Villmar - Weyer (kobinet)
Das ist eine Sommer-Kolumne von Stephan Laux.
Eine Kolumne ist ein Text in einer Zeitung.
Der Autor schreibt darin seine eigene Meinung.
Diese Kolumne ist für Menschen mit anderen Meinungen.
Sie ist auch für alle, die gegen Nazis kämpfen.
Stephan Laux lässt andere Menschen ihre Meinung haben.
Das nennt man Toleranz.
Toleranz bedeutet: Man akzeptiert andere Menschen.
Bei Faschisten hört seine Toleranz auf.
Faschisten wollen eine Diktatur.
Diktatur bedeutet: Eine Person hat alle Macht.
Andere Menschen dürfen dabei nicht mitbestimmen.
Hans Willi Weis hat ihm einen Link geschickt.
Der Link führt zu einem Lied.
Das Lied kommt von Igor Levit und Danger Dan.
Viele Menschen haben über dieses Lied gesprochen.
Stephan Laux hat das Lied gehört.
Er hatte hohe Erwartungen an das Lied.
Hohe Erwartungen bedeutet: Man denkt, etwas wird sehr gut.
Den Namen Igor Levit kannte er schon.
Den Namen Danger Dan kannte er nicht.
Das Lied hat ihn enttäuscht.
Er dachte: Das Lied ruft zu Gewalt auf.
Gewalt bedeutet: Eine Person tut einer anderen Person weh.
Das kann mit Worten sein oder mit Schlägen.
Die Musik klingt für ihn gehetzt und unruhig.
Das erinnert ihn an eine Verfolgungs-Jagd im Fernsehen.
Das Lied hat einen Kehrreim.
Ein Kehrreim ist ein Teil in einem Lied.
Dieser Teil kommt immer wieder vor.
Der Kehrreim heißt: Keine Angst.
Als Kind hat er diesen Satz oft gehört.
Der Kehrreim erinnert ihn an seine Kindheit.
Stephan Laux erklärt, warum das Thema wichtig ist.
Diesen Sommer war er auf deutschen Camping-Plätzen.
Ein Camping-Platz ist ein Ort im Freien.
Dort übernachten Menschen in Zelten oder Wohn-Wagen.
Dort hat er viele Menschen getroffen.
Er hat gehört, was diese Menschen denken.
Das hat ihm Angst gemacht.
Er war auch in einem Beirat für Menschen mit Behinderungen.
Ein Beirat ist eine Gruppe von Menschen.
Diese Menschen beraten ein Projekt gemeinsam.
Jemand sagte dort: Flüchtlinge bekommen alles.
Flüchtlinge sind Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen.
Sie suchen Schutz in einem anderen Land.
Diese Person sagte auch: Wir bekommen als Menschen mit Behinderungen nichts.
Es gibt Treffen für Behinderten-Rechte.
Behinderten-Rechte sind Regeln zum Schutz von Menschen mit Behinderung.
Sie sorgen dafür, dass alle Menschen gleich behandelt werden.
Zu diesen Treffen geht Stephan Laux manchmal nicht hin.
Er hat Angst vor dem Streit mit Anders-Denkenden.
Anders-Denkende sind Menschen mit einer anderen politischen Meinung.
Früher war Stephan Laux Zimmermann.
Ein Zimmermann ist ein Handwerker.
Ein Zimmermann baut und repariert Dinge aus Holz.
Damals war er groß und stark.
Er hat viel Sport gemacht.
Damals hat er Menschen mit Behinderungen beschützt.
Er hat sie vor Angriffen geschützt.
Er hat das mit seiner körperlichen Stärke getan.
Früher dachte er: Gewalt kann manchmal eine Lösung sein.
Heute denkt er das nicht mehr so.
Er dachte: Das Lied handelt vielleicht von Gewalt als Lösung.
Das ZDF hat das Lied aus einer Satire-Sendung entfernt.
Satire ist eine besondere Art von Humor.
Satire zeigt Probleme auf lustige oder übertriebene Weise.
Das Lied wurde in dieser Sendung nicht gezeigt.
Stephan Laux findet: Das Lied ist nicht lustig.
Das Lied macht ihm keinen Mut.
Er findet: Man sollte das Lied nicht zeigen.
Aber er hat einen anderen Grund dafür.
