Staufen (kobinet)
Es gibt eine schwierige Frage.
Sollen Menschen mit Behinderung die Wehr-Pflicht fordern?
Wehr-Pflicht bedeutet: Alle müssen für eine Zeit zum Militär.
Das ist dann keine freie Entscheidung.
Es ist eine gesetzliche Pflicht.
Das wäre ein Weg, um die Regierung unter Druck zu setzen.
Die Regierung will die Menschen auf Krieg vorbereiten.
Manche Menschen mit Behinderung denken darüber nach.
Das war in einem Podcast zu hören.
Ein Podcast ist eine Sendung im Internet.
Du kannst die Sendung hören.
Der Podcast heißt IGEL-Podcast.
Dort sprach Sascha Lang über dieses Thema.
Sascha Lang stellte schwierige Fragen.
Er fragte: Wer will wirklich in eine Armee?
Wer will im Krieg kämpfen?
Wer kommt als Mensch mit Behinderung zurück?
Viele Menschen bekamen einen Brief von der Regierung.
Der Brief fragte nach der Wehr-Pflicht.
Diese Menschen schickten den Brief nicht zurück.
Das bedeutet: Sie wollten nicht antworten.
Der Staat hilft Menschen mit Behinderung immer weniger.
Das ist das Problem.
Bisher haben wenige Menschen über dieses Thema gesprochen.
Das Thema ist: Krieg und Menschen mit Behinderung.
Es wäre wichtig, darüber zu reden.
Es gibt viele Gründe dafür.
Ein wichtiger Grund ist der Veteranen-Tag.
Veteranen sind Menschen, die früher in der Armee waren.
Ein Veteran hat für sein Land in einem Krieg gekämpft.
Der Veteranen-Tag findet im Juni statt.
Manche Menschen wollen diesen Tag nutzen.
Sie wollen auf Probleme von Menschen mit Behinderung aufmerksam machen.
Zum Beispiel auf das Thema Barriere-Freiheit.
Barriere-Freiheit bedeutet: Alle Menschen können etwas benutzen.
Niemand wird ausgeschlossen.
Auch Menschen mit Behinderung nicht.
In Amerika gab es ein wichtiges Gesetz.
Ein Gesetz ist eine Regel.
Alle müssen sich daran halten.
Das Gesetz heißt: Americans With Disabilities Act.
Auf Deutsch: Gesetz für Menschen mit Behinderung in Amerika.
Die amerikanische Regierung hat dieses Gesetz 1990 beschlossen.
Viele Menschen kämpften für dieses Gesetz.
Auch Kriegs-Verletzte waren dabei.
Kriegs-Verletzte sind Menschen, die im Krieg verletzt wurden.
Sie haben durch den Krieg eine Behinderung bekommen.
Diese Menschen waren Soldaten im Vietnam-Krieg.
Der Vietnam-Krieg war ein Krieg in Asien.
Amerika kämpfte in diesem Krieg von 1955 bis 1975.
Sie hatten Verletzungen aus dem Krieg.
Sie kämpften für die Rechte von Menschen mit Behinderung.
Das machte viele Menschen in Amerika aufmerksam.
Es gab ein bekanntes Bild von dieser Zeit.
Soldaten mit Behinderung krochen die Treppen des Kapitols hoch.
Das Kapitol ist ein großes Gebäude in Amerika.
Dort arbeitet die amerikanische Regierung.
Andere Menschen mit Behinderung waren auch dabei.
Dieses Bild haben viele Menschen gesehen.
Viele Menschen dachten danach über die Rechte von Menschen mit Behinderung nach.
Sie dachten nicht mehr über den Vietnam-Krieg nach.
Das war wichtig.
Jetzt gibt es auch in Deutschland den Veteranen-Tag.
Ole Nymoen ist ein Journalist.
Ein Journalist schreibt Texte für Zeitungen oder spricht im Radio.
Ole Nymoen ist gegen Krieg und Kriegs-Vorbereitung.
Er sprach im Radio über dieses Thema.
Ole Nymoen sagt etwas Wichtiges.
Er sagt: Die Regierung möchte verändern, wie Menschen über das Militär denken.
Das Militär sind alle Soldaten von einem Land.
Sie schützen das Land mit Waffen.
Der Veteranen-Tag soll dabei helfen.
Die Menschen sollen das Militär mehr unterstützen.
In Amerika sagen viele Menschen zu Veteranen: Danke für deinen Dienst.
Sie fragen nicht: War der Krieg richtig?
Sie fragen nicht: Was bringt mir dieser Krieg?
Ole Nymoen sagt: Das ist eine bestimmte Denk-Weise.
Denk-Weise bedeutet: Wie jemand über etwas denkt.
Diese Denk-Weise soll jetzt auch in Deutschland verbreitet werden.
Das ist ein wichtiges Thema für alle Menschen.
Denkt auch ihr darüber nach.
