Ahlen (kobinet)
Wir gehören in die Parlamente.
Parlament bedeutet: Versammlung von Volks-Vertretern.
Sie machen zusammen neue Gesetze.
Wir gehören in die Vor-Stände.
Vor-Stand bedeutet: Eine Gruppe von Menschen.
Sie leiten einen Verein oder eine Firma.
Wir gehören in die Gremien.
Gremium bedeutet: Eine Gruppe von Menschen.
Sie treffen sich regelmäßig.
Sie sprechen über wichtige Themen.
Das soll normal sein.
Das soll keine Ausnahme sein.
Junge Menschen mit Behinderung sollen sich nicht fragen: Darf ich das überhaupt?
Sie sollen sagen: Natürlich gehöre ich da hin.
Das sagt der 26 Jahre alte Alper Senlik.
Er ist blind.
Er ist Vater einer kleinen Tochter.
Seine Familie kommt aus einem anderen Land.
Er wohnt in Ahlen.
Er arbeitet als Teil-Habe-Berater.
Teil-Habe-Berater bedeutet: Er hilft Menschen mit Behinderung.
Er erklärt welche Rechte sie haben.
Er zeigt wo sie Hilfe bekommen können.
Er hat die Initiative Inklu-Migra gegründet.
Initiative bedeutet: Ein Projekt das Menschen starten.
Sie wollen etwas verändern oder verbessern.
Das ist eine Gruppe für Menschen mit Behinderung.
Diese Menschen kommen aus anderen Ländern.
Am 14. September 2025 gibt es eine Wahl.
Es ist eine Kommune-Wahl in Nord-Rhein-West-Falen.
Kommune-Wahl bedeutet: Man wählt Politiker in der Stadt.
Nicht in ganz Deutschland.
Alper Senlik will in den Stadt-Rat von Ahlen.
Er kandidiert für die SPD.
Kandidiert bedeutet: Eine Person will gewählt werden.
Sie möchte Politikerin oder Politiker werden.
SPD ist eine deutsche Partei.
Sie macht Politik für Arbeiter.
kobinet bedeutet: Eine Internet-Seite.
Dort stehen Nachrichten für Menschen mit Behinderung.
Sie sind jung.
Sie sind aktiv.
Sie machen auch Politik.
Können Sie unseren Lesern etwas über sich erzählen?
Mein Name ist Alper Senlik.
Ich bin 26 Jahre alt.
Ich bin blind.
Ich habe eine kleine Tochter.
Ich lebe mit meiner Partnerin in Ahlen.
Ich arbeite als Teil-Habe-Berater.
Das ist mein Beruf.
Politik ist für mich kein Hobby.
Politik ist wichtig für mich.
Ich habe viel erlebt.
Ich will etwas ändern.
Ich bin Vor-Sitzender der Jusos Ahlen.
Jusos bedeutet: Junge Menschen.
Sie gehören zur SPD.
Die Jusos setzen sich für junge Leute ein.
Ich bin auch Vor-Sitzender der Jungen Retina.
Retina bedeutet: Netz-Haut.
Die Netz-Haut ist in deinem Auge.
Mit der Netz-Haut kannst du sehen.
Das ist ein Verein für junge Menschen.
Diese Menschen haben Probleme mit den Augen.
Der Verein gehört zu Pro Retina Deutschland.
Ich habe die Initiative Inklu-Migra gegründet.
Ich setze mich für Menschen ein.
Diese Menschen werden oft vergessen.
Vor allem für Menschen mit Behinderung.
Und für Menschen aus anderen Ländern.
Wie sind Sie zu diesem Engagement gekommen?
Engagement bedeutet: Du machst etwas für andere Menschen.
Du hilfst anderen Menschen.
Du bekommst dafür kein Geld.
Was hat Sie angetrieben?
Wer hat Sie inspiriert?
Ich war nicht immer politisch.
Ich wurde es.
Ich wurde zu oft ignoriert.
Ich habe gemerkt: Menschen wie ich werden vergessen.
Ich bin blind.
Meine Familie kommt aus einem anderen Land.
Es war oft das gleiche Problem: Informationen fehlen.
Teil-Habe wird schwer gemacht.
Die Erwartungen sind niedrig.
Dazu kommt die Haltung: Du gehörst hier nicht hin.
Das nennt man Ableismus.
