Weimar (kobinet)
Warum werden 2025 noch neue Werk-Stätten gebaut?
Werk-Stätten sind Arbeits-Plätze für Menschen mit Behinderung.
Diese Frage stellen sich viele Menschen.
In Baden-Württemberg wird gerade eine neue Werk-Statt gebaut.
Das kostet 10 Millionen Euro.
Nancy Frind kennt sich mit Werk-Stätten aus.
Sie hat selbst in einer Werk-Statt gearbeitet.
Das war fast 10 Jahre lang.
Vor 3 Jahren ist sie gegangen.
Jetzt arbeitet sie auf dem normalen Arbeits-Markt.
Arbeits-Markt bedeutet: Menschen suchen Arbeit und Firmen suchen neue Mitarbeiter.
Sie bekommt Hilfe durch das Budget für Arbeit.
Budget für Arbeit bedeutet: Das ist Geld vom Staat.
Menschen mit Behinderung bekommen dieses Geld.
Sie können dann bei normalen Firmen arbeiten.
Nancy Frind hat auf Facebook geschrieben.
Sie versteht nicht warum neue Werk-Stätten gebaut werden.
Wir reden über Inklusion und Teilhabe.
Inklusion bedeutet: Alle Menschen machen mit und niemand wird ausgeschlossen.
Teilhabe bedeutet: Bei etwas mit-machen können und mit-bestimmen.
Aber trotzdem werden neue Werk-Stätten gebaut.
Millionen Euro fließen in diese Systeme.
Diese Systeme grenzen Menschen aus.
Ausgrenzen bedeutet: Menschen dürfen nicht mit-machen und werden nicht dazu-geholt.
Sie helfen Menschen nicht dabei stark zu werden.
Das Land und der Bund fördern diese Werk-Stätten.
Firmen zahlen auch dafür.
Diese Firmen stellen keine Menschen mit Behinderung ein.
Nancy Frind sagt: Ich war nicht unglücklich in der Werk-Statt.
Die Werk-Statt hat mir geholfen.
Ich hatte Struktur und soziale Kontakte.
Aber ich hatte auch Grenzen.
Ich war oft unter-fordert.
Unter-fordert bedeutet: Die Aufgabe ist zu leicht und die Person langweilt sich bei der Arbeit.
Es gab auch schlimme Vorfälle.
Nancy Frind hat sich entschieden zu gehen.
Sie nutzt das Budget für Arbeit.
Ihr neuer Arbeit-Geber gibt ihr eine echte Chance.
Arbeit-Geber bedeutet: Das ist der Chef einer Firma der Menschen Arbeit und Geld gibt.
Nancy Frind kämpft nicht gegen Werk-Stätten.
Sie kämpft für bessere Werk-Stätten.
Werk-Stätten sollen faire Löhne zahlen.
Sie sollen Menschen mit Behinderung ernst nehmen.
Sie sollen Talente fördern und Rechte achten.
Menschen sollen bleiben können wenn sie wollen.
Menschen sollen gehen können wenn sie bereit sind.
Deshalb versteht Nancy Frind nicht warum neue Werk-Stätten gebaut werden.
Wir sollten in Menschen investieren.
Investieren bedeutet: Geld ausgeben für etwas Wichtiges mit der Hoffnung später mehr zurück zu bekommen.
Nicht in neue Gebäude.
Wir brauchen das Budget für Arbeit.
Wir brauchen das Budget für Ausbildung.
Wir brauchen Begleitung auf den normalen Arbeits-Markt.
Begleitung bedeutet: Eine Person hilft einer anderen Person und unterstützt bei wichtigen Sachen.
Neue Werk-Stätten sind ein falsches Signal.
Sie machen ein System fest das wir ändern wollen.
Sie sagen: Bleibt wo ihr seid.
Sie sagen: Für euch reicht das.
Aber Menschen mit Behinderung sind mehr wert.
Nancy Frind will eine andere Gesellschaft.
Gesellschaft bedeutet: Eine große Gruppe von Menschen lebt zusammen wie alle Menschen in Deutschland.
Menschen mit Behinderung sollen selbst entscheiden.
Sie will Werk-Stätten nicht abschaffen.
Abschaffen bedeutet: Etwas gibt es nicht mehr und wird für immer weg gemacht.
Aber sie sollen eine neue Richtung bekommen.
