Staufen (kobinet)
Erich Vad war General.
Er hat bei der Bundes-Wehr gearbeitet.
Die Bundes-Wehr ist die Armee von Deutschland.
Die Soldaten arbeiten für Deutschland.
Er war Chef-Berater von Angela Merkel.
Ein Chef-Berater gibt wichtigen Menschen Rat.
Er hilft beim Entscheiden.
Er weiß viel über bestimmte Themen.
Angela Merkel war Bundes-Kanzlerin.
Der Bundes-Kanzler ist der Chef der Regierung.
Der Bundes-Tag wählt ihn.
Erich Vad sagt etwas Wichtiges.
Militär soll Krieg verhindern.
Das nennt man: Ab-Schreckung.
Ab-Schreckung bedeutet: Stark sein.
Dann traut sich niemand anzugreifen.
Aber Erich Vad ist besorgt.
Viele Politiker reden sehr kriegs-bereit.
Kriegs-bereit bedeutet: Ein Land ist fertig für Krieg.
Es hat Waffen und Soldaten.
Es kann kämpfen.
Viele Medien reden auch so.
Sie reden von Krieg in Europa.
Das ist sehr gefährlich.
Erich Vad sagt noch etwas.
Ein kleiner Funke kann reichen.
Dann gibt es einen großen Krieg.
Das ist wie ein Pulver-Fass.
Ein Pulver-Fass explodiert leicht.
Mahner werden nicht gehört
Erich Vad findet etwas wichtig.
Man muss stark sein.
Aber man muss auch reden.
Beides zusammen verhindert Krieg.
Aber viele Politiker sagen jetzt etwas anderes.
Erst müssen die Waffen entscheiden.
Erst muss es Gewinner geben.
Dann kann man reden.
Das sagt zum Beispiel Michael Roth.
Er ist SPD-Politiker.
Der Journalist Markus Pindor sagt etwas.
Putin versteht nur Härte.
Verhandeln hilft nicht.
Das ist Augen-Wischerei.
Augen-Wischerei bedeutet: Jemand täuscht andere Menschen.
Er tut so als ob er etwas macht.
Aber er macht es nicht wirklich.
Erich Vad sagt dazu etwas.
Das ist falsch.
Das ist gefährlich.
So kommt es zu Krieg.
Amerika will Frieden in der Ukraine.
Präsident Trump will verhandeln.
Aber Europa sagt: Nein.
Europa will weiter kämpfen.
Das nennt Erich Vad: Quer-Schießen.
Quer-Schießen bedeutet: Jemand stört bei einer Sache.
Er macht Probleme.
Er ist gegen einen Plan.
Russland hat Interessen.
Putin hat das 2007 gesagt.
Er will keine NATO in der Ukraine.
Die NATO ist eine Gruppe von Ländern.
Die Länder helfen sich gegenseitig bei der Sicherheit.
NATO ist ein Militär-Bündnis.
Ein Militär-Bündnis ist eine Gruppe von Ländern.
Die Länder helfen sich gegenseitig bei der Sicherheit.
Aber die NATO sagt etwas anderes.
Das ist nicht wichtig.
Putin will nur Macht.
Putin will das alte Reich zurück.
Wenige Politiker denken anders.
Zum Beispiel Günther Verheugen.
Oder Gerhard Schröder.
Schröder war früher Bundes-Kanzler.
Auch Mützenich denkt so.
Mützenich ist SPD-Politiker.
Auch Stegner denkt so.
Stegner ist SPD-Politiker.
Sie sagen: Man muss reden.
Man muss Russlands Interessen verstehen.
Aber Markus Pindor nennt das schlimm.
Er nennt das: Landes-Verrat.
Landes-Verrat ist ein Verbrechen gegen den Staat.
Jemand schadet seinem Land absichtlich.
Landes-Verrat ist sehr schlimm.
Das bedeutet: Verrat am eigenen Land.
Michael Roth widerspricht nicht.
Erich Vad hat ein Buch geschrieben.
Das Buch heißt: Ernstfall für Deutschland.
Das Buch erschien 2024.
Es stand auf der Spiegel-Besten-Liste.
Die Spiegel-Besten-Liste zeigt beliebte Bücher.
Der Spiegel ist eine bekannte deutsche Zeitung.
Die Liste zeigt: Diese Bücher kaufen viele Menschen.
Die Kriegs-Bereiten haben das Sagen
Im Buch warnt Erich Vad vor etwas.
Ein Funke kann reichen.
Auch eine Taurus-Rakete kann reichen.
Dann ist Krieg in Deutschland.
Dieser Krieg wäre schlimm.
Schlimmer als wir denken.
Er könnte uns alle töten.
Erich Vad fragt etwas Wichtiges.
Warum haben Politiker keinen Plan?
Einen Plan für Frieden?
Warum wollen sie nur kämpfen?
Erich Vad sagt auch noch etwas.
Amerika will Raketen in Deutschland.
Diese Raketen sind gefährlich.
Man muss darüber reden.
Aber niemand redet darüber.
Bundeskanzler Scholz war 2024 in Amerika.
Er hat mit Präsident Biden gesprochen.
Sie haben etwas vereinbart.
Die Raketen kommen nach Deutschland.
Der Bundes-Tag durfte nicht mit-reden.
Der Bundes-Tag ist eine Gruppe von gewählten Menschen.
Sie vertreten die Menschen in Deutschland.
Erich Vad sagt noch etwas.
Deutschland soll selbst-ständiger werden.
Nicht immer nur tun was Amerika sagt.
Aber das passiert nicht.
Warum hört niemand auf Erich Vad?
Weil man nicht über Amerikas Rolle redet.
