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Offener Brief an Rektor der Universität Köln zum Erhalt der Disability Studies Professur

Redaktioneller Hinweis: Für Artikel der Kategorie "Kolumne" sind ausschließlich die Autoren verantwortlich. Dies gilt auch für deren Äußerungen in den Lesermeinungen sowie für die Moderation der Kommentare zu deren Beiträgen. Die Inhalte geben nicht die Meinung der Redaktion oder des Trägervereins wieder. Inhaltliche Kritik richten Sie bitte direkt an die Autoren per Email.
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Foto: ht

Köln (kobinet) Dinah Burgmann von der Fachschaft Heilpädagogik der Universität Köln setzt sich seit einigen Wochen zusammen mit vielen anderen Studierenden für den Erhalt der Disability Studies ein. Unter anderem haben Studierende über 250 Postkarten an den Rektor geschrieben, welche im Rektorat abgegeben wurden. Gleichzeitig haben mehrere Fachschaften und der Fakultätsrat der Humanwissenschaftlichen Fakultät einen offenen Brief an den Rektor verfasst. Im Folgenden dokumentieren die kobinet-nachrichten sowohl den offenen Brief an den Rektor der Universität Köln als auch die Antwort, die den Studierenden in dessen Auftrag mittlerweile zugesandt wurde.

Offener Brief an den Rektor der Universität Köln

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Mukherjee,

am 03.12.2025 wurde in der Humanwissenschaftlichen Fakultät bekannt gegeben, dass die Professur für Soziologie und Politik der Rehabilitation, Disability Studies als Teil der kommenden Kürzungen wegfallen soll. Als Fachschaftsvertretungen und StAVV wollen wir uns, als Vertreter*innen der betroffenen Studierenden, klar dagegen aussprechen.

Wir appellieren mit Dringlichkeit für den Erhalt der Professur und der damit einhergehenden Forschung in den Disability Studies. Grundlegend ermöglicht die Professur eine Emanzipation von Menschen mit Behinderungen durch Inklusion und Partizipation in der Forschung ganz im Vorbild der zentralen Forderung der Behindertenrechtsbewegung „Nichts über uns ohne uns“.

Die Universität zu Köln gehört zu einem der wenigen Standorte in Deutschland, an dem im Bereich der Disability Studies geforscht wird. Auf dieses Alleinstellungsmerkmal sollte die Universität stolz sein. Die Disability Studies sind außerdem ein unersetzlicher Bestandteil in der Professionalisierung der Studierenden und zukünftigen Fachkräften in den Disziplinen Heilpädagogik und den Rehabilitationswissenschaften. Zusätzlich stellt die Professur der Disability Studies im Department die einzige Professur mit sozialwissenschaftlichem Fokus dar. Die Kürzung dieser Professur ist zusätzlich im Kontext aktueller Entwicklungen zu betrachten. Sinkende Solidarität und eine politische Vernachlässigung von Inklusion als erstrebenswertes Ziel zeigen sich zunehmend in der Gesellschaft. Ein Ende der Professur hätte im Rahmen dieser Kontexte erschreckende Implikationen, auch im Kontext dessen, dass gleichzeitig die Forschungsstelle für Disability Studies in Hamburg geschlossen wird. Hier möchten wir auch auf den Appell der Arbeitsgemeinschaft für Disability Studies (AGDS) hinweisen, welche sich auf Bundesebene dem Thema angenommen haben: https://disabilitystudies.de/disability-studies-bedroht-kritisch-emanzipatorische-wissenschaft-schutzen-und-starken/

Wir möchten zusätzlich anmerken, dass wir im gesamten Prozess der Kürzungen eine Intransparenz in der Informationsweitergabe durch die Verantwortlichen wahrgenommen haben. So kursieren seit Monaten Gerüchte, welche sowohl bei den Studierenden als auch bei den Angestellten für Unsicherheiten sorgen. Hier sehen wir die Möglichkeit zur Mitsprache und Partizipation der Studierenden eingeschränkt, was wir sehr bereuen, da es am Ende um unsere Bildung und die fortlaufende Forschung in unserem Berufsfeld geht.

