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Neuer Begriff Teilhabepädagog:in soll Heilerziehungspflege ablösen

Plakat zur Namensänderung
Plakat zur Namensänderung
Foto: BAG HEP

Weimar (kobinet) Nachdem die Bundesvereinigung Lebenshilfe bei ihrer Mitgliederversammlung am 15. November 2025 in Berlin beschlossen hat, den von ihr bisher verwandten Begriff "geistige Behinderung" nun in "Menschen mit Unterstützungsbedarf" zu verändern, hat ein weiterer Verband einen Beschluss zur Änderung der kritisierten Begriffe gefasst. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Ausbildungsstätten für Heilerziehungspflege in Deutschland (BAG HEP) hat auf ihrer Mitgliederversammlung im November 2025 in Weimar einen aus ihrer Sicht wegweisenden Beschluss gefasst: Die Berufsbezeichnung "Heilerziehungspfleger:in" soll künftig durch "Teilhabepädagog:in" ersetzt werden. Auf Platz zwei der Abstimmung folgte der Begriff "Inklusions- und Teilhabepädagog:in".

Heilerziehungspfleger:innen begleiten Menschen mit Unterstützungsbedarf in allen Bereichen des täglichen Lebens. Ihr professionelles Handeln zielt darauf ab, Lebensqualität zu verbessern, Selbstbestimmung zu fördern und Teilhabe in der Gemeinschaft zu ermöglichen. Dafür werden die Bereiche Teilhabe, Bildung und Pflege eng miteinander verknüpft, heißt es in einer entsprechenden Presseinformation des Verbands.

Die bisherige Berufsbezeichnung „Heilerziehungspfleger:in“ wird seit vielen Jahren kritisch diskutiert. Begriffe wie „heilen“ oder „erziehen“ gelten heute als missverständlich oder werden – insbesondere von Selbstvertreter:innen – abgelehnt. Zudem macht die Berufsbezeichnung nicht deutlich, was den Beruf tatsächlich ausmacht. Bereits 2024 entwickelte die BAG HEP drei Vorschläge für eine neue Berufsbezeichnung und stellte sie öffentlich auf ihrer Website zur Diskussion. Die große Resonanz zeigte eine intensive inhaltliche Auseinandersetzung. Parallel dazu fanden Gespräche mit Fachverbänden, dem Berufsverband HEP, Selbstvertreter:innen sowie weiteren relevanten Gruppen statt, berichtet der Verband. Eine klare Mehrheit der Rückmeldungen befürwortete eine Neubenennung. „Teilhabepädagogik bringt es auf den Punkt – da ist alles drin“, bündelte eine Selbstvertreterin die Perspektive vieler Beteiligter.

Auch mit der neuen Berufsbezeichnung bleibe Pflege selbstverständlich ein zentrales Element der Ausbildung und beruflichen Tätigkeit. Sie gelte als Voraussetzung für Teilhabe und bleibe unverzichtbar im Berufsprofil. Der Begriff „Pädagogik“ werde von der BAG HEP breit verstanden: Er umfasse die professionelle Unterstützung von Menschen jeden Alters, orientiert an ihren individuellen Bedürfnissen, Interessen und Fähigkeiten. Die Assistenz zur Teilhabe bleibe dabei der Kern des Berufs.

Nächste Schritte

Mit dem einstimmigen Beschluss sieht die BAG HEP, in der mehr als die Hälfte aller HEP-Schulen Deutschlands vertreten sind, einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur offiziellen Teilhabepädagog:in Namensänderung erreicht. Der Vorstand, wurde beauftragt, den Vorschlag nun in die fachliche und politische Weiterarbeit zu führen. Teilhabepädagogik sei nun die neue Heilerziehungspflege.

Über die BAG HEP

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Ausbildungsstätten für Heilerziehungspflege in Deutschland ist der Zusammenschluss der Fachschulen für Heilerziehungspflege in Deutschland. Sie vertritt die Interessen der Ausbildungsstätten, fördert die Weiterentwicklung des Berufsbildes und setzt sich für eine qualitativ hochwertige Ausbildung zukünftiger Fachkräfte ein.

Lesermeinungen

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Ralph Milewski
21.11.2025 17:04

Die Berufsbezeichnung „Teilhabepädagog:in“ klingt ambitioniert, beschreibt aber nicht die Realität vieler Arbeitsfelder. In Einrichtungen wie Wohngruppen oder Werkstätten wird pädagogisch gearbeitet, und es wird gepflegt. Beides gehört selbstverständlich zum Beruf. Aber „Teilhabe“ findet dort im eigentlichen Sinn nicht statt. Diese Räume sind Sonderwelten, sie sichern Betreuung und Struktur – nicht gleichberechtigte gesellschaftliche Teilnahme.

Ein ehrlicher Begriff müsste deshalb beide realen Kernaufgaben sichtbar lassen. „Pflegepädagogin“ / „Pflegepädagoge“ trifft das besser als jede sprachpolitische Neubenennung: eine Fachkraft, die pflegend und pädagogisch arbeitet. Nicht mehr, nicht weniger.