Staufen (kobinet)
Manche Menschen wollen über die politischen Probleme nicht klar sprechen.
Sie benutzen Wörter wie "Welt-Schmerz" und "schöne Zukunft".
Das sind Ausreden.
Die Probleme treffen besonders Menschen mit Behinderung hart.
Heute Abend um 18 Uhr ist eine Konferenz.
Eine Konferenz ist ein Treffen.
Menschen sprechen dort über ein bestimmtes Thema.
Der Titel ist: "Welt-Schmerz trifft auf schöne Zukunft".
Ich habe Angst.
Vielleicht redet man dort auch nur um die Probleme herum.
Wir müssen über wichtige Fragen sprechen.
Menschen mit Behinderung haben große politische Heraus-Forderungen.
Heraus-Forderungen sind schwierige Aufgaben.
Man muss sich anstrengen, um die Aufgaben zu lösen.
Wir brauchen mehr Austausch unter-einander.
Wir müssen uns besser vernetzen.
Vernetzen bedeutet: 2 oder mehr Menschen bauen Kontakt auf.
Sie tauschen Informationen aus.
Es gibt ein sehr dringendes Problem.
Die Politik redet von "kriegs-tüchtig werden".
Die Politik sagt: "Wir müssen Krieg können".
Ich nenne das: kriegs-dienstliche Mobil-Machung.
Das bedeutet: Ein Land bereitet sich auf Krieg vor.
Soldaten und Waffen werden für den Kampf bereit gemacht.
Bei Krieg geht es um Leben und Tod.
Dann sind andere Themen nicht mehr so wichtig.
Zum Beispiel: Das neue BGG im Bundes-Tag.
Der Bundestag ist eine Gruppe von Politikern.
Die Menschen in Deutschland wählen diese Politiker.
BGG bedeutet: Behinderten-Gleichstellungs-Gesetz.
Die Kriegs-Vorbereitung ist das wichtigste Thema jetzt.
Darüber müssen Menschen mit Behinderung sprechen.
Alle anderen Fragen sind weniger wichtig.
Wir müssen uns entscheiden.
Wir können Nein sagen zur Kriegs-Vorbereitung.
Oder wir machen mit bei der Kriegs-Vorbereitung.
Jeder Mensch muss für sich entscheiden.
Wir sind oft macht-los.
Das bedeutet: Jemand kann nichts ändern.
Die Person hat keine Kraft und keine Möglichkeiten zu helfen.
Die Politik macht einfach weiter.
Deshalb sollten wir miteinander reden.
Wir sollten unsere Gedanken und Gefühle teilen.
Was ich andere Menschen mit Behinderung fragen möchte
Ich bin gegen die Kriegs-Vorbereitung.
Ich sage: Nein zum Krieg.
Ich rufe andere auf: Macht nicht mit.
Ich fühle mich allein mit dieser Meinung.
In den sozialen Medien schreiben Behinderte nichts dazu.
Auch meine Bekannten reden nicht darüber.
Alle schweigen zum Thema Krieg.
Dieses Schweigen macht mich fertig.
Es geht mir sehr schlecht damit.
Ich habe keine diffusen Gefühle.
Diffuse Gefühle sind Gefühle, die man nicht genau benennen kann.
Man weiß nicht: Bin ich traurig oder wütend oder ängstlich?
Ich weiß genau: Die Politik macht mir Schmerzen.
Deshalb möchte ich auf der Konferenz in Hamburg fragen:

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) Wer um das gegenwärtige Politikdesaster, dem insbesondere benachteiligte und marginalisierte Menschen schutzlos preisgegeben sind, lieber herumreden möchte, statt die Dinge beim Namen zu nennen, redet von "Weltschmerz" und dem Wolkenkuckucksheim einer "schönen Zukunft". Ich hoffe, ich liege falsch mit meiner Befürchtung, die für heute Abend um 18 Uhr angesetzte Konferenz "Weltschmerz trifft auf schöne Zukunft" könnte auf eben dieses Ausweich- und Verdrängungsmanöver hinauslaufen.
Denn: Was die „politischen Herausforderungen“ sind, mit denen sich Behinderte derzeit konfrontiert sehen und wodurch „mehr Austausch und Vernetzung“ zustande kommen kann – darüber zu diskutieren, ist dringender als je. Und am dringlichsten, weil mit einer direkten Gefährdung von Leib und Leben einhergehend, erscheint mir die Beantwortung der Frage: Wie sich verhalten angesichts dessen, was ich die „kiegsdienstliche Mobilmachung“ nenne (die Politik spricht von „kriegstüchtig werden“ oder „Krieg können“). Wo dergestalt die menschliche Existenz auch unmittelbar physisch infrage steht, es um „Sein oder Nichtsein“ geht, wird alles Übrige zweitrangig, rückt in den Hintergrund. So für uns Behinderte bzw. den behindertenpolitischen Aktivismus und dessen Agenda, die Frage, „auf welche Weise der Politik mehr Druck machen, dass der Bundestag endlich die Neufassung des BGG verabschiedet“.
