Fladungen
Ich habe im Januar 2025 einen Artikel geschrieben.
Der Artikel hieß: Aktion Mensch ist moderner Ablass-Handel.
Ablass bedeutet: Früher verkaufte die Kirche Zettel.
Diese Zettel hießen Ablass-Briefe.
Die Menschen glaubten: Wer einen Zettel kauft, kommt in den Himmel.
Das war vor 500 Jahren so.
Das bedeutet: Die Aktion Mensch macht keine echte Inklusion.
Inklusion bedeutet: Alle Menschen machen mit.
Niemand wird ausgeschlossen oder vergessen.
Menschen mit Behinderung gehören dazu.
Sie sind überall dabei.
In dem Artikel habe ich geschrieben:
Die Lotterie von Aktion Mensch hilft nicht richtig.
Menschen kaufen Lose.
Dann denken sie: Ich habe etwas Gutes getan.
Aber die echten Probleme bleiben.
Menschen mit Behinderung haben immer noch Barrieren.
Eine Barriere ist etwas, das im Weg steht.
Zum Beispiel ein Zaun oder eine Schranke.
Diese Barrieren gehen nicht weg.
Ich habe damals geschrieben:
Diese Projekte dürfen da sein.
Aber sie sind keine echte Inklusion.
Jetzt ist ein halbes Jahr vorbei.
Die Aktion Mensch hat ihren Jahres-Bericht 2024 gemacht.
Am 24. Juli 2025 haben sie einen Newsletter geschickt.
Ein Newsletter ist eine Nachricht mit Informationen.
Man bekommt ihn oft per E-Mail.
In dem Newsletter stehen Rekord-Zahlen.
Rekord-Zahlen bedeutet: Das ist das Größte was es bisher gab.
Sie loben sich selbst.
Sie zeigen bekannte Personen.
Sie erzählen wieder: Wir helfen allen.
Das sieht aus wie eine Erfolgs-Geschichte.
Aber es bestätigt meine Kritik.
Teilhabe bedeutet: Bei etwas mit-machen.
Man kann mit-bestimmen.
Teilhabe wird verkauft.
Teilhabe wird nicht wirklich gemacht.
Die Aktion Mensch hat fast 590 Millionen Euro bekommen.
Das Geld kam von der Lotterie.
Sie haben rund 240 Millionen Euro für Projekte ausgegeben.
Sie haben 9444 Projekte gefördert.
Die Aktion Mensch sagt: Wir sind die beste Sozial-Lotterie.
Aber eine wichtige Frage bleibt offen:
Was wurde 2024 wirklich für Inklusion getan?
Echte Inklusion bedeutet: Alle haben die gleichen Rechte.
Diese Rechte sind für immer da.
Die geförderten Projekte haben Probleme:
Sie sind nur für eine bestimmte Zeit da.
Man muss einen Antrag stellen.
Nicht alle bekommen Geld.
Wer Glück hat, bekommt Förderung.
Wer kein Glück hat, geht leer aus.
So wird Teilhabe wie ein Geschenk behandelt.
Aber Teilhabe ist ein Recht.
Menschen mit Behinderung bekommen nur etwas.
Sie können nicht selbst entscheiden.
Die Macht-Verhältnisse bleiben gleich.
Das ist gegen die UN-Behinderten-Rechts-Konvention.
Das ist ein Vertrag der UNO.
Viele Länder haben unterschrieben.
UN-BRK ist die Abkürzung dafür.
Deutschland hat diese Konvention 2009 unterschrieben.
Die UN-BRK sagt:
Staaten müssen Menschen mit Behinderung helfen.
Diese Hilfe muss immer da sein.
Sie muss in Gesetzen stehen.
Sie darf nicht von Spenden abhängen.
Sie darf nicht vom Glück abhängen.
Artikel 4 der UN-BRK sagt:
Staaten müssen Gesetze machen.
Diese Gesetze müssen Menschen mit Behinderung schützen.
Artikel 19 sagt:
Menschen mit Behinderung sollen selbst-bestimmt leben.
Selbst-bestimmt bedeutet: Man entscheidet für sich selbst.
Niemand anderes bestimmt über einen.
Sie sollen dabei sein.
Artikel 27 sagt:
Menschen mit Behinderung sollen arbeiten können.
Artikel 29 sagt:
Menschen mit Behinderung sollen mit-reden können.
Sie sollen wählen können.
