Fladungen (kobinet)
Von Aktivisten erwartet man keine fertige Zustimmung.
Aktivist bedeutet: Eine Person die etwas macht.
Sie will die Gesellschaft ändern.
Von gewählten Abgeordneten erwartet man klare Haltung.
Abgeordnete bedeutet: Abgeordnete sprechen für die Bürger.
Sie arbeiten in der Politik.
Stephan Laux hat eine Interview-Reihe gemacht.
Interview bedeutet: Ein Gespräch mit Fragen und Antworten.
Die Reihe heißt: Teilhabe ist nichts für Feiglinge.
Er hat 10 Fragen an Grünen-Politiker gestellt.
Die Politiker heißen Felix Martin und Christoph Sippel.
Beide sind Mitglieder im Hessischen Land-Tag.
Es ist gut, dass sie geantwortet haben.
Die SPD-Fraktion hat sich nicht gemeldet.
Fraktion bedeutet: Eine Gruppe von Politikern.
Sie arbeiten zusammen im Parlament.
Aber die Antworten zeigen noch keine echte Dialog-Fähigkeit.
Dialog-Fähigkeit bedeutet: Gut mit anderen sprechen können.
Man hört zu und versteht andere Menschen.
Die meisten Antworten sind unkonkret.
Sie weichen aus.
Sie entziehen sich der politischen Verantwortung.
Die Fragen waren schon entschärft.
Stephan Laux hat bewusst freundlich gefragt.
Die Fragen waren moderat und sachlich.
Sie waren auf Konsens angelegt.
Konsens bedeutet: Alle sind einer Meinung.
Eine Gruppe findet eine Lösung.
Alle in der Gruppe sind einverstanden.
Eine ernsthafte politische Auseinander-Setzung war möglich.
Die Gesprächs-Grundlage war da.
Aber es kamen kaum belastbare Inhalte.
Statt Haltung gab es Allgemein-Plätze.
Allgemein-Plätze bedeutet: Aussagen die nichts Konkretes sagen.
Jeder kann zustimmen.
Sie helfen nicht weiter.
Statt Einsicht gab es Ausweich-Manöver.
Ausweich-Manöver bedeutet: Einer Frage aus dem Weg gehen.
Man antwortet nicht direkt.
Es kamen nur Floskeln.
Beispiel: Die Rolle der Beiräte
Eine Frage war wichtig.
Sollen Behinderten-Beiräte nur bei behinderten-spezifischen Themen mit-reden?
Oder sollen sie bei allen kommunal-politischen Entscheidungen mit-reden?
Diese Frage wurde nicht beantwortet.
Die Politiker gaben eine Nebel-Antwort.
Sie sagten: Menschen mit Behinderung haben bei fast allen Themen eine besondere Sicht.
Also sollen die Beiräte selbst entscheiden.
Sie sollen selbst entscheiden, womit sie sich befassen.
Das klingt partizipativ.
Partizipativ bedeutet: Mit-machen.
Alle Menschen können mit-sprechen und mit-entscheiden.
Aber es ist ein Rückzug des Staates.
Der Staat will keine klaren Mit-Bestimmungs-Rechte schaffen.
Repräsentation ohne Legitimation: entlarvendes Schweigen
Repräsentation bedeutet: Für andere Menschen sprechen.
Jemand vertritt eine Gruppe von Menschen.
Legitimation bedeutet: Das Recht etwas zu tun.
Andere Menschen haben dem zugestimmt.
Stephan Laux fragte provokativ.
Er fragte: Ist der Landes-Beauftragte für Menschen mit Behinderungen nicht wie ein Bundes-Präsident?
Also eine Symbol-Figur ohne demokratische Rück-Bindung?
Demokratisch bedeutet: Das Volk entscheidet.
Die Menschen wählen ihre Vertreter.
Die Abgeordneten wichen aus.
Sie sagten: Der Beauftragte ist ein Ansprech-Partner.
Er wird von einem Inklusions-Beirat unterstützt.
Inklusion bedeutet: Alle Menschen machen mit.
Niemand wird ausgeschlossen.
Aber sie sagten nicht: Wer ist dieser Beirat?
Wie kommt man hinein?
Sind dort schwer-behinderte Menschen vertreten?
Das bleibt alles offen.
Der Begriff Inklusions-Beirat ist nur ein Schutz-Schild.
Er verwehrt Transparenz.
Das barriere-freie Kloster ist Symbol-Politik
Die Politiker wollten zeigen: Der Beauftragte setzt Impulse.
Sie nannten ein Beispiel.
