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Warum wir LIORA brauchen

Grafik rechte und linke Seite eines Herzes umarmen sich
Miteinander
Foto: „Stillen Stunde“

Berlin (kobinet) Jürgen Dusel, der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, hat bereits veröffentlicht, dass der überwiegende Teil der Behinderungen nicht sichtbar oder nicht sofort erkennbar ist. Wenn es um Barrierefreiheit und Inklusion geht, werden die Belange unsichtbar behinderter Menschen jedoch immer wieder außer Acht gelassen. Warum ist das so?

Unsichtbare Behinderungen sind mehr als psychische und chronische Erkrankungen. Sie machen eine breite Palette aller möglichen Krankheiten / Diagnosen und Eigenschaften aus. Genau diese Vielfältigkeit ist es offenbar, die Entscheidungsträger vor eine anscheinend schier unlösbare Aufgabe stellt: wie kann Barrierefreiheit für alle sichergestellt werden, ohne jemanden zu übersehen?

Das ist zugegebenermaßen anstrengend. Und wenig reizvoll. Das merken die Betroffenen in ihrem alltäglichen Leben ständig. Es ist offenbar nicht möglich, für unsichtbar behinderte Menschen Barrierefreiheit und Teilhabe zu etablieren. Anerkennungen von GdB oder Abbau von invisiblen Barrieren sind aktuell eher vom guten Willen von Entscheidern abhängig und schon gar keine Selbstverständlichkeit.

Damit fallen Betroffene durch alle erdenklichen Raster. Und müssen damit leben.

Oder?

Was, wenn es doch einen Lösungsansatz gäbe? Wenn das Problem mit einer anderen Betrachtungsweise angegangen würde?

Kürzlich habe ich von dem LIORA-Projekt der Organisation „Stille Stunde“ erfahren. Interessiert habe ich gelesen, was dieses beinhaltet und war zugegebenermaßen schwer beeindruckt.

Ich versuche, kurz zu beschreiben, um was es geht:

Es wird beschrieben, wie der aktuelle Stand ist: die fehlende institutionelle Legitimität und damit verbundene strukturelle Abwesenheit Betroffener in Gesetzen und Standards. Nicht, um anzuklagen, sondern um die Situation zu beschreiben.

Es werden Barrieredimensionen beschrieben (sozial, kommunikativ, sensorisch, chemisch) und warum Betroffene meist nicht nur eine einzige Diagnose haben. Wo es in unserem jetzigen System „hakt“ und welche konkreten Lösungsvorschläge es für alle erdenklichen Bereiche gibt.

Insgesamt ist zu erkennen, wie viel Expertise, Zeit, Arbeit und Herzblut in dieses Projekt, bestehend aus elf Positionspapieren, geflossen ist.

Das macht Hoffnung. Hoffnung für viele Betroffene, die Aufmerksamkeit und Anerkennung ihrer Belange zu bekommen, die ihnen zusteht. Damit auch unsichtbar behinderten Menschen Barrierefreiheit, Inklusion und damit auch ein Leben in Würde ermöglicht wird.

Dafür ein ganz herzliches Dankeschön an das Team der „Stillen Stunde“! https://www.stille-stunde.com/uebrigens/deutschland-wird-barrierefrei/

Ein Artikel von Britta Wilkens, organisiert im Allgemeinen Behindertenverband in Deutschland (ABiD) in der Arbeitsgruppe Gesundheit und Soziales