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100 Jahre Wichernhaus

Ein großer Kuchen mit 100 Kerzen darauf. Darüber ein Gestell mit der Aufschrift
100 Kerzen stecken auf dem Geburtstagskuchen für das Wichernhaus
Foto: Lisa Vogel

ALTDORF bei Nürnberg (kobinet) Mit einem feierlichen Festgottesdienst unter dem Motto "Menschsein" hat das Wichernhaus der Rummelsberger Diakonie im Oktober sein 100-jähriges Jubiläum gefeiert. Bewohnerinnen und Bewohner, Mitarbeitende, kirchliche und politische Vertreter sowie Bürger kamen in der Laurentiuskirche zusammen, um gemeinsam die Geschichte des Hauses zu würdigen und seine zukunftsweisende Botschaft zu hören: Jeder Mensch ist wichtig. Jeder Mensch gehört dazu.

Ein Höhepunkt war die aufgezeichnete Rede von Bernhard Herrlitz. Er wohnt im Wichernhaus und kann nicht sprechen. Mit Hilfe seines Talkers (Sprachcomputer) brachte er die zentrale Botschaft auf den Punkt: „Wir alle sind nach Gottes Vorbild geschaffen. Er sah alles an, was er gemacht hatte – und es war sehr gut.“ Barbian ergänzte: „Ich glaube, wir sind Gott am nächsten, wenn wir menschlich sind.“

Im Anschluss an den Gottesdienst feierten die Gäste im historischen Betsaal des Wichernhauses. Karl Schulz, Vorstandsmitglied der Rummelsberger Diakonie, betonte in seiner Festrede: „Das Wichernhaus ist ein Ort, an dem Inklusion kein theoretisches Konzept ist, sondern seit Jahrzehnten jeden Tag gelebt wird.“

Das historische Gebäude des Wichernhauses, erbaut 1571 und als Universität genutzt, wurde 1925 von der Rummelsberger Brüderschaft als „Krüppelanstalt“ für Kriegsversehrte des Ersten Weltkriegs übernommen. Der Bedarf war groß. Seitdem hat sich das Haus stetig weiterentwickelt – von einer orthopädischen Klinik (heute: Krankenhaus Rummelsberg) über eine Schule und eine Werkstatt bis hin zu modernen Wohn- und Pflegeangeboten.

In den vergangenen 100 Jahren mussten das Wichernhaus, seine Mitarbeitenden und Klienten auch schwere Zeiten meistern: In der Zeit des Nationalsozialismus wehrte sich Rektor Karl Nicol erfolgreich gegen die Deportation seiner Schützlinge – ein Zeichen für den unbedingten Einsatz für Menschenwürde, der das Wichernhaus bis heute prägt.