Amerika hatte auch Schuld am Krieg.
Aber das darf man nicht sagen.
Wer das sagt wird bestraft.
Man wird beschimpft.
Man wird ausgeschlossen.
Man gilt als schlechter Mensch.
Nur alte Politiker hören auf Erich Vad.
Zum Beispiel Oskar Lafontaine.
Oder Klaus von Dohnanyi.
Aber sie sind nicht mehr wichtig.
Sie haben nichts mehr zu sagen.
Die Regierung hat eine Zeit-Wende erklärt.
Eine Zeit-Wende ist eine große Veränderung.
Vieles wird anders als vorher.
Seit-dem haben andere das Sagen.
Diese Menschen wollen Krieg riskieren.
Sie sagen: Wir müssen hart sein.
Sie sagen auch noch etwas.
Putin ist das Böse.
Mit Putin kann man nicht reden.
Putin versteht nur Gewalt.
Wir müssen Krieg-bereit sein.
Sie sagen jetzt sogar noch mehr.
Wir leben nicht mehr im Frieden.
Bald müssen wir wirklich kämpfen.
Das beweist unsere Stärke.
Aber sie sagen auch immer etwas anderes.
Wir rüsten nur für den Frieden.
Wir wollen keinen Krieg.
Das passt nicht zusammen.
Das ist eine Lüge.
Wir sind an einem gefährlichen Punkt.
Ab-Schreckung funktioniert nicht mehr.
Ab-Schreckung bedeutet jetzt etwas anderes.
Bereit sein sich selbst zu zerstören.
Das ist Wahn-Sinn.
Was könnte noch ab-schrecken?
Was könnte Krieg noch verhindern?
Vielleicht nur eins.
Jeden Tag an den Krieg denken.
Jeden Tag daran denken wie schlimm Krieg ist.
Sich die Hölle des Kriegs vorstellen.
Das könnte helfen.
Aber nur wenige tun das.
Die meisten verdrängen die Gefahr.
Die meisten Politiker wollen Krieg.
Deshalb hilft Erich Vads Buch nicht.
Aber sein Buch zeigt etwas Wichtiges.
So sieht Krieg aus.
Ich wünsche mir etwas.
Politiker lesen diese Zeilen.
Sie sollen nach-denken.
Bevor es zu spät ist.
Deutschland wäre ein Kriegs-Gebiet.
Man nennt das: Militärische Dreh-Scheibe.
Eine militärische Dreh-Scheibe ist ein wichtiger Ort für Soldaten.
Von dort aus werden Soldaten geschickt.
Dort werden auch Waffen verteilt.
Das bedeutet etwas Bestimmtes.
Hier fahren Soldaten durch.
Hier sind viele Militär-Stütz-Punkte.
Militär-Stütz-Punkte sind Orte für Soldaten.
Dort wohnen und arbeiten die Soldaten.
Dort sind auch Waffen und Fahr-Zeuge.
Deshalb wird Deutschland zum Ziel.
Russland greift Amerika an.
Amerika hat über 40 Stütz-Punkte hier.
In Wiesbaden und Stuttgart.
In Ramstein und Spangdalen.
Es gibt einen brutalen Kampf.
Alles wird zerstört.
Das ist der Anfang vom Ende.
Die Menschen haben keine Zeit.
Vielleicht kaufen sie schnell ein.
Manche haben Vorräte zu Hause.
Wasser und Essen für ein paar Tage.
Es gibt eine Liste vom Staat.
Die Liste sagt etwas Wichtiges.
Das braucht ihr.
Aber ein paar Tage reichen nicht.
Deutschland wird angegriffen.
Truppen aus ganz Europa fahren durch.
Das Land bricht zusammen.
Deutschland versinkt im Chaos.
Im Krieg ist eins sicher.
Es wird noch schlimmer.
Schlimmer als wir uns vorstellen können.

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) Rubrik Willis Blick Ja. Erich Vad, General a.D. der Bundeswehr, ehemaliges CDU-Mitglied und langjähriger militärischer Chefberater von Exkanzlerin Merkel, versucht seit Beginn des Ukrainekriegs verzweifelt, an der konservativen Auslegung von militärischer Verteidigung als "Kriegsverhinderung durch Abschreckung" festzuhalten. Und ist entsetzt darüber, wie politische und mediale Hasardeure – bei denen jene kriegspräventive Begründung von Militär und Rüstung allenfalls noch als Lippenbekenntnis daherkommt – sich in kriegsrhetorische Scharfmacherei hineinsteigern, die die Grenze zwischen Realitätswahrnehmumg und Paranoia verschwimmen lässt. Zu Entscheidungen mit unkalkulierbaren Risiken führt, fatale Handlungszwänge in Gang setzt, aus denen es kein Zurück mehr gibt. Kurz, die einen über die Grenzen dann hinausgehenden heißen Krieg auf dem europäischen Kontinent regelrecht heraufbeschwört. Eine Situation, in der ein winziger Funke genüge, so General Vad, um das Pulverfass zur Explosion zu bringen.