Was meint ihr dazu?

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) Wie krass oder zynisch wäre denn das, dies behindertenpolitisch zu fordern? Um einer die Bevölkerung auf Kriegstüchtigkeit trimmenden Regierungspolitik moralisch Druck zu machen.
Eine behindertenpolitische Versuchung könnte man sagen, bei der im Moment noch nicht absehbar ist, ob und wieweit im Behindertenaktivismus Bereitschaft besteht, ihr tatsächlich nachzugeben. Gedanklich jedenfalls scheint es einige bereits zu beschäftigen, wie man dem IGEL-Podcast zum Monatsrückblick April entnehmen konnte. Sascha Lang hat in einem anderen IGEL-Podcast (vom 17. Mai mit Jennifer Sonntag) nochmals darauf Bezug genommen, freilich ohne sich selber dafür auszusprechen: „Wir investieren gerade in Krieg“, so seine Wiedergabe, „wie will ich denn Menschen begeistern – es gibt so viele, die anscheinend ihren Wehrpflichtbogen nicht zurückgeschickt haben, weil sie nicht in die Armee wollen – ja, wer will denn heute in eine deutsche Armee kommen, wenn er eventuell in einem Krieg gehen muss und als Mensch mit Behinderung zurückkommt und er weiß, dass der Staat seine Bedürfnisse nicht mehr abdecken kann, weil er sie abgeschafft hat, als zu teuer oder zu belastbar reduziert hat …“
Sind wir damit endlich soweit, dass das Thema Krieg und Kriegsvorbereitung behindertenpolitisch nicht länger beschwiegen und tabuisiert wir? Wünschenswert wäre es. Umso mehr als ich bislang vergeblich mit eigenen Beiträgen versucht habe, darüber ein behindertenpolitische Debatte anzuregen. Dabei mangelt es nicht an Diskussionsanlässen. Einer davon ist der jetzt auch hier zulande jährlich zelebrierte Veteranentag, auch diesmal wieder um die Junimitte mit dem nötigen Tammtamm begangen. Zumal das pathosgedrängte Veteranentagsnarrativ uns mit dem, was ich hier soeben eine „behindertenpolitische Versuchung“ genannt habe, unausweichlich, weil sozusagen mit geballter Ladung, konfrontiert. Das nunmehr alljährliche Spektakel für unsere behindertenpolitischen Zwecke strategisch zu instrumentalisieren, allen voran das leidige Thema Barrierefreiheit.
So wie dies der amerikanischen Behindertenbewegung (wenn auch in einem nicht unbedingt vergleichbaren politischen und soziokulturellen Kontext und Klima) 1990 im Zusammenhang mit der Verabschiedung des „Americans With Disabilities Act“ gelungen ist. In der damaligen US-amerikanischen Öffentlichkeit machte es besonderen Eindruck, dass Kriegsversehrte Vietnamveteranen Teil des behindertenpolitischen Kampfes für Behindertenrechte und Inklusion gewesen sind. Eine nicht zu unterschätzende Trumpfkarte gewissermaßen. Ein besonders eindrückliches Bild anlässlich der Abstimmung über den ADA war das der zwischen den übrigen behinderten Demonstranten und Demonstrantinnen die Stufen zum Capitol hinauf robbenden Kriegsveteranen. Keine Rolle spielte in diesem Augenblick offensichtlich der szenisch und medial nicht mitrepräsentierte, vielmehr gänzlich ausgeblendete Umstand, dass der Vietnamkrieg (wie andere Kriegsabenteuer der USA davor und danach) in der amerikanischen Geschichte und Politik völkerrechtlich und moralisch ein überaus zweifelhaftes, um nicht zu sagen desaströses Unternehmen gewesen ist.
Zurück zu unserem, der Behinderten wie der Nichtbehinderten, Hier und Heute. „In der Gesellschaft ändert sich auf jeden Fall das Verhältnis zum Militär bzw. es soll sich ändern“, so der Kriegs- und Kriegsvorbereitungsgegner Ole Nymoen kürzlich im Radio, “ das ist das ja, was ausgelobt ist, … weshalb die Regierung jetzt zum Beispiel so etwas wie den Veteranentag ins Leben gerufen hat. Damit man wie in den USA eine Bevölkerung hat, die sagt, „thank you for your service!“ Ohne sich die Frage zu stellen, was habe ich eigentlich von diesem Dienst.
Ich war letztes Jahr zum ersten Mal in Amerika und war doch etwas entgeistert, wenn man beim Baseballspiel sieht, wie Leute dort den Vietnamkriegsveteranen zujubeln und sagen „thank you for your service“. Also man hat dort ein Volk erzogen, das fernab der Frage, was habe ich eigentlich davon oder war das richtig, die einfach nur sagen, super, danke dafür, dass du in den Krieg gezogen bist für das eigene Land. Und das ist die Ideologie, die man auch hierzulande heranziehen will …“

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) Wie krass oder zynisch wäre denn das, dies behindertenpolitisch zu fordern? Um einer die Bevölkerung auf Kriegstüchtigkeit trimmenden Regierungspolitik moralisch Druck zu machen.
