Kassel / Berlin (kobinet)
Mandy Müller hat eine Arbeit geschrieben.
Die Arbeit ist über die AfD.
Es geht um Menschen mit Behinderung.
Mandy Müller hat die Arbeit im Sommer 2024 fertig gemacht.
Das ist eine große schriftliche Arbeit am Ende vom Studium.
Man untersucht ein Thema gründlich.
Mandy Müller bietet Kurse an.
In den Kursen lernt man etwas über die AfD.
Man lernt, wie man mit der AfD redet.
Man lernt die Argumente der AfD kennen.
Mandy Müller sagt auch:
Die Verbände müssen mehr tun.
Die Verbände müssen über die AfD aufklären.
Die Menschen müssen die AfD kennen.
Die Menschen müssen wissen: Was will die AfD?
Max Prigge hat ein Gespräch geführt.
Max Prigge arbeitet bei der ISL.
ISL bedeutet: Interessen-Vertretung Selbst-bestimmt Leben.
Eine Gruppe setzt sich für Menschen ein.
Die Gruppe spricht für die Menschen.
Die Gruppe kämpft für die Rechte.
Er hat mit Mandy Müller gesprochen.
Mandy Müller kommt aus Kassel.
Vielen Dank für Ihre Zeit.
Sie haben eine Arbeit geschrieben.
Die Arbeit ist über die AfD.
Warum haben Sie das Thema gewählt?
Ich habe selbst eine Behinderung.
Die Politik der AfD ist schlecht für mich.
Die AfD will Menschen ausgrenzen.
Jemand wird nicht mit-gemacht.
Die Person darf nicht dabei sein.
Die AfD macht das zur Normal-Sache.
Viele Menschen wissen:
Die AfD ist gegen Menschen.
Das weiß man aus der Wissenschaft.
Man will Neues heraus-finden.
Man stellt Fragen und sucht Antworten.
Aber: Es gibt wenig Forschung über die AfD.
Man untersucht etwas genau.
Man will Neues lernen und verstehen.
Es gibt wenig Forschung über die AfD und Menschen mit Behinderung.
Die AfD wird immer wichtiger.
Die AfD ist in der Politik wichtiger geworden.
Deshalb habe ich die Arbeit geschrieben.
Ich wollte die AfD verstehen.
Ich wollte die AfD erklären.
Die Arbeit ist für Menschen mit Behinderung.
Die Menschen sollen die AfD verstehen.
Hin-schauen ist wichtig.
Das ist jetzt besonders wichtig.
Die AfD gibt es schon länger.
Hat sich die AfD verändert?
Es geht um Menschen mit Behinderung.
Die AfD ist jetzt anders.
Die AfD ist nicht mehr so offen gegen Menschen mit Behinderung.
Die AfD ist jetzt versteckter.
Im Jahr 2018 gab es eine Anfrage.
Die AfD hat die Anfrage gestellt.
Die Anfrage war im Bundes-Tag.
Die AfD hat gesagt: Behinderung ist eine Last.
Die AfD wollte gegen Menschen aus anderen Ländern hetzen.
Jemand redet schlecht über andere Menschen.
Die Person macht andere wütend.
Die Person verbreitet Hass.
Viele Menschen waren dagegen.
Viele Menschen haben protestiert.
Danach war die AfD vorsichtiger.
Aber es gab weiter Angriffe.
Die AfD sagt jetzt:
Wir schützen Menschen mit Behinderung.
Aber das stimmt nicht.
Die AfD will Menschen mit Behinderung ausschließen.
Das steht im Wahl-Programm.
Die AfD hat ein altes Bild von Behinderung.
Die AfD sieht nur die Probleme.
Die UN hat eine Konvention gemacht.
Das ist ein Vertrag für Menschen mit Behinderung.
Viele Länder haben den Vertrag unterschrieben.
Die AfD ignoriert diese Rechte.
Die AfD sagt zum Beispiel:
In der Schule ist alles gut.
Aber das stimmt nicht.
Menschen mit Behinderung haben ein Recht auf Bildung.
Die AfD sagt: Das gibt es schon.
Aber das ist falsch.
