Menu Close

DRK fordert Nachbesserungen beim ersten Kinder- und Jugendhilfestrukturreformgesetz

Bild einer Notrufsäule
Bild einer Notrufsäule
Foto: Antranias In neuem Fenster öffnen via Pixabay In neuem Fenster öffnen

BERLIN (kobinet)

Am 12. August 2026 befasste sich das Bundeskabinett mit dem Ersten Kinder- und Jugendhilfestrukturreformgesetz. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) unterstützt das Ziel, Hilfen für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen unter dem Dach der Kinder- und Jugendhilfe zusammenzuführen. Gleichzeitig kritisiert der Verband, dass die Reform den Schwerpunkt von einer inklusiven Lösung hin zu einem kostenorientierten Umbau des Hilfesystems verschiebe.

"Kinder, Jugendliche und ihre Familien brauchen leicht zugängliche und verlässliche Unterstützung aus einer Hand. Die Reform darf nicht in erster Linie danach bewertet werden, wo sich kurzfristig Kosten senken lassen", sagte Marc Nellen, Leiter des Bereichs Jugend und Wohlfahrtspflege im DRK-Generalsekretariat. Inklusive Kinder- und Jugendhilfe sei eine Investition in Teilhabe, Schutz und Zukunftschancen.

Das DRK warnt davor, gestiegene Ausgaben undifferenziert als Beleg für ein ineffizientes Hilfesystem zu betrachten. Ein erheblicher Teil der Kostenentwicklung gehe auf eine gestiegene Zahl an Kindern und Jugendlichen mit psychischen Beeinträchtigungen zurück. Zu spät gewährte oder verweigerte Hilfen könnten Belastungen verfestigen und langfristig höhere soziale und finanzielle Folgekosten verursachen.

Kritik übt das DRK an der Experimentierklausel, die es Ländern ermöglicht, ab 2028 in ausgewählten Kommunen eine gemeinsame Zuständigkeit nach dem SGB VIII zu erproben. "Die Klausel birgt die Gefahr eines Flickenteppichs zulasten der Versorgungsqualität der jungen Menschen", so Nellen. Statt einer einheitlichen bundesweiten Lösung führe sie zu unterschiedlichen Umsetzungsständen. Zudem stehe die vorgesehene Vorrangstellung von Regelangeboten vor individuellen Ansprüchen in der Kritik. Solange inklusive und präventive Regelstrukturen nicht flächendeckend und bedarfsgerecht ausgebaut seien, bestehe die Gefahr, dass Betroffene keine passende Unterstützung erhielten.

Das DRK fordert einen verbindlichen und mit Ressourcen hinterlegten Zeitplan für die Gesamtzuständigkeit, bundesweit vergleichbare Standards, eine verlässliche Finanzierung der Transformationsphase und die uneingeschränkte Sicherung bedarfsgerechter individueller Hilfen. "Inklusive Kinder- und Jugendhilfe ist kein kurzfristiges Sparinstrument, sondern eine Investition in Teilhabe, Schutz und Zukunftschancen junger Menschen", betonte Nellen.

Lesermeinungen

Bitte beachten Sie unsere Regeln in der Netiquette, unsere Nutzungsbestimmungen und unsere Datenschutzhinweise.

Sie müssen angemeldet sein, um eine Lesermeinung verfassen zu können. Sie können sich mit einem bereits existierenden Disqus-, Facebook-, Google-, Twitter-, Microsoft- oder Youtube-Account schnell und einfach anmelden. Oder Sie registrieren sich bei uns, dazu können Sie folgende Anleitung lesen: Link
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Lesermeinungen
Neueste
Älteste
0
Wir würden gerne Ihre Meinung lesen, schreiben Sie einen Leserbrief!x