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2. Tag der nicht sichtbaren Beeinträchtigung

Logo Nicht sichtbare Beeinträchtigung
Herz und Hirn umarmen sich
Foto: "Stille Stunde"

Villmar - Weyer (kobinet) Rebecca Lefèvre, die Projektplanerin der "Stillen Stunde" vom Verein gemeinsam zusammen e.V. und Sprecherin des Nationalen Suizidpräventionsprogramms im Bereich Neurodivergenz und neurologische Vielfalt, bittet um Veröffentlichung der Pressemitteilung zum 2. bundesweiten Tag der nicht sichtbaren Beeinträchtigungen am 20. Oktober 2025.

Pressemitteilung

20. Oktober: Tag der nicht sichtbaren Behinderungen – Ehrenamt schafft politische Bewegung

Der Verein gemeinsam zusammen e.V. hat 2024 den Tag der nicht sichtbaren Behinderungen ins Leben gerufen – als eines von vielen Projekten, die mehr Sichtbarkeit schaffen sollen. Am 20. Oktober 2025 wird der Aktionstag nun zum zweiten Mal deutschlandweit begangen. Ziel ist es, die große Zahl von Menschen sichtbar zu machen, deren Behinderungen im Alltag nicht erkennbar sind – und die bisher zu selten berücksichtigt werden.

Zur Gruppe zählen Menschen mit psychischen Erkrankungen (z. B. Depressionen, Angststörungen), neurologischen Erkrankungen (z. B. Migräne, Epilepsie), chronischen und multiplen Erkrankungen (z. B. Rheuma, ME/CFS, Endometriose), neurodivergenten Profilen (z. B. Autismus, ADHS, FASD) sowie Sinnesbeeinträchtigungen (z. B. Hör- oder Sehschädigung).

Hinzu kommen Menschen mit Suchterkrankungen, Wohnungslosigkeit oder Traumafolgen. Besonders häufig sind Frauen unterdiagnostiziert und zusätzlich belastet; auch queere Menschen sind überproportional betroffen. Studien zeigen zudem gehäufte Belastungen wie PTBS, Burnout oder Depression bei bestimmten Berufsgruppen (z. B. Pflegende, Ärztinnen und Ärzte, Lehrkräfte, Pädagoginnen und Pädagogen, Führungskräfte) sowie bei Menschen mit Migrationshintergrund.

Obwohl dies keine Gruppe ist, die im medizinischen oder wissenschaftlichen Kontext zusammengefasst werden kann, gibt es doch einen roten Faden: sensorische (Hören, Riechen, Schmecken, Tasten, Sehen), soziale oder kommunikative Überforderungen führen häufig zu Folgeerkrankungen, Rückzug – und leider viel zu oft auch zu Suizid. Der Abbau dieser unsichtbaren Barrieren soll, so das Ziel des Vereins, standardisiert in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft verankert werden.

„Es braucht eine inklusive Gesellschaft, die mentale Gesundheit selbstverständlich lebt. Wir können nicht ständig fragen, ob eine Person, die fröhlich wirkt, möglicherweise Depressionen hat – oder ob ein Mensch, der wenig Mimik zeigt, Autist ist oder einfach schlechte Laune hat. Es geht darum, ein Selbstverständnis zu etablieren, wie es in anderen Ländern – etwa im Vereinigten Königreich oder im skandinavischen Raum – bereits vorgelebt wird: Eine neurodiverse Gesellschaft ist dort schlicht normal“, erklärt Anne Olschewski, Vorsitzende des Vereins gemeinsam zusammen e.V. Der Verein hat sich auf die Sensibilisierung von Kommunen, Politik und Wirtschaft konzentriert und alle Empfehlungen sind daher in erster Linie so formuliert, dass Nichtbehinderte sie nutzen können und als Werkzeug einsetzen.

