Villmar-Weyer (kobinet)
Am 5. Mai gibt es eine Demo in Limburg.
Bei einer Demo treffen sich viele Menschen.
Die Menschen zeigen ihre Meinung auf der Straße.
Die Demo beginnt um 15 Uhr.
Der Treff-Punkt ist der Dom-Platz in Limburg.
Inklusions-Kräfte aus der Region kommen zur Demo.
Inklusions-Kräfte begleiten Menschen mit Behinderung.
Sie unterstützen diese Menschen im Alltag.
Früher hießen diese Menschen Heil-Erziehungs-Pfleger.
Das ist ein Berufs-Name für diese Fach-Kraft.
Der Autor dieses Textes heißt Stephan Laux.
Er war 40 Jahre lang Heil-Erziehungs-Pfleger.
Er hat starke Ansichten zur Inklusion.
Ansichten sind die eigenen Meinungen einer Person.
Radikal bedeutet hier: Er will sehr große Veränderungen.
Deswegen wurde er nicht zu einem Fach-Kongress eingeladen.
Ein Fach-Kongress ist eine große Fach-Tagung.
Dort tauschen Fach-Leute ihr Wissen aus.
Stephan Laux geht trotzdem zur Demo.
Eine Freundin hat ihm von der Demo erzählt.
Sie hat die Ankündigung auf Facebook gesehen.
Stephan Laux nutzt Facebook und Instagram nicht.
Er hat Angst vor Angriffen im Internet.
Die Menschen bei der Demo haben ein Ziel.
Sie wollen keine Kürzungen bei der Teil-Habe.
Kürzungen bedeuten: Es gibt weniger Geld als vorher.
Bestimmte Hilfen werden dann kleiner oder fallen weg.
Teil-Habe bedeutet: Menschen mit Behinderung nehmen am Leben teil.
Die Menschen befürchten: Kürzungen machen Inklusion unmöglich.
Inklusion bedeutet: Alle Menschen leben gemeinsam.
Alle Menschen sind mit dabei.
Inklusions-Kräfte wollen mit ihren Klienten zur Demo gehen.
Klienten sind Menschen, die Hilfe von Fach-Kräften bekommen.
Das Motto der Demo lautet: UN-BRK von unten.
Ein Motto ist ein Leit-Spruch.
Er zeigt, wofür die Menschen kämpfen.
Die UN-BRK ist die Behindertenrechts-Konvention der Vereinten Nationen.
Das ist ein Vertrag für die Rechte von Menschen mit Behinderung.
Viele Länder haben diesen Vertrag unterschrieben.
Von unten bedeutet: Die Menschen selbst handeln.
Stephan Laux denkt dabei an Georg Büchner.
Georg Büchner war ein Schrift-Steller aus Hessen.
Er schrieb: Friede den Hütten! Krieg den Palästen!
Daraus macht Stephan Laux neue Slogans für die Demo.
Ein Slogan ist ein Werbe-Spruch.
Viele Menschen kennen und merken sich diesen Spruch.
Sein erster Slogan: Friede dem ambulant betreuten Wohnen!
Ambulant betreutes Wohnen bedeutet: Menschen leben in eigenen Wohnungen.
Sie bekommen dort Unterstützung.
Sein zweiter Slogan: Friede der inklusiven Schul-Betreuung!
Sein dritter Slogan: Friede dem inklusiven Arbeits-Markt!
Limburg ist eine kleine Stadt.
Bekannte Aktivisten der Behinderten-Bewegung werden wohl nicht kommen.
Ein Aktivist ist eine Person, die etwas verändern will.
Die Behinderten-Bewegung setzt sich für die Rechte von Menschen mit Behinderung ein.
In großen Städten wie Berlin gibt es am 5. Mai viele andere Veranstaltungen.
Stephan Laux will bei der Demo kritische Fragen stellen.
Er will die großen Träger der Behinderten-Hilfe fragen.
Träger sind Organisationen, die Einrichtungen betreiben.
Sie bieten Hilfe für Menschen mit Behinderung an.
Er fragt: Geht es euch wirklich um Inklusion?
Oder geht es euch um eure eigenen Einrichtungen?
Er fragt auch: Nutzt ihr eure Klienten für die Demo aus?
Stephan Laux erwartet bestimmte Antworten.
Die Menschen werden von Erfolgen berichten.
Sie werden sagen: Die Gesellschaft ist noch nicht bereit.
Er erwartet auch: Es gibt Barrieren im Kopf.
Eine Barriere ist ein Hindernis.