Mahner stehen auf verlorenen Posten
Von konservativer Auslegung der Abschreckungsdoktrin bei Erich Vad spreche ich, da er auf der Gleichwertigkeit ihrer beiden Standbeine beharrt, der Gleichzeitigkeit von militärischer Stärke und Verhandlungsbereitschaft, Diplomatie und Kriegsbereitschaft. Während sich die derzeit ton- und taktgebenden Stimmen in Politik und Medien bei uns von dieser Gelingensbedingung der kriegsverhindernden Zweckbestimmung des Abschreckungsgedankens de facto verabschiedet haben. Die führenden und lautesten unter den Bellizisten sogar erklärtermaßen (so etwa der SPD-Verteidigungspolitiker Michael Roth und der Journalist Markus Pindor an diesem Montag in der Sendung „Kontrovers“ des Deutschlandfunks). Im Fall des auf dem Territorium der Ukraine bereits stattfindenden Kriegs müssten zuerst die Waffen auf dem Schlachtfeld entscheiden (Michael Roth), verhandelt werden könne erst danach; weil (so Markus Pindor) Putin nur Härte verstehe, sei der Ruf nach Verhandlungen und Diplomatie unangebracht und pure Augenwischerei. Sie haben damit das zweite Standbein kriegspräventiv funktionierender Abschreckung („civis pacem para bellum“) amputiert. Nicht nur eine Fahrlässigkeit, sondern ein Spiel mit dem Feuer, das jemanden wie Erich Vad, der Militär und Mahner in einer Person ist, zur Verzweiflung bringt. Er muss mitansehen, wie anlässlich Trumps diplomatischer Bemühungen im Ukrainekonflikt weiterhin ausschließlich auf die militärische Karte setzende Europäer querschießen (so Vad wörtlich).
Um sprachlich bei der militärischen Metaphorik zu bleiben, Erich Vad steht auf verlorenem Posten mit seinem Beharren auf einem Verständnis von Abschreckungspolitik, das die nicht erst auf der Münchener Sicherheitskonferenz im Jahr 2007 von Putin artikulierten geopolitischen Interessen Russlands ernst nimmt und im politischen Handeln der westlichen Seite berücksichtigt. Interessen, zumeist auf das Kürzel „Ablehnung der NATO-Osterweiterung“ gebracht, die inzwischen von den europäischen NATO-Staaten kategorisch als neoimperialistisch und geschichtsrevisionistisch zurückgewiesen werden. Anerkannt (und als diplomatische Verhandlungsbasis akzeptiert) heute nurmehr von wenigen ehemals namhaften politische Stimmen wie Ex-EU-Kommissar Günther Verheugen oder Altkanzler Gerhard Schröder sowie den verteidigungspolitischen SPD-Dissidenten Mützenich und Stegner. Deren Insistieren auf der Berücksichtigung geopolitischer Interessen Russlands und einer Gleichzeitigkeit militärischer Verteidigungsfähigkeit und Verhandlungsbereitschaft der Journalist Markus Pindor im Dlf als „Landesverrat“ qualifiziert, ohne dass ihm der SPD-Verteidigungsobmann Michael Roth widerspricht.
An solcher Maßlosigkeit der auch moralischen Diskreditierung (Landesverrat) sich dem herrschenden Bellizismus verweigernder Positionen kann man sehen, auf wie verlorenem Posten bereits eine gemäßigte Version von Abschreckungspolitik gegenwärtig steht.
Die „es darauf anlegen“ haben das Sagen
2024 schon erschien erschien Erich Vads Buch „Ernstfall für Deutschland – ein Handbuch gegen den Krieg“. Die mahnende Schrift schaffte es auf die Spiegel-Bestenliste. Auf der Buchrückseite liest man „Ein General warnt vor Krieg. In Deutschland. Ein Funke oder auch ein Taurus- Marschflugkörper genügt und in Deutschland herrscht Krieg. Grausamer und schlimmer als wir es uns vorstellen können. Ein Krieg, der unser aller Ende werden kann. Weshalb also haben deutsche Politiker noch immer keine Strategie entworfen, um den Krieg in der Ukraine zu beenden? Diese Frage stellt Ex-General Erich Vad und entwirft ein Szenario, sollte der Ukraine-Krieg auf Deutschland übergreifen. Er erklärt, warum die geplante Stationierung von amerikanischen Mittelstreckenwaffen diskutiert werden muss und inwiefern sich gerade Deutschland für Frieden einsetzen kann und muss. Auf seiner To-do-Liste für unser Land stehen eine überzeugende Abschreckung, eine enge europäische Zusammenarbeit und die Emanzipation von USA als Win-Win-Situation für beide.“
Weshalb kommt bis heute sein auch militärisch sachkundiges Plädoyer für ein alternatives verteidigungspolitisches Win-Win-Szenario bei der hiesigen Politik und in den Mainstream-Medien nicht an? Hat noch Ex-Kanzler Scholz ohne Diskussion im Parlament bei seiner USA-Reise 2024 mit der Regierung Biden die Stationierung (auch atomar bestückbarer) Mittelstreckenraketen auf dem Territorium der Bundesrepublik vereinbart? Statt sich, wie von Vad vorgeschlagen, zu emanzipieren von der Russlands geopolitische Interessen ignorierenden und ein NATO-Mitgliedschaft der Ukraine forcierenden Politik schon der Obama- und erst recht der Biden-Administration? Weil, so die bündige Antwort, in der maßgeblichen bundesrepublikanischen Politik und in den deutschen Leitmedien das Involviertsein der seinerzeitigen US-Politik in die Genese des Ukraine-Konflikts und mithin ihr Anteil an der Vorgeschichte des Ukraine-Kriegs längst zum Tabu geworden sind, politisch undiskutierbar. Kritisch ansprechbar nurmehr um den Preis als Kritiker moralisch diskreditiert und aus dem mittlerweile auf einen mehr oder minder bellizistischen, auf Kriegsvorbereitung und Krieg eingestellten Mainstream zusammengeschnurrten legitimen Meinungsspektrum ausgeschlossen zu werden. Gehör und Zustimmung finden die militärische Expertise Erich Vads und sein Appell an eine nicht einseitig bellizistisch verstandene verteidigungspolitische Verantwortung innerhalb der politischen Klasse einzig bei Oskar Lafontaine und Klaus von Dohnanyi, zwei Prominenten, die aus der aktiven Politik ausgeschieden sind und was die Richtlinien der Politik angeht, seit langen nichts mehr zu sagen, nichts mehr zu melden haben.
