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Neue Norm im Gespräch mit Jürgen Linemann, der für Mindestlohn in der Werkstatt klagt

Jürgen Linnemann mit Soraia Da Costa Batista bei Jan Böhmermann
Jürgen Linnemann mit Soraia Da Costa Batista bei Jan Böhmermann
Foto: Die Neue Norm aus ZDF

Berlin (kobinet) Die Plattform "Die Neue Norm" berichtet aktuell über ein Gespräch mit Jürgen Linnemann, der im ZDF Magazin Royale mit Jan Böhmermann angekündigt hat, für den gesetzlichen Mindestlohn als Beschäftigter einer Werkstatt für behinderte Menschen zu klagen. "Seinen Auftritt im ZDF Magazin Royale sehen über 3 Millionen Menschen: Jürgen Linnemann klagt als Beschäftigter in einer Werkstatt für behinderte Menschen für den Mindestlohn. Im Interview mit Redakteurin Carolin Schmidt spricht er über seinen Lebensweg, seine politische Arbeit als langjähriger Vorsitzender im Werkstattrat und über seine Motivation, mit dieser Klage Geschichte zu schreiben", heißt es in der Ankündigung des Beitrags auf Die Neue Norm.

Link zum Gespräch mit Jürgen Linnemann und zu weiteren Infos

Lesermeinungen

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1 Lesermeinung
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Uwe Heineker
17.05.2026 12:36

Die aktuelle mediale Inszenierung des juristischen Widerstands bedarf einer historischen Korrektur. Im Mai 2026 reichte der langjährige WfbM-Beschäftigte und Werkstattrat Jürgen Linnemann, unterstützt von der GFF, eine Klage auf den gesetzlichen Mindestlohn ein und brachte das Thema in den Mainstream (u.a. im ZDF Magazin Royale). Dass er jedoch als „Visionär“ gefeiert wird, obwohl er fast 40 Jahre brauchte, um Forderungen zu stellen, die bereits 1988 beim 1. Alternativen Werkstättentag und 2006 in der Deutzer Erklärung zementiert wurden, beweist die jahrzehntelange, von den Trägern gesteuerte Isolation und Indoktrination unter der „Käseglocke“ Werkstatt.
Darüber hinaus verschweigt die Berichterstattung den wahren Pionier dieser juristischen Auseinandersetzung: André Thiel. Bereits Jahre vor Linnemann klagte Thiel auf Gleichstellung als voller Arbeitnehmer und den gesetzlichen Mindestlohn. Er scheiterte erst vor dem Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt, da die Richter den Werkstattvertrag als rechtliche Hürde interpretierten, und bereitete eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht vor, die tragischerweise durch den Tod seines Anwalts gestoppt wurde.
Thiel, der im Oktober 2020 in der Neuen Norm konstatierte: „Der Kapitalismus kann Menschen mit Behinderungen nicht gebrauchen“, demaskierte die WfbM nicht als Schutzraum, sondern als bloße Tagesbetreuung, die mit Teilhabe nichts zu tun habe. Die Tatsache, dass André Thiel auch Mitautor unseres Buches „Von Behinderung befreit“ (2024) ist, schließt den Kreis: Es sind die Aktivisten und Vordenker dieses Netzwerks, die die juristischen und inhaltlichen Grundlagen für die Zerschlagung des 1,35-Euro-Systems gelegt haben, auf denen die heutigen Klagen aufbauen.

Zuletzt bearbeitet am 1 Monat zuvor von Uwe Heineker