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Mieten fressen Einkommen

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Budget, Geldscheine
Foto: Irina Tischer

STUTTGART (kobinet) Wenn die Wohnkosten vom Einkommen abgezogen werden würden, dann würde4 die Armutsquote in Baden-Württemberg von 13,2 auf 19,9 Prozent steigen. Demnach sind 742.000 mehr Menschen durch hohe Mieten von Armut betroffen. Statt zirka 1,5 Millionen sind demnach etwa 2,2 Millionen Menschen in diesem Bundesland arm. Diese alarmierenden Zahlen gehen aus der heute veröffentlichten Studie zur Wohnarmut des Paritätischen Gesamtverbandes hervor.

Im Ländervergleich weist Baden-Württemberg nach Bayern die zweitniedrigste Wohnarmutsquote (18,1 Prozent) in Deutschland auf. Bundesweit liegt sie bei 22,3 Prozent der Bevölkerung (18,4 Millionen Menschen). Der Paritätische Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg appelliert an die Landesregierung, massiv in den sozialen Wohnungsbau zu investieren. Ebenso sei der flächendeckende Ausbau zentraler Fachstellen zur Wohnungssicherung erforderlich, um präventiv vor Wohnungslosigkeit und Wohnarmut zu schützen. Darüber hinaus müsse die Mietpreisbremse verlängert und ihre Einhaltung besser kontrolliert werden, so der Verband.

„Die massive Steigerung der Wohnarmut trifft längst nicht mehr nur Menschen mit einem niedrigen Einkommen. Zunehmend ist auch die Mittelschicht betroffen. Wohnen ist auch in Baden-Württemberg zum zentralen Risikofaktor für Armut geworden. Fast jede fünfte Person im Land ist nach Abzug der Wohnkosten arm. Das ist sozialpolitisch nicht mehr hinnehmbar“, kritisiert Ulf Hartmann, Vorstand des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Baden-Württemberg, scharf. Die Ursachen dafür lägen nicht im individuellen Lebensstil, sondern im strukturellen Versagen des Wohnungsmarktes. Die Mietpreise stiegen deutlich schneller als die Einkommen, der Bestand an Sozialwohnungen stagniere und bezahlbarer Wohnraum fehle flächendeckend im Land. Auch Eigenbedarfskündigungen, Trennungen oder gesundheitliche Einschnitte könnten zum Verlust der Wohnung führen. Wer heute umziehen müsse, zahle fast zwangsläufig deutlich mehr und könne dadurch in die Wohnarmut rutschen, so Hartmann weiter.

Bundesweit fällt die Wohnarmutsquote mit 31 Prozent bei jungen Erwachsenen bis 25 Jahren und bei älteren Menschen ab 65 Jahren mit 29 Prozent besonders hoch aus. 31 Prozent aller Paare mit drei oder mehr Kindern sind von Wohnarmut betroffen und bei Alleinerziehenden sind es vier von zehn Haushalten.

Die Studie des Paritätischen Gesamtverbandes „Mieten fressen Einkommen“ ist über diesen Link nachzulesen.