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VdK kritisiert Misstrauenskultur

Krankenwagen
SOS
Foto: Irina Tsicher

BERLIN (kobinet) Die Bundesregierung hat im Koalitionsausschuss die Änderung der Krankschreibung beschlossen. Die verpflichtende Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon ab dem ersten Tag der Erkrankung soll eingeführt werden. Die Möglichkeit zu telefonischer Krankschreibung soll abgeschafft werden.

Die VdK-Präsidentin Verena Bentele stellt dazu fest: „Jetzt hat der Reformwille der Bundesregierung die Krankschreibungen getroffen. Wem soll es bitte etwas bringen, wenn wir die telefonische Krankschreibung abschaffen und gleichzeitig Krankschreibungen ab dem ersten Tag fordern? Das ist Ausdruck einer Misstrauenskultur: Die Regierung unterstellt den Menschen wieder einmal, den Sozialstaat zum Blaumachen auszunutzen. Das ist nicht die Realität. Die fortwährenden Angriffe auf die Errungenschaften des Sozialstaats sind kontraproduktiv und das falsche Signal.

Auch Ärztinnen und Ärzte werden unter dieser Reform leiden. Sie sind jetzt schon völlig überlastet und sollen in Zukunft zusätzlich die Primärversorgung organisieren. Und: Wir wissen inzwischen, dass sich Menschen viel eher krank zur Arbeit schleppen, wenn kurzfristige Krankschreibungen dermaßen verkompliziert werden. Das hilft am Ende niemandem. Kranke gefährden dadurch nicht nur sich selbst, sondern auch Kolleginnen und Kollegen. Oder die Erkrankung dauert länger, weil der Körper keine Zeit hat, eine Infektion zu bekämpfen.

Einen großen Effekt, wie man ihn wünscht, werden die vorgeschlagenen Beschlüsse ohnehin nicht haben. Telefonische Krankschreibungen machen laut Zentralinstitut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung nur etwa ein Prozent der Krankschreibungen aus. Die Zunahme der Krankschreibungen liegt nicht daran, sondern an der vollständigen Erfassung seit Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Außerdem hat die telefonische Krankschreibung einen sinnvollen Grund: Sie soll das Ansteckungsrisiko reduzieren. Dass sich kranke Menschen jetzt wieder stundenlang ins Wartezimmer setzen sollen, ist kontraproduktiv.“

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