Die von den politisch Herrschenden betriebene Kriegsvorbereitungspolitik gehört daher meines Erachtens in den Vordergrund und in den Mittelpunkt der aktuellen politischen Diskussion und Debatte unter Behinderten. Alle nicht diesbezüglichen behindertenpolitischen Fragestellungen erachte ich demgegenüber für sekundär. – In der Hauptsache gilt es, sich zwischen zwei gegensätzlichen Einstellungen und Verhaltensweisen in dieser existenziellen Angelegenheit zu entscheiden. Zwischen Ablehnung jedweder Kriegsvorbereitung und der Teilnahmeverweigerung an ihr auf der einen Seite und Zustimmung zur Kriegsertüchtigung und praktischer Beteiligung daran auf der anderen Seite (Mitmachen nach Maßgabe der je individuellen Möglichkeiten und Grenzen, etwa der beschränkten Ressourcen auch eines behinderten Menschen). Allein schon um als weitgehend ohnmächtig Betroffene an den politischen Entwicklungen nicht zu verzweifeln oder daran irre zu werden, sollten wir einander unsere Gedanken und Gefühle mitteilen, die uns in diesem Zusammenhang unweigerlich bedrängen, gleichviel zu welcher Positionsentscheidung wir letztendlich neigen.
Was ich meine Behinderten-Peers fragen möchte
Meine Postion ist die des Widersprechens, „den Masters of War ins Wort fallen“ lautet meine Devise, mit der ich auch andere dazu auffordern möchte, bei der „kriegsdienstlichen Mobilmachung“ sich der mehrheitspolitisch von ihnen erwarteten persönlichen Kriegsertüchtigung zu verweigern. Damit scheine ich in der Behindertencommunity allein auf weiter Flur zu stehen. Seitens meiner wenigen persönlichen Kontakte zu Behindertenpeers, vor allem aber auf den von mir frequentierten behindertenpolitischen Social-Media-Kanälen, vernehme ich hinsichtlich Krieg und Kriegsvorbereitung nur ein konstantes Schweigen. Ein beklemmendes Schweigen, das „dich fertig macht“, wie man so sagt. Entsprechend elend geht es mir. Also von wegen „diffuser Weltschmerz“, ich weiß, was mir politisch Schmerzen verursacht und wer sie mir mit zufügt. – Was ich folglich meine Behinderten-Peers auf der Hamburger Konferenz als allererstes fragen möchte, wäre
- Sofern ihr euch als politische Subjekte versteht und nicht in eine politikferne Parallelwelt abgetaucht seid, wie geht es euch in dieser „sicherheits- und verteidigungspolitisch“ aufgeheizten Atmosphäre? Wo ohne Unterlass von Bewaffnung, Munitionsbeschaffung, milliardenschweren Rüstungsinvestitionen die Rede ist? Der Besitz eigener Atomwaffen „für unser Land“ nicht länger ein Tabu sein dürfe. Wir uns auf „einen Krieg wie zu Zeiten unserer Eltern und Großeltern“ einstellen und vorbereiten sollten – einen Krieg also mit Abermillionen von Toten, Traumatisierten, Kriegsversehrten. Mit Zerstörungen und Schäden in unserer unmittelbaren Lebenswelt, von deren Ausmaß uns jüngst der Gaza-Krieg einen Eindruck vermittelt.
- Was denkt und fühlt ihr bei alledem? Was geht euch als Erstes durch den Kopf, sobald von „kriegstüchtig werden“, von „Maßnahmen für den Bevölkerungsschutz“ die Rede ist? Weil wir „längst von innen und außen angegriffen werden“. Spürt ihr Druck im Kopf, Beklemmung in der Brust? Kommen euch Gedanken wie, was mache ich, wenn plötzlich meine Behindertenassistenz ausfällt, nicht zu mir nach Hause kommen kann, weil „etwas passiert ist“, das öffentliche Verkehrssystem zusammengebrochen ist. Auf einmal kein Strom mehr da ist, kein Radio und auch kein Handy funktioniert.