Diese Artikel sagen klar:
Das sind Rechte.
Das sind keine Geschenke von einer Lotterie.
Die Aktion Mensch verkauft Lose.
Sie macht Sonder-Projekte.
Das ist vielleicht gut gemeint.
Aber es schadet auch.
Es ersetzt nicht die Arbeit vom Staat.
Die UN-BRK sagt: Der Staat muss helfen.
Teilhabe darf nicht von Projekten abhängen.
Teilhabe muss für immer da sein.
Sie muss in Gesetzen stehen.
Alles andere macht aus einem Recht ein Geschenk.
Geschenke kann man weg-nehmen.
Rechte nicht.
Das sieht man auch an der Werbung.
Die Aktion Mensch macht Videos mit Computer-Programmen.
KI bedeutet: Computer können denken wie Menschen.
Das nennt man künstliche Intelligenz.
Das nennt man KI-gemacht.
Sie schicken Chat-Bots.
Das sind Computer-Programme zum Schreiben.
Sie bewerben das Inklusions-Mobil.
Das ist ein kleiner Bus.
In dem Bus sind Sport-Sachen.
Sie sagen: Das ist ein Leucht-turm-Projekt.
Aber das ist ein Problem:
Inklusion im Sport hängt dann von dem Bus ab.
Der Bus fährt nur manchmal irgendwo hin.
Das ist kein Fortschritt.
Das ist ein Rück-schritt.
Die Aktion Mensch gibt viel Geld aus.
Aber sie macht nur Zeit-begrenzte Sonder-Welten.
Menschen mit Behinderung bleiben unter sich.
Das ist keine echte Inklusion.
Sie fördern Theater-Projekte.
Sie fördern Cafés.
Sie fördern Freizeit-Angebote.
Sie fördern Wohn-Modelle.
Aber das ersetzt nicht den echten Zugang:
Zugang zu normalem Theater.
Zugang zu normalen Wohnungen.
Zugang zu normalen Vereinen.
Der Jahres-Bericht 2024 zeigt keinen Fortschritt.
Er zeigt nur: Inklusion wird verwaltet.
Was als Teilhabe verkauft wird, ist kein echtes Recht.
Die Aktion Mensch feiert sich selbst.
Aber sie macht eigentlich ein Stand-by-Modell.
Stand-by bedeutet: Es ist da, aber es tut nichts.
Das bestätigt, was ich im Januar geschrieben habe:
Die Organisation macht Ausgrenzung leichter.
Sie beseitigt Ausgrenzung nicht.

Foto: Ralph Milewski
Fladungen (kobinet) Im Januar 2025 habe ich in meinem Artikel "Aktion Mensch: Moderner Ablasshandel statt echter Inklusion" (kobinet-nachrichten, 30.01.2025) kritisiert, dass die Lotterie der Aktion Mensch kein Beitrag zu struktureller Inklusion ist, sondern ein System moralischer Entlastung. Wer ein Los kauft, beruhigt sein Gewissen, aber verändert nichts an den realen Barrieren, denen Menschen mit Behinderung täglich begegnen. Ich habe damals geschrieben: "Diese Projekte dürfen existieren – aber sie dürfen niemals als echte Inklusion verkauft werden."
Nun, ein halbes Jahr später, veröffentlicht die Aktion Mensch ihren Jahresbericht 2024 und begleitet ihn mit einem Newsletter vom 24.07.2025. Darin: Rekordzahlen, Selbstlob, prominente Gesichter und wieder das altbekannte Narrativ vom „helfenden Wir“. Was sich als Erfolgsgeschichte inszeniert, bestätigt in Wirklichkeit meine damalige Analyse. Teilhabe wird weiterhin vermarktet, nicht verwirklicht.
Mit fast 590 Millionen Euro Lotterieeinnahmen, rund 240 Millionen Euro Fördervolumen und 9.444 Projekten feiert sich die Aktion Mensch als Deutschlands erfolgreichste Soziallotterie. Doch bei aller finanziellen Schlagkraft bleibt die zentrale Frage unbeantwortet. Was wurde 2024 tatsächlich an gleichberechtigter, strukturell gesicherter Inklusion erreicht?
