Berlin (kobinet)
Ein Riss in der alten Mauer öffnet sich.
Das Fenster zur Teil-Habe wird größer.
Das Bundes-Teil-Habe-Gesetz hilft Menschen mit Behinderung.
Es gibt weniger Barrieren.
ADHS und Autismus gehören jetzt zusammen.
ADHS bedeutet: Du kannst dich schlecht konzentrieren.
Du bist oft unruhig.
Du handelst schnell.
Autismus bedeutet: Du denkst anders.
Du fühlst anders.
Das ist normal.
Das bleibt immer so.
Das ist ein kleiner Bruch mit alten Regeln.
Das ist ein leiser Aufbruch zu mehr Menschlichkeit.
Menschen mit ADHS können sich schlecht konzentrieren.
Sie sind oft unruhig.
Sie handeln schnell.
Menschen mit Autismus sind oft sehr empfindlich.
Sie reagieren stark auf Geräusche.
Sie reagieren stark auf Licht.
Diese Probleme gibt es bei beiden Gruppen.
Das zeigt: ADHS und Autismus haben gemeinsame Ursachen.
Die Ursachen liegen in den Genen.
Die Ursachen liegen im Gehirn.
Früher dachten Ärzte anders.
Sie sagten: Ein Mensch hat entweder ADHS.
Oder ein Mensch hat Autismus.
Beide Diagnosen wurden streng getrennt.
Diagnose bedeutet: Ein Arzt sagt dir was du hast.
Der Arzt schaut sich deine Krankheit an.
Dann gibt er deiner Krankheit einen Namen.
Das war oft falsch.
Die neue Krankheits-Liste heißt ICD-11.
ICD-11 ist ein großes Buch über Krankheiten.
In dem Buch stehen alle Krankheiten der Welt.
Jede Krankheit hat eine Nummer.
Jede Krankheit hat einen Namen.
Ärzte nutzen dieses Buch überall.
Diese neue Liste ändert das alte System.
Sie öffnet Türen für mehr Verständnis.
Sie hilft Menschen bei der Teil-Habe.
Ich sehe den Begriff Störung kritisch.
Oft sind die Menschen nicht gestört.
Oft machen die Umwelt-Bedingungen Probleme.
Andere Menschen erwarten zu viel.
Das führt zu auffälligem Verhalten.
Medizin sollte das Wort Störung streichen.
Die Stärke ist bei jedem Menschen anders.
Das Verhalten ist bei jedem Menschen anders.
Der Charakter ist bei jedem Menschen anders.
Das zeigt die ICD-11 zum ersten Mal.
Die alte ICD-10 zwang Ärzte zu einer Diagnose.
Entweder ADHS oder Autismus.
Viele Menschen zeigten Symptome von beiden.
Diese Menschen fielen durch das Raster.
Sie bekamen keine richtige Hilfe.
Die neue ICD-11 bringt wichtige Verbesserungen.
ADHS und Autismus können jetzt zusammen auftreten.
Das ist jetzt offiziell erlaubt.
Früh-kindlicher Autismus wird neu zusammengefasst.
Das Asperger-Syndrom wird neu zusammengefasst.
Asperger-Syndrom bedeutet: Das Gehirn arbeitet anders.
Menschen mit Asperger denken oft sehr genau.
Sie haben manchmal Probleme mit anderen Menschen.
Alle gehören jetzt zur Autismus-Spektrum-Störung.
Autismus-Spektrum-Störung bedeutet: Das Gehirn funktioniert anders.
Betroffene Menschen verstehen andere oft schwer.
Sie mögen oft Routine.
Sie mögen feste Abläufe.
Das nennt man ASS.
Das ist näher an der Realität.
Viele betroffene Menschen zeigen Merkmale von beiden Bereichen.
Früher entstanden dadurch Lücken.
Die Diagnose war nicht vollständig.
Die Unterstützung war nicht vollständig.
Die ICD-11 achtet mehr auf Alltags-Probleme.
Sie achtet weniger auf starre Listen.
Das ermöglicht passende Diagnosen für jeden Menschen.