Die ISL hat einen Brief geschrieben.
Der Brief war am 30. Juli 2025.
Der Brief war an die Gesundheits-Ministerin.
Eine Person in der Regierung.
Sie arbeitet für ein bestimmtes Thema.
Die AfD hat darauf reagiert.
Das war am 28. August 2025.
Die AfD hat eine Anfrage gestellt.
Die Anfrage war im Bundes-Tag.
Was sagen Sie zu der Anfrage?
Sie haben viel über die AfD geforscht.
Die Anfrage klingt gut.
Die Anfrage klingt sozial.
Aber das ist nur Theater.
Die AfD will etwas anderes erreichen.
Die AfD will sagen:
Die Regierung macht schlechte Politik.
So kann die AfD besser hetzen.
Die AfD sammelt auch Zahlen.
Die AfD will wissen: Wie viele Menschen mit Behinderung gibt es?
Die AfD sieht Behinderung als Problem.
Die AfD sieht nur die Kosten.
Die AfD benutzt den Brief der ISL.
Das ist ironisch.
Denn: Die AfD will keine Selbst-Bestimmung.
Die AfD hat das nie gefordert.
Die AfD will mehr Pflege zu Hause.
Das steht im Wahl-Programm.
Das hat 2 Vorteile für die AfD:
Vorteil 1:
Die AfD kann sagen: Wir machen gute Sozial-Politik.
So bekommt die AfD mehr Wähler.
Vorteil 2:
Menschen mit Behinderung bleiben zu Hause.
Sie werden von der Familie gepflegt.
Die AfD will keine Vielfalt.
Die AfD will eine gleiche Gesellschaft.
Zusammen-gefasst:
Die AfD benutzt die Kritik der ISL.
Die Kritik ist richtig.
Aber die AfD will etwas anderes.
Wird die AfD mehr über Behinderten-Politik reden?
Behinderten-Politik ist für die AfD nicht wichtig.
Aber die AfD wird weiter Stellung beziehen.
Die AfD hat schon Forderungen.
Zum Beispiel:
Keine Inklusion in der Schule.
Das bedeutet: Kinder mit Behinderung in Sonder-Schulen.
Mehr Werkstätten für behinderte Menschen.
Mehr Pflege durch die Familie.
Die AfD wird das weiter fordern.
Die AfD sagt dann:
Die Regierung macht schlechte Sozial-Politik.
Wir schützen die deutschen Rand-Gruppen.
Was sollen Menschen mit Behinderung tun?
Wenn jemand über die AfD redet?
Das Wahl-Programm klingt erst mal gut.
Aber es ist schlecht für Menschen mit Behinderung.
Man muss auf etwas achten.
Die AfD fordert viele Dinge nicht.
Zum Beispiel:
Die AfD redet nicht über Barriere-Freiheit.
Alle Menschen können etwas benutzen.
Zum Beispiel: Ein Haus oder eine Internet-seite.
Die AfD redet nicht über den Abbau von Barrieren.
Die AfD redet nicht über Teil-Habe.
Die AfD redet nicht über Selbst-Bestimmung.
Das muss man sagen.
Man muss erklären, was die AfD wirklich will.
Die AfD will keine Inklusion in der Schule.
Die AfD will keine Teil-Habe am Arbeits-Leben.
Die AfD will, dass Menschen mit Behinderung zu Hause bleiben.
Kurz gesagt:
Die AfD will Sonder-Welten.
Die AfD will Trennung.
Die AfD will Ausschluss.
Man sollte auf die UN-Konvention hinweisen.
Das ist der Vertrag über die Rechte von Menschen mit Behinderung.
Die AfD ignoriert diese Rechte.
Und man sollte sagen:
Die AfD will ein deutsches Volk.
Das Volk soll gleich sein.
Menschen, die anders sind, haben da keinen Platz.
Was sollen Verbände tun?
Zum Beispiel Selbst-Vertretungs-Organisationen?
Das sind Gruppen von Menschen mit Behinderung.
Die Menschen sprechen selbst für sich.
Sie vertreten ihre eigenen Interessen.
Wie sollen sie mit der AfD umgehen?
Ich rate zu mehr Aufklärung.