Das Beispiel: die barriere-freie Sanierung des Klosters Haydau.
Solche Einzel-Fälle sind gut.
Aber sie sind kein Beleg für strukturelle Teilhabe.
Strukturell bedeutet: Es betrifft das ganze System.
Nicht nur einzelne Fälle.
Sie zeigen: Politiker verstecken sich gerne hinter sichtbaren Maßnahmen.
So müssen sie unsichtbare Macht-Verhältnisse nicht thematisieren.
Wer Inklusion auf bauliche Maßnahmen reduziert hat die UN-BRK nicht verstanden.
UN-BRK bedeutet: UN-Behinderten-Rechts-Konvention.
UN-Behinderten-Rechts-Konvention bedeutet: Viele Länder haben einen Vertrag gemacht.
Der Vertrag schützt Menschen mit Behinderung.
Oder er ignoriert sie bewusst.
Die Frage nach demokratischer Mit-Bestimmung wird nicht beantwortet
Es gab eine wichtige Nach-Frage.
Kann man sich vorstellen: Die Ernennungs-Kultur durch demokratische Wahlen ersetzen?
Zumindest auf kommunaler Ebene?
Diese Frage wurde ausgesessen.
Man sei immer offen für Gespräche.
Das ist ein Satz für Menschen die nichts vorhaben.
Er ersetzt politisches Handeln durch Gesprächs-Bereitschaft.
Das ist Stillstand im freundlichen Ton.
Fazit:
Es gab 10 Fragen.
Höchstens 2 oder 3 wurden beantwortet.
Und selbst da blieben es nur formale Hinweise.
Sie sagten nichts aus.
Selbst diese abgeschwächten Fragen wurden nicht offen beantwortet.
Das zeigt: Teilhabe wird sprachlich bejaht.
Aber politisch wird sie verweigert.
Das ist nicht nur ein Kommunikations-Defizit.
Das ist strukturelle Abwehr.
Sie wollen keine echte Mit-Gestaltung durch behinderte Menschen.
Stephan Laux schreibt: Teilhabe ist nichts für Feiglinge.
Die Antworten der Grünen zeigen: Für Politiker ist Teilhabe auch nichts.
Zumindest nicht solange sie die Kontrolle in-frage stellt.
Viele Aktivistinnen und Aktivisten kennen diesen Frust.
Selbst wenn man die Sprache der Institutionen wählt: Man wird ignoriert.
Man wird vertröstet oder symbolisch beruhigt.
Demokratie beginnt dort wo Kritik nicht nur gehört wird.
Sie muss auch in Macht über-führt werden.
Dafür reicht kein höflicher Ton.
Es braucht klare Konsequenz.

Foto: Stephan Laux
Fladungen (kobinet)
Von einem Aktivisten erwartet man keine vorformulierte Zustimmung – von gewählten Abgeordneten jedoch klare Haltung.
In seiner Interviewreihe "Teilhabe ist nichts für Feiglinge" stellte Stephan Laux zehn Fragen an die Grünen-Politiker Felix Martin und Christoph Sippel, beide Mitglieder des Hessischen Landtags. Es ist bemerkenswert, dass überhaupt jemand antwortete – andere, wie etwa die SPD-Fraktion, haben sich bis heute nicht einmal zurückgemeldet. Doch wer genauer hinsieht, erkennt schnell: Auch diese Bereitschaft zur Antwort ist noch kein Beleg für echte Dialogfähigkeit. Die meisten Antworten bleiben unkonkret, weichgespült, ausweichend – und entziehen sich der politischen Verantwortung, die ihnen zugrunde liegt.
Dabei waren die Fragen bereits entschärft.
Stephan Laux hat bewusst darauf verzichtet, seine Fragen konfrontativ zu stellen. Die Formulierungen waren moderat, sachlich, teilweise sogar auf Konsens angelegt – also so, dass eine ernsthafte politische Auseinandersetzung möglich gewesen wäre. Die Gesprächsgrundlage war gegeben. Was folgte, waren jedoch kaum belastbare Inhalte: Statt Haltung oder Einsicht gab es Allgemeinplätze, semantische Ausweichmanöver und den Rückgriff auf institutionelle Floskeln.
Beispielhaft dafür steht die Rolle der Beiräte.
Die Frage, ob Behindertenbeiräte auf behindertenspezifische Themen beschränkt bleiben oder an allen kommunalpolitischen Entscheidungsprozessen teilhaben sollen, wurde schlicht nicht beantwortet. Statt sich zwischen den zwei zur Auswahl gestellten Varianten zu entscheiden, wurde eine Nebelantwort geliefert: Menschen mit Behinderung hätten ja bei fast allen Themen eine besondere Perspektive – also sollen die Beiräte „selbst entscheiden, womit sie sich befassen“. Das klingt partizipativ, ist aber faktisch ein Rückzug des Staates aus der Pflicht, klare und verbindliche Mitbestimmungsrechte zu schaffen.
