Staufen (kobinet)
Der Sommer ist vorbei.
Aber es geht nicht nur um diesen Sommer.
Die Hitze wird immer wieder-kommen.
Das ist kein Zufall.
Ein Zufall bedeutet: Niemand hat etwas geplant.
Aber Menschen haben die Hitze verursacht.
Viele Menschen reden das Problem klein.
Sie sagen: Es ist halt Sommer.
Sie wollen sich keine Sorgen machen.
Das ist falsch.
In einer Zeitung stand etwas Wichtiges.
Wir müssen für-einander sorgen.
Wir sollen auf andere Menschen achten.
Achtsam sein bedeutet: gut auf andere Menschen aufpassen.
Man schaut, wie es anderen Menschen geht.
Das klingt gut.
Aber achtsam sein reicht nicht.
Niemand spricht über die Ursachen der Hitze.
Eine Ursache ist der Grund für ein Problem.
Das Klima-Desaster wird größer.
Klima bedeutet: das Wetter über viele Jahre.
Ein Desaster ist eine sehr große Kata-strophe.
Das Klima-Desaster schadet vielen Menschen.
Viele Menschen leiden sehr darunter.
Sie verlieren ihre Gesund-heit.
Manche verlieren ihr Leben.
Manche Menschen sind besonders gefährdet.
Gefährdet bedeutet: Der Person kann etwas Schlimmes passieren.
Das sind zum Beispiel Kinder.
Das sind alte Menschen.
Das sind kranke Menschen.
Auf Menschen mit Behin-derung achtet kaum jemand.
Eine Behin-derung macht manche Sachen schwierig.
Man braucht oft mehr Hilfe als andere Menschen.
Auch Menschen mit Behin-derung sind gefährdet.
Ich möchte euch von meinen Erleb-nissen erzählen.
Ich selbst habe diese Hitze-Tage erlebt.
Ich war sehr erschöpft.
Erschöpft bedeutet: sehr müde sein.
Man hat keine Kraft mehr.
Ich hatte große Angst.
Ich konnte kaum atmen.
Ich konnte mich kaum bewegen.
Niemand hat sich bei mir gemeldet.
Ich frage mich: Haben andere das auch erlebt?
Ich habe oft erlebt: Niemand hat zugehört.
Das nennt man ignorieren.
Ignorieren bedeutet: Man tut so, als ob etwas nicht da ist.
Man kümmert sich nicht darum.
Vielleicht haben andere Ähnliches erlebt.
Vielleicht verstehen andere Menschen mich.
Bitte meldet euch, wenn ihr das kennt.
Wir müssen mehr für-einander sorgen.
Besonders an heißen Tagen.

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) Good bye "Summertime and the living is easy". Vorbei ist es mit der sommerlichen Unbeschwertheit. Und nicht nur einen Sommer lang, sondern für alle Zeit! Für einen erdgeschichtlichen Äon, ein Erdzeitalter lang. Kein kosmisches Verhängnis und auch kein göttliches Strafgericht, nein, menschengemacht!
Und noch immer wird verharmlost und beschwichtigt. „Ist halt Sommer“, sagt der gemeine Menschenverstand, der sich von ein paar sommerlichen Hitzetagen doch nicht verrückt machen lässt. Und im Feuilleton der Süddeutschen, dem Intellektuellenblatt resümiert ein gut aufgelegter Kommentator, „da müssen wir nun gemeinsam durch und zusammen schwitzen“ – und scheut sich nicht, bei uns allen, die wir ohne Ausnahme samt und sonders Hitzegeplagte sind, die „neue Achtsamkeit“, eine „Klimaachtsamkeit“, zu loben, die wir nun auch den klimatisch besonders Vulnerablen entgegenbringen. – Als einer dieser mustergültig klimaachtsam behandelten Vulnerablen, kann ich da nur sagen, selbstgerechter geht es nicht!