Die Verbände müssen ihre Mitglieder aufklären.
Die Mitglieder müssen die AfD kennen.
Man kann leicht auf die AfD herein-fallen.
Ich wünsche mir mehr Kurse.
Die Kurse sollen Menschen stark machen.
Die Kurse sollen gegen rechts sein.
Zum Beispiel:
Kurse über Argumente gegen rechts.
Oder Kurse über Selbst-Behauptung.
Sie sagen ihre Meinung.
Sie setzen sich durch.
Sie lassen sich nicht unterdrücken.
Wir als Menschen mit Behinderung müssen mehr tun.
Wir müssen das Thema beachten.
Es gibt schon eine Initiative.
Die Initiative heißt: Krüppel gegen Rechts.
Das ist ein toller Anfang.
Vielen Dank für das Gespräch.
Sie können die Bachelor-Arbeit hier lesen: Bachelor-Arbeit von Mandy Müller
Sie können den offenen Brief der ISL hier lesen: Offener Brief der ISL
Sie können die Anfrage der AfD hier lesen: Kleine Anfrage der AfD im Bundes-Tag

Foto: Ottmar Miles-Paul
Kassel / Berlin (kobinet) Mandy Müller hat sich in ihrer im Sommer 2024 eingereichten Bachelorarbeit intensiv mit den behindertenpolitischen Positionierungen der AfD beschäftigt. Sie tritt neben dem Angebot von Empowerment-Schulungen für den Umgang mit Argumenten und Aktivitäten der AfD dafür ein, dass auch in den Reihen der Behindertenorganisationen verstärkt Aufklärung über die Positionen und Strategien der AfD in Sachen Behindertenpolitik betrieben werden muss. Max Prigge von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) führte folgendes Interview mit Mandy Müller aus Kassel.
Max Prigge: Vielen Dank für Ihre Zeit. Sie haben eine Bachelorarbeit über die Behindertenpolitik der AfD geschrieben. Was war Ihre Motivation, dieses nicht gerade leichte Thema für das eigene Wohlbefinden auszuwählen?
Mandy Müller: Das eigene Wohlbefinden wäre für mich als Mensch mit Behinderung definitiv auch gefährdet, wenn die AfD mit ihren Positionen durchkommt – und sei es auch nur dadurch, dass sie den gesellschaftlichen Diskurs so weit verschiebt, dass Menschenfeindlichkeit zur Norm wird. Dass die AfD menschenfeindlich agiert, weiß man – auch in der Wissenschaft. Speziell auf Menschen mit Behinderungen bezogen gibt es allerdings bisher sehr wenige Untersuchungen der AfD-Politik. Im Hinblick auf die immer stärker werdende Präsenz der AfD in der politischen und auch gesellschaftlichen Landschaft wollte ich ihre behindertenpolitischen Positionierungen auf Basis aktueller Programme vor allem für uns Betroffene einordnen und über ihre Strategie aufklären. Hinschauen ist gerade wichtiger denn je.
Max Prigge: Wie sehr hat sich seit den Anfängen der Partei die Politik und der Sprachgebrauch im Hinblick auf Menschen mit Behinderung bis heute verändert?
Mandy Müller: Die Anfeindungen gegenüber Menschen mit Behinderungen sind wesentlich subtiler geworden. Nachdem 2018 eine kleine Anfrage der AfD zum Thema „Behinderung und Migration“, in der Behinderung ganz offen als zu vermeidende Last dargestellt und weiterhin als Argument für Anfeindungen gegenüber Migranten verwendet wurde, für einen großen gesellschaftlichen Aufschrei sorgte, trat die AfD etwas auf die Bremse. Zwar gab es seither durchaus weitere offene Anfeindungen wie zum Beispiel von Björn Höcke oder Maximilian Krah. Generell inszeniert sich die AfD aber gern als Beschützerin der Rechte von Menschen mit Behinderungen. Doch was sie fordert, beispielsweise im Wahlprogramm zur letzten Bundestagswahl, ist Separierung und Exklusion in allen Lebensbereichen – getarnt unter dem Deckmantel des Beschützertums.
