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Spritpreise setzen Berufsbetreuer unter Druck

Portrait einer jungen Frau mit dunklem Haar und bläulichem Pullover
Hülya Özkan, Vorsitzende des Bundesverbands der Berufsbetreuerinnen und Berufsbetreuer (BdB)
Foto: Sven Darmer

HAMBURG (kobinet) Die stark gestiegenen Kraftstoffpreise bringen Berufsbetreuerinnen und Berufsbetreuer in ganz Deutschland zunehmend in finanzielle Bedrängnis. Besonders betroffen sind Betreuerinnen und Betreuer im ländlichen Raum, die täglich weite Strecken zurücklegen müssen und auf das Auto angewiesen sind. Hinzu kommt: Durch steigende CO₂-Abgaben verteuern sich Kraftstoffe strukturell weiter. Für Berufsbetreuer*innen bedeutet das eine dauerhafte Mehrbelastung – ohne entsprechende Anpassung ihrer Vergütung.

Berufsbetreuer sind täglich unterwegs: zu Klientinnen und Klienten, zu Behörden, zu Gerichten, in Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Die steigenden Mobilitätskosten treffen den Berufsstand daher unmittelbar. In vielen anderen Bereichen gibt es einen Ausgleich für gestiegene Betriebskosten. Beispiel Logistik: In Speditionsverträgen wird oft ein variabler Zuschlag vereinbart, der sich monatlich oder wöchentlich am aktuellen Dieselpreis orientiert. Auch viele Cloud-Anbieter behalten sich in ihren AGB vor, Gebühren jährlich moderat (zum Beispiel um drei bis fünf Prozent) anzupassen, um steigende Server- und Personalkosten zu decken.

Die Betreuervergütung bleibt weitgehend statisch – obwohl die realen Ausgaben deutlich steigen. Gerade im ländlichen Raum verschärft sich die Situation: Lange Fahrstrecken sind dort unvermeidbar. Ohne Auto ist die Arbeit faktisch nicht möglich.

Der Bundesverband der Berufsbetreuerinnen und Berufsbetreuer (BdB) fordert daher weitere Entlastungsmaßnahmen sowie eine strukturelle Anpassung der Vergütung. Denkbar seien gezielte Ausgleichszahlungen oder eine Erhöhung der Vergütungspauschalen, um die gestiegenen Kosten zumindest abzufedern.

Die BdB-Bundesvorsitzende Hülya Özkan erklärt: „Viele Berufsbetreuerinnen und Berufsbetreuer arbeiten längst am finanziellen Limit. Die stark gestiegenen Benzinpreise brechen vielen buchstäblich das Genick. Wer täglich auf das Auto angewiesen ist, kann diese Kosten nicht einfach auffangen. Wenn wir nicht gegensteuern, gefährden wir die Unterstützung von hunderttausenden betreuten Menschen.“

Zwar lindere der Tankrabatt in den kommenden zwei Monaten die Lage, doch braucht es für Berufsbetreuer eine nachhaltige Lösung. Der BdB warnt: „Steigende Kosten bei gleichzeitig unzureichender Vergütung gefährden die wirtschaftliche Grundlage vieler Betreuungsbüros. Die prekären Rahmenbedingungen sorgen schon jetzt für fehlenden Nachwuchs.“ Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und steigender Betreuungsbedarfe könne sich Deutschland diesen Trend nicht leisten“, sagt Hülya Özkan.