Menu Close

Diskussion über Nutzung von barrierefreien Toiletten

Toilette mit Euroschlüssel im Bild
Toilette mit Euroschlüssel im Bild
Foto: KSL Düsseldorf

München (kobinet)

"Die barrierefreie Toilette ist nur für Menschen mit Behinderung – oder?" So lautet der Titel eines Beitrags des Magazin der Süddeutschen Zeitung vom 20. August 2026. "Unser Leser arbeitet in einem Konzerthaus. Die Schlangen vor den Toiletten sind oft lang, deshalb weichen Gäste ohne Behinderung auf das barrierefreie WC aus. Wie soll er damit umgehen?" ist die Ausgangsfrage, auf die die Journalistin Johanna Adorjan so antwortet, dass Marta Berndorfer einen verärgerten Leserbrief darauf verfasst hat, den sie den kobinet-nachrichten mit dem Hinweis auf den Beitrag zur Veröffentlichung zugesandt hat.

Feedback zum Artikel: Die barrierefreie Toilette ist nur für Menschen mit Behinderung – oder? - https://sz.de/li.3531154

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit der allergrößten Verärgerung las ich Ihren obigen Artikel.

Der Verfasserin scheinen die Bedürfnisse nicht behinderter KonzertbesucherInnen wohl bekannt zu sein, nicht aber die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung.
Menschen mit Behinderung, die in der Konzertpause eine Toilette aufsuchen müssen, stehen vor folgenden Problemen:

  • Viele Betroffene sind physisch verlangsamt und benötigen wesentlich mehr Zeit auf der Toilette. Stellen Sie sich vor, Sie wären gelähmt, würden in Ihrem Rollstuhl sitzen und müssten nun Ihre Kleidung entsprechend öffnen und sich ohne Kraft in den Beinen aufs WC umsetzen. Und danach müssten Sie die gleiche Prozedur in umgekehrter Reihenfolge durchführen.

  • Es gibt Menschen, die ihre Blase oder ihren Darm nicht auf natürlichem Weg entleeren können, sondern dies mittels diverser Hilfsmittel tun müssen. Hierfür bedarf es verschiedener vorbereitender und nachbereitender Hygienemaßnahmen.

  • Kaum ein Mensch mit Behinderung benötigt nicht mindestens die doppelte Zeit, um einen Toilettengang zu bewerkstelligen.

Aber aus Sicht der Autorin scheint dies alles nicht wichtig zu sein, im Vordergrund scheint für sie das Interesse nicht behinderter KonzertbesucherInnen zu stehen. Auch dass diese verständnislos und egoistisch reagieren, scheint sie nicht zu stören.
Dass sie zum Schluss dem Fragesteller auch noch die Empfehlung gibt, sich eine andere Stellung zu suchen, schlägt dem Fass den Boden aus!

Dieser Tenor passt leider nur zu sehr in den Kanon aktueller politischer Strömungen, die die Rechte und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung immer mehr negieren. So werden derzeit auf gesetzgeberischer Ebene Leistungen der Eingliederungshilfe zusammengestrichen, die bisher die Inklusion von Kindern und Jugendlichen unterstützt haben, bei Leistungen der Pflegeversicherung laufen die gleichen Bestrebungen. Während Barrierefreiheit im öffentlichen Raum bisher gesetzlich verpflichtend war, wird mittlerweile auch hier vieles in Frage gestellt.
Ich werde künftig die einschlägigen Artikel in der SZ sehr aufmerksam verfolgen und ggf. mein Abonnement, das ich seit meinem 18. Lebensjahr, also seit 52 Jahren habe, kündigen.

Mit freundlichen Grüßen
Marta Berndorfer

Lesermeinungen

Bitte beachten Sie unsere Regeln in der Netiquette, unsere Nutzungsbestimmungen und unsere Datenschutzhinweise.

Sie müssen angemeldet sein, um eine Lesermeinung verfassen zu können. Sie können sich mit einem bereits existierenden Disqus-, Facebook-, Google-, Twitter-, Microsoft- oder Youtube-Account schnell und einfach anmelden. Oder Sie registrieren sich bei uns, dazu können Sie folgende Anleitung lesen: Link
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Lesermeinungen
Neueste
Älteste
0
Wir würden gerne Ihre Meinung lesen, schreiben Sie einen Leserbrief!x