Das ermöglicht passende Unterstützung für jeden Menschen.
Die ICD-11 betont auch wichtiges.
Neuro-Divergenzen sind nicht nur bei Kindern.
Neuro-Divergenz bedeutet: Das Gehirn arbeitet anders.
Manche Menschen denken anders als andere.
Manche Menschen lernen anders als andere.
Das ist normal und okay.
Sie begleiten Menschen das ganze Leben lang.
Erwachsene werden jetzt mit einbezogen.
Viele Erwachsene bekommen ihre Diagnose erst spät.
Das passiert wenn die Anforderungen steigen.
Unterstützung ist nicht an ein Alter gebunden.
Die Behandlung kann besser werden.
Behandlung bedeutet: Therapie hilft kranken Menschen.
Ein Therapeut macht die Behandlung.
Mit der ICD-11 kann sie passend gemacht werden.
Das eröffnet neue Chancen für Förder-Angebote.
Das eröffnet neue Chancen für Therapien.
Das eröffnet neue Chancen für Unterstützung.
Es ist nur ein kleiner Schritt.
Aber es ist ein Signal.
Es geht in Richtung mehr Teil-Habe.
Es geht in Richtung mehr Anerkennung.
Das gilt für neuro-divergente Menschen.
Diese Menschen haben ein Gehirn das anders arbeitet.
Sie denken manchmal anders als andere.
Sie können andere Stärken haben.
Die ICD-11 sollte nicht das Ende sein.
Sie sollte der Anfang einer Veränderung sein.
Wir sollten Begriffe wie Störung vergessen.
Wir sollten Vielfalt als normal begreifen.
Dann kann sich unser Verständnis verändern.
Unser Verständnis von Normal-Sein kann sich verändern.
Unser Verständnis von Menschen-Sein kann sich verändern.
Das wirkt ethisch.
Das wirkt gesellschaftlich.
Das wirkt menschlich.

Foto: Oliver Gruber / KI generiert
Berlin (kobinet) Ein Spalt im Mauerwerk öffnet sich - das Fenster zur Teilhabe weitet sich. ADHS und Autismus atmen nun gemeinsam, ein kleiner Bruch im alten Raster, ein leiser Aufbruch zu mehr Menschlichkeit.
Überschneidungen von ADHS und ASS
Ob Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität oder hohe Sensibilität gegenüber Umweltreizen: Menschen mit ADHS oder Autismus-Spektrum-Störung erleben Herausforderungen, die sich oft überschneiden. Das deutet auf einen genetischen und neurobiologischen Zusammenhang zwischen beiden Neurodivergenzen hin. Dennoch wurden beide Diagnosen lange Zeit streng getrennt voneinander gedacht – in der Praxis sogar gegeneinander abgegrenzt. Die neue Version der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-11) bricht mit diesem alten Schema und öffnet Türen für mehr Verständnis und Teilhabe.
Warum ich den Begriff „Störung“ kritisch sehe
Ich möchte den Begriff „Störung“ bewusst ausblenden. Oft ist es nicht das Wesen der Betroffenen selbst, das „gestört“ ist, sondern der Leidensdruck durch Umweltbedingungen und Fremderwartungen, die zu Verhaltensauffälligkeiten führen. Hier wäre es längst an der Zeit, dass Medizin und Forschung den Begriff „Störung“ gänzlich streichen. Denn die Stärke der Ausprägung, das Verhalten und der Charakter sind hoch individuell. Genau das wird im ICD-11 erstmals angedeutet – wenn auch nur in kleinen Schritten.
Der Unterschied zwischen ICD-10 und ICD-11
Im alten ICD-10 mussten Behandelnde häufig eine „Entweder-oder-Diagnose“ stellen. Das führte dazu, dass viele Menschen, die sowohl ADHS- als auch ASS-Symptome aufwiesen, durch das Raster fielen.
Ein wesentlicher Fortschritt im ICD-11:
- Die Komorbidität von ADHS und Autismus wird nun ausdrücklich erlaubt.
- Frühkindlicher Autismus, Asperger-Syndrom und atypischer Autismus werden unter dem übergeordneten Begriff „Autismus-Spektrum-Störung (ASS)“ zusammengefasst.