Ableismus bedeutet: Menschen mit Behinderung werden schlecht behandelt.
Andere Menschen denken: Menschen with Behinderung können nichts.
Das war für mich normal.
Irgendwann war klar: Ich kann nicht warten.
Ich kann nicht warten bis sich etwas ändert.
Ich will selbst etwas machen.
Niemand soll sich in dieser Stadt fehl am Platz fühlen.
Sie kandidieren bei den Kommune-Wahlen im September 2025.
Sie wollen in den Stadt-Rat in Ahlen.
Ahlen hat etwas mehr als 50.000 Einwohner.
Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?
Ich weiß: Es wird nicht einfach.
Aber das motiviert mich.
Ich trete nicht an um irgendeinen Platz zu füllen.
Ich habe etwas zu sagen.
Ich bringe neue Sicht-Weisen mit.
Diese Sicht-Weisen fehlen im Stadt-Rat bisher.
Ich bin ein junger Vater.
Ich bin blind.
Meine Familie kommt aus einem anderen Land.
Ich habe Barrieren selbst erlebt.
Viele sagen mir: Endlich kandidiert jemand.
Dieser jemand weiß wirklich wie es ist.
Dieser jemand weiß wie es ist übersehen zu werden.
Ich will keine Politik von oben machen.
Ich kenne die Heraus-Forderungen.
Ich will sie anpacken.
Deshalb trete ich an.
Sie werden vielleicht in den Stadt-Rat gewählt.
Welche Themen wollen Sie dann voranbringen?
Welche Veränderungen wollen Sie?
Ich will Politik für die Menschen machen.
Diese Menschen werden sonst selten gehört.
Für alle die jeden Tag mit Barrieren kämpfen.
Auf dem Weg zur Arbeit.
Im Umgang mit Behörden.
Beim Zugang zu Informationen.
Ich weiß wie frustrierend das ist.
Man spürt: Diese Stadt ist nicht für mich gemacht.
Das will ich ändern.
Barriere-Freiheit muss normal werden.
Barrierefreiheit bedeutet: alle Menschen können etwas benutzen.
Es gibt keine Hindernisse.
Sie darf nicht die Ausnahme sein.
Mir ist auch wichtig: Menschen die wenig Geld haben.
Sie müssen mehr gesehen werden.
Sie müssen ernst genommen werden.
Ich will soziale Gerechtigkeit.
Ich will sie nicht nur versprechen.
Ich will sie einfordern.
Bezahlbares Wohnen.
Faire Chancen.
Ein Leben in Würde.
Ich trete an weil ich diese Stadt mit-gestalten will.
Nicht für ein paar wenige.
Sondern für alle.
In vielen Vereinen sind junge Menschen selten.
In der Politik auch.
Besonders junge Menschen mit Behinderung.
Welche Chancen sehen Sie das zu ändern?
Junge Menschen mit Behinderung sind in der Politik selten sichtbar.
Das hat Gründe.
Vieles ist nicht barriere-frei.
Manches wirkt abschreckend.
Oft fehlt einfach die Unterstützung.
Deshalb braucht es starke Netz-Werke.
Räume wo man sich gegenseitig stärkt.
Wo man sich austauscht.
Wo man merkt: Ich bin nicht allein.
Ich selbst habe solche Strukturen erlebt.
Sie haben mich ermutigt meinen Weg zu gehen.
Gleichzeitig ist es mir wichtig ein Zeichen zu setzen.
Wir gehören in die Parlamente.
Wir gehören in die Vor-Stände.
Wir gehören in die Gremien.
Nicht als Ausnahme sondern als Selbst-Verständlichkeit.
Junge Menschen mit Behinderung sollen sich nicht fragen: Darf ich das überhaupt?
Sie sollen sagen: Natürlich gehöre ich da hin.
Sie haben 2 Wünsche frei für die Behinderten-Politik.
Welche wären das?
Mein erster Wunsch wäre: Barriere-Freiheit überall.
Und zwar in allen Bereichen.
Es reicht nicht wenn nur einzelne Gebäude zugänglich sind.
Oder nur einzelne Internet-Seiten.
Barriere-Freiheit muss selbst-verständlich sein.
Auf der Straße.
In der Verwaltung.
Im Internet.
In der Kommunikation.
Wer den Zugang versperrt verhindert Teil-Habe.
Mein zweiter Wunsch: ein inklusives Bildungs-System von Anfang an.
