BERLIN (kobinet)
Die Bundes-Regierung hat etwas beschlossen.
Beschlossen bedeutet: Menschen haben gemeinsam abgestimmt.
Alle haben Ja gesagt.
So wurde etwas festgelegt.
Es geht um Krank-Schreibungen.
Ein Arzt schreibt auf, dass jemand krank ist.
Dieser Zettel heißt Krank-Schreibung.
Die Arzt-Praxis ist der Ort, wo ein Arzt arbeitet.
Dort gehen Menschen hin, wenn sie krank sind.
Der Arzt bestätigt damit die Krank-Heit.
Bisher konnten Ärzte Menschen auch am Telefon krank-schreiben.
Das soll jetzt nicht mehr möglich sein.
Außerdem braucht man jetzt schon am 1. Krank-Heits-Tag eine Krank-Schreibung.
Bisher war das erst ab dem 2. oder 3. Tag nötig.
Verena Bentele ist die Präsidentin vom VdK.
Präsidentin bedeutet: Sie ist die Chefin des Verbandes.
Sie spricht für alle Mitglieder.
VdK bedeutet: Sozial-Verband VdK Deutschland.
Ein Sozial-Verband ist eine große Gruppe von Menschen.
Diese Menschen helfen sich gegenseitig.
Sie setzen sich gemeinsam für ihre Rechte ein.
Der VdK hilft Menschen mit Krank-Heiten und Behinderungen.
Behinderung bedeutet: Manche Sachen sind schwieriger für dich.
Du brauchst oft mehr Hilfe als andere Menschen.
Verena Bentele kritisiert die neuen Regeln.
Sie sagt: Die Regierung vertraut den Menschen nicht.
Die Regierung unterstellt: Menschen missbrauchen die Krank-Schreibung.
Unterstellen bedeutet: Man glaubt, jemand hat etwas Schlechtes getan.
Aber man weiß es nicht sicher.
Miss-brauchen bedeutet: etwas ausnutzen, obwohl man es nicht sollte.
Verena Bentele sagt: Das stimmt nicht.
Die meisten Menschen missbrauchen die Krank-Schreibung nicht.
Viele Ärzte haben schon jetzt sehr viel Arbeit.
Die neuen Regeln geben den Ärzten noch mehr Arbeit.
Kranke Menschen gehen dann eher krank zur Arbeit.
Das ist gefährlich für die kranken Menschen.
Es ist auch gefährlich für die Kollegen.
Außerdem dauert die Krank-Heit dann länger.
Der Körper braucht Ruhe.
Nur so kann der Körper gesund werden.
Ohne Ruhe dauert die Krank-Heit länger.
Verena Bentele sagt: Die Änderung wird wenig bringen.
Telefon-Krank-Schreibungen sind nur 1 Prozent aller Krank-Schreibungen.
Prozent bedeutet: ein Teil von 100.
1 Prozent bedeutet: 1 von 100.
Die Änderung wird also kaum etwas ändern.
Die Zahl der Krank-Schreibungen ist gestiegen.
Das hat aber einen anderen Grund.
Seit der elektronischen Krank-Schreibung schreiben Ärzte alle Fälle auf.
Elektronisch bedeutet: Es wird am Computer gemacht.
Es wird kein Papier mehr verwendet.
Die Telefon-Krank-Schreibung hatte einen wichtigen Sinn.
Kranke Menschen mussten nicht in die Arzt-Praxis gehen.
So konnten sie andere Menschen nicht anstecken.
Jetzt müssen kranke Menschen wieder ins Warte-Zimmer.
Verena Bentele findet das falsch.