Das ist realitätsnah, denn viele Betroffene zeigen Merkmale beider Neurodivergenzen, was bisher zu Lücken in Diagnose und Unterstützung führte.
Darüber hinaus legt die ICD-11 mehr Wert auf funktionale Einschränkungen im Alltag statt auf starre Symptomlisten. Das ermöglicht individuellere Diagnosen und passgenauere Unterstützung. Auch wird nun betont: Neurodivergenzen sind nicht nur ein Kindheitsthema, sondern begleiten den Menschen ein Leben lang. Erwachsene werden damit explizit einbezogen – viele erhalten ihre Diagnose erst spät, wenn die sozialen Anforderungen steigen. Damit wird sichtbar: Unterstützung ist nicht an ein bestimmtes Alter gebunden.
Ein Schritt in die richtige Richtung
Die Behandlung von ADHS und Autismus kann mit dem ICD-11 stärker auf die spezifischen Bedürfnisse der Einzelnen zugeschnitten werden. Das eröffnet neue Chancen für Förderangebote, Therapien und Unterstützungssysteme. Es ist zwar nur ein kleiner Schritt zu dem, was noch notwendig wäre – aber immerhin ein Signal in Richtung mehr Teilhabe und Anerkennung neurodivergenter Menschen.
Ein Ausblick: Weg von Normen, hin zu Authentizität
Der ICD-11 sollte jedoch nicht das Ende, sondern erst der Anfang einer größeren Veränderung sein. Wenn wir Begriffe wie „Störung“ hinter uns lassen und Vielfalt als Normalität begreifen, kann sich unser Verständnis von Norm, Selbstwahrnehmung und authentischem Menschsein nachhaltig verändern – ethisch, gesellschaftlich und menschlich.

Foto: Oliver Gruber / KI generiert
Berlin (kobinet) Ein Spalt im Mauerwerk öffnet sich - das Fenster zur Teilhabe weitet sich. ADHS und Autismus atmen nun gemeinsam, ein kleiner Bruch im alten Raster, ein leiser Aufbruch zu mehr Menschlichkeit.
Überschneidungen von ADHS und ASS
Ob Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität oder hohe Sensibilität gegenüber Umweltreizen: Menschen mit ADHS oder Autismus-Spektrum-Störung erleben Herausforderungen, die sich oft überschneiden. Das deutet auf einen genetischen und neurobiologischen Zusammenhang zwischen beiden Neurodivergenzen hin. Dennoch wurden beide Diagnosen lange Zeit streng getrennt voneinander gedacht – in der Praxis sogar gegeneinander abgegrenzt. Die neue Version der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-11) bricht mit diesem alten Schema und öffnet Türen für mehr Verständnis und Teilhabe.
Warum ich den Begriff „Störung“ kritisch sehe
Ich möchte den Begriff „Störung“ bewusst ausblenden. Oft ist es nicht das Wesen der Betroffenen selbst, das „gestört“ ist, sondern der Leidensdruck durch Umweltbedingungen und Fremderwartungen, die zu Verhaltensauffälligkeiten führen. Hier wäre es längst an der Zeit, dass Medizin und Forschung den Begriff „Störung“ gänzlich streichen. Denn die Stärke der Ausprägung, das Verhalten und der Charakter sind hoch individuell. Genau das wird im ICD-11 erstmals angedeutet – wenn auch nur in kleinen Schritten.
Der Unterschied zwischen ICD-10 und ICD-11
Im alten ICD-10 mussten Behandelnde häufig eine „Entweder-oder-Diagnose“ stellen. Das führte dazu, dass viele Menschen, die sowohl ADHS- als auch ASS-Symptome aufwiesen, durch das Raster fielen.
Ein wesentlicher Fortschritt im ICD-11:
- Die Komorbidität von ADHS und Autismus wird nun ausdrücklich erlaubt.
- Frühkindlicher Autismus, Asperger-Syndrom und atypischer Autismus werden unter dem übergeordneten Begriff „Autismus-Spektrum-Störung (ASS)“ zusammengefasst.