Keine neuen Orte wo Menschen ausgegrenzt werden.

Foto: privat
Weimar (kobinet) "Warum werden 2025 noch neue Werkstätten für Menschen mit Behinderung gebaut?" Diese Frage beschäftigt angesichts der Förderung einer neuen Werkstatt für behinderte Menschen in Heidenheim in Baden-Württemberg viele Menschen, die sich mit den Anforderungen der UN-Behindertenrechtskonvention und den Abschließenden Bemerkungen des Ausschusses über die Rechte von Menschen mit Behinderungen der Vereinten Nationen beschäftigt haben. So auch Nancy Frind, die vor gut drei Jahren den Weg aus der Werkstatt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt mit Hilfe des Budget für Arbeit geschafft hat. Auf Facebook schrieb Nancy Frind u.a.: "Ich verstehe es nicht. Und ich will es auch nicht verstehen. Wir leben in einer Zeit, in der wir über Inklusion, Teilhabe und Gleichstellung sprechen – aber gleichzeitig werden in Deutschland weiterhin neue Werkstätten für Menschen mit Behinderung gebaut. Millionen fließen in Systeme, die Menschen ausgrenzen, statt sie zu ermächtigen."
Im folgenden dokumentieren die kobinet-nachrichten den Facebook-Post von Nancy Frind vom 31. Juli 2025:
„Warum werden 2025 noch neue Werkstätten für Menschen mit Behinderung gebaut? Ich verstehe es nicht. Und ich will es auch nicht verstehen. Wir leben in einer Zeit, in der wir über Inklusion, Teilhabe und Gleichstellung sprechen – aber gleichzeitig werden in Deutschland weiterhin neue Werkstätten für Menschen mit Behinderung gebaut. Millionen fließen in Systeme, die Menschen ausgrenzen, statt sie zu ermächtigen. Teilweise gefördert von Land und Bund. Teilweise finanziert durch Ausgleichsabgaben von Unternehmen, die keine Menschen mit Behinderung einstellen. Wie kann das sein?
Ich habe selbst fast ein Jahrzehnt in einer Werkstatt gearbeitet. Ich weiß also, wovon ich spreche. Und ich sage ganz klar: Wir müssen dieses System verändern. Ich war nicht unglücklich in der Werkstatt – im Gegenteil. Sie hat mir Stabilität gegeben, Struktur, soziale Kontakte. Aber sie hat mir auch Grenzen gesetzt. Ich war oft unterfordert. Und es gab Vorfälle, die für mich persönlich sehr belastend waren. Am Ende habe ich mich bewusst entschieden, meinen Weg zu gehen – raus aus der Werkstatt, mit dem Budget für Arbeit, hin zu einem Arbeitgeber, der mir eine echte Chance gegeben hat.
Ich kämpfe nicht gegen Werkstätten. Ich kämpfe für Werkstätten – aber für bessere. Für Werkstätten, die faire Löhne zahlen. Die Menschen mit Behinderung ernst nehmen, ihre Talente fördern und ihre Rechte achten. Ich will Werkstätten, in denen Menschen bleiben können, wenn sie es wollen – und gehen können, wenn sie bereit sind für den nächsten Schritt. Und genau deshalb kann ich nicht verstehen, warum wir heute neue Werkstätten bauen. Für Millionen Euro und mehr.