Denn das Sagen haben spätestens seit der offiziell ausgerufenen Zeitenwende diejenigen, die mit ihrer die politische Agenda beherrschenden „Verteidigungs- und Sicherheitspolitik“ sich gerade keine besondere Zurückhaltung auferlegen, es vielmehr förmlich darauf anlegen. Es darauf anlegen, die konsequent zuende gedacht verhängnisvolle Folgerichtigkeit der militärischen Abschreckungsdoktrin ohne Rücksicht auf dieses fatale Ende auszureizen. Dazu ist politisch ideologische Feindbildkultivierung unerlässlich, d.h. sich auf einen das Böse schlechthin verkörpernden absoluten Feind fixieren. Mit dem es keine friedliche Koexistenz geben kann, mit dem man sich nicht diplomatisch ins Benehmen setzen kann, der Verhandlungsbereitschaft als Schwäche auslegt, der nur die Sprache militärischer Härte versteht, allein auf Kriegsbereitschaft reagiert. Und vor dem man, wenn nötig, diese Bereitschaft zum Äußersten auch unter Beweis stellen muss. Was just dieser Tage denn auch geschieht, wo die Wildentschlossenen es endlich aussprechen, dass wir nicht länger im Frieden leben und der nächste mutige und konsequente Schritt sein wird, der augenblicklichen Kriegsvorbereitung auch den tatsächlichen Kriegseintritt folgen zu lassen. Diesen ultimativen Glaubwürdigkeitsbeweis der Ernsthaftigkeit unseres Abschreckungswillens.
Indem diese Politik unablässig die Notwenigkeit unterstreicht, gegenüber einem das Böse verkörpernden Feind wie Putin der Glaubwürdigkeit ihrer eigenen Abschreckung halber nun in der Tat ohne wenn und aber Krieg führen zu müssen, straft sie ebenso unablässig die öffentlich vorgetragene Rechtfertigung ihres Abschreckungshandelns Lügen, in der schließlich gebetsmühlenartig beteuert wird, nur deshalb zu rüsten und den Krieg vorzubereiten, um ihn nicht führen zu müssen.
Realpolitisch sind wir, so fürchte ich, an jenem Punkt angelangt, wo sich die unauflösliche Paradoxie jeder heutigen Abschreckungsdoktrin, ihr für uns alle potentiell tödliches Dilemma, im wahrsten Sinne des Wortes unwiderruflich als wahnwitzige Wette auf die Bereitschaft zur Selbstvernichtung herausstellt. Als das sprichwörtliche Himmelfahrtskommando, das sie im Zeitalter der Massenvernichtungswaffen von Anfang an gewesen ist.
Was könnte militärisches Abschreckungshandeln zuletzt noch abschrecken?
Abschrecken, das Äußerste zu riskieren, den nicht mehr rückgängig zu machenden Schritt in einen gegenseitigen Vernichtungskrieg. Sich wieder und wieder die „Hölle des Kriegs“ vorstellen, vergegenwärtigen, wäre diese Art von Geistesgegenwart, von täglich praktizierter geistiger Widerständigkeit gegen die Schwerkraft des Verdrängens, eine letzte schwache Hoffnung für all diejenigen, die sich ihr Hirn und Herz bislang vor der Konditionierung durch das kriegsertüchtigende Mindset haben bewahren können?
In Anbetracht der politischen Mehrheitsverhältnisse hierzulande erscheint mir Erich Vads Argumentation für eine moderate Abschreckungspolitik Makulatur; leider alles andere als Makulatur ist dagegen das von ihm in seinem Buch drastisch gezeichnete Bild von der ungeschminkten Realität eines Kriegs zwischen der EU bzw. NATO und Russland, in welchem Deutschland zu einer „militärischen Drehscheibe“ würde. Ich wünschte mir, sogenannte politische Entscheidungsträger würden die folgenden Auszüge lesen und ließen sie einige Augenblicke lang vor dem Einrasten routinierter Abwehrmechanismen auf sich wirken. Auszüge aus dem Zerstörungsszenario, mit dem wir Vad zufolge im Ernstfall rechnen müssen:
Weil militärische Drehscheibe und also Truppenaufmarschgebiet, ist das Territorium der BRD „zur feindlichen Zielscheibe geworden. Russland nimmt die mehr als vierzig amerikanischen Militäreinrichtungen in Deutschland unmittelbar unter Feuer. Vor allem die Hauptquartiere in Wiesbaden und Stuttgart sowie die Luftwaffenstützpunkte in Ramstein und Spangdalen. Ein brutaler Schlagabtausch entwickelt sich, der so gut wie alles vernichtet, was ihm in die Quere kommt. Der Anfang vom Untergang. Im Krieg bleibt den Menschen, zumindest den Zivilisten keine Zeit. Allenfalls ein paar Hamsterkäufe sind möglich. Der eine oder andere hat mithilfe der staatlichen Einkaufsliste (mittlerweile liegt eine Ratgeberbroschüre des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe vor), vielleicht sogar einen Notvorrat an Lebensmitteln angelegt und mit ein paar Kästen Wasser vorgesorgt. Ein paar Tage hält man damit durch. Aber nicht, wenn ein Land angegriffen wird, das gleichzeitig als Schleuse für Truppen aus ganz Europa funktionieren soll und darunter zusammenbricht. Deutschland versinkt in kürzester Zeit im Chaos… Im Krieg ist nur eines verlässlich, es wird schlimmer kommen, als wir es uns ausmalen können.“

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) Rubrik Willis Blick Ja. Erich Vad, General a.D. der Bundeswehr, ehemaliges CDU-Mitglied und langjähriger militärischer Chefberater von Exkanzlerin Merkel, versucht seit Beginn des Ukrainekriegs verzweifelt, an der konservativen Auslegung von militärischer Verteidigung als "Kriegsverhinderung durch Abschreckung" festzuhalten. Und ist entsetzt darüber, wie politische und mediale Hasardeure – bei denen jene kriegspräventive Begründung von Militär und Rüstung allenfalls noch als Lippenbekenntnis daherkommt – sich in kriegsrhetorische Scharfmacherei hineinsteigern, die die Grenze zwischen Realitätswahrnehmumg und Paranoia verschwimmen lässt. Zu Entscheidungen mit unkalkulierbaren Risiken führt, fatale Handlungszwänge in Gang setzt, aus denen es kein Zurück mehr gibt. Kurz, die einen über die Grenzen dann hinausgehenden heißen Krieg auf dem europäischen Kontinent regelrecht heraufbeschwört. Eine Situation, in der ein winziger Funke genüge, so General Vad, um das Pulverfass zur Explosion zu bringen.
