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Anders Denken

Redaktioneller Hinweis: Für Artikel der Kategorie "Kolumne" sind ausschließlich die Autoren verantwortlich. Dies gilt auch für deren Äußerungen in den Lesermeinungen sowie für die Moderation der Kommentare zu deren Beiträgen. Die Inhalte geben nicht die Meinung der Redaktion oder des Trägervereins wieder. Inhaltliche Kritik richten Sie bitte direkt an die Autoren per Email.
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Foto: Stephan Laux

Villmar - Weyer (kobinet)

Seine Sommerkolumne widmet Stephan Laux allen Andersdenkenden.

Und allen, die sich unerschrocken und unermüdlich gegen Neo-, Schon-immer und Fast-Nazis, stellen. https://youtu.be/zxX2rrjXUdI?si=xpANqpXcGDxE6qPH

Gegenüber Andersdenkenden bin ich tolerant. Doch bei Faschisten stößt meine Toleranz fast an ihre Grenzen. Deshalb danke an Hans Willi Weis für den Link zu diesem Lied von Igor Levit und Danger Dan, über das alle seit Wochen reden und das ich mir dann doch einmal angehört habe.

https://www.youtube.com/watch?v=Gg-SCpXba64

Meine Erwartung war ein Aufruf zu nackter Gewalt gegen Andersdenkende, in diesem Fall Nazis, die auf jeden Fall anders zu denken scheinen als ich. Und auch musikalisch hatte ich hohe Erwartungen.

Im Gegensatz zu dem "gefährlichen Daniel" sagte mir der Name Igor Levit, nämlich tatsächlich etwas. Diesbezüglich wurden meine Erwartungen enttäuscht. Musikalisch wurde das Thema meiner Ansicht (oder meinem Geschmack) nach schlecht umgesetzt. Instrumental assoziiere ich mit der Musik eher eine wilde Verfolgungsjagd beim "Tatort". Und der Refrain "keine Angst" erinnert mich an meine Kindheit, als wir vor lauter Gruseln laut singend durch den nächtlichen Wald liefen.

Wobei Gruseln, Angst und Andersdenken, meine momentane Gemütsverfassung gut zusammenfassen.

Ich habe in diesem Sommer viel Zeit auf deutschen Campingplätzen verbracht (in der Regel halte ich mich ja lieber auf französischen Campingplätzen auf, weil ich dort kein Wort verstehe, aber dieses Jahr hat das Spritgeld nicht gereicht).

Was man da außerhalb seiner Blase, so an anderem Denken zwischen den engen Parzellen, aus der gesellschaftlichen Mitte mitbekommt…? Da kann’s einem schon Gruseln!

Selbst innerhalb der Blase, zum Beispiel in einem Beirat für Menschen mit Behinderungen, sprechen Angehörige des Beirates Gedanken aus, die ich nicht erwartet hätte: "Flüchtlinge bekommen alles und wir Behinderte bleiben auf der Strecke."

Es gibt Zusammenkünfte von hoch engagierten Aktivisten aus der internationalen behindertenpolitischen Szene, denen ich aus Angst, von Andersdenkenden, gnadenlos fertiggemacht zu werden, fernbleibe.

Als ich ein noch nicht schwerbehinderter Zimmermann war, hätte ich mich durchaus als wehrhaft bezeichnet. Ich war 2 Meter groß, wog über 2 Zentner und betrieb Leistungssport. Einige Mitmenschen behaupteten damals, ich sei der einzige Pazifist, der sein Recht auf Pazifismus mit der "Waffe in der Hand" verteidigen würde.

Manche Kolleg*innen in der Behindertenhilfe glauben sich zu erinnern, dass ich Betreute, vor Übergriffen durch sogenannte nichtbehinderte Menschen durchaus mit meiner körperlichen Präsenz geschützt hätte.

Um es genau zu sagen: Es gab eine Zeit, in der ich persönlich durchaus der Auffassung nachhing, "Gewalt (meinerseits) könne in bestimmten Fällen unter gewissen Umständen, schon eine Lösung sein". Und ich dachte, der Skandalsong von Igor Levit und dem "gefährlichen Daniel" könne eventuell davon handeln. Denn deswegen soll er ja angeblich vom ZDF aus der Satire-Sendung "Die Anstalt" genommen worden sein.

Wäre ich Redakteur beim ZDF, hätte ich den Song auch aus dem Programm einer Satire-Sendung, genommen. Mit der Begründung, dass er vollkommen humorlos und musikalisch wenig ermutigend umgesetzt worden ist.

Stattdessen hätte ich Olaf Schubert das Gedicht Ermutigung von Wolf Biermann vortragen lassen.

Wolf Biermann - Ermutigung Songtext (1968)

"Du, laß dich nicht verhärten

in dieser harten Zeit.

Die allzu hart sind, brechen,

die allzu spitz sind, stechen

und brechen ab sogleich.

Du, laß dich nicht verbittern

in dieser bittren Zeit.

Die Herrschenden erzittern

- sitzt du erst hinter Gittern -

doch nicht vor deinem Leid.

Du, laß dich nicht erschrecken

in dieser Schreckenszeit.

Das wolln sie doch bezwecken

daß wir die Waffen strecken

schon vor dem großen Streit.

Du, laß dich nicht verbrauchen,

gebrauche deine Zeit.

Du kannst nicht untertauchen,

du brauchst uns und wir brauchen

grad deine Heiterkeit.

Wir wolln es nicht verschweigen

in dieser Schweigezeit.

Das Grün bricht aus den Zweigen,

wir wolln das allen zeigen,

dann wissen sie Bescheid"

Stephan Laux, August 2026

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