Strategische Schritte des Vereins

  • Information und Aufklärung: Über zwei Jahre hinweg wurden alle Kommunen regelmäßig zum Thema informiert. Rund 200 Vorträge fanden statt, in denen der Verein auf Anfrage Impulse zu Architektur, Veranstaltungen, Spielplätzen oder Verhalten gab. Dazu kam eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit mit zahlreichen Fernsehauftritten und einer kaum zählbaren Anzahl an Pressemitteilungen.
  • Wirtschaftliche Etablierung: Die Einführung der „Stillen Stunde“ gilt vielerorts als Türöffner zum Abbau von unsichtbaren Barrieren. Die zeitweise Reduzierung von Reizen ist ein wichtiges Signal – entscheidend ist jedoch die Sensibilisierung von Mitarbeitenden, Kundinnen und Kunden sowie der Öffentlichkeit, die damit verbunden ist. Über 250 teilnehmende Geschäfte sind registriert, viele weitere setzen die „Stille Stunde“ um. Der Verein ist in Kontakt mit Handelsketten, Versicherungen und anderen Wirtschaftssektoren. Neben den Angeboten für reizoffene Kunden und den Arbeitsverbesserungen für Angestellte geht es dabei auch um die Etablierung der eigenen Zielgruppe „Innerscope“. Gleichzeitig wird es zeitnah Impulse für den Nationalen Aktionsplan geben. Darin ist der Bereich Abbau von Barrieren in der Wirtschaftswelt mit rund 50 Seiten vertreten – voller konkreter Vorschläge, wie Menschlichkeit und Wirtschaftlichkeit auch für Arbeitnehmende mit nicht sichtbaren Behinderungen besser zusammengebracht werden können.
  • Strukturelle Verankerung: Da Kommunen nach Leitfäden und Aktionsplänen handeln, wurden praxisnahe Strukturen entwickelt, die die Sichtbarkeit verständlicher machen. Im Mittelpunkt steht die Etablierung einer dritten Dimension von Barrierefreiheit – neben taktilen und mobilen Barrieren auch unsichtbare Barrieren (sensorisch, sozial, kommunikativ). Dies wurde inzwischen mehrfach auf kommunaler Ebene durch die Leitfäden, Briefe und Vorträge manifestiert und schon vor einiger Zeit auch dem Bundesbeauftragten Dusel vorgetragen.
  • Sichtbarmachung: Die Manifestierung der Wortgebung unsichtbarer Barrieren. Ein eigenes Zeichen wurde entwickelt, das – ähnlich den bestehenden Symbolen – ein wesentliches Hilfsmittel beschreibt: Wissen und Verständnis: halb Hirn, halb Herz. Ein weiteres relevantes Element der überregionalen Sichtbarkeit: Der „Tag der nicht sichtbaren Behinderungen“ liegt der Bundesregierung bereits zur internationalen Anerkennung vor.
  • Politische Verankerung: Die eingereichte Petition wird voraussichtlich Anfang Oktober 2025 veröffentlicht. Ergänzend hat der Verein einen offenen Brief an die Mehrheit der deutschen Abgeordneten von Bundestag und Landtagen versendet, der Versorgung und Prävention für Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen strategisch einfordert. Millionen Betroffene sollen so endlich berücksichtigt werden. Der Verein weist deutlich auf die Zunahme und die wissenschaftlichen Querverbindungen hin.
  • Wissenschaftliche Verankerung: Gemeinsam mit Partnern gründete der Verein die AG Neurodiversität & neurologische Vielfalt im Nationalen Suizidpräventionsprogramm. Initiatorin Rebecca Lefèvre ist dort Sprecherin. Erste Inhalte wurden erarbeitet, eine Veröffentlichung liegt der Geschäftsleitung zur Prüfung vor.
  • Netzwerk: Für den 20. Oktober soll ein starkes Netzwerk aufgebaut werden. Bereits beteiligt sind u. a. die Initiative #liegenddemo, ADHS Deutschland, die Deutsche DepressionsLiga, FASD Deutschland, Aspies e.V. und viele weitere, sowie zahlreiche Schulprojekte, Kliniken, Kirchen, IHKs und Verbände wie der Apothekerverband. Weitere Partner sind eingeladen, sich am 20. Oktober 2025 zu beteiligen – sei es durch Veranstaltungen, Aktionen, öffentliche Statements oder durch ein Public Viewing der Initiatorveranstaltung.

Gerade Selbsthilfegruppen verfügen oft nur über sehr begrenzte Ressourcen für eigene Aktivitäten. Umso wichtiger ist es, dass Kommunen, Verbände und Initiativen unterstützend zur Seite stehen. Damit die Stimme der Betroffenen Gewicht bekommt, müssen Selbsthilfegruppen und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zusammenwirken.