Barrieren im Kopf bedeutet: Menschen denken falsch über Inklusion.
Am Ende empfiehlt Stephan Laux ein Buch.
Das Buch heißt: Geschichten über Gewalt und Behinderung.
Alexander Puchtler hat das Buch geschrieben.
Das Buch zeigt: Manche Menschen leben in schlechten Einrichtungen.
Das Buch ist hier zu finden: kbnt.org/sh24570.

Foto: Von Philipp August Joseph Hoffmann (1807 bis 1883) - Internetseite Stadt Gießen, Gemeinfrei
Villmar-Weyer (kobinet) Haben Sie am 05. Mai schon etwas vor? Da treffen sich um 15.00 Uhr am Limburger Domplatz die Inklusionskräfte der Region zu einer Demo. Früher hießen die mal Heilerziehungspfleger*innen bis zur längst fälligen Änderung dieser unglücklichen Berufsbezeichnung, die ich selbst 40 Jahre lang tragen musste. Zum Kongress, der die Änderung initiierte, wurde ich ausgeladen. "Wir danken Ihnen für Ihr Interesse, aber unser Programm steht bereits", war die Umschreibung für den eigentlichen Grund: "Herr Laux Ihre Ansichten sind uns zu radikal, das würde unsere Teilnehmenden verschrecken."
Zur Demo gehe ich trotzdem. Ich habe nur davon erfahren, weil eine Freundin die Ankündigung auf Facebook und Instagram gesehen hat. Kanäle, die ich immer noch hartnäckig ablehne, weil ich fürchte, von Shitstorms heimgesucht zu werden, ob meiner radikalen Ansichten.
Die Demonstrierenden wenden sich gegen den Kahlschlag bei der Teilhabe. Sie befürchten Kürzungen, die die Inklusion unmöglich machen. Zumindest aber erheblich erschweren. Inklusionskräfte wollen mit ihren Klient*innen aus den heimischen Sondereinrichtungen auf die Straße gehen.
Vielleicht treffe ich dort alte Bekannte wieder, die ich früher schon mit meinen radikalen Ansichten verschreckt habe. Damit meine ich weniger die Klient*innen, sondern eher die Inklusionskräfte, ihre Vorgesetzten und Lehrer*innen. Ein schöner Anlass, auch mal wieder mit Bewohner*innen durch die Stadt zu schlendern. (Wenn sie sich entsprechend verhalten haben.) „UN – BRK von unten“, ist das Motto.
Da fällt mir, als alter Revoluzzer, natürlich sofort Georg Büchner ein. Oder „de Büschner Schorsch“, wie man bei uns Hessen sagt. Der hat ja in seinem Pamphlet, dem „hessischen Landboten“, zur „Revolution von unten“ und die Bauern des Darmstädter Umlandes zum Widerstand gegen die Mächtigen aufgerufen. Von nicht wenigen Historikern wird sein Aufruf als das politisch Sinnloseste seiner Zeit betrachtet. In und zwischen meinen radikalen Ohren klingt es immer noch, nach der Erlösung der Menschheit! Höchst eloquent, gut recherchiert, absolut pointiert!
„Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“,
heißt es dort schon gleich zu Beginn. Da ließen sich doch hervorragend die Banner zur Demo in Limburg ableiten:
Friede dem ambulant betreuten Wohnen! Krieg den Sondereinrichtungen!
Friede der inklusiven Schulbetreuung! Krieg den Förderschulen!
Friede dem inklusiven Arbeitsmarkt! Krieg den WfbMs!
Die Prominenz der Aktivist*innenszene der Behindertenbewegung wird sich nicht nach Limburg verirren. Eine Provinzstadt in der behindertenpolitischen Diaspora, die mal für ihren Dom, noch nie für ihren Käse, letzthin aber für einen ziemlich protzigen Bischof bekannt war.
In den Hotspots der Bewegung, in Berlin, Bremen und Kassel, lassen sich am 5. Mai weit mehr Bücher verkaufen, Lesungen organisieren und den einen oder anderen Beratungsjob für inklusionsbedürftige Firmen und Einrichtungen an Land ziehen.
Dann wird es wieder an mir hängen bleiben, die Initiatoren der Demo, die großen Träger der Behindertenhilfe zu fragen, ob es ihnen bei ihrer „Revolution“ nicht doch um eine Art Besitzstandswahrung und eigene Existenzberechtigung geht?
Wie es denn um die Umsetzung der UN-BRK im eigenen Laden aussieht?
Ob man da seit Jahren eine Chance verpasst hat?
