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Berlin zukünftig ohne Projekt Lotse

Lotsenboot in voller Fahrt
Dank der Lotsen komme alle an ihr Ziel
Foto: Conzales In neuem Fenster öffnen via Pixabay In neuem Fenster öffnen

BERLIN (kobinet) Wie die drei Projektträger – die aktion weitblick, die Lebenshilfe Berlin und die Fürst Donnersmarck-Stiftung zu Berlin – in einer gemeinsamen Erklärung informieren, wird das Projekt Lotse Berlin nach über 27 Jahren Tätigkeit zum Ende des Jahres 2025 eingestellt. Lotse Berlin wurde 1997 als trägerübergreifende, unabhängige Beratungsstelle gegründet, um Menschen mit körperlicher, geistiger, Sinnes- oder Mehrfachbehinderung bei der Suche nach einer geeigneten Wohn- und Assistenzform zu unterstützen. Das Projekt bot Beratung, Orientierung und Vermittlung zu allen betreuten Wohnmöglichkeiten in Berlin an und fungierte als zentrale Anlaufstelle, die entsprechende Versorgungsleistungen aller Berliner Anbieter koordinierte. Die Jahresberichte von Lotse Berlin waren wichtige Beiträge zur Wohn- und Bedarfssituation von Menschen mit Behinderung.

Das umfassende Beratungsangebot wird also ab dem neuen Jahr nicht mehr fortgesetzt. Eine wesentliche Ursache für die Einstellung des Projektes war die fehlende ausreichende Finanzierung durch die öffentliche Hand. Lotse Berlin war seit seiner Gründung mit hohen, kontinuierlich steigenden Eigenanteilen für alle Projektträger verbunden. Nachdem aufgrund der aktuellen Haushaltssituation des Landes Berlin weiterhin keine ausreichende Förderung garantiert werden konnte, mussten sich die Träger nach erfolglosen Verhandlungen dazu entscheiden, das Projekt zu beenden.

„Wir bedauern das Ende von Lotse Berlin sehr“, sagt Gabriele Bäumker, die für aktion weitblick das Projekt leitete. „Mit dem Wegfall dieser Beratungsstelle verlieren Menschen mit Behinderung eine wichtige Unterstützung bei der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes und auf ihrem Weg zu mehr Selbstbestimmung und Inklusion.“ Durch die Schließung fällt für die Ratsuchenden, mehr als 1.000 Menschen jährlich, eine zentrale Orientierungshilfe auf dem oft unübersichtlichen Feld der Eingliederungshilfe weg. Gerade Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf stehen daher künftig ohne die gezielte Beratung und die Möglichkeit einer Vermittlung durch Lotse Berlin da. Das lässt befürchten, dass individuelle Bedarfe nicht mehr erkannt und gedeckt werden können – mit negativen Folgen für die Teilhabe und Lebensqualität der Betroffenen.

„In Zukunft haben das Land und die Bezirke die Aufgabe, ihren gesetzlichen Verpflichtungen nachzukommen und passende Unterstützungs- und Assistenzangebote für die leistungsberechtigten Berlinerinnen und Berliner zu suchen. Ein vergleichbares Projekt wie Lotse Berlin wird aller Voraussicht nach nicht mehr so schnell entstehen“, erklärt Leopold von Bredow, Geschäftsführer der Fürst Donnersmarck-Stiftung.