Wer sich beteiligen möchte – ob als Institution, Initiative oder Einzelperson – ist gebeten, folgende Angaben per E-Mail zu senden: Logo, Name, Kurzbeschreibung, Wirkungskreis (Land, Kreis, Ort) an [email protected].

Zentrale Veranstaltung

Die Auftaktveranstaltung in Limburg am 20. Oktober um 17 Uhr mit Kreis und Stadt sowie mit Jürgen Dusel (Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen) und Dr. Tanja Machalet (Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag) wird live übertragen.
https://youtube.com/live/DcXR327qM8k Die Kooperationspartner und Veranstaltungen der Kommunen werden zeitnah auf der Internetseite veröffentlicht.

„Wir haben gezeigt, dass Veränderung möglich ist. Unser Projekt ist ein Geflecht aus Gesellschaft, Implementierung auf kommunaler Basis, Etablierung auf Landes- und Bundesebene und wissenschaftlicher Untermauerung. Es ist zu viel verlangt, dass Menschen mit Behinderungen darauf angewiesen sind, dass es eine inklusionsbeauftragte Person gibt, die genug Ressourcen hat, sich einzubringen. Es braucht Vorgaben und strukturelle Abläufe, auf die sich die Kommunen beziehen können – so wie bei Menschen mit mobilen oder taktilen Barrieren. Die Verantwortung ist groß. Wir haben jetzt alles gesagt, jede politische Instanz ist von uns informiert – im Ehrenamt allein können wir nicht mehr leisten. Jetzt ist es an der Politik“, erklärt Rebecca Lefèvre, Initiatorin und Projektleiterin.

Kontakt für Rückfragen:

gemeinsam zusammen e.V.
Rebecca Lefèvre
E-Mail: [email protected]

Web: www.stille-stunde.com

Infomaterial auf www.stille-stunde.com/presse:

Offener Brief https://www.stille-stunde.com/wp-content/uploads/2025/09/Offener-Brief-Nicht-sichtbare-Behinderung.pdf

Petition:
https://www.stille-stunde.com/wp-content/uploads/2025/09/Petition_186559.pdf

Konzept – Tag der nicht sichtbaren Behinderungen für Kommunen:
https://www.stille-stunde.com/wp-content/uploads/2025/08/Unterstuetzende-2.-Tag-der-Nicht-sichtbaren-Beeintraechtigungen.pdf

Ausweis, wesentliches Hilfsmittel zur Sichtbarkeit:
https://www.stille-stunde.com/wp-content/uploads/2025/08/STILLE-STUNDE_KARTE-BEHINDERUNG_241019.pdf

Logo:
https://www.stille-stunde.com/wp-content/uploads/2025/08/Logo-Nicht-sichtbare-Beeintraechtigungen-farbe.png

Auf der Internetseite finden Sie:
– Viele Empfehlungen zum Abbau von Barrieren (Kindergarten, Spielplatz, Verhalten, Aktivitäten in der Kommune, Excel-Liste mit Maßnahmen)

– Informationen zum Tag der nicht sichtbaren Behinderungen, Konzeptvorschläge, Medienvorlagen, Banner, Plakate

– Informationen zur Stillen Stunde, Leitfaden zur Umsetzung, Logo, Vorlagen wie Banner, Plakate, Roll-ups und mehr

Umfassende Ausstellung zur Eigenproduktion, hier ein Überblick:
https://www.stille-stunde.com/wp-content/uploads/2025/08/Preview-Ausstellung-2025.pdf

Lesermeinungen

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Oliver Gruber
30.09.2025 21:32

Hallo lieber Stephan,

dieser Beitrag hat mich tief berührt!

Oft bleibt das Unsichtbare im Schatten – und gerade deshalb macht es mir Hoffnung zu sehen, dass hier Bewusstsein geschaffen wird. Der „Tag der nicht sichtbaren Beeinträchtigung“ ist für mich ein Zeichen, dass Wandel möglich ist: hin zu mehr Verständnis, Achtsamkeit und echter Inklusion.

Es tut gut zu spüren, dass solche Initiativen ins Leben gerufen werden. Sie geben mir Vertrauen, dass wir als Gesellschaft lernen können, das Unscheinbare zu achten und die Würde jedes Menschen zu sehen.

Danke für diese wertvolle Veröffentlichung.

Herzliche Grüße

Oliver Gruber