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Hörbücherei in Wien-Hietzing vor dem Aus

Zeichnung eines Stapels von vier Büchern, die von einem Kopfhörer zusammengehalten werden
Hörbücher sind Wege zu Wissen und Literatur
Foto: Mohamed_hassan In neuem Fenster öffnen via Pixabay In neuem Fenster öffnen

WIEN (kobinet) Die Hörbücherei des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Österreich (BSVÖ) ist durch Streichung von Förderungen im Fortbestand bedroht. Die Hörbücherei bietet blinden und sehbehinderten Menschen und allen, die kein konventionelles Buch lesen können, barrierefreien Lesestoff. Neben Büchern werden von der Einrichtung auch Fachliteratur, Zeitschriften und Magazine als Hörtexte zur Verfügung gestellt. Für Mitglieder ist das vollkommen kostenlos. Wie jetzt bekannt geworden ist, beendeten die Länder Oberösterreich und Niederösterreich die Förderung der Hörbücherei. Das wird unter anderem damit begründet, Betroffene könnten durch den Erhalt des Pflegegeldes auch konventionelle Hörbücher erwerben. Auch Tirol und Vorarlberg haben eine solche Entscheidung angekündigt. Der Hörbücherei würden dann 150.000 Euro fehlen. Sie stünde damit vor dem Aus.

Der Wegfall der Förderung bedeutet, dass die Arbeit der Hörbücherei nicht wie bisher fortgeführt werden kann, was zu Lasten blinder und sehbehinderter Menschen fallen wird. Diese Hörbücherei hat einen Bestand von etwa 17.000 Werken. Neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind teilzeitbeschäftigt. Sie vertonen, gemeinsam mit professionellen Sprechern, in hauseigenen Studios jährlich etwa 120 Werke neu.

Wie Alexander Guano, der Leiter der Hörbücherei berichtet, wird diese Bibliothek etwa von 1.900 Menschen jährlich genutzt. Dies sind Leserinnen und Leser aus ganz Österreich. Sie können dabei dank der internationalen Vernetzung auch auf fremdsprachige Werke zurückgreifen.

Die Hörbibliothek ist, wie Leiter Alexander Guano erklärt, in Österreich auch die einzige Stelle, die literarische Werke überhaupt verändern darf, sie also barrierefrei aufzuarbeiten.

Ein Wegfall der Hörbücherei wäre, so Alexander Guano, ein „massiver Rückschritt in der Inklusion“. Markus Wolf, Präsident des BSVÖ, sieht neben der Hörbücherei, der einzigen des Landes, über diese Bibliothek hinaus noch mehr bedroht: „Es steht weit mehr als die Hörbücherei auf dem Spiel.“ sagt er und fährt fort: „Das Recht auf gleichberechtigte Bildung, Information und Teilhabe darf nicht zum Luxusgut werden und von der finanziellen Leistungsfähigkeit der Betroffenen abhängen.“

Der BSVÖ warnt vor weiteren Beschneidungen der Barrierefreiheit durch Förderstreichungen und vor einem Rückschritt bei der gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Bibliotheksleiter Guano will nun noch einmal das Gespräch mit der Politik suchen und hat die Hoffnung, diese einzigartige Bibliothek doch noch retten zu können, noch nicht ganz aufgegeben.

Auf dieser Internetseite ist mehr über diese Hörbücherei zu erfahren.