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Wir können auch anders

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Waschbecken mit Aufkleber am Spiegel: keine Duftstoffe
Ein Aufklber genügt
Foto: Britta Wilkens

Berlin (kobinet) Es ist kein Geheimnis, dass ich ein großer Fan des LIORA-Modells der Organisation "stille Stunde" zum Abbau von unsichtbaren Barrieren bin (https://kobinet-nachrichten.org/2026/03/24/warum-wir-liora-brauchen/). Darin enthalten ist auch ein Leitfaden für Arbeitgeber zum Abbau von unsichtbaren Barrieren.

Was werden die Unternehmen dazu sagen? Ob sich das wohl umsetzen lässt?

Die ganz klare Antwort lautet: Ja!
Ich kenne ein Unternehmen, das schon vorlebt, wie unsichtbare Barrieren ganz einfach abgebaut werden können – meinen Arbeitgeber.

Der erste und wichtigste Schritt fand schon früh statt, nämlich als mein schwerstes Krankheitsbild sich von einen auf den anderen Moment in voller Blüte zeigte: Mir wurde geglaubt.
Es wurde nichts infrage gestellt, sondern es wurde interessiert nachgefragt – nicht, damit ich mich rechtfertige, sondern weil der ernsthafte Wille zum Verstehen da ist.

Ich werde nicht bemitleidet, sondern mir wird Mitgefühl entgegengebracht. Ich habe sofort und ohne jegliche Anzweifelungen meinen für mich geeigneten Arbeitsplatz eingerichtet bekommen. Ich werde gefragt, was ich brauche und bekomme entsprechende Hilfsmittel. Beim letzen Jahresgespräch wurde ich gefragt, was ich mir wünschen würde. Mir fiel spontan ein, dass eine duftfreie Toilette schön wäre.
Gesagt, getan. Nun habe ich meine duftfreie Toilette. Ohne duftenden WC-Stein, ohne Luft“erfrischer“, mit duftfreien Reinigungsmitteln und duftfreier Seife. Mit entsprechenden Hinweisen, dass keine duftenden Produkte verwendet werden sollen. Ist dies die erste duftfreie Toilette in einem Unternehmen? Möglicherweise. Falls ja, hoffe ich, sie wird nicht die einzige bleiben.

Und wieviel hat das Ganze gekostet?

Ernst nehmen: 0,00 Euro
ein guter Wille: 0,00 Euro
ein offenes Ohr: 0,00 Euro
manche Dinge anders machen: 0,00 Euro
Hinweisaufkleber: 24,20 Euro
duftfreie Reinigungsprodukte als Ersatz für duftende: 17,86 Euro.

Vorteile: ein (noch) besseres Image, motivierte Mitarbeiter, weniger Fehlzeiten durch Arbeitsunfähigkeit
Nachteile: keine

Wenig Geld, große Wirkung. So einfach kann es sein.

Ein Artikel von Britta Wilkens, organisiert im Allgemeinen Behindertenverband in Deutschland (ABiD) in der Arbeitsgruppe Gesundheit und Soziales