Repräsentation ohne Legitimation: entlarvendes Schweigen.
Als Stephan Laux provokativ fragte, ob der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen nicht eine Art „Bundespräsident“ sei – also eine symbolische Figur ohne demokratische Rückbindung –, reagierten die Abgeordneten mit einer Umleitung: Der Beauftragte sei ein „Ansprechpartner“ und werde von einem „Inklusionsbeirat“ unterstützt. Doch wer dieser Beirat ist, wie man hineinkommt, ob dort schwerbehinderte Menschen überhaupt vertreten sind – all das bleibt offen. Der Begriff „Inklusionsbeirat“ funktioniert hier nur als rhetorischer Schutzschild, der Transparenz verweigert und strukturelle Intransparenz bemäntelt.
Der Verweis auf ein barrierefreies Kloster ist Symbolpolitik.
Um zu zeigen, dass der Beauftragte „Impulse“ setze, wird ein Beispiel bemüht: die barrierefreie Sanierung des Klosters Haydau. Solche Einzelfälle mögen lobenswert sein – aber sie können nicht als Beleg für strukturelle Teilhabe herhalten. Sie zeigen, wie gerne sich politische Akteure hinter sichtbaren Maßnahmen verstecken, um unsichtbare Machtverhältnisse nicht thematisieren zu müssen. Wer Inklusion auf bauliche Maßnahmen reduziert, hat den politischen Kern der UN-BRK nicht verstanden – oder ignoriert ihn bewusst.
Die Frage nach demokratischer Mitbestimmung wird nicht beantwortet.
Auch die Nachfrage, ob man sich vorstellen könne, die „Ernennungskultur“ zumindest auf kommunaler Ebene durch demokratische Wahlen zu ersetzen, wird ausgesessen. Man sei „immer offen für Gespräche“. Das ist ein Satz, den man wählt, wenn man nichts vorhat. Er ersetzt politisches Handeln durch Gesprächsbereitschaft – also durch Stillstand im freundlichen Ton.
Fazit:
Von zehn gestellten Fragen wurden bestenfalls zwei oder drei überhaupt beantwortet – und selbst da blieb es bei formalen, nichtssagenden Hinweisen. Dass selbst diese abgeschwächten Fragen nicht offen beantwortet wurden, zeigt: Teilhabe wird weiterhin sprachlich bejaht, politisch aber verweigert. Das ist nicht einfach ein Kommunikationsdefizit, sondern ein Ausdruck struktureller Abwehr gegenüber echter Mitgestaltung durch behinderte Menschen.
Teilhabe ist nichts für Feiglinge, schreibt Stephan Laux. Die Antworten der Grünen zeigen: Für Politiker, die Verantwortung tragen, ist Teilhabe offenbar auch nichts – zumindest nicht, solange sie die Kontrolle über Prozesse infrage stellt, die man lieber intern regelt. Was bleibt, ist ein Frust, den viele Aktivist*innen nur zu gut kennen: Selbst wenn man die Sprache der Institutionen wählt, wird man ignoriert, vertröstet oder symbolisch beruhigt. Doch Demokratie beginnt dort, wo Kritik nicht nur gehört, sondern auch in Macht überführt wird. Und dafür reicht kein höflicher Ton, sondern klare Konsequenz.

Foto: Stephan Laux
Fladungen (kobinet)
Von einem Aktivisten erwartet man keine vorformulierte Zustimmung – von gewählten Abgeordneten jedoch klare Haltung.
In seiner Interviewreihe "Teilhabe ist nichts für Feiglinge" stellte Stephan Laux zehn Fragen an die Grünen-Politiker Felix Martin und Christoph Sippel, beide Mitglieder des Hessischen Landtags. Es ist bemerkenswert, dass überhaupt jemand antwortete – andere, wie etwa die SPD-Fraktion, haben sich bis heute nicht einmal zurückgemeldet. Doch wer genauer hinsieht, erkennt schnell: Auch diese Bereitschaft zur Antwort ist noch kein Beleg für echte Dialogfähigkeit. Die meisten Antworten bleiben unkonkret, weichgespült, ausweichend – und entziehen sich der politischen Verantwortung, die ihnen zugrunde liegt.
Dabei waren die Fragen bereits entschärft.
