Berlin (kobinet)
Deutschland hat viele Kinder mit Behinderungen.
Eine Behinderung macht manche Dinge schwierig.
Menschen mit Behinderungen brauchen oft mehr Hilfe.
Viele dieser Kinder besuchen eine Förder-Schule.
Eine Förder-Schule ist eine besondere Schule.
Dort bekommen Kinder mehr Hilfe beim Lernen.
Dort lernen Kinder mit besonderem Förder-Bedarf.
Förder-Bedarf bedeutet: Ein Kind braucht besondere Hilfe beim Lernen.
Diese Hilfe nennt man Förderung.
60 von 100 Kindern mit Förder-Bedarf gehen auf eine Förder-Schule.
Aber viele Eltern wollen das nicht.
82 von 100 Eltern wollen keine Trennung.
Diese Eltern wollen etwas anderes.
Ihr Kind soll mit anderen Kindern lernen.
Das Deutsche Institut für Menschen-Rechte hat eine Studie gemacht.
Bei einer Studie stellen Forscher vielen Menschen Fragen.
So findet man heraus, wie etwas wirklich ist.
Das Institut hat 7.500 Eltern befragt.
Diese Eltern haben Kinder mit Behinderungen.
Es ist die erste Befragung dieser Art in Deutschland.
Das Ergebnis der Studie ist klar:
69 von 100 Eltern möchten ihr Kind auf eine normale Schule schicken.
Aber normale Schulen sind oft nicht gut genug ausgestattet.
Deshalb wählen viele Eltern die Förder-Schule.
Britta Schlegel arbeitet beim Deutschen Institut für Menschen-Rechte.
Sie sagt: Eltern wollen inklusive Schulen.
Inklusiv bedeutet: Alle Kinder lernen zusammen.
Niemand wird ausgeschlossen.
Das ist eine Pflicht für den Staat.
Diese Pflicht steht in der UN-Behinderten-Rechts-Konvention.
Die UN-Behinderten-Rechts-Konvention ist ein Vertrag.
Viele Länder haben diesen Vertrag unterschrieben.
Der Vertrag legt fest, welche Rechte Menschen mit Behinderungen haben.
In Deutschland gibt es große Unterschiede.
In Bremen gehen nur 9 von 100 Kindern auf eine Förder-Schule.
In Bayern sind es 66 von 100 Kindern.
Das zeigt: Weniger Kinder auf Förder-Schulen ist möglich.
Förder-Schulen haben ein großes Problem.
73 von 100 Schülerinnen und Schüler verlassen die Förder-Schule ohne Abschluss.
Ein Schul-Abschluss zeigt: Das Kind hat die Schule fertig gemacht.
Mit einem Abschluss kann man leichter Arbeit finden.
Ohne Abschluss ist es schwerer, Arbeit zu finden.
Viele arbeiten dann in Werkstätten für behinderte Menschen.
Eine Werkstatt für behinderte Menschen ist ein besonderer Arbeits-Platz.
Dort arbeiten Menschen mit Behinderungen.
Sie bekommen dort Unterstützung.
Dort haben sie weniger Chancen als bei einer normalen Firma.
Bei einer normalen Firma verdient man mehr Geld.
An normalen Schulen lernen Kinder mit Förder-Bedarf nachweislich mehr.
Inklusive Schulen helfen allen Kindern.
Das bedeutet: Alle Kinder lernen zusammen.
Niemand wird ausgeschlossen.
Zum Beispiel gibt es dann kleinere Klassen.
Und es gibt mehr Personal in der Schule.
Personal bedeutet: alle Menschen, die an einem Ort arbeiten.
Die Beratung von Eltern ist oft einseitig.
Einseitig bedeutet: Man bekommt nicht alle Informationen.
41 von 100 Eltern bekommen eine Empfehlung für die Förder-Schule.
Eine Empfehlung ist ein Vorschlag.
Nur 24 von 100 Eltern bekommen eine Empfehlung für die normale Schule.
Manche Eltern werden auch über inklusive Schulen informiert.
Diese Eltern wählen inklusive Schulen öfter.
Susann Kroworsch arbeitet auch beim Institut.
Sie sagt: Eltern haben oft keine echte Wahl.
Förder-Schulen sind oft besser ausgestattet als normale Schulen.
Deshalb wählen viele Eltern die Förder-Schule.
Susann Kroworsch sagt: Das ist nicht fair.
Es braucht gute inklusive Schulen in ganz Deutschland.
In anderen Ländern funktioniert inklusive Bildung gut.
Bildung bedeutet: Wissen haben und lernen.
Zum Beispiel in Italien und in Skandinavien.
Skandinavien ist ein Teil von Europa.
Zu Skandinavien gehören: Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland.
Dort lernen Kinder mit Behinderungen schon lange in normalen Schulen.
Das zeigt: Inklusion ist möglich.