Er hätte stattdessen ein Gedicht gezeigt.
Ein Gedicht ist ein kurzer Text.
Ein Gedicht hat oft einen besonderen Klang und Rhythmus.
Das Gedicht heißt: Ermutigung.
Ermutigung bedeutet: Man sagt jemandem, dass er stark ist.
Man baut eine Person damit auf.
Wolf Biermann hat es im Jahr 1968 geschrieben.
Olaf Schubert hätte das Gedicht vorgelesen.
Hier ist das Gedicht:
Du, lass dich nicht verhärten
in dieser harten Zeit.
Die allzu hart sind, brechen,
die allzu spitz sind, stechen
und brechen ab sogleich.
Diese Strophe bedeutet: Werde nicht hart und kalt.
Auch wenn die Zeit schwer ist.
Wer zu hart wird, zerbricht.
Du, lass dich nicht verbittern
in dieser bitteren Zeit.
Die Herrschenden erzittern
– sitzt du erst hinter Gittern –
doch nicht vor deinem Leid.
Herrschende sind Menschen mit viel Macht.
Diese Strophe bedeutet: Werde nicht verbittert.
Menschen mit Macht fürchten sich nicht vor deinem Schmerz.
Du, lass dich nicht erschrecken
in dieser Schreckens-Zeit.
Das wollen sie doch bezwecken,
dass wir die Waffen strecken
schon vor dem großen Streit.
Diese Strophe bedeutet: Lass dich nicht einschüchtern.
Manche Menschen wollen, dass du aufgibst.
Gib nicht auf, bevor der Kampf beginnt.
Du, lass dich nicht verbrauchen,
gebrauche deine Zeit.
Du kannst nicht untertauchen,
du brauchst uns und wir brauchen
grad deine Heiterkeit.
Diese Strophe bedeutet: Nutze deine Zeit gut.
Du kannst dich nicht verstecken.
Wir brauchen deine Fröhlichkeit und deinen Mut.
Wir wollen es nicht verschweigen
in dieser Schweige-Zeit.
Das Grün bricht aus den Zweigen,
wir wollen das allen zeigen,
dann wissen sie Bescheid.
Diese Strophe bedeutet: Schweig nicht.
Neues Leben wächst immer wieder.
Zeige das allen Menschen.
Stephan Laux hat diesen Text im August 2026 geschrieben.
Foto: Stephan Laux
Villmar - Weyer (kobinet)
Seine Sommerkolumne widmet Stephan Laux allen Andersdenkenden.
Und allen, die sich unerschrocken und unermüdlich gegen Neo-, Schon-immer und Fast-Nazis, stellen. https://youtu.be/zxX2rrjXUdI?si=xpANqpXcGDxE6qPH
Gegenüber Andersdenkenden bin ich tolerant. Doch bei Faschisten stößt meine Toleranz fast an ihre Grenzen. Deshalb danke an Hans Willi Weis für den Link zu diesem Lied von Igor Levit und Danger Dan, über das alle seit Wochen reden und das ich mir dann doch einmal angehört habe.
https://www.youtube.com/watch?v=Gg-SCpXba64
Meine Erwartung war ein Aufruf zu nackter Gewalt gegen Andersdenkende, in diesem Fall Nazis, die auf jeden Fall anders zu denken scheinen als ich. Und auch musikalisch hatte ich hohe Erwartungen.
Im Gegensatz zu dem "gefährlichen Daniel" sagte mir der Name Igor Levit, nämlich tatsächlich etwas. Diesbezüglich wurden meine Erwartungen enttäuscht. Musikalisch wurde das Thema meiner Ansicht (oder meinem Geschmack) nach schlecht umgesetzt. Instrumental assoziiere ich mit der Musik eher eine wilde Verfolgungsjagd beim "Tatort". Und der Refrain "keine Angst" erinnert mich an meine Kindheit, als wir vor lauter Gruseln laut singend durch den nächtlichen Wald liefen.
Wobei Gruseln, Angst und Andersdenken, meine momentane Gemütsverfassung gut zusammenfassen.
Ich habe in diesem Sommer viel Zeit auf deutschen Campingplätzen verbracht (in der Regel halte ich mich ja lieber auf französischen Campingplätzen auf, weil ich dort kein Wort verstehe, aber dieses Jahr hat das Spritgeld nicht gereicht).
