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Staufen (kobinet) "Müssen wir derzeit wirklich massiv in Waffen investieren für einen Feind, den es derzeit nach meinem Empfinden nicht gibt", fragt Podcaster Sascha Lang (im Gespräch mit Jennifer Sonntag vom 17. Mai) und liefert die Antwort gleich mit: "Wir bewaffnen uns gegen einen Feind, den es nicht gibt." Folglich gegen einen eingebildeten Feind, ein Feindbild mit anderen Worten. Nur ein Bild also, das als Bild zwar nicht die Realität wiedergibt, abbildet, doch nichtsdestoweniger schlimme Folgen in der Wirklichkeit zeitigt. Nämlich (noch einmal Sascha), "Milliarden, die in Waffen investiert werden, die dann auch wieder in Krieg investiert werden ..."
Sascha möge mir widersprechen, sollte ich ihn missverstehen. Für mich sind seine Worte ein Plädoyer für Feindbild-Abrüstung. Das ich nur unterstützen kann und einmal mehr aufgreifen möchte, da Feindbilder gerade Konjunktur haben und ihr Eigenleben fatale Folgen hat für unser gesellschaftliches Zusammenleben. Und, sobald Feindbilder zu Rüstung und Krieg verleiten, massiv Leib und Leben bedrohen.
Politiker und Politikerinnen, die zur Zeit wieder ganz selbstverständlich mit Feinbildern hantieren, weisen dabei die Verantwortung gerne von sich und legen sie einer Welt zur Last, die sich nun einmal geändert habe. In der plötzlich Unsicherheit und Bedrohung an der Tagesordnung sind und die uns Feinde wie Putin beschert, so dass gar keine Wahl bleibe, als uns auf Krieg vorzubereiten. – Feindbild-Abrüstung könnte, so denke ich, damit beginnen dieser die Verantwortung von sich schiebenden Entlastungserzählung der Politik entschieden zu widersprechen.
Nicht die Welt hat sich geändert, die Politik hat eine andere aus ihr gemacht!
Lassen wir die arme Welt aus dem Spiel, die kann nichts dafür! Die Politik aber sehr wohl, sie hat unsere Welt verunstaltet, mutwillig! An dem also, was sie selber verbrochen hat, soll die Welt schuld sein. Daran, dass es wieder Krieg gibt und wir uns auf ihn vorbereiten müssen, kriegstüchtig werden. Gegen einen Feind verteidigen müssen und deshalb aufrüsten. So ist das nun mal, kannst Du nichts machen! Das ist die Welt und ob es uns passt oder nicht, sie lässt einem keine andere Wahl. Beschert sie uns Krieg, muss die Politik für Kriegstüchtigkeit sorgen, sich und uns auf Krieg vorbereiten.
Fallen wir auf dieses Abwälzen der politischen Verantwortung herein und werden wie die Lemminge einer unverantwortlichen Politik in den Abgrund folgen? Oder durchschauen wir die fadenscheinige Ausrede von der ohne eigenes politisches Zutun sich verschlechternden Weltlage. Gemäß dem Erzählmuster, erst Pech gehabt und dann kam auch noch Unglück dazu, Putin und Konsorten. Dass jedoch am Narrativ vom Unbeteiligt- und Schuldlossein der hiesigen Politik an der weltpolitischen Schlechtwetterlage, vieles, wenn nicht das meiste unzutreffend ist, zeigt sich am ständig wiederholten und ebenso ständig nicht nur uneingelösten, sondern das genaue Gegenteil bewirkenden Versprechen dieser Politik, mit allem, was sie tue, doch nur für „unsere Sicherheit“ zu sorgen. Denn in Wahrheit ist diese angeblich auf eine „wegen feindlicher Aktivitäten sich permanent verschärfende sicherheitspolitische Lage“ reagierende „Sicherheitspolitik“ bloß ein anderes Wort für politische Verursachung maximaler Unsicherheit.
Feinbild-Abrüstung wäre auf mentaler Ebene ein erster Schritt zurück in Richtung wirklicher Sicherheit. Dem auf verhaltenspraktischer Ebene die Teilnahmeverweigerung an der kriegsdienstlichen Mobilmachung folgen müsste.





Und was ist, so werde ich gerade postwendend gefragt, wenn wir unser Feinbild abrüsten, der Feind jedoch nicht das gleiche tut und auch das seine abrüstet? Wenn die hiesige „Verteidigungs- und Sicherheitspolitik“ ihr Feinbild „Putin und Russland“ aufgibt, „der Russe“ aber „stur bleibt“ und die dortigen Propagandamedien davon unbeeindruckt ihr Feinbild vom „kollektiven Westen“ kultivieren?
Feindbild-Abrüstung muß nicht unbedingt gleichzeitig und sofort gegenseitig geschehen. Ein wichtiger Schritt ist schon getan, wenn eine Seite damit beginnt. Denn um das Feind-Feind-Spiel zu spielen und es auf die Dauer fortzusetzen, sind zwei erforderlich, die einander gegenseitig als Feind betrachten und insofern „einträchtig zusammenspielen“. Spielt einer von beiden nicht länger mit, droht das Spiel zu kollabieren oder zu implodieren. Und es verliert vor allem seine Eskalationsdynamik, dieses wechselseitige Sich -Aufschaukeln. Was im Falle der manifest in Krieg umgeschlagenen Feind-Feind-Spiele, die Gewaltspirale unkontrolliert in die Höhe treibt und unter heutigen waffentechnischen Bedingungen am Ende beide Seiten in den Ruin treibt.
Und ganz nebenbei gesagt: Mit einem realistischen Wirklichkeitsbild haben Feindbilder meistens wenig oder überhaupt nicht zu tun. Nehmen wir das von den russischen Medien den westlichen Ländern angetragene Feindbild vom „kollektiven Westen“. Meines Erachtens eine feindliche Fremdzuschreibung, mit der sich hierzulande nur identifizieren kann, wer es mit der hiesigen Realitätsbeschreibung nich so genau nimmt. Weshalb ich es sozial- und kulturwissenschaftlich infomierten Intellektuellen hier im Westen besondes übel nehme, wenn sie (wie etwa Klaus Leggewie) dies kurspolitisch umstandslos das Feinbildangebot vom „kollektiven Westen“ wie eine positive Selbstzuschreibung sich zu eigen machen. Ein Selbstverständnis von uns als dem „kollektiven Westen“erscheint mir sachlich so unzutreffend wie politisch unklug und gefährlich.
Hier der Link zu einem um Feinbild-Abrüstung bemühten Gespräch mit einem hochrangigen deutschen Ex-Militär und einem hochbetagten namhaften Ex-Politiker.
https://www.youtube.com/watch?v=PFcFXtEMfuE
im Auftrag von H.W. Weis