Inklusion bedeut: Alle Menschen machen mit.
Niemand wird ausgeschlossen.
Kinder mit und ohne Behinderung sollen gemeinsam lernen können.
Ohne Aussonderung.
Ohne Sonder-Wege.
Wenn wir wollen dass Inklusion in der Gesellschaft gelingt.
Dann muss sie in der Schule beginnen.
Alles andere ist unglaubwürdig.
Vielen Dank für das Interview.
Wir wünschen Ihnen viel Erfolg.
Link zum Verein für Inklusion und Vielfalt: www.inklu-migra.de
Link zur Website von Alper Senlik: www.alpersenlik.com
Dieser Text ist in Leichter Sprache nach DIN SPEC 33429.
Fragen? Ruft an bei kobinet-nachrichten.

Foto: privat
Ahlen (kobinet) "Wir gehören in die Parlamente, in die Vorstände, in die Gremien. Nicht als Ausnahme, sondern als Selbstverständlichkeit. Ich will, dass junge Menschen mit Behinderung sich nicht fragen: "Darf ich das überhaupt?" – sondern sagen: "Natürlich gehöre ich da hin". So bringt es der 26jährige Alper Senlik im Interview mit Ottmar Miles-Paul von den kobinet-nachrichten auf den Punkt. Der blinde Vater einer kleinen Tochter mit Migrationsgeschichte aus Ahlen arbeitet hauptberuflich als Teilhabeberater. Er hat u.a. die Initiative Inklu-Migra ins Leben gerufen und kandidiert bei der Kommunalwahl am 14. September 2025 im nordrhein-westfälischen Ahlen über die SPD für den Stadtrat.
kobinet-nachrichten: Sie sind jung, dynamisch und engagieren sich auch politisch. Können Sie unseren Leser*innen ein paar Worte über sich erzählen?
Alper Senlik: Mein Name ist Alper Senlik, ich bin 26 Jahre alt, blind, Vater einer kleinen Tochter und lebe mit meiner Partnerin in Ahlen. Ich arbeite hauptberuflich als Teilhabeberater. Politik ist für mich kein Hobby, sondern eine Konsequenz – aus dem, was ich erlebt habe, und aus dem, was ich verändern will. Ich bin Vorsitzender der Jusos Ahlen, engagiere mich bundesweit als Vorsitzender der Jungen Retina innerhalb von Pro Retina Deutschland e. V. und habe die Initiative Inklu-Migra ins Leben gerufen. In all diesen Rollen setze ich mich für Menschen ein, deren Perspektiven oft fehlen – vor allem für Menschen mit Behinderung und Migrationsgeschichte.
kobinet-nachrichten: Wie sind Sie zu diesem Engagement gekommen? Was oder wer hat Sie angetrieben oder inspiriert?
Alper Senlik: Ich bin nicht als politischer Mensch geboren worden – ich wurde es, weil ich zu oft ignoriert wurde. Weil ich gemerkt habe, dass Menschen wie ich nicht selbstverständlich mitgedacht werden. Als blinder Mensch mit Migrationsgeschichte war es oft ein und dasselbe Muster: Informationen fehlen, Teilhabe wird erschwert, Erwartungen bleiben niedrig. Und dazu kommt die Haltung: Du bist hier eigentlich nicht vorgesehen. Diese Form von Ableismus war für mich Alltag. Irgendwann war klar: Ich kann nicht darauf warten, dass sich etwas ändert. Ich will selbst dafür sorgen – damit niemand mehr in dieser Stadt das Gefühl haben muss, fehl am Platz zu sein.
kobinet-nachrichten: Sie kandidieren bei den nordrhein-westfälischen Kommunalwahlen im September 2025 für den Stadtrat in Ahlen. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein, den Sprung in die knapp über 50.000 Einwohner*innen zählende Stadt zu schaffen?
Alper Senlik: Ich weiß, dass es kein Selbstläufer wird – aber genau das motiviert mich. Ich trete nicht an, um irgendeinen Platz zu füllen, sondern weil ich etwas zu sagen habe. Ich bringe Perspektiven mit, die im Stadtrat bisher fehlen – als junger Vater, als blinder Mensch mit Migrationsgeschichte, als jemand, der Barrieren selbst erlebt hat. Viele sagen mir: Endlich kandidiert jemand, der wirklich weiß, wie es ist, übersehen zu werden. Ich will keine Politik von oben machen – ich bin jemand, der die Herausforderungen kennt und anpacken will. Und genau deshalb trete ich an.
kobinet-nachrichten: Wenn Sie in den Stadtrat gewählt werden, welche Themen oder Veränderungen wollen Sie vorantreiben?
