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Warum werden 2025 noch neue Werkstätten für Menschen mit Behinderung gebaut?

Wegweiser, der in die Werkstatt und auf den Allgemeinen Arbeitsmarkt zeigt
Wegweiser, der in die Werkstatt und auf den Allgemeinen Arbeitsmarkt zeigt
Foto: privat

Weimar (kobinet) "Warum werden 2025 noch neue Werkstätten für Menschen mit Behinderung gebaut?" Diese Frage beschäftigt angesichts der Förderung einer neuen Werkstatt für behinderte Menschen in Heidenheim in Baden-Württemberg viele Menschen, die sich mit den Anforderungen der UN-Behindertenrechtskonvention und den Abschließenden Bemerkungen des Ausschusses über die Rechte von Menschen mit Behinderungen der Vereinten Nationen beschäftigt haben. So auch Nancy Frind, die vor gut drei Jahren den Weg aus der Werkstatt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt mit Hilfe des Budget für Arbeit geschafft hat. Auf Facebook schrieb Nancy Frind u.a.: "Ich verstehe es nicht. Und ich will es auch nicht verstehen. Wir leben in einer Zeit, in der wir über Inklusion, Teilhabe und Gleichstellung sprechen – aber gleichzeitig werden in Deutschland weiterhin neue Werkstätten für Menschen mit Behinderung gebaut. Millionen fließen in Systeme, die Menschen ausgrenzen, statt sie zu ermächtigen."

Im folgenden dokumentieren die kobinet-nachrichten den Facebook-Post von Nancy Frind vom 31. Juli 2025:

„Warum werden 2025 noch neue Werkstätten für Menschen mit Behinderung gebaut? Ich verstehe es nicht. Und ich will es auch nicht verstehen. Wir leben in einer Zeit, in der wir über Inklusion, Teilhabe und Gleichstellung sprechen – aber gleichzeitig werden in Deutschland weiterhin neue Werkstätten für Menschen mit Behinderung gebaut. Millionen fließen in Systeme, die Menschen ausgrenzen, statt sie zu ermächtigen. Teilweise gefördert von Land und Bund. Teilweise finanziert durch Ausgleichsabgaben von Unternehmen, die keine Menschen mit Behinderung einstellen. Wie kann das sein?

Ich habe selbst fast ein Jahrzehnt in einer Werkstatt gearbeitet. Ich weiß also, wovon ich spreche. Und ich sage ganz klar: Wir müssen dieses System verändern. Ich war nicht unglücklich in der Werkstatt – im Gegenteil. Sie hat mir Stabilität gegeben, Struktur, soziale Kontakte. Aber sie hat mir auch Grenzen gesetzt. Ich war oft unterfordert. Und es gab Vorfälle, die für mich persönlich sehr belastend waren. Am Ende habe ich mich bewusst entschieden, meinen Weg zu gehen – raus aus der Werkstatt, mit dem Budget für Arbeit, hin zu einem Arbeitgeber, der mir eine echte Chance gegeben hat.

Ich kämpfe nicht gegen Werkstätten. Ich kämpfe für Werkstätten – aber für bessere. Für Werkstätten, die faire Löhne zahlen. Die Menschen mit Behinderung ernst nehmen, ihre Talente fördern und ihre Rechte achten. Ich will Werkstätten, in denen Menschen bleiben können, wenn sie es wollen – und gehen können, wenn sie bereit sind für den nächsten Schritt. Und genau deshalb kann ich nicht verstehen, warum wir heute neue Werkstätten bauen. Für Millionen Euro und mehr.

Statt in neue Gebäude zu investieren, sollten wir in Menschen investieren. In das Budget für Arbeit. In das Budget für Ausbildung. In Begleitung und echte Übergänge auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Neue Werkstätten zu bauen ist ein falsches Signal. Es festigt ein System, das wir gerade verändern wollen. Es heißt: ‚Bleibt, wo ihr seid.‘ Es heißt: ‚Für euch reicht das.‘ Aber wir sind mehr wert. Wir wollen mehr. Und wir können mehr. Und viele von uns beweisen das jeden Tag. Ich will eine Gesellschaft, in der Menschen mit Behinderung entscheiden, wohin ihr Weg geht. Nicht Werkstätten abschaffen – aber ihnen eine neue Richtung geben. Und aufhören, mit Millionen neue Orte zu schaffen, an denen Menschen weiter ausgegrenzt werden. Nicht noch einmal. Nicht 2025!“

Link zum Facebook-Post von Nancy Frind vom 31. Juli 2025

Link zum Bericht der kobinet-nachrichten vom 22. Juli 2025 über den Neubau einer Werkstatt für behinderte Menschen in Heidenheim für zehn Millionen Euro

Link zum Bericht von FragDenStaat über die Vergabe von Aufträgen an Werkstätten und die damit verbundene Einsparung bei der Ausgleichsabgabe

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Klaus K
04.08.2025 09:58

Die Antwort auf die Frage haben betroffene die in der WfbM tätig sind, selbst gegeben und wurden bereits veröffentlicht: Ausgetrickst: So sieht es mit Inklusion und Beschäftigung behinderter Menschen aus