Staufen (kobinet)
Viele Menschen sind gegen Rechts.
Sie zeigen das mit dem Daumen hoch.
Das heißt: Ich bin dagegen.
Es gibt sehr viele Menschen.
Alle zeigen den Daumen hoch.
Das sieht aus wie ein Wald.
Ein Wald aus Daumen.
Die Gruppe hieß früher: Krüppel gegen Rechts.
Jetzt heißt sie: Liken gegen Rechts.
Liken bedeutet: Ich finde das gut.
Das macht man im Internet.
Viele Menschen finden den neuen Namen gut.
Sie zeigen wieder den Daumen hoch.
So wird entschieden.
Das nennt man Demokratie.
Das Volk entscheidet über wichtige Sachen.
Alle Menschen dürfen mit-entscheiden.
Demokratie kann schwer sein.
Man muss immer reden und abstimmen.
Manche Menschen sind müde davon.
Sie wollen sich erholen.
Daumen hoch ist einfacher.
Das geht schnell.
Man muss nicht viel denken.
Aber das kann auch schwer werden.
Jetzt ist Sommer-Zeit.
Viele Menschen machen Pause.
Sie denken wenig über Politik nach.
Das nennt man: Sommer-Loch.
Das ist eine ruhige Zeit im Sommer.
Es gibt wenige wichtige Nachrichten.
Ein Mann namens Weis schreibt Texte.
Er macht jetzt auch Pause.
Er gibt das Wort an einen anderen Mann.
Dieser Mann ist vor kurzem gestorben.
Der tote Mann hieß Claus Peymann.
Claus Peymann war Theater-Regisseur.
Ein Theater-Regisseur macht Theater-Stücke.
Er sagt den Schauspielern was sie machen sollen.
Er bestimmt wie das Stück aussehen soll.
Das heißt: Claus Peymann hat Theater-Stücke gemacht.
Claus Peymann war schon in den 60er Jahren aktiv.
Claus Peymann hat gesagt:
Die Menschen heute sind zu brav.
Sie haben keine eigene Meinung.
Sie machen nur mit beim Liken.
1968 hat Peymann ein Theater-Stück gemacht.
Es hieß: Publikums-Beschimpfung.
Die Schauspieler sind gemein zu den Zuschauern.
Sie sagen böse Wörter zu den Menschen.
Das ist Teil von dem Theater-Stück.
Das Stück war von Peter Handke.
Es war sehr provokant.
Provokant bedeutet: Etwas macht Menschen absichtlich wütend.
Es ist schockierend.
Manche Künstler machen das mit Absicht.

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) Endlich Flagge zeigen! Allemal Daumen hoch, die gegen Rechts sind. Mega! Ein echt starkes Statement: Ein Wald von Daumen, energisch in die Höhe gereckt. Ein beispielloser Move, engagiert und meinungsstark. Man sieht vor lauter Daumen den Wald nicht mehr oder worum es geht oder gegen sollte. Aber jetzt geht es auch zunächst einmal darum, diese enorme Mobilisierung zu nutzen, um ein Meinungsbild herzustellen darüber, ob die "Krüppel gegen Rechts" sich in "Liken gegen Rechts" umbenennen. Also alle mal Daumen hoch, die dafür sind. Mit überwältigender Mehrheit angenommen! – Uff! Geschafft, Demokratie und Debatte können einen ganz schön schlauchen. Weshalb der Ruf, sich von ihnen auch mal erholen zu dürfen, immer lauter wird. Liken und Daumen hoch oder runter sind ein mutiger Schritt in diese Richtung. Und selbst das ist noch anstrengend genug, wird es so exzessiv praktiziert wie bei den ehemaligen Krüppeln gegen Rechts, nun Liken gegen Rechts. An dieser Stelle hilft daher einzig, der rechtzeitige und mutige Sprung ins Sommerloch.
Bevor der kobinet-Kolumnist Weis, der sich die Augustkolumne erspart, indem er sich hier in Willis Blick verwandelt hat, seinerseits die Augen schließt und springt, es ist genügend Platz im Sommerloch, gibt er das knapp zehnminütige Wort noch einem anderen Altachtundsechziger, einen jüngst Verstorbenen. Wer ihm zuhört, fällt es wie Schuppen von den Ohren: Wie politisch brav und zahnlos und angepasst die Liker und Likerinnenn sind, die aller Orten ihr Fähnlein schwenken. – Der verstorbene Theaterregisseur und Altachtundsechziger Claus Peymann begann seine Karriere übrigens 1968 mit dem Stück „Publikumsbeschimpfung“ von Peter Handke.
https://www.deutschlandfunk.de/denk-ich-an-deutschland-der-theatermacher-claus-peymann-100.html

