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Armut bei Alleinerziehenden und Kindern – niemand schämt sich dafür

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Foto: Pixabay/OpenClipart-Vectors

HANNOVER (kobinet) Rund 1,3 Millionen Menschen in Niedersachsen sind von Armut bedroht. Das gilt insbesondere für Alleinerziehende, ältere Frauen sowie Kinder und Jugendliche. Viele von ihnen bekommen Bürgergeld oder Grundsicherung. Angesichts des heutigen "Internationalen Tags für die Beseitigung der Armut" macht sich der Sozialverband Deutschland (SoVD) in Niedersachsen dafür stark, dass bei diesen Leistungen die tatsächlichen Mietkosten übernommen werden und Differenzen nicht aus dem Regelsatz bezahlt werden müssen.

Für Menschen, die Bürgergeld oder Grundsicherung beziehen, zahlt das Jobcenter „angemessene“ Wohnkosten. „Das Problem dabei ist, dass diese Angemessenheit überhaupt nicht mehr mit der Realität übereinstimmt. Die derzeit üblichen Mieten sind oft sehr viel höher als das, was das Jobcenter übernimmt“, bemängelt Dirk Swinke, Vorstandsvorsitzender des SoVD in Niedersachsen. Die Folge: Betroffene müssen die Differenz aus dem ohnehin niedrigen Regelsatz bezahlen. „Somit haben diese Menschen dann auch weniger Geld für Lebensmittel oder Kleidung. Das ist nicht hinnehmbar“, so Swinke weiter.

In Niedersachsen betraf diese Problematik im vergangenen Jahr über 15 Prozent der Bedarfsgemeinschaften. Dabei sind vornehmlich drei Personengruppen betroffen. „Man kann sagen: Wer sich allein um ein Kind kümmert, wer Seniorin ist oder wer als Kind in einem Haushalt mit geringem Einkommen aufwächst, ist besonders armutsgefährdet. Wir sollten uns dafür schämen, dass so etwas bei uns möglich ist“, betont der Vorstandsvorsitzende.

Niedersachsens größter Sozialverband fordert deshalb eine Mietobergrenze, die an die Realität angepasst ist, sowie Wohnprogramme auf kommunaler Ebene, damit die Mieten wieder günstiger werden.

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2 Lesermeinungen
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Ralph Milewski
18.10.2025 17:03

Die soziale Mitte betreibt seit Langem eine Politik, die heute gerne dem rechten Spektrum zugeschrieben wird. Maßnahmen wie Kürzungen, Sanktionen und der Ruf nach „Leistung und Gegenleistung“ stammen nicht vom rechten Rand, sondern aus der neoliberalen Wende der Sozialdemokratie. Schon mit Schröders Agenda 2010 und der begleitenden Springer-Presse wurde der Sozialstaat in ein System moralischer Disziplinierung umgebaut. „Fördern und Fordern“ ersetzte Solidarität durch Leistungslogik.

Die AfD radikalisiert lediglich, was aus der Mitte kommt: nationale Wettbewerbslogik, Sicherheitsfetisch, Sozialdisziplinierung und Migrationskontrolle. Diese Konzepte entspringen der wirtschaftsliberalen und ordnungspolitischen Denkweise der sogenannten politischen Vernunftmitte. Die AfD ist kein Gegenentwurf, sondern eine verzerrte Fortsetzung derselben Grundhaltung – sie spricht offen aus, was andere verklausuliert umsetzen.

So verschiebt sich der politische Rahmen still nach rechts. Was früher als sozialer Kahlschlag galt, gilt heute als pragmatische Mitte. Der rechte Rand verstärkt nur noch, was im Zentrum längst institutionalisiert wurde – die Annullierung sozialstaatlicher Prinzipien im Namen ökonomischer Vernunft.

Die AfD wird nur gebraucht, um offene Menschenverachtung zu praktizieren. Wer jegliche Hemmungen fallen lassen möchte, wählt sie. Der Unterschied liegt nicht in den Inhalten, sondern im Ton: Die Mitte kaschiert, was die AfD zelebriert.

Da darf man die Frage stellen: „Wer braucht die AfD, wenn man die Mitte hat?“

Silvia Hauser
Antwort auf  Ralph Milewski
18.10.2025 20:03

Lieber Ralph,

ein noch passendes Zitat zu Deiner klarsichtigen Analyse:

„An die Stelle eines Verfassungsrahmens (zu welchem z.B.auch die UN-BRK zählt), in dem sich alle Parteien und Diskurse bewegen sollen, tritt der Wirtschaftsrahmen. Keine Partei im Spektrum der westlichen Demokratien tritt explizit und konstruktiv aus dem Rahmen der neoliberalen Umgestaltung. Die rechtspopulistischen und rechtsextremen Parteien und Bewegungen bekennen sich als einzige offen zum finsteren, gewalttätigen und unmenschlichen Wesen dieser Transformation.“
Also zu dem, was das von der „Mitte“ politisch flankierte neoliberale Wirtschaftssystem verbrochen hat.
Das Zitat stammt aus Markus Metz und Georg Seeßlen „Blödmaschinen II -Die Fabrikation der politischen Paranoia (Suhrkamp 2025, S.146)

Gruß von Hans-Willi