Im Hinblick auf die Reduktion der Kürzungen von 30 Millionen Euro durch das Land Nordrhein-Westfalen, bitten wir darum, den dadurch entstandenen Spielraum zu nutzen, um die Professur zu erhalten oder die angedachten Kürzungen im Rahmen der Exzellenz Strategie entsprechend zu erlassen, dabei aber keine Verlagerung der Kürzungen auf andere Fachbereiche zu tätigen. Außerdem fordern wir die Wiederaufnahme der Berufungskommission der Professur.

Wir bitten um eine zeitnahe Rückmeldung.

Mit freundlichen Grüßen

Fachschaft Heilpädagogik

Fachschaft Intermedia

Fachschaft Hören und Kommunikation

Fachschaft Psychologie

Fachschaft Emotional-Soziale Entwicklung

Fachschaft Kunst

Initiative Heilpädagogik und Inklusion

StAVV

In der Antwort, die für den Rektor verfasst wurde, heißt es u.a.: „Sehr geehrte Studierende, für Ihr untenstehendes Schreiben bedankt sich Rektor Mukherjee bei Ihnen, ebenso wie für die Weiterleitung der Postkarten. Er hat mich gebeten, Ihnen wie folgt zu antworten. Herr Mukherjee hat gemeinsam mit Dekanin Träuble und Kanzler Gerlof im Rahmen der Informationsveranstaltung zur Haushaltskonsolidierung am 10.12.2025 die Hintergründe der Kürzungen sowohl im Hinblick auf die Gesamtuniversität als auch die Fakultät erläutert. Dass die vom Land angekündigte Reduktion der Kürzungen von 150 auf 120 Millionen Euro einen finanziellen Spielraum für die Universität eröffnet, entspricht leider nicht den Tatsachen. Die Universität als Ganzes muss ihre Ausgaben nach wie vor um rund 10 Millionen Euro per anno verringern. Die Humanwissenschaftliche Fakultät hat die Planung, auf welche Weise der notwendige Konsolidierungsbeitrag erbracht wird, in zahlreichen Gesprächen in den zuständigen Gremien erarbeitet. Sie hat sich die Entscheidung, eine Professur nicht wieder zu besetzen, nicht leicht gemacht. Ganz ausdrücklich bedeutet dies keine Abkehr von den in den Disability Studies behandelten Inhalten, die weiterhin ein prägender Bestandteil von Forschung und Lehre an der Fakultät bleiben. Auch wenn die Einschnitte zweifellos schmerzhaft sind, bleibt es beim Anliegen von Fakultäts- und Hochschulleitung, dass die Kürzungen keine nachhaltigen strukturellen Brüche nach sich ziehen.“

Lesermeinungen

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1 Lesermeinung
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Martin
20.12.2025 15:23

Und auch dieser Vorgang hier dokumentiert sehr deutlich dass es in unserem Land offenbar sehr viel rauer zugeht und auch hier braucht es offenbar nicht erst die AFD um unliebsame Forschung und wissenschaftliche Debatten einfach mal zu unterdrücken. Die Behindertenrechtskonvention sind unter anderem ja auch Bewusstseinsbildung vor. Also wird nicht nur wieder mal die Konvention mit Füßen getreten oder überrollt, sondern auch die vom Grundgesetz garantierte Freiheit der Wissenschaft jedenfalls aus meiner Sicht verletzt. Anstatt dies als einen Markenkern oder wie man heute so schön sagt Leuchtturm herauszustellen machen wir uns provinziell klein. Und auch hier frage ich mich wo bleiben eigentlich die Protestresolutionen eben aus der Wissenschaft oder die zwischenrufe der behindertenpolitischen Sprecher der Fraktionen im Bund und Landtagen…. Und wenn ich was übersehen haben sollte diesbezüglich dass ich mich gerne eines besseren belehren.

Martin Theben