Statt in neue Gebäude zu investieren, sollten wir in Menschen investieren. In das Budget für Arbeit. In das Budget für Ausbildung. In Begleitung und echte Übergänge auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Neue Werkstätten zu bauen ist ein falsches Signal. Es festigt ein System, das wir gerade verändern wollen. Es heißt: ‚Bleibt, wo ihr seid.‘ Es heißt: ‚Für euch reicht das.‘ Aber wir sind mehr wert. Wir wollen mehr. Und wir können mehr. Und viele von uns beweisen das jeden Tag. Ich will eine Gesellschaft, in der Menschen mit Behinderung entscheiden, wohin ihr Weg geht. Nicht Werkstätten abschaffen – aber ihnen eine neue Richtung geben. Und aufhören, mit Millionen neue Orte zu schaffen, an denen Menschen weiter ausgegrenzt werden. Nicht noch einmal. Nicht 2025!“

Foto: privat
Weimar (kobinet) "Warum werden 2025 noch neue Werkstätten für Menschen mit Behinderung gebaut?" Diese Frage beschäftigt angesichts der Förderung einer neuen Werkstatt für behinderte Menschen in Heidenheim in Baden-Württemberg viele Menschen, die sich mit den Anforderungen der UN-Behindertenrechtskonvention und den Abschließenden Bemerkungen des Ausschusses über die Rechte von Menschen mit Behinderungen der Vereinten Nationen beschäftigt haben. So auch Nancy Frind, die vor gut drei Jahren den Weg aus der Werkstatt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt mit Hilfe des Budget für Arbeit geschafft hat. Auf Facebook schrieb Nancy Frind u.a.: "Ich verstehe es nicht. Und ich will es auch nicht verstehen. Wir leben in einer Zeit, in der wir über Inklusion, Teilhabe und Gleichstellung sprechen – aber gleichzeitig werden in Deutschland weiterhin neue Werkstätten für Menschen mit Behinderung gebaut. Millionen fließen in Systeme, die Menschen ausgrenzen, statt sie zu ermächtigen."
Im folgenden dokumentieren die kobinet-nachrichten den Facebook-Post von Nancy Frind vom 31. Juli 2025:
„Warum werden 2025 noch neue Werkstätten für Menschen mit Behinderung gebaut? Ich verstehe es nicht. Und ich will es auch nicht verstehen. Wir leben in einer Zeit, in der wir über Inklusion, Teilhabe und Gleichstellung sprechen – aber gleichzeitig werden in Deutschland weiterhin neue Werkstätten für Menschen mit Behinderung gebaut. Millionen fließen in Systeme, die Menschen ausgrenzen, statt sie zu ermächtigen. Teilweise gefördert von Land und Bund. Teilweise finanziert durch Ausgleichsabgaben von Unternehmen, die keine Menschen mit Behinderung einstellen. Wie kann das sein?
Ich habe selbst fast ein Jahrzehnt in einer Werkstatt gearbeitet. Ich weiß also, wovon ich spreche. Und ich sage ganz klar: Wir müssen dieses System verändern. Ich war nicht unglücklich in der Werkstatt – im Gegenteil. Sie hat mir Stabilität gegeben, Struktur, soziale Kontakte. Aber sie hat mir auch Grenzen gesetzt. Ich war oft unterfordert. Und es gab Vorfälle, die für mich persönlich sehr belastend waren. Am Ende habe ich mich bewusst entschieden, meinen Weg zu gehen – raus aus der Werkstatt, mit dem Budget für Arbeit, hin zu einem Arbeitgeber, der mir eine echte Chance gegeben hat.
Ich kämpfe nicht gegen Werkstätten. Ich kämpfe für Werkstätten – aber für bessere. Für Werkstätten, die faire Löhne zahlen. Die Menschen mit Behinderung ernst nehmen, ihre Talente fördern und ihre Rechte achten. Ich will Werkstätten, in denen Menschen bleiben können, wenn sie es wollen – und gehen können, wenn sie bereit sind für den nächsten Schritt. Und genau deshalb kann ich nicht verstehen, warum wir heute neue Werkstätten bauen. Für Millionen Euro und mehr.
Statt in neue Gebäude zu investieren, sollten wir in Menschen investieren. In das Budget für Arbeit. In das Budget für Ausbildung. In Begleitung und echte Übergänge auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Neue Werkstätten zu bauen ist ein falsches Signal. Es festigt ein System, das wir gerade verändern wollen. Es heißt: ‚Bleibt, wo ihr seid.‘ Es heißt: ‚Für euch reicht das.‘ Aber wir sind mehr wert. Wir wollen mehr. Und wir können mehr. Und viele von uns beweisen das jeden Tag. Ich will eine Gesellschaft, in der Menschen mit Behinderung entscheiden, wohin ihr Weg geht. Nicht Werkstätten abschaffen – aber ihnen eine neue Richtung geben. Und aufhören, mit Millionen neue Orte zu schaffen, an denen Menschen weiter ausgegrenzt werden. Nicht noch einmal. Nicht 2025!“





Die Antwort auf die Frage haben betroffene die in der WfbM tätig sind, selbst gegeben und wurden bereits veröffentlicht: Ausgetrickst: So sieht es mit Inklusion und Beschäftigung behinderter Menschen aus