Menu Close

Wenn Fachwissen auf gelebte Inklusion trifft

Ein Mann sitzt am Lenkrad eines Autos, das mit weiterer Technik zum Fahren durch mobilitäseingeschränkte Fahrer umgebaut wurde. Dabei schauen weitere Veranstaltungsteilnehmer zu.
Wer alternative Fahrsteuerungen testet, gewinnt nicht nur technisches Verständnis, sondern auch wertvolle Einblicke in die Lebensrealität von Menschen mit Handicap.
Foto: Verkehrs-Institut Bielefeld

AICHELAU (kobinet) Das Handicap-Seminar gilt seit Jahren als eine der wichtigsten Plattformen für die barrierefreie Fahrausbildung – 2025 feierte es seine Premiere im Süden Deutschlands. Drei Tage lang wurde der Next Mobility Campus im Mobilitätspark Aichelau zum Zentrum für fachlichen Austausch, Praxiserfahrung und persönliche Begegnungen.

In Kooperation zwischen dem Verkehrs-Institut Bielefeld, der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF) und der PARAVAN-Fahrschule organisiert, bot das praxisnahe Fortbildungsformat nach § 53 Abs. 1 FahrlG eine besondere Gelegenheit für Fahrlehrer, Prüfer, Sachverständige und Fachakteure, selbst zu erfahren, was Mobilität bedeutet. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Menschen mit körperlichen Einschränkungen noch gezielter, sicherer und individueller zur Fahrerlaubnis und damit zu mehr Selbstständigkeit begleitet werden können – fachlich fundiert, technisch versiert und mit echtem Blick für den Menschen.

Am zweiten Tag des Handicap-Seminars wurde diese Frage auf besonders eindrückliche Weise durch persönliche Geschichten, durch echtes Fahrgefühl – und durch Perspektivwechsel auf Augenhöhe beantwortet. Im Mittelpunkt standen dabei drei Paravan-Kunden, die offen über ihre individuellen Mobilitätswege berichteten. Nach dem Austausch hieß es: selbst „erfahren“, was Mobilität bedeuten kann. Die Teilnehmenden hatten Gelegenheit, Fahrzeuge mit Space Drive, Joystick- oder Fußlenkung selbst zu testen – eine Erfahrung, die für viele ein Schlüsselmoment war. Fachliche Tiefe traf auf persönliche Perspektive, Theorie auf echte Praxis.

Wie komplex und gleichzeitig chancenreich das Thema barrierefreie Mobilität ist, zeigte sich im vielseitigen Seminarprogramm. In über zehn inhaltlichen Blöcken wurde die Thematik aus juristischer, technischer, medizinischer und praktischer Sicht beleuchtet – stets mit dem Anspruch, Theorie und Alltag miteinander zu verbinden. Im Fokus standen unter anderem die Antrags- und Genehmigungsverfahren für Fahrstunden und Fahrzeugumbauten.

Ein prägnanter Gedanke zog sich durch viele Beiträge: „Barrierefreie Mobilität ist keine technische Randerscheinung – sie ist ein zentraler Baustein für Teilhabe und gesellschaftliche Gerechtigkeit.“ Das Handicap-Seminar 2025 hat gezeigt, wie wichtig fachlicher Dialog, Erfahrungswissen und interdisziplinäre Zusammenarbeit sind, um Inklusion im Straßenverkehr zu gestalten.