Foto: Irina Tsicher
BERLIN (kobinet) Die Bundesregierung hat im Koalitionsausschuss die Änderung der Krankschreibung beschlossen. Die verpflichtende Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon ab dem ersten Tag der Erkrankung soll eingeführt werden. Die Möglichkeit zu telefonischer Krankschreibung soll abgeschafft werden.
Die VdK-Präsidentin Verena Bentele stellt dazu fest: „Jetzt hat der Reformwille der Bundesregierung die Krankschreibungen getroffen. Wem soll es bitte etwas bringen, wenn wir die telefonische Krankschreibung abschaffen und gleichzeitig Krankschreibungen ab dem ersten Tag fordern? Das ist Ausdruck einer Misstrauenskultur: Die Regierung unterstellt den Menschen wieder einmal, den Sozialstaat zum Blaumachen auszunutzen. Das ist nicht die Realität. Die fortwährenden Angriffe auf die Errungenschaften des Sozialstaats sind kontraproduktiv und das falsche Signal.
Auch Ärztinnen und Ärzte werden unter dieser Reform leiden. Sie sind jetzt schon völlig überlastet und sollen in Zukunft zusätzlich die Primärversorgung organisieren. Und: Wir wissen inzwischen, dass sich Menschen viel eher krank zur Arbeit schleppen, wenn kurzfristige Krankschreibungen dermaßen verkompliziert werden. Das hilft am Ende niemandem. Kranke gefährden dadurch nicht nur sich selbst, sondern auch Kolleginnen und Kollegen. Oder die Erkrankung dauert länger, weil der Körper keine Zeit hat, eine Infektion zu bekämpfen.
Einen großen Effekt, wie man ihn wünscht, werden die vorgeschlagenen Beschlüsse ohnehin nicht haben. Telefonische Krankschreibungen machen laut Zentralinstitut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung nur etwa ein Prozent der Krankschreibungen aus. Die Zunahme der Krankschreibungen liegt nicht daran, sondern an der vollständigen Erfassung seit Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Außerdem hat die telefonische Krankschreibung einen sinnvollen Grund: Sie soll das Ansteckungsrisiko reduzieren. Dass sich kranke Menschen jetzt wieder stundenlang ins Wartezimmer setzen sollen, ist kontraproduktiv.“

Foto: Irina Tsicher
BERLIN (kobinet) Die Bundesregierung hat im Koalitionsausschuss die Änderung der Krankschreibung beschlossen. Die verpflichtende Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon ab dem ersten Tag der Erkrankung soll eingeführt werden. Die Möglichkeit zu telefonischer Krankschreibung soll abgeschafft werden.
Die VdK-Präsidentin Verena Bentele stellt dazu fest: „Jetzt hat der Reformwille der Bundesregierung die Krankschreibungen getroffen. Wem soll es bitte etwas bringen, wenn wir die telefonische Krankschreibung abschaffen und gleichzeitig Krankschreibungen ab dem ersten Tag fordern? Das ist Ausdruck einer Misstrauenskultur: Die Regierung unterstellt den Menschen wieder einmal, den Sozialstaat zum Blaumachen auszunutzen. Das ist nicht die Realität. Die fortwährenden Angriffe auf die Errungenschaften des Sozialstaats sind kontraproduktiv und das falsche Signal.
Auch Ärztinnen und Ärzte werden unter dieser Reform leiden. Sie sind jetzt schon völlig überlastet und sollen in Zukunft zusätzlich die Primärversorgung organisieren. Und: Wir wissen inzwischen, dass sich Menschen viel eher krank zur Arbeit schleppen, wenn kurzfristige Krankschreibungen dermaßen verkompliziert werden. Das hilft am Ende niemandem. Kranke gefährden dadurch nicht nur sich selbst, sondern auch Kolleginnen und Kollegen. Oder die Erkrankung dauert länger, weil der Körper keine Zeit hat, eine Infektion zu bekämpfen.
Einen großen Effekt, wie man ihn wünscht, werden die vorgeschlagenen Beschlüsse ohnehin nicht haben. Telefonische Krankschreibungen machen laut Zentralinstitut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung nur etwa ein Prozent der Krankschreibungen aus. Die Zunahme der Krankschreibungen liegt nicht daran, sondern an der vollständigen Erfassung seit Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Außerdem hat die telefonische Krankschreibung einen sinnvollen Grund: Sie soll das Ansteckungsrisiko reduzieren. Dass sich kranke Menschen jetzt wieder stundenlang ins Wartezimmer setzen sollen, ist kontraproduktiv.“





Lesermeinungen