Außerdem vertritt die AfD von Beginn an ein veraltetes und defizitorientiertes Modell von Behinderung und missachtet nicht nur die durch die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) festgeschriebenen Menschenrechte, sondern negiert diese stellenweise sogar. So spricht sie beispielsweise im aktuellen Grundsatzprogramm davon, dass im Bereich der schulischen Inklusion die Forderungen der UN-BRK bereits erfüllt seien und negiert so das Recht auf Teilhabe im Bildungsbereich.
Max Prigge: Die AfD hat bezugnehmend auf den offenen Brief der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) an die Gesundheitsministerin vom 30. Juli 2025 am 28. August 2025 eine kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt, wo sie die von der ISL angesprochenen Missstände aufgreift. Wie beurteilen Sie diese kleine Anfrage im Hinblick auf Ihre Forschungen im Rahmen Ihrer Bachelorarbeit?
Mandy Müller: Die Anfrage zeigt genau diese Selbstinszenierung, von der ich vorhin sprach. Sie klingt auf den ersten Blick sehr sozial, ist aber in erster Linie als Instrument zu betrachten, der Regierung mangelnde Sozialpolitik für das „eigene Volk“ zu unterstellen, um ihre Hetzkampagne besser zu begründen. Weiterhin sieht man hier sehr anschaulich, dass die Gelegenheit genutzt wird, um einmal wieder aktuelle quantitative Daten über Menschen mit Behinderungen zu sammeln, was an sich schon für ein sehr defizitorientiertes Modell von Behinderung spricht. Auch hier schwingt vor allem der Tenor von Menschen mit Behinderung als Kostenfaktor mit, wie es bei den behindertenpolitischen Positionierungen der AfD häufig der Fall ist.
Ironischerweise beruft sich die AfD in ihrer Anfrage auf einen offenen Brief der ISL, obwohl die AfD selbst in keiner Weise jemals Forderungen vertrat, die die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen fördern würden – im Gegenteil. Die Stärkung der häuslichen Pflege ist der AfD ein großes Anliegen, auch im aktuellen Wahlprogramm ist diese Forderung festgeschrieben. Dies hat für die AfD zwei Vorteile: Erstens die Besetzung eines sozialpolitischen Themas, was durchaus relevant ist zur Wählergenerierung. Und zweitens würde mit der Stärkung der Pflege durch Angehörige, ohne dabei gleichzeitig auch Teilhabemaßnahmen wie zum Beispiel die persönliche Assistenz zu stärken, einen Rückzug von Menschen mit Behinderungen ins Private bewirken. Sie wären in der Gesellschaft weniger präsent, was dem diversitätsablehnenden Gesellschaftsbild der AfD natürlich zugunsten käme.
Zusammengefasst: Mit dieser kleinen Anfrage und der Instrumentalisierung der absolut berechtigten geäußerten Kritik der ISL schlägt die AfD gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe in Bezug auf ihre politische Strategie.
Max Prigge: Ist zu erwarten, dass die AfD die Behindertenpolitik immer mehr besetzen wird?
Mandy Müller: Das Thema Behindertenpolitik ist bei der AfD kein besonders relevantes. Dennoch wird sie, gerade in den Bereichen, in denen sie sowieso schon Forderungen stellt – wie schulische Exklusion, Stärkung des Systems der Werkstätten für behinderte Menschen und Pflege durch Angehörige –, auch weiterhin Stellung beziehen. Vor allem, wenn dies eine Möglichkeit darstellt, die aktuelle Regierung in punkto Sozialpolitik an den Pranger zu stellen und sich selbst als Beschützerin der (deutschen) Randgruppen darzustellen.
Max Prigge: Was raten Sie Betroffenen, wenn sie auf die Behindertenpolitik der AfD angesprochen werden? Vor allem auch im Hinblick darauf, dass ihr aktuelles Wahlprogramm erst beim zweiten Blick für Menschen mit Behinderung als negativ ersichtlich wird.