Mehr Informationen gibt es hier:
www.dimr.de/inklusive-bildung

Foto: OpenClipart-Vectors In neuem Fenster öffnen via Pixabay In neuem Fenster öffnen
Berlin (kobinet) Deutschland gehört zu den Ländern mit der höchsten Exklusionsquote in Europa: Die Zahl der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf ist in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen. 60 Prozent dieser Kinder finden sich in Förderschulen wieder. Dabei lehnen 82 Prozent der Eltern schulpflichtiger Kinder mit Behinderungen eine getrennte Beschulung ab. 69 Prozent der Eltern mit Kindern auf Förderschulen würden ihr Kind lieber auf eine allgemeine Schule schicken, wenn die Bedingungen dort besser wären. Das zeigt die neue Studie "Inklusive Bildung zwischen Wunsch und Wirklichkeit" des Deutschen Instituts für Menschenrechte. Erstmals wurden bundesweit rund 7.500 Eltern von Kindern mit Behinderungen zu ihren Erfahrungen befragt.
„Die Ergebnisse der Elternbefragung sind ein klarer Handlungsauftrag an die Politik: Eltern wollen inklusive Schulen. Es ist die Aufgabe des Staates, seine menschenrechtliche Verpflichtung aus der UN-Behindertenrechtskonvention zu erfüllen. Es braucht den politischen Willen in allen Bundesländern, ein gutes, inklusives Schulsystem zu schaffen und Förderschulen abzubauen“, sagte Britta Schlegel, Leiterin der Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention des Deutschen Instituts für Menschenrechte. Auffällig sind die Unterschiede innerhalb Deutschlands: In Bremen besuchen nur neun Prozent der Kinder mit Behinderungen eine Förderschule, in Bayern sind es 66 Prozent. Förderschulen dienen derzeit als Auffangbecken für Kinder, die aufgrund der strukturellen Defizite an allgemeinen Schulen dort nicht ausreichend gefördert werden. So bleiben segregierende Strukturen bestehen und allgemeine Schulen kommen ihrer Verpflichtung zur Inklusion nicht nach.
„Angesichts knapper öffentlicher Mittel sollten die Bundesländer nicht länger zwei parallele Schulsysteme finanzieren“, so Britta Schlegel weiter. Die durch einen Abbau von Förderschulen freiwerdenden Mittel seien dringend für die Verbesserung der inklusiven Bildung an Regelschulen nötig. Dies komme allen Kindern zugute, beispielsweise durch kleinere Klassen, mehr Personal, multiprofessionelle Teams, individuellerem Unterricht und barrierefreien Räumen.
Viele Landesregierungen gingen nötige Veränderungen nicht an, weil sie glauben, Eltern bevorzugten Förderschulen. Die Studie zeigt nun aber: Die meisten Eltern wählen Förderschulen, weil die Inklusion an allgemeinen Schulen unzureichend umgesetzt wird. „Das Elternwahlrecht ist ein bloßes Scheinwahlrecht: Wenn Eltern sich zwischen einer gut ausgestatteten Förderschule und einer schlecht ausgestatteten Regelschule entscheiden müssen, gibt es keine wirkliche Wahl“, sagt Susann Kroworsch, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts und Co-Autorin der Studie.
Ein weiterer Befund: Die Beratungsgespräche sind vielfach einseitig. 41 Prozent der Eltern erhalten eine Empfehlung für die Förderschule, nur 24 Prozent für eine allgemeine Schule. Wenig beachtet wird dabei, dass der Besuch einer Förderschule oft der Beginn einer lebenslangen Exklusion ist. Rund 73 Prozent der Schülerinnen und Schüler verlassen Förderschulen ohne Abschluss. Viele wechseln anschließend in gesonderte Ausbildungswege, die begrenzte Chancen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bieten. Häufig bleibt ihnen nur eine Beschäftigung in Werkstätten für behinderte Menschen. An allgemeinen Schulen lernen Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf nachweislich mehr. Werden inklusive Optionen in der Beratung aufgezeigt, entscheiden sich Eltern deutlich häufiger für eine allgemeine Schule. Auch die Untersuchung der Schulwechsel zeigt, dass Kinder mit Behinderungen viermal häufiger aus dem Regelschulsystem herausgedrängt als dort aufgenommen werden.
„Dass gemeinsames Lernen möglich ist und gute inklusive Bildung allen Kindern – ob mit Förderbedarf oder ohne – zugutekommt, beweisen viele Schulen hierzulande eindrucksvoll. Auch der Blick ins Ausland, etwa nach Italien oder Skandinavien, zeigt, wie es besser geht: Dort lernen Kinder und Jugendliche mit Behinderungen schon seit Jahren erfolgreich inklusiv im allgemeinen Schulsystem“, so Kroworsch.