Was man da außerhalb seiner Blase, so an anderem Denken zwischen den engen Parzellen, aus der gesellschaftlichen Mitte mitbekommt…? Da kann’s einem schon Gruseln!
Selbst innerhalb der Blase, zum Beispiel in einem Beirat für Menschen mit Behinderungen, sprechen Angehörige des Beirates Gedanken aus, die ich nicht erwartet hätte: "Flüchtlinge bekommen alles und wir Behinderte bleiben auf der Strecke."
Es gibt Zusammenkünfte von hoch engagierten Aktivisten aus der internationalen behindertenpolitischen Szene, denen ich aus Angst, von Andersdenkenden, gnadenlos fertiggemacht zu werden, fernbleibe.
Als ich ein noch nicht schwerbehinderter Zimmermann war, hätte ich mich durchaus als wehrhaft bezeichnet. Ich war 2 Meter groß, wog über 2 Zentner und betrieb Leistungssport. Einige Mitmenschen behaupteten damals, ich sei der einzige Pazifist, der sein Recht auf Pazifismus mit der "Waffe in der Hand" verteidigen würde.
Manche Kolleg*innen in der Behindertenhilfe glauben sich zu erinnern, dass ich Betreute, vor Übergriffen durch sogenannte nichtbehinderte Menschen durchaus mit meiner körperlichen Präsenz geschützt hätte.
Um es genau zu sagen: Es gab eine Zeit, in der ich persönlich durchaus der Auffassung nachhing, "Gewalt (meinerseits) könne in bestimmten Fällen unter gewissen Umständen, schon eine Lösung sein". Und ich dachte, der Skandalsong von Igor Levit und dem "gefährlichen Daniel" könne eventuell davon handeln. Denn deswegen soll er ja angeblich vom ZDF aus der Satire-Sendung "Die Anstalt" genommen worden sein.
Wäre ich Redakteur beim ZDF, hätte ich den Song auch aus dem Programm einer Satire-Sendung, genommen. Mit der Begründung, dass er vollkommen humorlos und musikalisch wenig ermutigend umgesetzt worden ist.
Stattdessen hätte ich Olaf Schubert das Gedicht Ermutigung von Wolf Biermann vortragen lassen.
Wolf Biermann - Ermutigung Songtext (1968)
"Du, laß dich nicht verhärten
in dieser harten Zeit.
Die allzu hart sind, brechen,
die allzu spitz sind, stechen
und brechen ab sogleich.
Du, laß dich nicht verbittern
in dieser bittren Zeit.
Die Herrschenden erzittern
- sitzt du erst hinter Gittern -
doch nicht vor deinem Leid.
Du, laß dich nicht erschrecken
in dieser Schreckenszeit.
Das wolln sie doch bezwecken
daß wir die Waffen strecken
schon vor dem großen Streit.
Du, laß dich nicht verbrauchen,
gebrauche deine Zeit.
Du kannst nicht untertauchen,
du brauchst uns und wir brauchen
grad deine Heiterkeit.
Wir wolln es nicht verschweigen
in dieser Schweigezeit.
Das Grün bricht aus den Zweigen,
wir wolln das allen zeigen,
dann wissen sie Bescheid"
Stephan Laux, August 2026
Foto: Stephan Laux
Villmar - Weyer (kobinet)
Seine Sommerkolumne widmet Stephan Laux allen Andersdenkenden.
Und allen, die sich unerschrocken und unermüdlich gegen Neo-, Schon-immer und Fast-Nazis, stellen. https://youtu.be/zxX2rrjXUdI?si=xpANqpXcGDxE6qPH
Gegenüber Andersdenkenden bin ich tolerant. Doch bei Faschisten stößt meine Toleranz fast an ihre Grenzen. Deshalb danke an Hans Willi Weis für den Link zu diesem Lied von Igor Levit und Danger Dan, über das alle seit Wochen reden und das ich mir dann doch einmal angehört habe.
https://www.youtube.com/watch?v=Gg-SCpXba64
Meine Erwartung war ein Aufruf zu nackter Gewalt gegen Andersdenkende, in diesem Fall Nazis, die auf jeden Fall anders zu denken scheinen als ich. Und auch musikalisch hatte ich hohe Erwartungen.