- Oder könnt ihr mit derlei Eventualitäten einigermaßen gelassen umgehen, da ihr vorbereitet seid, „entsprechend vorgesorgt“ habt? Gemäß den Broschüreempfehlungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe euren Evakuierungsrucksack gepackt und griffbereit habt. Beziehungsweise, falls ihr wegen Drohnen- und Raketenbeschuss oder „Kampfhandlungen“ draußen die Wohnung nicht verlassen könnt, genügend Grundnahrungsmittel und Getränke gehortet habt, um ohne fremde Hilfe einige Tage überleben zu können. Vielleicht habt ihr anders als ich das alles längst mit jemandem durchgesprochen?

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) Wer um das gegenwärtige Politikdesaster, dem insbesondere benachteiligte und marginalisierte Menschen schutzlos preisgegeben sind, lieber herumreden möchte, statt die Dinge beim Namen zu nennen, redet von "Weltschmerz" und dem Wolkenkuckucksheim einer "schönen Zukunft". Ich hoffe, ich liege falsch mit meiner Befürchtung, die für heute Abend um 18 Uhr angesetzte Konferenz "Weltschmerz trifft auf schöne Zukunft" könnte auf eben dieses Ausweich- und Verdrängungsmanöver hinauslaufen.
Denn: Was die „politischen Herausforderungen“ sind, mit denen sich Behinderte derzeit konfrontiert sehen und wodurch „mehr Austausch und Vernetzung“ zustande kommen kann – darüber zu diskutieren, ist dringender als je. Und am dringlichsten, weil mit einer direkten Gefährdung von Leib und Leben einhergehend, erscheint mir die Beantwortung der Frage: Wie sich verhalten angesichts dessen, was ich die „kiegsdienstliche Mobilmachung“ nenne (die Politik spricht von „kriegstüchtig werden“ oder „Krieg können“). Wo dergestalt die menschliche Existenz auch unmittelbar physisch infrage steht, es um „Sein oder Nichtsein“ geht, wird alles Übrige zweitrangig, rückt in den Hintergrund. So für uns Behinderte bzw. den behindertenpolitischen Aktivismus und dessen Agenda, die Frage, „auf welche Weise der Politik mehr Druck machen, dass der Bundestag endlich die Neufassung des BGG verabschiedet“.
Die von den politisch Herrschenden betriebene Kriegsvorbereitungspolitik gehört daher meines Erachtens in den Vordergrund und in den Mittelpunkt der aktuellen politischen Diskussion und Debatte unter Behinderten. Alle nicht diesbezüglichen behindertenpolitischen Fragestellungen erachte ich demgegenüber für sekundär. – In der Hauptsache gilt es, sich zwischen zwei gegensätzlichen Einstellungen und Verhaltensweisen in dieser existenziellen Angelegenheit zu entscheiden. Zwischen Ablehnung jedweder Kriegsvorbereitung und der Teilnahmeverweigerung an ihr auf der einen Seite und Zustimmung zur Kriegsertüchtigung und praktischer Beteiligung daran auf der anderen Seite (Mitmachen nach Maßgabe der je individuellen Möglichkeiten und Grenzen, etwa der beschränkten Ressourcen auch eines behinderten Menschen). Allein schon um als weitgehend ohnmächtig Betroffene an den politischen Entwicklungen nicht zu verzweifeln oder daran irre zu werden, sollten wir einander unsere Gedanken und Gefühle mitteilen, die uns in diesem Zusammenhang unweigerlich bedrängen, gleichviel zu welcher Positionsentscheidung wir letztendlich neigen.
Was ich meine Behinderten-Peers fragen möchte
Meine Postion ist die des Widersprechens, „den Masters of War ins Wort fallen“ lautet meine Devise, mit der ich auch andere dazu auffordern möchte, bei der „kriegsdienstlichen Mobilmachung“ sich der mehrheitspolitisch von ihnen erwarteten persönlichen Kriegsertüchtigung zu verweigern. Damit scheine ich in der Behindertencommunity allein auf weiter Flur zu stehen. Seitens meiner wenigen persönlichen Kontakte zu Behindertenpeers, vor allem aber auf den von mir frequentierten behindertenpolitischen Social-Media-Kanälen, vernehme ich hinsichtlich Krieg und Kriegsvorbereitung nur ein konstantes Schweigen. Ein beklemmendes Schweigen, das „dich fertig macht“, wie man so sagt. Entsprechend elend geht es mir. Also von wegen „diffuser Weltschmerz“, ich weiß, was mir politisch Schmerzen verursacht und wer sie mir mit zufügt. – Was ich folglich meine Behinderten-Peers auf der Hamburger Konferenz als allererstes fragen möchte, wäre
- Sofern ihr euch als politische Subjekte versteht und nicht in eine politikferne Parallelwelt abgetaucht seid, wie geht es euch in dieser „sicherheits- und verteidigungspolitisch“ aufgeheizten Atmosphäre? Wo ohne Unterlass von Bewaffnung, Munitionsbeschaffung, milliardenschweren Rüstungsinvestitionen die Rede ist? Der Besitz eigener Atomwaffen „für unser Land“ nicht länger ein Tabu sein dürfe. Wir uns auf „einen Krieg wie zu Zeiten unserer Eltern und Großeltern“ einstellen und vorbereiten sollten – einen Krieg also mit Abermillionen von Toten, Traumatisierten, Kriegsversehrten. Mit Zerstörungen und Schäden in unserer unmittelbaren Lebenswelt, von deren Ausmaß uns jüngst der Gaza-Krieg einen Eindruck vermittelt.
