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Liken gegen Rechts

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Vorn ein Findling mit Inschrift Willis Blick, dahinter Bäume im Sonnenlicht im hellen Grün.
streift die Likers gegen Rechts und fällt ins Sommerloch
Foto: Hubertus Thomasius

Staufen (kobinet) Endlich Flagge zeigen! Allemal Daumen hoch, die gegen Rechts sind. Mega! Ein echt starkes Statement: Ein Wald von Daumen, energisch in die Höhe gereckt. Ein beispielloser Move, engagiert und meinungsstark. Man sieht vor lauter Daumen den Wald nicht mehr oder worum es geht oder gegen sollte. Aber jetzt geht es auch zunächst einmal darum, diese enorme Mobilisierung zu nutzen, um ein Meinungsbild herzustellen darüber, ob die "Krüppel gegen Rechts" sich in "Liken gegen Rechts" umbenennen.  Also alle mal Daumen hoch, die dafür sind. Mit überwältigender Mehrheit angenommen! – Uff! Geschafft, Demokratie und Debatte können einen ganz schön schlauchen.  Weshalb der Ruf, sich von ihnen auch mal erholen zu dürfen, immer lauter wird. Liken und Daumen hoch oder runter sind ein mutiger Schritt in diese Richtung. Und selbst das ist noch anstrengend genug, wird es so exzessiv praktiziert wie bei den ehemaligen Krüppeln gegen Rechts, nun Liken gegen Rechts.  An dieser Stelle hilft daher einzig, der rechtzeitige und mutige Sprung ins Sommerloch.

Bevor der kobinet-Kolumnist Weis, der sich die Augustkolumne erspart, indem er sich hier in Willis Blick verwandelt hat, seinerseits die Augen schließt und springt, es ist genügend Platz im Sommerloch, gibt er das knapp zehnminütige Wort noch einem anderen Altachtundsechziger, einen jüngst Verstorbenen. Wer ihm zuhört, fällt es wie Schuppen von den Ohren: Wie politisch brav und zahnlos und angepasst die Liker und Likerinnenn sind, die aller Orten ihr Fähnlein schwenken. – Der verstorbene Theaterregisseur und Altachtundsechziger Claus Peymann begann seine Karriere übrigens 1968 mit dem Stück „Publikumsbeschimpfung“ von Peter Handke.

https://www.deutschlandfunk.de/denk-ich-an-deutschland-der-theatermacher-claus-peymann-100.html

Lesermeinungen

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Silvia Hauser
03.08.2025 19:04

Kleine Ergänzung: Momentan, so Ottmar Miles-Paul in einer kobinet-Nachricht zur „Gegen Rechts-Initiative“, bestehe noch ein logistisches Problem wegen der Beschaffung von Anstecknadeln. Okay, verstehe ich, erinnert mich an den lila Button, den ich mir als 17-Jähriger 1968 im Unterricht angesteckt habe, „Stopp US-Aggression in Vietnam“ (per Post zu beziehen bei der Kampagne für Demokratie und Abrüstung“). Ansonsten haben wir uns die Köpfe heiß diskutiert, marxistische und kritische Theorie studiert und eine Menge gelesen. – Weniger liken und mehr lesen bzw. erst lesen bevor liken, wie wäre es damit, um noch einen positiven Vorschlag zu machen. In Texten sprachlich kondensierte und reflektierte Erfahrung sich aneignen. Und im übrigen: Wir waren damals – ob in der Schule, auf der Straße oder im Elternhaus- tatsächlich eine kleine radikale Minderheit, das Etikett, mit dem die damalige bürgerliche Rechte aus CDU und Mehrheits-SPD die „APO“ (Außerparlamentarische Oppoaition) diffamierte und die sog. schweigende Mehrheit gegen uns aufhetzte. Es verlangte, zumal in der Provinz, Selbstbewußtsein und Zivilcourage sich einen Button anzustecken und gegen den Strom zu schwimmen. In unserer gymnasialen Oberstufenklasse waren mein Klassenkamerad und ich die einzigen, die sich das trauten. Wie anders die Likers und AnstecknadeltragerInnen von heute, wo selbst die Oma gegen Rechts ist.
i.A. Hans-Willi Weis