Im Gegensatz zu dem "gefährlichen Daniel" sagte mir der Name Igor Levit, nämlich tatsächlich etwas. Diesbezüglich wurden meine Erwartungen enttäuscht. Musikalisch wurde das Thema meiner Ansicht (oder meinem Geschmack) nach schlecht umgesetzt. Instrumental assoziiere ich mit der Musik eher eine wilde Verfolgungsjagd beim "Tatort". Und der Refrain "keine Angst" erinnert mich an meine Kindheit, als wir vor lauter Gruseln laut singend durch den nächtlichen Wald liefen.
Wobei Gruseln, Angst und Andersdenken, meine momentane Gemütsverfassung gut zusammenfassen.
Ich habe in diesem Sommer viel Zeit auf deutschen Campingplätzen verbracht (in der Regel halte ich mich ja lieber auf französischen Campingplätzen auf, weil ich dort kein Wort verstehe, aber dieses Jahr hat das Spritgeld nicht gereicht).
Was man da außerhalb seiner Blase, so an anderem Denken zwischen den engen Parzellen, aus der gesellschaftlichen Mitte mitbekommt…? Da kann’s einem schon Gruseln!
Selbst innerhalb der Blase, zum Beispiel in einem Beirat für Menschen mit Behinderungen, sprechen Angehörige des Beirates Gedanken aus, die ich nicht erwartet hätte: "Flüchtlinge bekommen alles und wir Behinderte bleiben auf der Strecke."
Es gibt Zusammenkünfte von hoch engagierten Aktivisten aus der internationalen behindertenpolitischen Szene, denen ich aus Angst, von Andersdenkenden, gnadenlos fertiggemacht zu werden, fernbleibe.
Als ich ein noch nicht schwerbehinderter Zimmermann war, hätte ich mich durchaus als wehrhaft bezeichnet. Ich war 2 Meter groß, wog über 2 Zentner und betrieb Leistungssport. Einige Mitmenschen behaupteten damals, ich sei der einzige Pazifist, der sein Recht auf Pazifismus mit der "Waffe in der Hand" verteidigen würde.
Manche Kolleg*innen in der Behindertenhilfe glauben sich zu erinnern, dass ich Betreute, vor Übergriffen durch sogenannte nichtbehinderte Menschen durchaus mit meiner körperlichen Präsenz geschützt hätte.
Um es genau zu sagen: Es gab eine Zeit, in der ich persönlich durchaus der Auffassung nachhing, "Gewalt (meinerseits) könne in bestimmten Fällen unter gewissen Umständen, schon eine Lösung sein". Und ich dachte, der Skandalsong von Igor Levit und dem "gefährlichen Daniel" könne eventuell davon handeln. Denn deswegen soll er ja angeblich vom ZDF aus der Satire-Sendung "Die Anstalt" genommen worden sein.
Wäre ich Redakteur beim ZDF, hätte ich den Song auch aus dem Programm einer Satire-Sendung, genommen. Mit der Begründung, dass er vollkommen humorlos und musikalisch wenig ermutigend umgesetzt worden ist.
Stattdessen hätte ich Olaf Schubert das Gedicht Ermutigung von Wolf Biermann vortragen lassen.
Wolf Biermann - Ermutigung Songtext (1968)
"Du, laß dich nicht verhärten
in dieser harten Zeit.
Die allzu hart sind, brechen,
die allzu spitz sind, stechen
und brechen ab sogleich.
Du, laß dich nicht verbittern
in dieser bittren Zeit.
Die Herrschenden erzittern
- sitzt du erst hinter Gittern -
doch nicht vor deinem Leid.
Du, laß dich nicht erschrecken
in dieser Schreckenszeit.
Das wolln sie doch bezwecken
daß wir die Waffen strecken
schon vor dem großen Streit.
Du, laß dich nicht verbrauchen,
gebrauche deine Zeit.
Du kannst nicht untertauchen,
du brauchst uns und wir brauchen
grad deine Heiterkeit.
Wir wolln es nicht verschweigen
in dieser Schweigezeit.
Das Grün bricht aus den Zweigen,
wir wolln das allen zeigen,
dann wissen sie Bescheid"
Stephan Laux, August 2026





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