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Kriminelle Temperaturen: Summertime good bye for ever!

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Vorn ein Findling mit Inschrift Willis Blick, dahinter Bäume im Sonnenlicht im hellen Grün.
in Schockstarre quasi
Foto: Hubertus Thomasius

Staufen (kobinet) Good bye "Summertime and the living is easy". Vorbei ist es mit der sommerlichen Unbeschwertheit. Und nicht nur einen Sommer lang, sondern für alle Zeit! Für einen erdgeschichtlichen Äon, ein Erdzeitalter lang. Kein kosmisches Verhängnis und auch kein göttliches Strafgericht, nein, menschengemacht!

Und noch immer wird verharmlost und beschwichtigt. „Ist halt Sommer“, sagt der gemeine Menschenverstand, der sich von ein paar sommerlichen Hitzetagen doch nicht verrückt machen lässt. Und im Feuilleton der Süddeutschen, dem Intellektuellenblatt resümiert ein gut aufgelegter Kommentator, „da müssen wir nun gemeinsam durch und zusammen schwitzen“ – und scheut sich nicht, bei uns allen, die wir ohne Ausnahme samt und sonders Hitzegeplagte sind, die „neue Achtsamkeit“, eine „Klimaachtsamkeit“, zu loben, die wir nun auch den klimatisch besonders Vulnerablen entgegenbringen. – Als einer dieser mustergültig klimaachtsam behandelten Vulnerablen, kann ich da nur sagen, selbstgerechter geht es nicht!

Ignoranter auch kaum noch. Worüber die sozial und wirtschaftlich und damit stets auch „klimatisch“ Privilegierten während dieser Tage – sportlich als „Hitzerekordtage“ von ihnen verbucht – einmal mehr nicht reden: über das tatsächliche Ausmaß des Klimadesasters. Verursacht durch ein kriminelles Wirtschaftssystem (von der US-amerikanischen Marxistin Nancy Frazer „kannibalischer Kapitalismus“ genannt) sowie von politisch untätigen und unfähigen Eliten, die willig dessen kriminellen Vorgaben, der sog. wirtschaftlichen Vernunft, folgen. Die mehr als lediglich materiell, die vor allem an Leib und Leben irreversibel Geschädigten dieses ökonomischen und politischen Verbrechens globalen Ausmaßes, die weltweiten Klimakatastrophenopfer nämlich sowie die unzähligen Opfer der uns heute wieder als Normalität verkauften Kriege, sind – so scheint es mir – die neuen „Verdammten dieser Erde“. – Während jedoch der Urheber dieser Bezeichnung, der Kolonialismuskritiker der 50er und 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts Frantz Fanon, den damaligen „Verdammten dieser Erde“ die postkoloniale Befreiungsperspektive aufzeigen konnte, traue ich mir gegenwärtig nicht zu, eine Rettungsperspektive zu formulieren für die heutigen „Verdammten dieser Erde“. Zu denen, wie ich fürchte, auch die jetzt hierzulande gönnerhaft einer fürsorglichen „Klimaachtsamkeit“ anempfohlenen „klimatisch besonders Vulnerablen“ gehören werden. Also Kinder, Alte und Kranke, die derzeit von den Medien im Zusammenhang der ganz besonders Hitzegefährdeten beispielhaft genannt werden, während wir ebenfalls zur gefährdeten Gruppe zählenden Behinderten wieder einmal eher unerwähnt bleiben.

Ich schreibe dies, nachdem „der vorläufige Höhepunkt der aktuellen Hitzewelle überschritten“ ist, wie mir mein Radio versichert (eine passende sprachliche Wendung haben sie stets bei allem gleich gefunden, nur nicht die passende Lösung fürs Problem). Gern hätte ich jetzt noch beschrieben, wie es mir die Tage über ergangen ist, doch ich bin erschöpft. Die Kraft, etwas zu beschreiben, das ich so noch nicht erlebt habe – „dystone“ mentale Grenzzustände dieser Intensitätsstufe, Todesangst, das Gefühl zu ersticken, keine Luft mehr –, dazu fehlt mir augenblicklich die Kraft. Und übrigens auch der Glaube daran, für das Eingeständnis von Gefühlen etwa des Verrücktwerdens (tagelang sich weder körperlich noch mental mehr regen können in einer stickigen, wegen der Gluthitze licht-und luftdicht verschlossenen Wohnung … kein Anruf, niemand) auf Verständnis und Anteilnahme innerhalb einer Community zu treffen, in der ich bislang (wie eigentlich überall) sobald es persönlich und entsprechend heikel wird, auf einen Abwehrschild der Verdrängung und Verleugnung gestoßen bin. Wie sollte es nach dem Hitzeschock dieser Tage auf einmal anders sein? Oder sollte es gerade deswegen diesmal anders sein? Jedenfalls bei einigen von denen, die durch ähnliche Extremzustände wie ich gegangen sind und gleichfalls unter Schock stehen.

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