Die geförderten Maßnahmen sind weiterhin projektbasiert, befristet und von Antrag und Auswahl abhängig. Wer gefördert wird, hat Glück. Wer nicht, bleibt außen vor. Teilhabe wird so zum verteilbaren Gut, nicht zum einklagbaren Recht. Menschen mit Behinderung bleiben Empfängerinnen und Empfänger, nicht gleichberechtigte Mitgestaltende. Das Machtgefälle zwischen Gebenden und Empfangenden bleibt unangetastet.
Diese Logik steht im Widerspruch zur UN-Behindertenrechtskonvention, die Deutschland seit 2009 ratifiziert hat.
Die UN-BRK verpflichtet Staaten dazu, die gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen systematisch, dauerhaft und rechtsverbindlich zu gewährleisten – nicht durch Spenden, Losglück oder Gnade, sondern durch Gesetze, Strukturen und politische Verantwortung.
Artikel 4 (Verpflichtungen der Staaten) spricht von der „Verpflichtung, alle geeigneten Maßnahmen gesetzgeberischer, verwaltungsmäßiger und sonstiger Art zu treffen“. Artikel 19 (Unabhängige Lebensführung und Einbeziehung in die Gemeinschaft), Artikel 27 (Arbeit und Beschäftigung) oder Artikel 29 (Teilhabe am politischen und öffentlichen Leben) machen unmissverständlich klar, dass es um verbriefte Rechte geht, nicht um zufällige Förderung über eine Lotterie.
Wenn eine private Organisation wie Aktion Mensch mit dem Verkauf von Losen angeblich Teilhabe in Sonderprojekten und Sonderformaten anbietet, dann ist das im besten Fall eine gut gemeinte, aber letztlich untergrabende Maßnahme. Es ersetzt nicht die staatliche Verantwortung, die die UN-BRK eindeutig einfordert. Denn Teilhabe darf nicht von befristeten Projekten, Förderkriterien oder symbolischer Sichtbarkeit abhängen, sondern muss dauerhaft, strukturell und rechtsverbindlich gesichert sein. Alles andere verschiebt den Anspruch von einem verankerten Recht hin zu einer Geste, die jederzeit entzogen oder umgedeutet werden kann.
Besonders deutlich wird diese Verschiebung in der aktuellen PR-Strategie. Die Aktion Mensch dankt per KI-generiertem Video den Loskäuferinnen und -käufern, schickt Chatbots in die Kommunikation und bewirbt das „Inklusionsmobil“ – einen Kleinbus mit Sportmaterialien – als Leuchtturmprojekt. Dass Inklusion im Sport dann also davon abhängt, ob und wann ein solcher Bus durch die Republik gondelt, ist kein Fortschritt, sondern eine Bankrotterklärung.
Die Investitionen der Aktion Mensch mögen groß sein, doch solange sie auf temporäre Sonderwelten zielen, in denen Menschen mit Behinderung unter sich bleiben, fehlt die strukturelle Ambition. Theaterprojekte, Cafés, Freizeitangebote, Wohnmodelle – all das ersetzt nicht den Zugang zum regulären Kunst- und Kulturbetrieb, Wohnungsmarkt oder Vereinsleben.
Der Jahresbericht 2024 dokumentiert kein Fortschreiten von Inklusion, sondern deren Verwaltung. Was als Teilhabe verkauft wird, bleibt unterhalb der Schwelle eines Rechts. Dass die Aktion Mensch sich erneut als Motor feiert, während sie de facto ein Stand-by-Modell der gesellschaftlichen Verantwortung betreibt, bestätigt nur, was ich im Januar geschrieben habe. Die Organisation erleichtert Exklusion, sie beseitigt sie nicht.

Foto: Ralph Milewski
Fladungen (kobinet) Im Januar 2025 habe ich in meinem Artikel "Aktion Mensch: Moderner Ablasshandel statt echter Inklusion" (kobinet-nachrichten, 30.01.2025) kritisiert, dass die Lotterie der Aktion Mensch kein Beitrag zu struktureller Inklusion ist, sondern ein System moralischer Entlastung. Wer ein Los kauft, beruhigt sein Gewissen, aber verändert nichts an den realen Barrieren, denen Menschen mit Behinderung täglich begegnen. Ich habe damals geschrieben: "Diese Projekte dürfen existieren – aber sie dürfen niemals als echte Inklusion verkauft werden."
Nun, ein halbes Jahr später, veröffentlicht die Aktion Mensch ihren Jahresbericht 2024 und begleitet ihn mit einem Newsletter vom 24.07.2025. Darin: Rekordzahlen, Selbstlob, prominente Gesichter und wieder das altbekannte Narrativ vom „helfenden Wir“. Was sich als Erfolgsgeschichte inszeniert, bestätigt in Wirklichkeit meine damalige Analyse. Teilhabe wird weiterhin vermarktet, nicht verwirklicht.