Mandy Müller: Vor allem ist das Wahlprogramm ganz stark im Kontext dessen zu betrachten, was die AfD in Bezug auf Behindertenpolitik NICHT fordert. Wörter wie Barrierefreiheit oder -abbau, Teilhabe oder Selbstbestimmung kommen in diesem Kontext nicht vor. Und das zu benennen, ist meine erste Empfehlung. Die zweite ist, zu erklären, was die Forderungen der AfD tatsächlich bedeuten, nämlich: wenig bis gar keine schulische Inklusion, keine Teilhabe am Arbeitsleben, zumindest nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt, und Rückzug ins Private – kurz: Sonderwelten, Separierung und Exklusion.
Außerdem würde ich stets auf die UN-Behindertenrechtskonvention und die darin festgeschriebenen Menschenrechte für Menschen mit Behinderung verweisen, die von der AfD konsequent ignoriert werden. Und zuletzt würde ich auf die generelle Tatsache verweisen, dass die Idealvorstellung der AfD einfach gesagt ein homogenes deutsches Volk ist. Da haben Menschen, die in irgendeiner Weise als „anders“ gesehen werden könnten, keinen Platz.
Max Prigge: Was raten Sie Verbänden wie Selbstvertretungsorganisationen oder anderen Behindertenverbänden, wie sie mit der AfD umgehen sollten?
Mandy Müller: Ich rate zu mehr Aufklärung in den eigenen Reihen über die Strategie der AfD, auf die man leicht hereinfallen kann. Und ich wünsche mir mehr stärkende, empowernde Maßnahmen gegen rechts. Veranstaltungen wie „Gegen rechts argumentieren lernen“ oder „Selbstbehauptung trotz Rechtsruck“ oder etwas in der Art würde ich sehr begrüßen. Wir als Betroffene sollten dieses Thema viel mehr auf dem Schirm haben und in unsere Arbeit mit aufnehmen. Die Initiative „Krüppel gegen Rechts“ ist hier ein toller Anfang!
Max Prigge: Vielen Dank für das Interview.
Link zur Vorstellung der Bachelorarbeit von Mandy Müller von H.-Günter Heiden

Foto: Ottmar Miles-Paul
Kassel / Berlin (kobinet) Mandy Müller hat sich in ihrer im Sommer 2024 eingereichten Bachelorarbeit intensiv mit den behindertenpolitischen Positionierungen der AfD beschäftigt. Sie tritt neben dem Angebot von Empowerment-Schulungen für den Umgang mit Argumenten und Aktivitäten der AfD dafür ein, dass auch in den Reihen der Behindertenorganisationen verstärkt Aufklärung über die Positionen und Strategien der AfD in Sachen Behindertenpolitik betrieben werden muss. Max Prigge von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) führte folgendes Interview mit Mandy Müller aus Kassel.
Max Prigge: Vielen Dank für Ihre Zeit. Sie haben eine Bachelorarbeit über die Behindertenpolitik der AfD geschrieben. Was war Ihre Motivation, dieses nicht gerade leichte Thema für das eigene Wohlbefinden auszuwählen?
Mandy Müller: Das eigene Wohlbefinden wäre für mich als Mensch mit Behinderung definitiv auch gefährdet, wenn die AfD mit ihren Positionen durchkommt – und sei es auch nur dadurch, dass sie den gesellschaftlichen Diskurs so weit verschiebt, dass Menschenfeindlichkeit zur Norm wird. Dass die AfD menschenfeindlich agiert, weiß man – auch in der Wissenschaft. Speziell auf Menschen mit Behinderungen bezogen gibt es allerdings bisher sehr wenige Untersuchungen der AfD-Politik. Im Hinblick auf die immer stärker werdende Präsenz der AfD in der politischen und auch gesellschaftlichen Landschaft wollte ich ihre behindertenpolitischen Positionierungen auf Basis aktueller Programme vor allem für uns Betroffene einordnen und über ihre Strategie aufklären. Hinschauen ist gerade wichtiger denn je.
Max Prigge: Wie sehr hat sich seit den Anfängen der Partei die Politik und der Sprachgebrauch im Hinblick auf Menschen mit Behinderung bis heute verändert?
