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5 Gründe, warum die Alternative für Deutschland (AfD) für Menschen mit Behinderungen gefährlich ist

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Foto: BR

Berlin (kobinet)

Heute in zwei Wochen, also am 6. September 2026 findet die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt statt. Dort, aber auch in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern, wo am 20. September Wahlen zum Abgeordnetenhaus bzw. Landtagswahlen anstehen, blickt man mit Spannung darauf, wie die AfD abschneidet und vor allem, was dies konkret für unsere Demokratie bedeuten könnte. In einem Beitrag, der auf der Plattform Die Neue Norm mit dem Titel "5 Gründe, warum die Alternative für Deutschland (AfD) für Menschen mit Behinderungen gefährlich ist", beschreibt Florian Preußger von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) in verständlicher Sprache, worum es geht.

"Die AfD hat immer mehr Anhänger*innen. Aber wie steht die AfD zu Menschen mit Behinderungen? Was droht ihnen, wenn sie an die Macht kommt? Das Deutsche Institut für Menschenrechte (DIMR) hat Reden und andere Aktivitäten der AfD über eine lange Zeit genau geprüft. Es kommt zum Ergebnis: Die AfD ist eine rechtsextreme Partei und eine Gefahr für Menschen mit Behinderungen. Der Text ist in schwerer Sprache. Aber alle sollen die wichtigsten Ergebnisse lesen können. Deswegen hat Florian Preußger von der Initiative Selbstbestimmt Leben sie in einer einfachen Übersicht zusammengefasst", heißt es zur Einführung des Beitrags der Neuen Norm.

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Uwe Heineker
23.08.2026 11:17

Die Früchte jahrezehntelanger Ignoranz – Wie das Versagen beim UN-BRK-Artikel 8 (Bewusstseinsbildung) den Weg für menschenfeindliche Hetze geebnet hat

Wenn die AfD Inklusion als „Ideologie“ diffamiert, Sondernachrichten in Leichter Sprache als „Nachrichten für Idioten“ verspottet und Menschen mit Behinderungen offen als „Belastungsfaktoren“ stigmatisiert, geht ein Aufschrei durch die politische Mitte. Das Deutsche Institut für Menschenrechte schlägt Alarm, Verbände mahnen, und demokratische Parteien zeigen sich schockiert. Doch dieser Schock wirkt heuchlerisch. Denn die bittere Wahrheit lautet: Der rechte Hass gegen behinderte Menschen fällt nicht vom Himmel – er fällt auf einen Nährboden, den etablierte Regierungen über Jahre hinweg durch Untätigkeit und Ignoranz selbst bereitet haben.

1. Das offene Gesicht des Sozialdarwinismus

Die Analyse der Rhetorik und Anträge der AfD zeigt eine erschreckende Kontinuität: Wer nicht leistet, wer nicht in das Bild eines „gesunden Volkskörpers“ passt, wird abgewertet. Dass führende Vertreter der Partei Inklusion an Schulen als Belastung brandmarken und völkische Vokabeln wieder salonfähig machen, ist kein Zufall, sondern System. Es ist die schrittweise Reaktivierung sozialdarwinistischer Denkmuster. Punktuelle Anträge der Partei – etwa für höheres Blindengeld oder Elternassistenz – offenbaren sich bei genauerem Hinsehen als reine Beruhigungspillen und rhetorische Nebelkerzen, um konservative und sozial schwächere Wählergruppen zu ködern, während das Fundament der individuellen Menschenrechte untergraben wird.

2. Das Versagen der Mitte: Artikel 8 der UN-BRK als totes Papier

Doch wie konnte es so weit kommen, dass solche Entwürdigungen überhaupt wieder anschlussfähig sind? Hier beginnt die Verantwortung jener Parteien, die sich heute überrascht geben.

Seit dem Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) verpflichtete Artikel 8 die Bundes- und Landesregierungen ausdrücklich zur Bewusstseinsbildung:

Klischees, Vorurteile und schädliche Praktiken in der gesamten Gesellschaft systematisch zu bekämpfen.Das Bewusstsein für die Fähigkeiten, die Würde und die Rechte von Menschen mit Behinderungen von Kindesbeinen an zu fördern.
Was ist daraus geworden? Nahezu nichts. Anstatt Aufklärung und Inklusion als gesamtgesellschaftlichen Gewinn und Selbstverständlichkeit zu verankern, wurde das Thema in bürokratische Nischen abgedrängt. Inklusion wurde in Debatten oft selbst nur als „Kostenfaktor“, „überforderndes Experiment“ oder „Haushaltsbelastung“ verhandelt – ganz im Sinne einer ökonomisierten Logik, die den Wert eines Menschen an seiner Verwertbarkeit misst.

3. Wer Grundrechte nicht vorlebt, überlässt das Feld den Hetzern

Wer Barrierefreiheit in der Privatwirtschaft seit Jahrzehnten nicht konsequent einfordert, wer Sonderwelten wie Werkstätten aufrechterhält, anstatt den ersten Arbeitsmarkt zu öffnen, und wer Bewusstseinsbildung als zweitrangig abtut, leistet der Ausgrenzung Vorschub. Wenn eine Gesellschaft nie gelernt hat, dass Teilhabe ein unumstößliches Menschenrecht ist und kein gnädiges Zugeständnis, muss man sich nicht wundern, wenn Rechtsextreme diese Verhandlungsmasse nutzen, um Spaltung zu säen.

Fazit: Empörung reicht nicht mehr

Es reicht nicht, sich besorgt hinter Gutachten des Instituts für Menschenrechte zu verstecken und mit dem Finger auf die AfD zu zeigen. Wer die Würde von Menschen mit Behinderungen wirksam vor rechtsextremer Entwertung schützen will, muss vor der eigenen Haustür kehren:

Artikel 8 der UN-BRK darf kein Lippenbekenntnis mehr bleiben. Es braucht eine kompromisslose Verankerung von Barrierefreiheit, eine ehrliche und ressourcenstarke Inklusionsoffensive in Bildung und Medien sowie den Mut, Teilhabe als unantastbares Recht durchzusetzen. Solange die Politik der Mitte Inklusion stiefmütterlich behandelt, liefert sie die Axt selbst mit, mit der die Rechten an den Wurzeln unserer Menschenrechte ansetzen.

Zuletzt bearbeitet am 1 Monat zuvor von Uwe Heineker