Menu Close

Erste große Studie belegt, dass Eltern bei der inklusiven Beschulung ausgebremst werden

Eva-Maria Thoms
Eva-Maria Thoms
Foto: Lingscheid/mittendrin e.V.

Köln (kobinet) "Das Deutsche Institut für Menschenrechte hat am 30. Juni 2026 Ergebnisse einer umfangreichen Elternbefragung vorgelegt, die schulpolitische Gewissheiten vieler Landesregierungen und Kommunen widerlegen. Demnach sind die hohen Anmeldezahlen an Förderschulen nicht Ausdruck des Elternwillens, sondern hausgemacht. Mehr als 80 Prozent der befragten Eltern wollen gar nicht, dass Kinder mit und ohne Behinderung auf verschiedene Schulen gehen. Selbst von den Förderschuleltern geben 68,7 Prozent an, dass sie sich sicher oder wahrscheinlich für eine inklusive Schule entschieden hätten – wenn die Politik dort für gute Bedingungen gesorgt hätte. Das Institut schlussfolgert: 'Eltern wünschen sich inklusive Beschulung, werden aber durch die defizitären Strukturen ausgebremst.'" Darauf hat der Verein mittendrin, der sich seit vielen Jahren für schulische Inklusion einsetzt, aufmerksam gemacht.

An der Befragung haben 7.462 Sorgeberechtigte von Kindern mit Behinderung und sonderpädagogischem Förderbedarf aus ganz Deutschland teilgenommen. Damit sind erstmals in einer großen wissenschaftlichen Studie die betroffenen Eltern selbst gefragt worden, warum sie ihr Kind an der inklusiven Schule oder der Förderschule angemeldet haben und wie es zu dieser Schulwahl gekommen ist.

Dabei kritisieren die Eltern nicht nur die schlechte Ausstattung der inklusiven Schulen, sie berichten auch von einer Beratung mit Schlagseite, zum Teil aus dem Schulsystem, aber vor allem von medizinischen Ansprechpartnern. Gut 41 Prozent der Eltern wurde am meisten zur Förderschule geraten, nur knapp 25 Prozent am meisten zur inklusiven Schule. Unter den Förderschuleltern geben sogar knapp 70 Prozent an, ihnen sei für das Kind am meisten zur Förderschule geraten worden.

Der Elternverein mittendrin, der seit Jahren eine engagiertere Politik für inklusive Bildung fordert, sieht sich durch die Befragungsergebnisse bestätigt: „Landesregierungen und Kommunen, die auf die vollständige Erhaltung oder sogar den Ausbau von Förderschulen setzen, richten sich gar nicht nach dem Elternwillen, sondern nach einer Fehleinschätzung“, sagt mittendrin-Sprecherin Eva-Maria Thoms.

Die komplette Analyse der Befragung gibt’s auf der Webseite des Deutschen Instituts für Menschenrechte:

https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/themen/rechte-von-menschen-mit-behinderungen/praktische-huerden-beim-zugang-zur-inklusiven-schule

sowie auf der Webseite der Verein mittendrin:

mittendrin e.V. Beratungsstelle für Inklusion – mittendrin e.V.

Lesermeinungen

Bitte beachten Sie unsere Regeln in der Netiquette, unsere Nutzungsbestimmungen und unsere Datenschutzhinweise.

Sie müssen angemeldet sein, um eine Lesermeinung verfassen zu können. Sie können sich mit einem bereits existierenden Disqus-, Facebook-, Google-, Twitter-, Microsoft- oder Youtube-Account schnell und einfach anmelden. Oder Sie registrieren sich bei uns, dazu können Sie folgende Anleitung lesen: Link
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Lesermeinungen
Neueste
Älteste
0
Wir würden gerne Ihre Meinung lesen, schreiben Sie einen Leserbrief!x