Mahner stehen auf verlorenen Posten
Von konservativer Auslegung der Abschreckungsdoktrin bei Erich Vad spreche ich, da er auf der Gleichwertigkeit ihrer beiden Standbeine beharrt, der Gleichzeitigkeit von militärischer Stärke und Verhandlungsbereitschaft, Diplomatie und Kriegsbereitschaft. Während sich die derzeit ton- und taktgebenden Stimmen in Politik und Medien bei uns von dieser Gelingensbedingung der kriegsverhindernden Zweckbestimmung des Abschreckungsgedankens de facto verabschiedet haben. Die führenden und lautesten unter den Bellizisten sogar erklärtermaßen (so etwa der SPD-Verteidigungspolitiker Michael Roth und der Journalist Markus Pindor an diesem Montag in der Sendung „Kontrovers“ des Deutschlandfunks). Im Fall des auf dem Territorium der Ukraine bereits stattfindenden Kriegs müssten zuerst die Waffen auf dem Schlachtfeld entscheiden (Michael Roth), verhandelt werden könne erst danach; weil (so Markus Pindor) Putin nur Härte verstehe, sei der Ruf nach Verhandlungen und Diplomatie unangebracht und pure Augenwischerei. Sie haben damit das zweite Standbein kriegspräventiv funktionierender Abschreckung („civis pacem para bellum“) amputiert. Nicht nur eine Fahrlässigkeit, sondern ein Spiel mit dem Feuer, das jemanden wie Erich Vad, der Militär und Mahner in einer Person ist, zur Verzweiflung bringt. Er muss mitansehen, wie anlässlich Trumps diplomatischer Bemühungen im Ukrainekonflikt weiterhin ausschließlich auf die militärische Karte setzende Europäer querschießen (so Vad wörtlich).
Um sprachlich bei der militärischen Metaphorik zu bleiben, Erich Vad steht auf verlorenem Posten mit seinem Beharren auf einem Verständnis von Abschreckungspolitik, das die nicht erst auf der Münchener Sicherheitskonferenz im Jahr 2007 von Putin artikulierten geopolitischen Interessen Russlands ernst nimmt und im politischen Handeln der westlichen Seite berücksichtigt. Interessen, zumeist auf das Kürzel „Ablehnung der NATO-Osterweiterung“ gebracht, die inzwischen von den europäischen NATO-Staaten kategorisch als neoimperialistisch und geschichtsrevisionistisch zurückgewiesen werden. Anerkannt (und als diplomatische Verhandlungsbasis akzeptiert) heute nurmehr von wenigen ehemals namhaften politische Stimmen wie Ex-EU-Kommissar Günther Verheugen oder Altkanzler Gerhard Schröder sowie den verteidigungspolitischen SPD-Dissidenten Mützenich und Stegner. Deren Insistieren auf der Berücksichtigung geopolitischer Interessen Russlands und einer Gleichzeitigkeit militärischer Verteidigungsfähigkeit und Verhandlungsbereitschaft der Journalist Markus Pindor im Dlf als „Landesverrat“ qualifiziert, ohne dass ihm der SPD-Verteidigungsobmann Michael Roth widerspricht.
An solcher Maßlosigkeit der auch moralischen Diskreditierung (Landesverrat) sich dem herrschenden Bellizismus verweigernder Positionen kann man sehen, auf wie verlorenem Posten bereits eine gemäßigte Version von Abschreckungspolitik gegenwärtig steht.