Alper Senlik: Wenn ich in den Stadtrat gewählt werde, will ich vor allem für die Menschen Politik machen, die sonst selten gehört werden. Für alle, die jeden Tag mit Barrieren zu kämpfen haben – sei es auf dem Weg zur Arbeit, im Umgang mit Behörden oder beim Zugang zu Informationen. Ich weiß, wie frustrierend es ist, wenn man spürt: Diese Stadt ist nicht für mich gemacht. Das will ich ändern. Barrierefreiheit muss zur Grundvoraussetzung werden – nicht zur Ausnahme. Genauso wichtig ist mir, dass Menschen, die mit wenig auskommen müssen, endlich mehr gesehen und ernst genommen werden. Und ich will soziale Gerechtigkeit nicht nur versprechen, sondern einfordern: bezahlbares Wohnen, faire Chancen, ein Leben in Würde. Ich trete an, weil ich diese Stadt mitgestalten will – nicht für ein paar wenige, sondern für alle.
kobinet-nachrichten: In vielen Verbänden, aber auch in der Politik generell sind junge Menschen und besonders junge Menschen mit Behinderungen chronisch unterrepräsentiert. Welche Chancen sehen Sie, dies zu ändern?
Alper Senlik: Junge Menschen mit Behinderung sind in der Politik noch immer viel zu selten sichtbar – und das hat Gründe. Vieles ist nicht barrierefrei, manches wirkt abschreckend und oft fehlt einfach die Unterstützung. Deshalb braucht es stabile Netzwerke: Räume, in denen man sich gegenseitig stärkt, sich austauscht und merkt, dass man nicht allein ist. Ich selbst habe solche Strukturen erlebt – und sie haben mich ermutigt, meinen Weg zu gehen. Gleichzeitig ist es mir wichtig, ein Zeichen zu setzen: Wir gehören in die Parlamente, in die Vorstände, in die Gremien. Nicht als Ausnahme, sondern als Selbstverständlichkeit. Ich will, dass junge Menschen mit Behinderung sich nicht fragen: „Darf ich das überhaupt?“ – sondern sagen: „Natürlich gehöre ich da hin“.
kobinet-nachrichten: Wenn Sie zwei Wünsche in Sachen Behindertenpolitik frei hätten, welche wären dies?
Alper Senlik: Mein erster Wunsch wäre: flächendeckende Barrierefreiheit – und zwar in allen Bereichen. Es reicht nicht, wenn nur einzelne Gebäude oder Webseiten zugänglich sind. Barrierefreiheit muss selbstverständlich sein: auf der Straße, in der Verwaltung, im Internet, in der Kommunikation. Denn wer den Zugang versperrt, verhindert Teilhabe.
Mein zweiter Wunsch: ein inklusives Bildungssystem von Anfang an. Kinder mit und ohne Behinderung sollen gemeinsam lernen können – ohne Aussonderung, ohne Sonderwege. Wenn wir wollen, dass Inklusion in der Gesellschaft gelingt, dann muss sie in der Schule beginnen. Alles andere ist unglaubwürdig.
kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg.
Link zum Verein für Inklusion & Vielfalt: www.inklu-migra.de
Link zur Website von Alper Senlik: www.alpersenlik.com

Foto: privat
Ahlen (kobinet) "Wir gehören in die Parlamente, in die Vorstände, in die Gremien. Nicht als Ausnahme, sondern als Selbstverständlichkeit. Ich will, dass junge Menschen mit Behinderung sich nicht fragen: "Darf ich das überhaupt?" – sondern sagen: "Natürlich gehöre ich da hin". So bringt es der 26jährige Alper Senlik im Interview mit Ottmar Miles-Paul von den kobinet-nachrichten auf den Punkt. Der blinde Vater einer kleinen Tochter mit Migrationsgeschichte aus Ahlen arbeitet hauptberuflich als Teilhabeberater. Er hat u.a. die Initiative Inklu-Migra ins Leben gerufen und kandidiert bei der Kommunalwahl am 14. September 2025 im nordrhein-westfälischen Ahlen über die SPD für den Stadtrat.
kobinet-nachrichten: Sie sind jung, dynamisch und engagieren sich auch politisch. Können Sie unseren Leser*innen ein paar Worte über sich erzählen?