Und ob man Klient*innen nicht instrumentalisiert, wenn man sie auf eine Demonstration mitschleppt, anstatt ihren Alltag inklusiver zu gestalten?
Dann werden die Angesprochenen verschreckt sein. Aber nur kurz.
Sie werden mir von inklusiven Erfolgsgeschichten berichten,
von hoch engagierten Mitarbeiter*innen.
Von Prozessen, die Zeit brauchen
und der Gesellschaft, die noch nicht so weit ist.
Und wenn während der Veranstaltung nicht mindestens 3 mal die Äußerung, „Barrieren im Kopf“ fällt, gebe ich der gesamten Redaktion der kobinet-Nachrichten einen aus.
Wer übrigens immer noch nicht glaubt, unter welchen exklusiven Umständen, manche Menschen in manchen Sondereinrichtungen leben, dem sei das Buch „[INST] Geschichten über Gewalt und Behinderung“ von Alexander Puchtler sehr empfohlen.
Es grüßt Euch der hessische Landbote, der Lauxe Schtephan.

Foto: Von Philipp August Joseph Hoffmann (1807 bis 1883) - Internetseite Stadt Gießen, Gemeinfrei
Villmar-Weyer (kobinet) Haben Sie am 05. Mai schon etwas vor? Da treffen sich um 15.00 Uhr am Limburger Domplatz die Inklusionskräfte der Region zu einer Demo. Früher hießen die mal Heilerziehungspfleger*innen bis zur längst fälligen Änderung dieser unglücklichen Berufsbezeichnung, die ich selbst 40 Jahre lang tragen musste. Zum Kongress, der die Änderung initiierte, wurde ich ausgeladen. "Wir danken Ihnen für Ihr Interesse, aber unser Programm steht bereits", war die Umschreibung für den eigentlichen Grund: "Herr Laux Ihre Ansichten sind uns zu radikal, das würde unsere Teilnehmenden verschrecken."
Zur Demo gehe ich trotzdem. Ich habe nur davon erfahren, weil eine Freundin die Ankündigung auf Facebook und Instagram gesehen hat. Kanäle, die ich immer noch hartnäckig ablehne, weil ich fürchte, von Shitstorms heimgesucht zu werden, ob meiner radikalen Ansichten.
Die Demonstrierenden wenden sich gegen den Kahlschlag bei der Teilhabe. Sie befürchten Kürzungen, die die Inklusion unmöglich machen. Zumindest aber erheblich erschweren. Inklusionskräfte wollen mit ihren Klient*innen aus den heimischen Sondereinrichtungen auf die Straße gehen.
Vielleicht treffe ich dort alte Bekannte wieder, die ich früher schon mit meinen radikalen Ansichten verschreckt habe. Damit meine ich weniger die Klient*innen, sondern eher die Inklusionskräfte, ihre Vorgesetzten und Lehrer*innen. Ein schöner Anlass, auch mal wieder mit Bewohner*innen durch die Stadt zu schlendern. (Wenn sie sich entsprechend verhalten haben.) „UN – BRK von unten“, ist das Motto.
Da fällt mir, als alter Revoluzzer, natürlich sofort Georg Büchner ein. Oder „de Büschner Schorsch“, wie man bei uns Hessen sagt. Der hat ja in seinem Pamphlet, dem „hessischen Landboten“, zur „Revolution von unten“ und die Bauern des Darmstädter Umlandes zum Widerstand gegen die Mächtigen aufgerufen. Von nicht wenigen Historikern wird sein Aufruf als das politisch Sinnloseste seiner Zeit betrachtet. In und zwischen meinen radikalen Ohren klingt es immer noch, nach der Erlösung der Menschheit! Höchst eloquent, gut recherchiert, absolut pointiert!
„Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“,
heißt es dort schon gleich zu Beginn. Da ließen sich doch hervorragend die Banner zur Demo in Limburg ableiten:
Friede dem ambulant betreuten Wohnen! Krieg den Sondereinrichtungen!
Friede der inklusiven Schulbetreuung! Krieg den Förderschulen!
Friede dem inklusiven Arbeitsmarkt! Krieg den WfbMs!
Die Prominenz der Aktivist*innenszene der Behindertenbewegung wird sich nicht nach Limburg verirren. Eine Provinzstadt in der behindertenpolitischen Diaspora, die mal für ihren Dom, noch nie für ihren Käse, letzthin aber für einen ziemlich protzigen Bischof bekannt war.