Die „es darauf anlegen“ haben das Sagen
2024 schon erschien erschien Erich Vads Buch „Ernstfall für Deutschland – ein Handbuch gegen den Krieg“. Die mahnende Schrift schaffte es auf die Spiegel-Bestenliste. Auf der Buchrückseite liest man „Ein General warnt vor Krieg. In Deutschland. Ein Funke oder auch ein Taurus- Marschflugkörper genügt und in Deutschland herrscht Krieg. Grausamer und schlimmer als wir es uns vorstellen können. Ein Krieg, der unser aller Ende werden kann. Weshalb also haben deutsche Politiker noch immer keine Strategie entworfen, um den Krieg in der Ukraine zu beenden? Diese Frage stellt Ex-General Erich Vad und entwirft ein Szenario, sollte der Ukraine-Krieg auf Deutschland übergreifen. Er erklärt, warum die geplante Stationierung von amerikanischen Mittelstreckenwaffen diskutiert werden muss und inwiefern sich gerade Deutschland für Frieden einsetzen kann und muss. Auf seiner To-do-Liste für unser Land stehen eine überzeugende Abschreckung, eine enge europäische Zusammenarbeit und die Emanzipation von USA als Win-Win-Situation für beide.“
Weshalb kommt bis heute sein auch militärisch sachkundiges Plädoyer für ein alternatives verteidigungspolitisches Win-Win-Szenario bei der hiesigen Politik und in den Mainstream-Medien nicht an? Hat noch Ex-Kanzler Scholz ohne Diskussion im Parlament bei seiner USA-Reise 2024 mit der Regierung Biden die Stationierung (auch atomar bestückbarer) Mittelstreckenraketen auf dem Territorium der Bundesrepublik vereinbart? Statt sich, wie von Vad vorgeschlagen, zu emanzipieren von der Russlands geopolitische Interessen ignorierenden und ein NATO-Mitgliedschaft der Ukraine forcierenden Politik schon der Obama- und erst recht der Biden-Administration? Weil, so die bündige Antwort, in der maßgeblichen bundesrepublikanischen Politik und in den deutschen Leitmedien das Involviertsein der seinerzeitigen US-Politik in die Genese des Ukraine-Konflikts und mithin ihr Anteil an der Vorgeschichte des Ukraine-Kriegs längst zum Tabu geworden sind, politisch undiskutierbar. Kritisch ansprechbar nurmehr um den Preis als Kritiker moralisch diskreditiert und aus dem mittlerweile auf einen mehr oder minder bellizistischen, auf Kriegsvorbereitung und Krieg eingestellten Mainstream zusammengeschnurrten legitimen Meinungsspektrum ausgeschlossen zu werden. Gehör und Zustimmung finden die militärische Expertise Erich Vads und sein Appell an eine nicht einseitig bellizistisch verstandene verteidigungspolitische Verantwortung innerhalb der politischen Klasse einzig bei Oskar Lafontaine und Klaus von Dohnanyi, zwei Prominenten, die aus der aktiven Politik ausgeschieden sind und was die Richtlinien der Politik angeht, seit langen nichts mehr zu sagen, nichts mehr zu melden haben.
Denn das Sagen haben spätestens seit der offiziell ausgerufenen Zeitenwende diejenigen, die mit ihrer die politische Agenda beherrschenden „Verteidigungs- und Sicherheitspolitik“ sich gerade keine besondere Zurückhaltung auferlegen, es vielmehr förmlich darauf anlegen. Es darauf anlegen, die konsequent zuende gedacht verhängnisvolle Folgerichtigkeit der militärischen Abschreckungsdoktrin ohne Rücksicht auf dieses fatale Ende auszureizen. Dazu ist politisch ideologische Feindbildkultivierung unerlässlich, d.h. sich auf einen das Böse schlechthin verkörpernden absoluten Feind fixieren. Mit dem es keine friedliche Koexistenz geben kann, mit dem man sich nicht diplomatisch ins Benehmen setzen kann, der Verhandlungsbereitschaft als Schwäche auslegt, der nur die Sprache militärischer Härte versteht, allein auf Kriegsbereitschaft reagiert. Und vor dem man, wenn nötig, diese Bereitschaft zum Äußersten auch unter Beweis stellen muss. Was just dieser Tage denn auch geschieht, wo die Wildentschlossenen es endlich aussprechen, dass wir nicht länger im Frieden leben und der nächste mutige und konsequente Schritt sein wird, der augenblicklichen Kriegsvorbereitung auch den tatsächlichen Kriegseintritt folgen zu lassen. Diesen ultimativen Glaubwürdigkeitsbeweis der Ernsthaftigkeit unseres Abschreckungswillens.
Indem diese Politik unablässig die Notwenigkeit unterstreicht, gegenüber einem das Böse verkörpernden Feind wie Putin der Glaubwürdigkeit ihrer eigenen Abschreckung halber nun in der Tat ohne wenn und aber Krieg führen zu müssen, straft sie ebenso unablässig die öffentlich vorgetragene Rechtfertigung ihres Abschreckungshandelns Lügen, in der schließlich gebetsmühlenartig beteuert wird, nur deshalb zu rüsten und den Krieg vorzubereiten, um ihn nicht führen zu müssen.
Realpolitisch sind wir, so fürchte ich, an jenem Punkt angelangt, wo sich die unauflösliche Paradoxie jeder heutigen Abschreckungsdoktrin, ihr für uns alle potentiell tödliches Dilemma, im wahrsten Sinne des Wortes unwiderruflich als wahnwitzige Wette auf die Bereitschaft zur Selbstvernichtung herausstellt. Als das sprichwörtliche Himmelfahrtskommando, das sie im Zeitalter der Massenvernichtungswaffen von Anfang an gewesen ist.
Was könnte militärisches Abschreckungshandeln zuletzt noch abschrecken?
Abschrecken, das Äußerste zu riskieren, den nicht mehr rückgängig zu machenden Schritt in einen gegenseitigen Vernichtungskrieg. Sich wieder und wieder die „Hölle des Kriegs“ vorstellen, vergegenwärtigen, wäre diese Art von Geistesgegenwart, von täglich praktizierter geistiger Widerständigkeit gegen die Schwerkraft des Verdrängens, eine letzte schwache Hoffnung für all diejenigen, die sich ihr Hirn und Herz bislang vor der Konditionierung durch das kriegsertüchtigende Mindset haben bewahren können?
