Macht oder der Aussicht darauf. Und dann versprechen sie Dinge und halten tolle Reden von Inklusion, Teilhabe und Völkerrecht, die sie dann, bei nüchterner Betrachtung, irgendwie wieder relativieren müssen, weil ihnen ihre Karriere, bzw. ihre Wiederwahl doch wichtiger ist.

Momentan begründen sie Ihre Entscheidungen auch damit, verhindern zu wollen, dass mein Enkelsohn Matti einmal einen Lehrer wie Björn Höcke bekommt. Der ist ja noch verbeamtet und könnte, wenn er keine Lust mehr auf Lüge, Hass und Hetze in der Politik hat, selbiges im hessischen Schuldienst versuchen.

Mein Gott! Da habe ich ja gerade den Teufel an die Wand bzw. die Schultafel gemalt.

Meine Hoffnung ist, dass mein Enkelsohn das Glück hat, auf Alt- Grüne statt auf Neu-Nazis als Lehrkräfte zu treffen, die vielleicht auch mit ihm das Theaterstück "Herr Puntila und sein Knecht Matti" durchnehmen und ihm beibringen: Es lohnt sich nicht, auf betrunkenen oder gut gelaunte Kapitalisten und Politiker zu warten.

Kapitalismus und guter Charakter gehen selten zusammen.Echte und gute Veränderungen müssen wir selbst herbeiführen.

Kleiner Matti! Ich wünsche Dir eine glückliche Schulzeit!

Opa, August 2026

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