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) Endlich Flagge zeigen! Allemal Daumen hoch, die gegen Rechts sind. Mega! Ein echt starkes Statement: Ein Wald von Daumen, energisch in die Höhe gereckt. Ein beispielloser Move, engagiert und meinungsstark. Man sieht vor lauter Daumen den Wald nicht mehr oder worum es geht oder gegen sollte. Aber jetzt geht es auch zunächst einmal darum, diese enorme Mobilisierung zu nutzen, um ein Meinungsbild herzustellen darüber, ob die "Krüppel gegen Rechts" sich in "Liken gegen Rechts" umbenennen. Also alle mal Daumen hoch, die dafür sind. Mit überwältigender Mehrheit angenommen! – Uff! Geschafft, Demokratie und Debatte können einen ganz schön schlauchen. Weshalb der Ruf, sich von ihnen auch mal erholen zu dürfen, immer lauter wird. Liken und Daumen hoch oder runter sind ein mutiger Schritt in diese Richtung. Und selbst das ist noch anstrengend genug, wird es so exzessiv praktiziert wie bei den ehemaligen Krüppeln gegen Rechts, nun Liken gegen Rechts. An dieser Stelle hilft daher einzig, der rechtzeitige und mutige Sprung ins Sommerloch.
Bevor der kobinet-Kolumnist Weis, der sich die Augustkolumne erspart, indem er sich hier in Willis Blick verwandelt hat, seinerseits die Augen schließt und springt, es ist genügend Platz im Sommerloch, gibt er das knapp zehnminütige Wort noch einem anderen Altachtundsechziger, einen jüngst Verstorbenen. Wer ihm zuhört, fällt es wie Schuppen von den Ohren: Wie politisch brav und zahnlos und angepasst die Liker und Likerinnenn sind, die aller Orten ihr Fähnlein schwenken. – Der verstorbene Theaterregisseur und Altachtundsechziger Claus Peymann begann seine Karriere übrigens 1968 mit dem Stück „Publikumsbeschimpfung“ von Peter Handke.
https://www.deutschlandfunk.de/denk-ich-an-deutschland-der-theatermacher-claus-peymann-100.html





Kleine Ergänzung: Momentan, so Ottmar Miles-Paul in einer kobinet-Nachricht zur „Gegen Rechts-Initiative“, bestehe noch ein logistisches Problem wegen der Beschaffung von Anstecknadeln. Okay, verstehe ich, erinnert mich an den lila Button, den ich mir als 17-Jähriger 1968 im Unterricht angesteckt habe, „Stopp US-Aggression in Vietnam“ (per Post zu beziehen bei der Kampagne für Demokratie und Abrüstung“). Ansonsten haben wir uns die Köpfe heiß diskutiert, marxistische und kritische Theorie studiert und eine Menge gelesen. – Weniger liken und mehr lesen bzw. erst lesen bevor liken, wie wäre es damit, um noch einen positiven Vorschlag zu machen. In Texten sprachlich kondensierte und reflektierte Erfahrung sich aneignen. Und im übrigen: Wir waren damals – ob in der Schule, auf der Straße oder im Elternhaus- tatsächlich eine kleine radikale Minderheit, das Etikett, mit dem die damalige bürgerliche Rechte aus CDU und Mehrheits-SPD die „APO“ (Außerparlamentarische Oppoaition) diffamierte und die sog. schweigende Mehrheit gegen uns aufhetzte. Es verlangte, zumal in der Provinz, Selbstbewußtsein und Zivilcourage sich einen Button anzustecken und gegen den Strom zu schwimmen. In unserer gymnasialen Oberstufenklasse waren mein Klassenkamerad und ich die einzigen, die sich das trauten. Wie anders die Likers und AnstecknadeltragerInnen von heute, wo selbst die Oma gegen Rechts ist.
i.A. Hans-Willi Weis