In Anbetracht der politischen Mehrheitsverhältnisse hierzulande erscheint mir Erich Vads Argumentation für eine moderate Abschreckungspolitik Makulatur; leider alles andere als Makulatur ist dagegen das von ihm in seinem Buch drastisch gezeichnete Bild von der ungeschminkten Realität eines Kriegs zwischen der EU bzw. NATO und Russland, in welchem Deutschland zu einer „militärischen Drehscheibe“ würde. Ich wünschte mir, sogenannte politische Entscheidungsträger würden die folgenden Auszüge lesen und ließen sie einige Augenblicke lang vor dem Einrasten routinierter Abwehrmechanismen auf sich wirken. Auszüge aus dem Zerstörungsszenario, mit dem wir Vad zufolge im Ernstfall rechnen müssen:
Weil militärische Drehscheibe und also Truppenaufmarschgebiet, ist das Territorium der BRD „zur feindlichen Zielscheibe geworden. Russland nimmt die mehr als vierzig amerikanischen Militäreinrichtungen in Deutschland unmittelbar unter Feuer. Vor allem die Hauptquartiere in Wiesbaden und Stuttgart sowie die Luftwaffenstützpunkte in Ramstein und Spangdalen. Ein brutaler Schlagabtausch entwickelt sich, der so gut wie alles vernichtet, was ihm in die Quere kommt. Der Anfang vom Untergang. Im Krieg bleibt den Menschen, zumindest den Zivilisten keine Zeit. Allenfalls ein paar Hamsterkäufe sind möglich. Der eine oder andere hat mithilfe der staatlichen Einkaufsliste (mittlerweile liegt eine Ratgeberbroschüre des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe vor), vielleicht sogar einen Notvorrat an Lebensmitteln angelegt und mit ein paar Kästen Wasser vorgesorgt. Ein paar Tage hält man damit durch. Aber nicht, wenn ein Land angegriffen wird, das gleichzeitig als Schleuse für Truppen aus ganz Europa funktionieren soll und darunter zusammenbricht. Deutschland versinkt in kürzester Zeit im Chaos… Im Krieg ist nur eines verlässlich, es wird schlimmer kommen, als wir es uns ausmalen können.“





Gratulation, Herr Weis, nach Ole und Precht haben Sie nun als Erich Vad entdeckt. Ich sag Ihnen gern, warum er auf verlorenem Posten steht: Weil seine Prognosen zu Kriegsverläufen so dermaßen falsch liegen, dass daraus ein Meme geworden ist:
https://uebermedien.de/79357/und-fuer-fehleinschaetzungen-zum-ukraine-krieg-befragen-wir-jetzt-wieder-erich-vad/
Mein Lieblingsmeme zu Vad ist übrigens das zur Varusschlacht:
„„Rom hat die Eskalationsdominanz – es kann beliebig viele Pferde, Auxiliare und Legionäre nachschieben. Außerdem ist es ein Imperium und die stärkste Militärmacht der Welt. Es ist ausgeschlossen, dass die Germanen eine Chance haben.“
Erich Vad, 9 n.Chr.“
Ein gut gemeinter Rat: Wenn Sie schon die Bellizisten-Keule schwingen, passen Sie bitte auf, wen Sie damit treffen und geben Sie dann auch bitte den Gesamt-Kontext wieder: Roth und Pindur (mit U, ganz wichtig) waren zusammen mit Lucassen in einem moderierten Gespräch. Ich kann jedem, der sich für den Ukraine-Krieg interessiert, raten, sich die Sendung einmal anzuhören. Und zwar in voller Länge und unter Berücksichtigung des Kontextes.
Ich war einmal so frei, die aussagekräftigsten Stellen unserer beiden „Kriegsverherrlicher“ abzutippen.
Roth sagt bei Minute 14:
„Die militärische Situation ist sehr schwierig; Russland zielt auf Zivilisten und Infrastruktur. Man kann nicht von einer Trendwende für Russland sprechen. Aber ich sehe natürlich auch mit großer Fassungslosigkeit, dass in dieser Zeit noch viele Ukrainerinnen und Ukrainer sterben müssen, weil ich auf der russischen Seite bislang Null-Komma-Null Bereitschaft sehe, einem Waffenstillstand zuzustimmen oder sogar in Friedensverhandlungen zu gehen.“
Bei Minute 28 sagt er, auf Reaktion eines Anrufers, der mit einem Rilke-Zitat kommt, noch:
Roth: „Der Krieg ist schrecklich. Aber er ist nicht schrecklich, weil wir uns im Westen in Deutschland dramatisch verändert haben zum Schlechteren, sondern weil wir vor allem bei Diktatoren, bei Herrn Putin, beim russischen Regime, eben die Ambivalenz des menschlichen Seins spüren, der Mensch, der eben nicht nur zum Dialog und zum Ausgleich, zum Kompromiss fähig ist, sondern in dem auch ganz viel Böses steckt. Und es ist in der heutigen Zeit, was ins Schwanken geraten ist. Wo immer weniger die Stärke des Rechts und immer stärker das Recht des Stärkeren gilt, eben ungewiss, ob am Ende Dialogbereitschaft Macht erhält und Macht zur Durchsetzung bringt oder ob nicht am Ende doch ganz blutige Gewalt der Krieg an sich das beste Mittel ist, um eigene Interessen, imperialistische Interessen durchzusetzen. Und somit befinden wir uns momentan in einer Phase der Weltgeschichte, von der wir hofften, sie tritt nie wieder ein, aber nun ist sie da und wir müssen jetzt alles dafür tun, dass am Ende nicht die Kriegslüsternen gewinnen. Und das ist eben nicht der Westen, die Kriegslüsternen, das ist Herr Putin, das ist das russische Regime, das ist Nordkorea, das ist Iran und das ist leider leider immer mehr die Supermacht China.“