Mandy Müller: Die Anfeindungen gegenüber Menschen mit Behinderungen sind wesentlich subtiler geworden. Nachdem 2018 eine kleine Anfrage der AfD zum Thema „Behinderung und Migration“, in der Behinderung ganz offen als zu vermeidende Last dargestellt und weiterhin als Argument für Anfeindungen gegenüber Migranten verwendet wurde, für einen großen gesellschaftlichen Aufschrei sorgte, trat die AfD etwas auf die Bremse. Zwar gab es seither durchaus weitere offene Anfeindungen wie zum Beispiel von Björn Höcke oder Maximilian Krah. Generell inszeniert sich die AfD aber gern als Beschützerin der Rechte von Menschen mit Behinderungen. Doch was sie fordert, beispielsweise im Wahlprogramm zur letzten Bundestagswahl, ist Separierung und Exklusion in allen Lebensbereichen – getarnt unter dem Deckmantel des Beschützertums.
Außerdem vertritt die AfD von Beginn an ein veraltetes und defizitorientiertes Modell von Behinderung und missachtet nicht nur die durch die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) festgeschriebenen Menschenrechte, sondern negiert diese stellenweise sogar. So spricht sie beispielsweise im aktuellen Grundsatzprogramm davon, dass im Bereich der schulischen Inklusion die Forderungen der UN-BRK bereits erfüllt seien und negiert so das Recht auf Teilhabe im Bildungsbereich.
Max Prigge: Die AfD hat bezugnehmend auf den offenen Brief der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) an die Gesundheitsministerin vom 30. Juli 2025 am 28. August 2025 eine kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt, wo sie die von der ISL angesprochenen Missstände aufgreift. Wie beurteilen Sie diese kleine Anfrage im Hinblick auf Ihre Forschungen im Rahmen Ihrer Bachelorarbeit?
Mandy Müller: Die Anfrage zeigt genau diese Selbstinszenierung, von der ich vorhin sprach. Sie klingt auf den ersten Blick sehr sozial, ist aber in erster Linie als Instrument zu betrachten, der Regierung mangelnde Sozialpolitik für das „eigene Volk“ zu unterstellen, um ihre Hetzkampagne besser zu begründen. Weiterhin sieht man hier sehr anschaulich, dass die Gelegenheit genutzt wird, um einmal wieder aktuelle quantitative Daten über Menschen mit Behinderungen zu sammeln, was an sich schon für ein sehr defizitorientiertes Modell von Behinderung spricht. Auch hier schwingt vor allem der Tenor von Menschen mit Behinderung als Kostenfaktor mit, wie es bei den behindertenpolitischen Positionierungen der AfD häufig der Fall ist.
Ironischerweise beruft sich die AfD in ihrer Anfrage auf einen offenen Brief der ISL, obwohl die AfD selbst in keiner Weise jemals Forderungen vertrat, die die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen fördern würden – im Gegenteil. Die Stärkung der häuslichen Pflege ist der AfD ein großes Anliegen, auch im aktuellen Wahlprogramm ist diese Forderung festgeschrieben. Dies hat für die AfD zwei Vorteile: Erstens die Besetzung eines sozialpolitischen Themas, was durchaus relevant ist zur Wählergenerierung. Und zweitens würde mit der Stärkung der Pflege durch Angehörige, ohne dabei gleichzeitig auch Teilhabemaßnahmen wie zum Beispiel die persönliche Assistenz zu stärken, einen Rückzug von Menschen mit Behinderungen ins Private bewirken. Sie wären in der Gesellschaft weniger präsent, was dem diversitätsablehnenden Gesellschaftsbild der AfD natürlich zugunsten käme.
Zusammengefasst: Mit dieser kleinen Anfrage und der Instrumentalisierung der absolut berechtigten geäußerten Kritik der ISL schlägt die AfD gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe in Bezug auf ihre politische Strategie.
Max Prigge: Ist zu erwarten, dass die AfD die Behindertenpolitik immer mehr besetzen wird?
Mandy Müller: Das Thema Behindertenpolitik ist bei der AfD kein besonders relevantes. Dennoch wird sie, gerade in den Bereichen, in denen sie sowieso schon Forderungen stellt – wie schulische Exklusion, Stärkung des Systems der Werkstätten für behinderte Menschen und Pflege durch Angehörige –, auch weiterhin Stellung beziehen. Vor allem, wenn dies eine Möglichkeit darstellt, die aktuelle Regierung in punkto Sozialpolitik an den Pranger zu stellen und sich selbst als Beschützerin der (deutschen) Randgruppen darzustellen.
