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Kassel / München (kobinet)
Vor drei Jahren hat der Behindertenrechtler Ottmar Miles-Paul seinen ersten Roman mit dem Titel "Zündeln an den Strukturen" zur Situation behinderter Menschen in Werkstätten veröffentlicht. Trotz einer umfassenden Studie zum Werkstattentgelt und zu Alternativen zur Werkstatt für behinderte Menschen, trotz erster, aber stehengebliebener, Gehversuche für eine Reform durch die Ampelregierung und trotz vielfältiger Berichte in den Medien über die geringe Entlohnung und die Situation in Werkstätten, tut sich weiterhin nichts. Einem aktuellen Bericht von BR24 zufolge liegt das Durchschnittentgelt für behinderte Beschäftigte in Werkstätten weiterhin bei ca. 230 Euro im Monat. Und fast wöchentlich werden vom bayerischen Sozialministerium Pressemeinformationen zu neuen Förderungen in Millionenhöhe für Werkstätten für behinderte Menschen verbreitet. Und dies obwohl der Ausschuss über die Rechte von Menschen mit Behinderungen der Vereinten Nationen das deutsche Werkstättensystem mehrfach als nicht konform mit der UN-Behindertenrechtskonvention kritisiert und konkrete und schrittweise Veränderungen gefordert hat.
Im Bericht von BR24 vom 28. Juli 2026 heißt es u.a. zum Verdienst in Werkstätten für behinderte Menschen:
"Das Entgelt, dasArbeitende in einer Werkstatt für behinderte Menschen(WfbM) verdienen, setzt sich aus einem staatlichen Zuschuss und dem erwirtschafteten Geld der Werkstätten zusammen. Jeder Beschäftigte erhält 52 Euro aus der Staatskasse als Arbeitsförderungsgeld. Dazu kommt fix auch für jeden der sogenannte Grundlohn. Er beträgt monatlich 133 Euro. Der dritte Teil ist das sogenannte Steigerungsentgelt. Es liegt zwischen 1 und 150 Euro und richtet sich nach den Leistungen des Beschäftigten. Alles zusammengerechnet ergibt sich ein Durchschnittsverdienst von 230 Euro pro Monat für einen Vollzeitbeschäftigten einer WfbM. Die reguläre Beschäftigungszeit in einer Werkstatt liegt zwischen 35 und 40 Wochenstunden. Aufgestockt wird dieses Werkstattentgelt oft überwiegend durch eine Grundsicherung, Erwerbsminderungsrente und zum Beispiel Sozialleistungen wie Wohngeld."
Werkstatträte Deutschland fordert als Vertretung der rund 300.000 Werkstattbeschäftigten ein Basiseinkommen von 1.450 Euro im Monat oder die Zahlung des Mindestlohns, heißt es im Bericht von BR24. Und weiter steht dort: "Jürgen Linnemann, ein Werkstattbeschäftigter in NRW, hat dazu eine Klage eingereicht. Der Werkstattrat Bayern fordert die Aufstockung des Grundbetrags auf bis zu 250 Euro, einen steuerfinanzierten Anteil und den Steigerungslohn. Wichtig sei vor allem, so die Vorsitzende Erika Stelzl, dass davon nichts auf die Grundsicherung angerechnet werde. Denn dann würde der Mehrverdienst sofort wieder abgezogen werden",
Link zum Bericht von BR24 vom 28. Juli 2026
Im Roman "Zündeln an den Strukturen" von Ottmar Miles-Paul, der auf der Plattform der Online-Volltextbibliothek bidok bereits über 2.200 mal heruntergeladen und bei über 25 Lesungen vorgestellt und diskutiert wurde, mussten unzufriedene Beschäftigte zu radikalen Methoden greifen, um die Tür für Veränderungen zu öffnen. Auch wenn der Autor bei seinen Lesungen immer betont, dass Brandstiftungen oder Gewalt keine Lösung sind, warten Beschäftigte von Werkstätten für behinderte Menschen weiterhin vergebens auf substantielle Verbesserungen. Denn neben der miserablen Entlohnung weit unter dem Mindestlohn, liegt die Vermittlungsquote auf den allgemeinen Arbeitsmarkt weiterhin bei ca. 0,35 Prozent. Das heißt, dass bei einer Werkstatt mit 300 behinderten Beschäftigten ein einziger pro Jahr den Sprung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt schafft. Und das trotz Budget für Arbeit mit hohen Lohnkostenzuschüssen für Arbeitgebende. Eine Sackgasse für viele behinderte Menschen, die sich mehr vom Leben versprechen als lebenslang zu einem solchen Entgelt weiter unter dem Mindestlohn zu arbeiten und dann noch regelmäßigen Leistungsprüfungen unterzogen zu werden.
Am 19. August 2026 findet übrigens um 18:00 Uhr in Hannover eine weitere kostenfreie Lesung aus dem Roman "Zündeln an den Strukturen" von Ottmar Miles-Paul mit seiner Leseassistentin Kerstin Blochberger mit anschließender Diskussion im Rahmen einer Veranstaltung der AG Silberlocken der Partei Die Linke im Stadtteilzentrum Stöcken in Hannover, Eichsfelder Straße 101, in 30419 Hannover statt.





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