Passend dazu kommt es von Minute 20 bis circa 22 zwischen Moderator Heinemann und Pindur zu folgendem Austausch:
Heinemann: „Herr Pindur, viele Hörer haben es angesprochen, der Wunsch nach Diplomatie. Putins Außenminister Lawrow trug ja bei diesem Treffen Trumps mit Putin in Alaska diesen vielbeachteten Pullover mit dem kyrillischen Buchstabenkürzel für die UdSSR, also die sowjetische Diktatur. Was sagt uns das jetzt mit Blick auf die Uhr, eine Minute haben wir noch?“
Pindur: „Also ganz klar, Putin will nicht verhandeln. Er will diese Diplomatie nicht. Der Sprecher Putins sagt das immer und immer wieder. Es ist ja im Gespräch gewesen, einen Waffenstillstand entlang der jetzigen Kampfzonen zu vereinbaren. Das wurde immer alles abgelehnt. Ich sehe keine Chance für Diplomatie. Das einzige, woraus Putin lernt, sind offensichtlich, wenn man ihm mit Druck, mit militärischem Druck begegnet.“
Heinemann: „Keine Chance für Diplomatie… also sollte man es also gar nicht versuchen?“
Pindur: „Ich glaube, dass es ihn nur bestärkt. Ich glaube, dass Putin sich durch dieses immer wieder Anfragen bei ihm sich nur bestärkt sieht darin, den Westen als schwach sieht, dekadent, als nicht kampffähig, nicht verteidigungsfähig, ich glaube, dass das das völlig falsche Signal ist, ähm, da wird sehr viel Energie, glaube ich, einfach nur verschwendet, er braucht Härte.“
Was Sie hier als bellizistisch titulieren, ist der Luxus, den westliche Länder haben: Nämlich, dass Diplomatie möglich ist. Was aber, wenn es eine Kriegspartei gibt, die keinen Frieden will? Wenn es keinen Dialog gibt, weil der einfach nicht gewollt ist oder von der kriegsführenden Partei als Schwäche ausgelegt wird? Pindur hat keineswegs den Diplomatie-Weg ausgeschlossen.
Das ist ja dann auch wahrlich ein Skandalon: Da zettelt der Herr Putin einen Angriffskrieg an, kann die Ukraine nicht erobern, provoziert mit Drohnen über Polen, schlägt alle Verhandlungsangebote in den Wind und will weitermachen, weil er Friedensangebote als Zeichen von Schwäche sieht, und dann wundert sich der Otto-Normalo, dass die EU-Länder aufrüsten?
Wo kommen wir denn da hin, wenn Leute sich unrechtmäßig etwas nehmen wollen und es schwer gemacht bekommen?
Kurz gesagt: Ein zweites Standbein ist schwer zu amputieren, wenn es gar nicht erst da ist.
FZZZZZZT … KRA-WOOM!
Da ist doch der pazifistische Mörser direkt nach hinten losgegangen.
Hallo Stephan Riedl, Sie nehmen unser verteidigungspolitisches, besser kriegspolitisches Ping-Pong wieder auf, ohne mir allerdings neue Bälle zuzuspielen, die ich aufnehmen könnte.
Erich Vad habe ich nicht erst jetzt entdeckt, als Gewährsmann für meine eigene Argumentation kommt er schließlich nicht infrage. Seine moderate Auslegung der Abschreckungsdoktrin hat in meinem aktuellen Text lediglich dazu gedient, die alles andere als friedenssichernde, vielmehr die Kriegswahrscheinlichkeit erhöhende Logik oder besser Paradoxie militärischer Abschreckung generell noch einmal grundsätzlich und in ihrer ganzen Dramatik vor Augen zu führen.
Geschichtliche Vergleiche hinken besonders häufig, auch der mit der Varusschlacht. Die ukrainischen Germanen werden, so schätze ich, den Römer Putin nur besiegen, wenn ihnen zusätzlich zu den westlichen Waffenlieferungen auch NATO-Truppen zur Seite springen. Weshalb einige hierzulande das ja wollen, Sie vielleicht auch. Was das daraus folgende Kriegsszenario angeht, sprich die Zerstörung unseres Landes, nehme ich dann den Mahner Erich Vad allerdings sehr ernst. Putins Rom besiegt, Deutschgermanien und der Rest ausgelöscht.
Da ziehe ich allemal einen „schmutzigen Deal“ (so Johannes Varwick, Uni Halle-Wittenberg) wie Trumps 28-Punkte-Plan vor. Bei dem die europäischen Scharfmacher soeben wieder kriegstüchtig „querschießen“ (wei es E.Vad schon beim vorigen Mal treffend genannt hat). Eine Politik, die ihre Verstrickung in die Vorgeschichte dieses ganzen Desasters (NATO-Osterweiterung etc.) rundweg abstreitet und der nun die Rechnung präsentiert wird.
Ihr pazifistischer Mörserschütze, Friedensgefreiter Hans-Willi Weis
Anmerkung: „Mit Hölle des Kriegs“ spiele ich auf den Titel des von Erich Vad herausgegebenen Buchs „Zur Hölle mit dem Krieg!“ des amerikanischen Weltkriegs-Generals Smedley D. Butler (Fifty Fifty Verlag Frankfurt).
Hinweisen möchte ich zudem auf das thematisch etwas breiter angelegte Gespräch, das Erich Vad mit Klaus von Dohnanyi geführt hat und das gleichfalls als Buch im Frankfurter Westend Verlag 2025 erschienen ist unter dem Titel „Krieg oder Frieden – Deutschland vor der Entscheidung“.
Im Auftrag von Hans-Willi Weis