Ignoranter auch kaum noch. Worüber die sozial und wirtschaftlich und damit stets auch „klimatisch“ Privilegierten während dieser Tage – sportlich als „Hitzerekordtage“ von ihnen verbucht – einmal mehr nicht reden: über das tatsächliche Ausmaß des Klimadesasters. Verursacht durch ein kriminelles Wirtschaftssystem (von der US-amerikanischen Marxistin Nancy Frazer „kannibalischer Kapitalismus“ genannt) sowie von politisch untätigen und unfähigen Eliten, die willig dessen kriminellen Vorgaben, der sog. wirtschaftlichen Vernunft, folgen. Die mehr als lediglich materiell, die vor allem an Leib und Leben irreversibel Geschädigten dieses ökonomischen und politischen Verbrechens globalen Ausmaßes, die weltweiten Klimakatastrophenopfer nämlich sowie die unzähligen Opfer der uns heute wieder als Normalität verkauften Kriege, sind – so scheint es mir – die neuen „Verdammten dieser Erde“. – Während jedoch der Urheber dieser Bezeichnung, der Kolonialismuskritiker der 50er und 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts Frantz Fanon, den damaligen „Verdammten dieser Erde“ die postkoloniale Befreiungsperspektive aufzeigen konnte, traue ich mir gegenwärtig nicht zu, eine Rettungsperspektive zu formulieren für die heutigen „Verdammten dieser Erde“. Zu denen, wie ich fürchte, auch die jetzt hierzulande gönnerhaft einer fürsorglichen „Klimaachtsamkeit“ anempfohlenen „klimatisch besonders Vulnerablen“ gehören werden. Also Kinder, Alte und Kranke, die derzeit von den Medien im Zusammenhang der ganz besonders Hitzegefährdeten beispielhaft genannt werden, während wir ebenfalls zur gefährdeten Gruppe zählenden Behinderten wieder einmal eher unerwähnt bleiben.
Ich schreibe dies, nachdem „der vorläufige Höhepunkt der aktuellen Hitzewelle überschritten“ ist, wie mir mein Radio versichert (eine passende sprachliche Wendung haben sie stets bei allem gleich gefunden, nur nicht die passende Lösung fürs Problem). Gern hätte ich jetzt noch beschrieben, wie es mir die Tage über ergangen ist, doch ich bin erschöpft. Die Kraft, etwas zu beschreiben, das ich so noch nicht erlebt habe – „dystone“ mentale Grenzzustände dieser Intensitätsstufe, Todesangst, das Gefühl zu ersticken, keine Luft mehr –, dazu fehlt mir augenblicklich die Kraft. Und übrigens auch der Glaube daran, für das Eingeständnis von Gefühlen etwa des Verrücktwerdens (tagelang sich weder körperlich noch mental mehr regen können in einer stickigen, wegen der Gluthitze licht-und luftdicht verschlossenen Wohnung … kein Anruf, niemand) auf Verständnis und Anteilnahme innerhalb einer Community zu treffen, in der ich bislang (wie eigentlich überall) sobald es persönlich und entsprechend heikel wird, auf einen Abwehrschild der Verdrängung und Verleugnung gestoßen bin. Wie sollte es nach dem Hitzeschock dieser Tage auf einmal anders sein? Oder sollte es gerade deswegen diesmal anders sein? Jedenfalls bei einigen von denen, die durch ähnliche Extremzustände wie ich gegangen sind und gleichfalls unter Schock stehen.

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) Good bye "Summertime and the living is easy". Vorbei ist es mit der sommerlichen Unbeschwertheit. Und nicht nur einen Sommer lang, sondern für alle Zeit! Für einen erdgeschichtlichen Äon, ein Erdzeitalter lang. Kein kosmisches Verhängnis und auch kein göttliches Strafgericht, nein, menschengemacht!