Eine behindertenpolitische Versuchung könnte man sagen, bei der im Moment noch nicht absehbar ist, ob und wieweit im Behindertenaktivismus Bereitschaft besteht, ihr tatsächlich nachzugeben. Gedanklich jedenfalls scheint es einige bereits zu beschäftigen, wie man dem IGEL-Podcast zum Monatsrückblick April entnehmen konnte. Sascha Lang hat in einem anderen IGEL-Podcast (vom 17. Mai mit Jennifer Sonntag) nochmals darauf Bezug genommen, freilich ohne sich selber dafür auszusprechen: „Wir investieren gerade in Krieg“, so seine Wiedergabe, „wie will ich denn Menschen begeistern – es gibt so viele, die anscheinend ihren Wehrpflichtbogen nicht zurückgeschickt haben, weil sie nicht in die Armee wollen – ja, wer will denn heute in eine deutsche Armee kommen, wenn er eventuell in einem Krieg gehen muss und als Mensch mit Behinderung zurückkommt und er weiß, dass der Staat seine Bedürfnisse nicht mehr abdecken kann, weil er sie abgeschafft hat, als zu teuer oder zu belastbar reduziert hat …“
Sind wir damit endlich soweit, dass das Thema Krieg und Kriegsvorbereitung behindertenpolitisch nicht länger beschwiegen und tabuisiert wir? Wünschenswert wäre es. Umso mehr als ich bislang vergeblich mit eigenen Beiträgen versucht habe, darüber ein behindertenpolitische Debatte anzuregen. Dabei mangelt es nicht an Diskussionsanlässen. Einer davon ist der jetzt auch hier zulande jährlich zelebrierte Veteranentag, auch diesmal wieder um die Junimitte mit dem nötigen Tammtamm begangen. Zumal das pathosgedrängte Veteranentagsnarrativ uns mit dem, was ich hier soeben eine „behindertenpolitische Versuchung“ genannt habe, unausweichlich, weil sozusagen mit geballter Ladung, konfrontiert. Das nunmehr alljährliche Spektakel für unsere behindertenpolitischen Zwecke strategisch zu instrumentalisieren, allen voran das leidige Thema Barrierefreiheit.
So wie dies der amerikanischen Behindertenbewegung (wenn auch in einem nicht unbedingt vergleichbaren politischen und soziokulturellen Kontext und Klima) 1990 im Zusammenhang mit der Verabschiedung des „Americans With Disabilities Act“ gelungen ist. In der damaligen US-amerikanischen Öffentlichkeit machte es besonderen Eindruck, dass Kriegsversehrte Vietnamveteranen Teil des behindertenpolitischen Kampfes für Behindertenrechte und Inklusion gewesen sind. Eine nicht zu unterschätzende Trumpfkarte gewissermaßen. Ein besonders eindrückliches Bild anlässlich der Abstimmung über den ADA war das der zwischen den übrigen behinderten Demonstranten und Demonstrantinnen die Stufen zum Capitol hinauf robbenden Kriegsveteranen. Keine Rolle spielte in diesem Augenblick offensichtlich der szenisch und medial nicht mitrepräsentierte, vielmehr gänzlich ausgeblendete Umstand, dass der Vietnamkrieg (wie andere Kriegsabenteuer der USA davor und danach) in der amerikanischen Geschichte und Politik völkerrechtlich und moralisch ein überaus zweifelhaftes, um nicht zu sagen desaströses Unternehmen gewesen ist.
Zurück zu unserem, der Behinderten wie der Nichtbehinderten, Hier und Heute. „In der Gesellschaft ändert sich auf jeden Fall das Verhältnis zum Militär bzw. es soll sich ändern“, so der Kriegs- und Kriegsvorbereitungsgegner Ole Nymoen kürzlich im Radio, “ das ist das ja, was ausgelobt ist, … weshalb die Regierung jetzt zum Beispiel so etwas wie den Veteranentag ins Leben gerufen hat. Damit man wie in den USA eine Bevölkerung hat, die sagt, „thank you for your service!“ Ohne sich die Frage zu stellen, was habe ich eigentlich von diesem Dienst.
Ich war letztes Jahr zum ersten Mal in Amerika und war doch etwas entgeistert, wenn man beim Baseballspiel sieht, wie Leute dort den Vietnamkriegsveteranen zujubeln und sagen „thank you for your service“. Also man hat dort ein Volk erzogen, das fernab der Frage, was habe ich eigentlich davon oder war das richtig, die einfach nur sagen, super, danke dafür, dass du in den Krieg gezogen bist für das eigene Land. Und das ist die Ideologie, die man auch hierzulande heranziehen will …“





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