Weitere Informationen
Die Studie „Inklusive Bildung zwischen Wunsch und Wirklichkeit“, Factsheets und weitere Informationen gibt’s unter www.dimr.de/inklusive-bildung

Foto: OpenClipart-Vectors In neuem Fenster öffnen via Pixabay In neuem Fenster öffnen
Berlin (kobinet) Deutschland gehört zu den Ländern mit der höchsten Exklusionsquote in Europa: Die Zahl der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf ist in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen. 60 Prozent dieser Kinder finden sich in Förderschulen wieder. Dabei lehnen 82 Prozent der Eltern schulpflichtiger Kinder mit Behinderungen eine getrennte Beschulung ab. 69 Prozent der Eltern mit Kindern auf Förderschulen würden ihr Kind lieber auf eine allgemeine Schule schicken, wenn die Bedingungen dort besser wären. Das zeigt die neue Studie "Inklusive Bildung zwischen Wunsch und Wirklichkeit" des Deutschen Instituts für Menschenrechte. Erstmals wurden bundesweit rund 7.500 Eltern von Kindern mit Behinderungen zu ihren Erfahrungen befragt.
„Die Ergebnisse der Elternbefragung sind ein klarer Handlungsauftrag an die Politik: Eltern wollen inklusive Schulen. Es ist die Aufgabe des Staates, seine menschenrechtliche Verpflichtung aus der UN-Behindertenrechtskonvention zu erfüllen. Es braucht den politischen Willen in allen Bundesländern, ein gutes, inklusives Schulsystem zu schaffen und Förderschulen abzubauen“, sagte Britta Schlegel, Leiterin der Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention des Deutschen Instituts für Menschenrechte. Auffällig sind die Unterschiede innerhalb Deutschlands: In Bremen besuchen nur neun Prozent der Kinder mit Behinderungen eine Förderschule, in Bayern sind es 66 Prozent. Förderschulen dienen derzeit als Auffangbecken für Kinder, die aufgrund der strukturellen Defizite an allgemeinen Schulen dort nicht ausreichend gefördert werden. So bleiben segregierende Strukturen bestehen und allgemeine Schulen kommen ihrer Verpflichtung zur Inklusion nicht nach.
„Angesichts knapper öffentlicher Mittel sollten die Bundesländer nicht länger zwei parallele Schulsysteme finanzieren“, so Britta Schlegel weiter. Die durch einen Abbau von Förderschulen freiwerdenden Mittel seien dringend für die Verbesserung der inklusiven Bildung an Regelschulen nötig. Dies komme allen Kindern zugute, beispielsweise durch kleinere Klassen, mehr Personal, multiprofessionelle Teams, individuellerem Unterricht und barrierefreien Räumen.
Viele Landesregierungen gingen nötige Veränderungen nicht an, weil sie glauben, Eltern bevorzugten Förderschulen. Die Studie zeigt nun aber: Die meisten Eltern wählen Förderschulen, weil die Inklusion an allgemeinen Schulen unzureichend umgesetzt wird. „Das Elternwahlrecht ist ein bloßes Scheinwahlrecht: Wenn Eltern sich zwischen einer gut ausgestatteten Förderschule und einer schlecht ausgestatteten Regelschule entscheiden müssen, gibt es keine wirkliche Wahl“, sagt Susann Kroworsch, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts und Co-Autorin der Studie.
Ein weiterer Befund: Die Beratungsgespräche sind vielfach einseitig. 41 Prozent der Eltern erhalten eine Empfehlung für die Förderschule, nur 24 Prozent für eine allgemeine Schule. Wenig beachtet wird dabei, dass der Besuch einer Förderschule oft der Beginn einer lebenslangen Exklusion ist. Rund 73 Prozent der Schülerinnen und Schüler verlassen Förderschulen ohne Abschluss. Viele wechseln anschließend in gesonderte Ausbildungswege, die begrenzte Chancen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bieten. Häufig bleibt ihnen nur eine Beschäftigung in Werkstätten für behinderte Menschen. An allgemeinen Schulen lernen Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf nachweislich mehr. Werden inklusive Optionen in der Beratung aufgezeigt, entscheiden sich Eltern deutlich häufiger für eine allgemeine Schule. Auch die Untersuchung der Schulwechsel zeigt, dass Kinder mit Behinderungen viermal häufiger aus dem Regelschulsystem herausgedrängt als dort aufgenommen werden.
„Dass gemeinsames Lernen möglich ist und gute inklusive Bildung allen Kindern – ob mit Förderbedarf oder ohne – zugutekommt, beweisen viele Schulen hierzulande eindrucksvoll. Auch der Blick ins Ausland, etwa nach Italien oder Skandinavien, zeigt, wie es besser geht: Dort lernen Kinder und Jugendliche mit Behinderungen schon seit Jahren erfolgreich inklusiv im allgemeinen Schulsystem“, so Kroworsch.
Weitere Informationen
Die Studie „Inklusive Bildung zwischen Wunsch und Wirklichkeit“, Factsheets und weitere Informationen gibt’s unter www.dimr.de/inklusive-bildung





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