- Was denkt und fühlt ihr bei alledem? Was geht euch als Erstes durch den Kopf, sobald von „kriegstüchtig werden“, von „Maßnahmen für den Bevölkerungsschutz“ die Rede ist? Weil wir „längst von innen und außen angegriffen werden“. Spürt ihr Druck im Kopf, Beklemmung in der Brust? Kommen euch Gedanken wie, was mache ich, wenn plötzlich meine Behindertenassistenz ausfällt, nicht zu mir nach Hause kommen kann, weil „etwas passiert ist“, das öffentliche Verkehrssystem zusammengebrochen ist. Auf einmal kein Strom mehr da ist, kein Radio und auch kein Handy funktioniert.
- Oder könnt ihr mit derlei Eventualitäten einigermaßen gelassen umgehen, da ihr vorbereitet seid, „entsprechend vorgesorgt“ habt? Gemäß den Broschüreempfehlungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe euren Evakuierungsrucksack gepackt und griffbereit habt. Beziehungsweise, falls ihr wegen Drohnen- und Raketenbeschuss oder „Kampfhandlungen“ draußen die Wohnung nicht verlassen könnt, genügend Grundnahrungsmittel und Getränke gehortet habt, um ohne fremde Hilfe einige Tage überleben zu können. Vielleicht habt ihr anders als ich das alles längst mit jemandem durchgesprochen?





Was ich als analoges Konferenztreffen missverstand, ist eine Online-Mitmachveranstaltung gewesen, organisiert und moderiert vom Sozialhelden-Teams. – Es begann mit Kleingruppen, in denen man einander sein momentanes Befinden und Anliegen mitteilte. Für mich Gelegenheit in der Dreiergruppe über meine Kriegsangst zu sprechen. Woraufhin mir die beiden Frauen sagten, es gehe ihen genauso, auch sie mache das „fix und fertig“. Das erste Mal für mich, das Behinderten-Peers das so deutlich aussprechen. Vielleicht muss nur einer anfangen, dann trauen sich auch andere.
Anschließend brachte ich ebendies auch in der Großgruppe zur Sprache. Ottmar Miles-Paul, der als behinderterpolitischer Auskunftgeber zugeschaltet war, widersprach: Was ihm davon täglich im Fernsehen als geballte Ladung entgegenkomme, reiche ihm und außerdem „zu komplex“ das Thema. Wir Behinderten müssten uns gerade in dieser Lage „Highlights“ verschaffen und uns auf „positive Erfahrungen fokussieren“. Mache ich übrigens auch, meine Highlights sind Musik und Meditation. Ich befürchte aber als regelrechte Verdrängungs- und Ablenkungsakrobatik betrieben, wie von Ott empgohhlen, geht das ins Auge und kann für jede und jeden von uns tödlich enden.
Vielleich hat es mit dem Holocoustgedenken dieser Tage zu tun, wenn mich der entsetzliche Gedanken nicht in Ruhe lässt, zwischen einer die Abgründigkeit, die Todes-und Vernichtungslogik heutiger Kriegsvorbereitungspolitik ausblendenden Verdrängungsmentalität und der verhängnisvollen Psychologie bei damaligen Opfern könnten gewisse Parallelen nicht ganz abwegig sein.
Mit verzweifelten Strategien positiven Denkenstäuschten sich Jüdinnen und Juden bisweilen selbst dann noch über das hinweg, was die Nazis mit ihnen vorhatten, als man sie in die Viehwaggons der Deportationszüge pferchte …
I.A. v. Hans-Willi Weis