Stephan Laux hat bewusst darauf verzichtet, seine Fragen konfrontativ zu stellen. Die Formulierungen waren moderat, sachlich, teilweise sogar auf Konsens angelegt – also so, dass eine ernsthafte politische Auseinandersetzung möglich gewesen wäre. Die Gesprächsgrundlage war gegeben. Was folgte, waren jedoch kaum belastbare Inhalte: Statt Haltung oder Einsicht gab es Allgemeinplätze, semantische Ausweichmanöver und den Rückgriff auf institutionelle Floskeln.
Beispielhaft dafür steht die Rolle der Beiräte.
Die Frage, ob Behindertenbeiräte auf behindertenspezifische Themen beschränkt bleiben oder an allen kommunalpolitischen Entscheidungsprozessen teilhaben sollen, wurde schlicht nicht beantwortet. Statt sich zwischen den zwei zur Auswahl gestellten Varianten zu entscheiden, wurde eine Nebelantwort geliefert: Menschen mit Behinderung hätten ja bei fast allen Themen eine besondere Perspektive – also sollen die Beiräte „selbst entscheiden, womit sie sich befassen“. Das klingt partizipativ, ist aber faktisch ein Rückzug des Staates aus der Pflicht, klare und verbindliche Mitbestimmungsrechte zu schaffen.
Repräsentation ohne Legitimation: entlarvendes Schweigen.
Als Stephan Laux provokativ fragte, ob der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen nicht eine Art „Bundespräsident“ sei – also eine symbolische Figur ohne demokratische Rückbindung –, reagierten die Abgeordneten mit einer Umleitung: Der Beauftragte sei ein „Ansprechpartner“ und werde von einem „Inklusionsbeirat“ unterstützt. Doch wer dieser Beirat ist, wie man hineinkommt, ob dort schwerbehinderte Menschen überhaupt vertreten sind – all das bleibt offen. Der Begriff „Inklusionsbeirat“ funktioniert hier nur als rhetorischer Schutzschild, der Transparenz verweigert und strukturelle Intransparenz bemäntelt.
Der Verweis auf ein barrierefreies Kloster ist Symbolpolitik.
Um zu zeigen, dass der Beauftragte „Impulse“ setze, wird ein Beispiel bemüht: die barrierefreie Sanierung des Klosters Haydau. Solche Einzelfälle mögen lobenswert sein – aber sie können nicht als Beleg für strukturelle Teilhabe herhalten. Sie zeigen, wie gerne sich politische Akteure hinter sichtbaren Maßnahmen verstecken, um unsichtbare Machtverhältnisse nicht thematisieren zu müssen. Wer Inklusion auf bauliche Maßnahmen reduziert, hat den politischen Kern der UN-BRK nicht verstanden – oder ignoriert ihn bewusst.
Die Frage nach demokratischer Mitbestimmung wird nicht beantwortet.
Auch die Nachfrage, ob man sich vorstellen könne, die „Ernennungskultur“ zumindest auf kommunaler Ebene durch demokratische Wahlen zu ersetzen, wird ausgesessen. Man sei „immer offen für Gespräche“. Das ist ein Satz, den man wählt, wenn man nichts vorhat. Er ersetzt politisches Handeln durch Gesprächsbereitschaft – also durch Stillstand im freundlichen Ton.
Fazit:
Von zehn gestellten Fragen wurden bestenfalls zwei oder drei überhaupt beantwortet – und selbst da blieb es bei formalen, nichtssagenden Hinweisen. Dass selbst diese abgeschwächten Fragen nicht offen beantwortet wurden, zeigt: Teilhabe wird weiterhin sprachlich bejaht, politisch aber verweigert. Das ist nicht einfach ein Kommunikationsdefizit, sondern ein Ausdruck struktureller Abwehr gegenüber echter Mitgestaltung durch behinderte Menschen.
Teilhabe ist nichts für Feiglinge, schreibt Stephan Laux. Die Antworten der Grünen zeigen: Für Politiker, die Verantwortung tragen, ist Teilhabe offenbar auch nichts – zumindest nicht, solange sie die Kontrolle über Prozesse infrage stellt, die man lieber intern regelt. Was bleibt, ist ein Frust, den viele Aktivist*innen nur zu gut kennen: Selbst wenn man die Sprache der Institutionen wählt, wird man ignoriert, vertröstet oder symbolisch beruhigt. Doch Demokratie beginnt dort, wo Kritik nicht nur gehört, sondern auch in Macht überführt wird. Und dafür reicht kein höflicher Ton, sondern klare Konsequenz.