Das ist realitätsnah, denn viele Betroffene zeigen Merkmale beider Neurodivergenzen, was bisher zu Lücken in Diagnose und Unterstützung führte.
Darüber hinaus legt die ICD-11 mehr Wert auf funktionale Einschränkungen im Alltag statt auf starre Symptomlisten. Das ermöglicht individuellere Diagnosen und passgenauere Unterstützung. Auch wird nun betont: Neurodivergenzen sind nicht nur ein Kindheitsthema, sondern begleiten den Menschen ein Leben lang. Erwachsene werden damit explizit einbezogen – viele erhalten ihre Diagnose erst spät, wenn die sozialen Anforderungen steigen. Damit wird sichtbar: Unterstützung ist nicht an ein bestimmtes Alter gebunden.
Ein Schritt in die richtige Richtung
Die Behandlung von ADHS und Autismus kann mit dem ICD-11 stärker auf die spezifischen Bedürfnisse der Einzelnen zugeschnitten werden. Das eröffnet neue Chancen für Förderangebote, Therapien und Unterstützungssysteme. Es ist zwar nur ein kleiner Schritt zu dem, was noch notwendig wäre – aber immerhin ein Signal in Richtung mehr Teilhabe und Anerkennung neurodivergenter Menschen.
Ein Ausblick: Weg von Normen, hin zu Authentizität
Der ICD-11 sollte jedoch nicht das Ende, sondern erst der Anfang einer größeren Veränderung sein. Wenn wir Begriffe wie „Störung“ hinter uns lassen und Vielfalt als Normalität begreifen, kann sich unser Verständnis von Norm, Selbstwahrnehmung und authentischem Menschsein nachhaltig verändern – ethisch, gesellschaftlich und menschlich.





Lieber Oliver Gruber,
ich habe die ICD nie richtig verstanden. Genau wie die ICF (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit) obwohl ich die beruflich, bei der Erstellung von PITS, (Personenzentrierter integrierter Teilhabe Plan), der jetzt wohl dem hessischen Kostenträger LWV das finanzielle Genick bricht, auswendig lernen sollte.
Deshalb habe ich beides immer auch als Tool begriffen, das Arztpraxen und Leistungserbringern die Abrechnung erleichtert.
Mir selbst wurde u.a. mal ein „übersteigertes Empathieempfinden“ diagnostiziert. Dafür gab es keine ICD-Ziffer. Da haben wir uns auf Depression geeinigt.
Ich habe die ICD auch immer datenschutzrechtlich begriffen. Damit die Personalabteilung nicht mitbekommt, woran Du leidest, obwohl das ja ziemlich schnell herauszubekommen ist. Z.B. wenn man Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen vergleicht.
Deswegen sind unter Deiner Verlinkung vielleicht auch keine Inhalte zu sehen.
Kannst Du mich da aufklären?
Stephan Laux
Hallo Stephan Laux,
danke für Deine wertvollen Gedanken. Du hast recht: die ICD ist in erster Linie ein Klassifikations- und Abrechnungswerkzeug, aber sie wirkt eben auch auf unser Leben – weil Diagnosen über Hilfen, Zugänge und leider auch Stigmata entscheiden.
Die ICF versucht Teilhabe abzubilden, die ICD ordnet Krankheiten. Dass Du Dich darin nie wiedergefunden hast, kann ich gut nachvollziehen.
Gerade deshalb ist der Schritt im ICD-11 so wichtig: Autismus und ADHS werden nicht länger starr getrennt, sondern auch als beides zugleich denkbar. Dein Beispiel mit dem „übersteigerten Empathieempfinden“ zeigt wunderbar, dass wir Menschen nicht in starre Raster passen – und genau das sollten wir sichtbar machen.
Der Link im Artikel führt direkt zur BfArM-Entwurfsfassung, also in die Kodiersuche. Da sieht man keine fertigen Texte wie bei Wikipedia, sondern muss die jeweilige Diagnose über die Nummer oder den Begriff suchen. So arbeitet das System offiziell.
Herzliche Grüße
Oliver Gruber