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50 Jahre Winter-Paralympics – Hoffnung auf den nächsten Meilenstein

Skifahrer mit einem Bein auf der Abfahrtstrecke an einem Tor unterwegs
Christoph Glötzner im Rennen
Foto: Mika Volkmann / DBS

FRECHEN (kobinet) Die diesjährigen Paralympics in Mailand und Cortina sind gleich in mehrfacher Hinsicht besondere. Nicht nur, dass die Spiele seit 20 Jahren erstmals wieder in den europäischen Alpen stattfinden, es gibt zudem noch ein Jubiläum zu feiern: 50 Jahre ist es her, dass die ersten Paralympischen Winterspiele ausgetragen wurden. Seit der Ausgabe 1976 hat sich einiges getan – und die positive Entwicklung soll in Italien weiter fortgesetzt werden.

Kurz gesagt ()

Die Winter-Paralympics feiern ihr 50-jähriges Jubiläum – von 198 Athleten in zwei Sportarten 1976 in Örnsköldsvik zu über 650 Teilnehmern in sechs Sportarten heute in Mailand und Cortina. Während früher kaum mediale Aufmerksamkeit herrschte und Athleten wie Alexander Spitz selbst um Berichterstattung kämpfen mussten, hat sich das öffentliche Interesse exorbitant gesteigert. Deutschland führt zwar noch den ewigen Medaillenspiegel an, aber Nationen wie China, Russland und die Ukraine holen rasant auf. Die Spiele 2026 könnten der nächste entscheidende Entwicklungsschub für den Para Sport werden.

Der erste Austragungsort der Paralympics im Winter hieß Örnsköldsvik. Als sich damals in Schweden zum ersten Mal auch Wintersportlerinnen und Wintersportler mit Behinderung zu Paralympischen Spiele trafen, war die Konkurrenz noch überschaubar. Zwar traten 198 Athletinnen und Athleten im Stadion Kempehallen an, die Wettbewerbe waren aber vor allem eine europäische Angelegenheit. Von den anderen Kontinenten hatten nur sechs Kanadier, ein US-Amerikaner, ein Japaner und ein Athlet aus Uganda die lange Reise angetreten. Zudem gab es einen deutlichen Männerüberschuss, denn von den 198 Aktiven waren nur 37 weiblich. Deutschland stellte mit 32 Sportlerinnen und Sportlern damals die größte Mannschaft und schaffte es bei der Premiere auf den ersten Rang im Medaillenspiegel mit 28 Edelmetallen (10x Gold, 12x Silber und 6x Bronze).

Wenn dagegen heute die Spiele in Mailand und Cortina beginnen, wird mit über 650 Athletinnen und Athleten gerechnet, die in sechs Sportarten und insgesamt 79 Wettbewerben antreten. 1976 waren es noch 53 Wettkämpfe ausschließlich in den Sportarten Para Ski alpin und Para Skilanglauf. Es folgten Para Biathlon (1988), Para Eishockey (1994), Rollstuhlcurling (2006) und als jüngste Sportart Para Snowboard (2014). Doch nicht nur bei der Auswahl der Sportarten haben sich die Spiele verändert und vor allem vergrößert.

Einer, der diese Entwicklung hautnah miterlebt hat, ist Alexander Spitz. 1984 nahm er in Innsbruck mit gerade einmal 15 Jahren an seinen ersten Paralympics teil und gewann direkt Silber im Riesenslalom. Eine große Überraschung und symbolträchtig zugleich, schließlich war es genau am fünften Jahrestag seiner Beinamputation. Mit zehn Jahren musste Spitz aufgrund einer Krebserkrankung das rechte Bein amputiert werden. Das hielt ihn jedoch nicht vom Skifahren ab. „Ich habe gemerkt, dass ich da ein Talent habe und wollte nicht akzeptieren, dass ich den Sport nicht mehr ausüben konnte“, erinnert sich Spitz zurück. Mit seinem Gefühl lag er richtig, denn in den folgenden Jahren entwickelte sich Spitz zu einem der erfolgreichsten deutschen Para Sportler. Allein fünf Mal nahm er an den Paralympics teil. Trotz seiner beeindruckenden Leistungen blieb die mediale Aufmerksamkeit zunächst gering. „Damals gab es noch kaum Berichterstattung. Wenn man in der Presse vorkommen wollte, musste man das auf eigene Initiative anstoßen“, betont Spitz. Und selbst dann war noch keine Berichterstattung garantiert, stattdessen erhielt er teils auch recht unfreundliche Rückmeldungen. Gut zwanzig Jahre später war Spitz dann regelmäßig zu den Spielen 2010 im ZDF zu sehen. Nicht mehr als Aktiver, sondern als erster paralympischer Ski-Experte.

Seitdem hat sich vieles in die richtige Richtung bewegt. Zwar arbeitet der DBS schon seit 1998 im Deutschen Haus mit einer Agentur für die Vermarktung zusammen, aber die heutigen Dimensionen sind mit den damaligen nicht mehr vergleichbar. Die Delegationen wurden immer größer und auch Bundespräsidenten und Innenminister ließen sich häufiger bei den Spielen blicken. „Der sportliche Wert war schon immer da, aber das öffentliche Interesse an den Paralympics ist im Laufe der Jahre exorbitant gestiegen“, betont Hartleb. Alexander Spitz schlägt in eine ähnliche Kerbe: „Die Spitzenübertragung passt inzwischen auch zu dem Spitzensport, der geboten wird“.

Gleichzeitig haben immer mehr Nationen den paralympischen Wintersport für sich entdeckt: „China, Russland oder die Ukraine haben sich in der jüngeren Vergangenheit im Para Sport rasant entwickelt und gewinnen mehr und mehr Medaillen“, sagt Hartleb. Trotzdem steht Deutschland im ewigen Medaillenspiegel der Winterspiele mit 141 Goldmedaillen noch auf dem ersten Rang – der Vorsprung auf den Zweitplatzierten Norwegen ist mit einer Goldmedaille jedoch denkbar knapp. Auf Rang drei folgt die USA mit 117 Goldmedaillen, während andere Nationen stetig aufholen.

Viel hat sich bei den Paralympics und mit Blick auf den Breitensport von Menschen mit Behinderung in den letzten Jahren zum Positiven gewendet, doch genau so viel gibt es weiterhin zu tun. Die Winterspiele in Mailand und Cortina könnten 50 Jahre nach der Premiere in Örnsköldsvik der nächste Entwicklungsschub sein, den der Para Sport braucht. Es wäre zu wünschen, dass beim 100-jährigen Rückblick auch 2026 als Schlüsselmoment der Paralympics-Geschichte genannt wird.

Text: Paul Foreman / DBS (redaktionell gekürzt)