Mit fast 590 Millionen Euro Lotterieeinnahmen, rund 240 Millionen Euro Fördervolumen und 9.444 Projekten feiert sich die Aktion Mensch als Deutschlands erfolgreichste Soziallotterie. Doch bei aller finanziellen Schlagkraft bleibt die zentrale Frage unbeantwortet. Was wurde 2024 tatsächlich an gleichberechtigter, strukturell gesicherter Inklusion erreicht?
Die geförderten Maßnahmen sind weiterhin projektbasiert, befristet und von Antrag und Auswahl abhängig. Wer gefördert wird, hat Glück. Wer nicht, bleibt außen vor. Teilhabe wird so zum verteilbaren Gut, nicht zum einklagbaren Recht. Menschen mit Behinderung bleiben Empfängerinnen und Empfänger, nicht gleichberechtigte Mitgestaltende. Das Machtgefälle zwischen Gebenden und Empfangenden bleibt unangetastet.
Diese Logik steht im Widerspruch zur UN-Behindertenrechtskonvention, die Deutschland seit 2009 ratifiziert hat.
Die UN-BRK verpflichtet Staaten dazu, die gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen systematisch, dauerhaft und rechtsverbindlich zu gewährleisten – nicht durch Spenden, Losglück oder Gnade, sondern durch Gesetze, Strukturen und politische Verantwortung.
Artikel 4 (Verpflichtungen der Staaten) spricht von der „Verpflichtung, alle geeigneten Maßnahmen gesetzgeberischer, verwaltungsmäßiger und sonstiger Art zu treffen“. Artikel 19 (Unabhängige Lebensführung und Einbeziehung in die Gemeinschaft), Artikel 27 (Arbeit und Beschäftigung) oder Artikel 29 (Teilhabe am politischen und öffentlichen Leben) machen unmissverständlich klar, dass es um verbriefte Rechte geht, nicht um zufällige Förderung über eine Lotterie.
Wenn eine private Organisation wie Aktion Mensch mit dem Verkauf von Losen angeblich Teilhabe in Sonderprojekten und Sonderformaten anbietet, dann ist das im besten Fall eine gut gemeinte, aber letztlich untergrabende Maßnahme. Es ersetzt nicht die staatliche Verantwortung, die die UN-BRK eindeutig einfordert. Denn Teilhabe darf nicht von befristeten Projekten, Förderkriterien oder symbolischer Sichtbarkeit abhängen, sondern muss dauerhaft, strukturell und rechtsverbindlich gesichert sein. Alles andere verschiebt den Anspruch von einem verankerten Recht hin zu einer Geste, die jederzeit entzogen oder umgedeutet werden kann.
Besonders deutlich wird diese Verschiebung in der aktuellen PR-Strategie. Die Aktion Mensch dankt per KI-generiertem Video den Loskäuferinnen und -käufern, schickt Chatbots in die Kommunikation und bewirbt das „Inklusionsmobil“ – einen Kleinbus mit Sportmaterialien – als Leuchtturmprojekt. Dass Inklusion im Sport dann also davon abhängt, ob und wann ein solcher Bus durch die Republik gondelt, ist kein Fortschritt, sondern eine Bankrotterklärung.
Die Investitionen der Aktion Mensch mögen groß sein, doch solange sie auf temporäre Sonderwelten zielen, in denen Menschen mit Behinderung unter sich bleiben, fehlt die strukturelle Ambition. Theaterprojekte, Cafés, Freizeitangebote, Wohnmodelle – all das ersetzt nicht den Zugang zum regulären Kunst- und Kulturbetrieb, Wohnungsmarkt oder Vereinsleben.
Der Jahresbericht 2024 dokumentiert kein Fortschreiten von Inklusion, sondern deren Verwaltung. Was als Teilhabe verkauft wird, bleibt unterhalb der Schwelle eines Rechts. Dass die Aktion Mensch sich erneut als Motor feiert, während sie de facto ein Stand-by-Modell der gesellschaftlichen Verantwortung betreibt, bestätigt nur, was ich im Januar geschrieben habe. Die Organisation erleichtert Exklusion, sie beseitigt sie nicht.