Und noch immer wird verharmlost und beschwichtigt. „Ist halt Sommer“, sagt der gemeine Menschenverstand, der sich von ein paar sommerlichen Hitzetagen doch nicht verrückt machen lässt. Und im Feuilleton der Süddeutschen, dem Intellektuellenblatt resümiert ein gut aufgelegter Kommentator, „da müssen wir nun gemeinsam durch und zusammen schwitzen“ – und scheut sich nicht, bei uns allen, die wir ohne Ausnahme samt und sonders Hitzegeplagte sind, die „neue Achtsamkeit“, eine „Klimaachtsamkeit“, zu loben, die wir nun auch den klimatisch besonders Vulnerablen entgegenbringen. – Als einer dieser mustergültig klimaachtsam behandelten Vulnerablen, kann ich da nur sagen, selbstgerechter geht es nicht!
Ignoranter auch kaum noch. Worüber die sozial und wirtschaftlich und damit stets auch „klimatisch“ Privilegierten während dieser Tage – sportlich als „Hitzerekordtage“ von ihnen verbucht – einmal mehr nicht reden: über das tatsächliche Ausmaß des Klimadesasters. Verursacht durch ein kriminelles Wirtschaftssystem (von der US-amerikanischen Marxistin Nancy Frazer „kannibalischer Kapitalismus“ genannt) sowie von politisch untätigen und unfähigen Eliten, die willig dessen kriminellen Vorgaben, der sog. wirtschaftlichen Vernunft, folgen. Die mehr als lediglich materiell, die vor allem an Leib und Leben irreversibel Geschädigten dieses ökonomischen und politischen Verbrechens globalen Ausmaßes, die weltweiten Klimakatastrophenopfer nämlich sowie die unzähligen Opfer der uns heute wieder als Normalität verkauften Kriege, sind – so scheint es mir – die neuen „Verdammten dieser Erde“. – Während jedoch der Urheber dieser Bezeichnung, der Kolonialismuskritiker der 50er und 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts Frantz Fanon, den damaligen „Verdammten dieser Erde“ die postkoloniale Befreiungsperspektive aufzeigen konnte, traue ich mir gegenwärtig nicht zu, eine Rettungsperspektive zu formulieren für die heutigen „Verdammten dieser Erde“. Zu denen, wie ich fürchte, auch die jetzt hierzulande gönnerhaft einer fürsorglichen „Klimaachtsamkeit“ anempfohlenen „klimatisch besonders Vulnerablen“ gehören werden. Also Kinder, Alte und Kranke, die derzeit von den Medien im Zusammenhang der ganz besonders Hitzegefährdeten beispielhaft genannt werden, während wir ebenfalls zur gefährdeten Gruppe zählenden Behinderten wieder einmal eher unerwähnt bleiben.
Ich schreibe dies, nachdem „der vorläufige Höhepunkt der aktuellen Hitzewelle überschritten“ ist, wie mir mein Radio versichert (eine passende sprachliche Wendung haben sie stets bei allem gleich gefunden, nur nicht die passende Lösung fürs Problem). Gern hätte ich jetzt noch beschrieben, wie es mir die Tage über ergangen ist, doch ich bin erschöpft. Die Kraft, etwas zu beschreiben, das ich so noch nicht erlebt habe – „dystone“ mentale Grenzzustände dieser Intensitätsstufe, Todesangst, das Gefühl zu ersticken, keine Luft mehr –, dazu fehlt mir augenblicklich die Kraft. Und übrigens auch der Glaube daran, für das Eingeständnis von Gefühlen etwa des Verrücktwerdens (tagelang sich weder körperlich noch mental mehr regen können in einer stickigen, wegen der Gluthitze licht-und luftdicht verschlossenen Wohnung … kein Anruf, niemand) auf Verständnis und Anteilnahme innerhalb einer Community zu treffen, in der ich bislang (wie eigentlich überall) sobald es persönlich und entsprechend heikel wird, auf einen Abwehrschild der Verdrängung und Verleugnung gestoßen bin. Wie sollte es nach dem Hitzeschock dieser Tage auf einmal anders sein? Oder sollte es gerade deswegen diesmal anders sein? Jedenfalls bei einigen von denen, die durch ähnliche Extremzustände wie ich gegangen sind und gleichfalls unter Schock stehen.





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