In den Hotspots der Bewegung, in Berlin, Bremen und Kassel, lassen sich am 5. Mai weit mehr Bücher verkaufen, Lesungen organisieren und den einen oder anderen Beratungsjob für inklusionsbedürftige Firmen und Einrichtungen an Land ziehen.
Dann wird es wieder an mir hängen bleiben, die Initiatoren der Demo, die großen Träger der Behindertenhilfe zu fragen, ob es ihnen bei ihrer „Revolution“ nicht doch um eine Art Besitzstandswahrung und eigene Existenzberechtigung geht?
Wie es denn um die Umsetzung der UN-BRK im eigenen Laden aussieht?
Ob man da seit Jahren eine Chance verpasst hat?
Und ob man Klient*innen nicht instrumentalisiert, wenn man sie auf eine Demonstration mitschleppt, anstatt ihren Alltag inklusiver zu gestalten?
Dann werden die Angesprochenen verschreckt sein. Aber nur kurz.
Sie werden mir von inklusiven Erfolgsgeschichten berichten,
von hoch engagierten Mitarbeiter*innen.
Von Prozessen, die Zeit brauchen
und der Gesellschaft, die noch nicht so weit ist.
Und wenn während der Veranstaltung nicht mindestens 3 mal die Äußerung, „Barrieren im Kopf“ fällt, gebe ich der gesamten Redaktion der kobinet-Nachrichten einen aus.
Wer übrigens immer noch nicht glaubt, unter welchen exklusiven Umständen, manche Menschen in manchen Sondereinrichtungen leben, dem sei das Buch „[INST] Geschichten über Gewalt und Behinderung“ von Alexander Puchtler sehr empfohlen.
Es grüßt Euch der hessische Landbote, der Lauxe Schtephan.





Hallo liebe Freunde,
egal wie die Politik uns mal wieder verarscht, wir gewinnen ihr immer noch eine witzige Seite ab, hilft mir selber auch manchmal. Andererseits ist die Lage tatsächlich ernst und wir sollten uns statt an hessisch provinzieller Revoluzzer-Nostalgie besser an Ingeborg Bachmann orientieren, ihrem Wort „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar„.
Im letzten Igel-Monatsrückblick versucht Ottmar mit gutem Beispiel voranzugehen: Wer gehe da in Zukunft noch zur Bundeswehr, wenn bei uns den Behinderten die Sozialleistungen zusammen- gestrichen würden. Soll vermutlich heißen, wenn demnächst Kriegsversehrte wegen Prothesen anstehen müssen…
Warum nicht gleich die volle Wahrheit aussprechen. Ihr kürzester Nenner: Waffen statt Wohlfahrt.
Nicht soziale Sicherheit und Teilhabe, Rüstung steht im Mittelpunkt der Politik, der jetzigen wie der kommenden. In den Worten von Markus Lanz: In Putins Russland haben Krieg und Kriegswirtschaft die Bevölkerung bereits verarmt, jetzt kommt die Politik auch hier bei uns mit dem entsprechenden Verarmungsprogramm …
Angefangen wird damit bei den sozial Schwachen und Benachteiligten. Wie sich dagegen wehren? Gegen das politisch verordnete Entrechtungs- und Verarmungsprogramm? Im Sinne der Ursachenbekämpfung, lautet meiner Meinung nach die einzig passende Parole „Krüppel gegen Kriegsvorbereitung“.
Wie lange braucht der Behindertenaktivismus noch, bis er sich selbst und den behinderten Menschen diese Wahrheit endlich zumutet?
Hans-Willi zum Europäischen Protesttag!
Die ‚Revolution von unten‘ hatte übrigens keinen festen Termin, keine genehmigte Route und auch kein Bühnenprogramm. Der Der Hessische Landbote wurde nicht als sauber kuratierte Kampagne ausgerollt, sondern heimlich verteilt, ohne Briefing, ohne Pressetext und ganz sicher ohne abgestimmte Sprechzettel.
Georg Büchner hat auch nicht darauf gewartet, bis alle Beteiligten sich wohlfühlen, die Botschaften kompatibel sind und niemand verschreckt wird. Und ja, es gab damals auch keine Aktion Mensch, die das Ganze mit fertigen Materialien, klaren Rahmenbedingungen und sicherer Sichtbarkeit unterfüttert.
Man könnte fast auf den Gedanken kommen, dass genau darin der Unterschied liegt. Damals unkontrollierbar und riskant, heute abgestimmt, gefördert und entsprechend ungefährlich.
Aber vielleicht ist genau das ja der Punkt. Revolution als Programmpunkt im Veranstaltungskalender funktioniert erfahrungsgemäß eher schlecht.