Max Prigge: Was raten Sie Betroffenen, wenn sie auf die Behindertenpolitik der AfD angesprochen werden? Vor allem auch im Hinblick darauf, dass ihr aktuelles Wahlprogramm erst beim zweiten Blick für Menschen mit Behinderung als negativ ersichtlich wird.
Mandy Müller: Vor allem ist das Wahlprogramm ganz stark im Kontext dessen zu betrachten, was die AfD in Bezug auf Behindertenpolitik NICHT fordert. Wörter wie Barrierefreiheit oder -abbau, Teilhabe oder Selbstbestimmung kommen in diesem Kontext nicht vor. Und das zu benennen, ist meine erste Empfehlung. Die zweite ist, zu erklären, was die Forderungen der AfD tatsächlich bedeuten, nämlich: wenig bis gar keine schulische Inklusion, keine Teilhabe am Arbeitsleben, zumindest nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt, und Rückzug ins Private – kurz: Sonderwelten, Separierung und Exklusion.
Außerdem würde ich stets auf die UN-Behindertenrechtskonvention und die darin festgeschriebenen Menschenrechte für Menschen mit Behinderung verweisen, die von der AfD konsequent ignoriert werden. Und zuletzt würde ich auf die generelle Tatsache verweisen, dass die Idealvorstellung der AfD einfach gesagt ein homogenes deutsches Volk ist. Da haben Menschen, die in irgendeiner Weise als „anders“ gesehen werden könnten, keinen Platz.
Max Prigge: Was raten Sie Verbänden wie Selbstvertretungsorganisationen oder anderen Behindertenverbänden, wie sie mit der AfD umgehen sollten?
Mandy Müller: Ich rate zu mehr Aufklärung in den eigenen Reihen über die Strategie der AfD, auf die man leicht hereinfallen kann. Und ich wünsche mir mehr stärkende, empowernde Maßnahmen gegen rechts. Veranstaltungen wie „Gegen rechts argumentieren lernen“ oder „Selbstbehauptung trotz Rechtsruck“ oder etwas in der Art würde ich sehr begrüßen. Wir als Betroffene sollten dieses Thema viel mehr auf dem Schirm haben und in unsere Arbeit mit aufnehmen. Die Initiative „Krüppel gegen Rechts“ ist hier ein toller Anfang!
Max Prigge: Vielen Dank für das Interview.
Link zur Vorstellung der Bachelorarbeit von Mandy Müller von H.-Günter Heiden





Guten Tag, ich möchte mich Stephan Laux anschließen. Die Fokussierung auf die AFD in den ostdeutschen Ländern ist sicher bitter nötig. Aber nehmen wir gerade die anderen Parteien bundespolitisch nicht aus der Pflicht.
Grüße von Martin Theben
Eine Aufstellung mit inzwischen 24 ableistischen und menschenfeindlichen Aussagen von AfD-Politikern und aus dem Umfeld der AfD auf Bluesky
Guten Morgen Frau Müller, guten Morgen Herr Prügge,
bevor sich bekennende AfD-Stammwähler zu Wort melden,
möchte ich mich schnell noch bei Ihnen bedanken, dass eventuell meine Kolumne Mut zur Lücke und vielleicht auch die Beiträge von Ralph Milewski, bewusst oder auch unbewusst als Impuls für dieses Interview dienen durften?
Mich hätte Ihre Lesermeinung dazu interessiert.
Frau Müllers Empfehlungen an, Betroffene, Verbände wie Selbstvertretungsorganisationen oder andere Behindertenverbände würde ich gerne noch durch die Empfehlung an Parteien und Politiker*innen der sogenannten politischen Mitte ergänzen, sich endlich der behinderten- und sozialpolitischen Lücken entschlossen anzunehmen, die die AfD zunehmend zu besetzen versucht.
Solidarische Grüße
Stephan Laux