Alper Senlik: Mein Name ist Alper Senlik, ich bin 26 Jahre alt, blind, Vater einer kleinen Tochter und lebe mit meiner Partnerin in Ahlen. Ich arbeite hauptberuflich als Teilhabeberater. Politik ist für mich kein Hobby, sondern eine Konsequenz – aus dem, was ich erlebt habe, und aus dem, was ich verändern will. Ich bin Vorsitzender der Jusos Ahlen, engagiere mich bundesweit als Vorsitzender der Jungen Retina innerhalb von Pro Retina Deutschland e. V. und habe die Initiative Inklu-Migra ins Leben gerufen. In all diesen Rollen setze ich mich für Menschen ein, deren Perspektiven oft fehlen – vor allem für Menschen mit Behinderung und Migrationsgeschichte.
kobinet-nachrichten: Wie sind Sie zu diesem Engagement gekommen? Was oder wer hat Sie angetrieben oder inspiriert?
Alper Senlik: Ich bin nicht als politischer Mensch geboren worden – ich wurde es, weil ich zu oft ignoriert wurde. Weil ich gemerkt habe, dass Menschen wie ich nicht selbstverständlich mitgedacht werden. Als blinder Mensch mit Migrationsgeschichte war es oft ein und dasselbe Muster: Informationen fehlen, Teilhabe wird erschwert, Erwartungen bleiben niedrig. Und dazu kommt die Haltung: Du bist hier eigentlich nicht vorgesehen. Diese Form von Ableismus war für mich Alltag. Irgendwann war klar: Ich kann nicht darauf warten, dass sich etwas ändert. Ich will selbst dafür sorgen – damit niemand mehr in dieser Stadt das Gefühl haben muss, fehl am Platz zu sein.
kobinet-nachrichten: Sie kandidieren bei den nordrhein-westfälischen Kommunalwahlen im September 2025 für den Stadtrat in Ahlen. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein, den Sprung in die knapp über 50.000 Einwohner*innen zählende Stadt zu schaffen?
Alper Senlik: Ich weiß, dass es kein Selbstläufer wird – aber genau das motiviert mich. Ich trete nicht an, um irgendeinen Platz zu füllen, sondern weil ich etwas zu sagen habe. Ich bringe Perspektiven mit, die im Stadtrat bisher fehlen – als junger Vater, als blinder Mensch mit Migrationsgeschichte, als jemand, der Barrieren selbst erlebt hat. Viele sagen mir: Endlich kandidiert jemand, der wirklich weiß, wie es ist, übersehen zu werden. Ich will keine Politik von oben machen – ich bin jemand, der die Herausforderungen kennt und anpacken will. Und genau deshalb trete ich an.
kobinet-nachrichten: Wenn Sie in den Stadtrat gewählt werden, welche Themen oder Veränderungen wollen Sie vorantreiben?
Alper Senlik: Wenn ich in den Stadtrat gewählt werde, will ich vor allem für die Menschen Politik machen, die sonst selten gehört werden. Für alle, die jeden Tag mit Barrieren zu kämpfen haben – sei es auf dem Weg zur Arbeit, im Umgang mit Behörden oder beim Zugang zu Informationen. Ich weiß, wie frustrierend es ist, wenn man spürt: Diese Stadt ist nicht für mich gemacht. Das will ich ändern. Barrierefreiheit muss zur Grundvoraussetzung werden – nicht zur Ausnahme. Genauso wichtig ist mir, dass Menschen, die mit wenig auskommen müssen, endlich mehr gesehen und ernst genommen werden. Und ich will soziale Gerechtigkeit nicht nur versprechen, sondern einfordern: bezahlbares Wohnen, faire Chancen, ein Leben in Würde. Ich trete an, weil ich diese Stadt mitgestalten will – nicht für ein paar wenige, sondern für alle.
kobinet-nachrichten: In vielen Verbänden, aber auch in der Politik generell sind junge Menschen und besonders junge Menschen mit Behinderungen chronisch unterrepräsentiert. Welche Chancen sehen Sie, dies zu ändern?
Alper Senlik: Junge Menschen mit Behinderung sind in der Politik noch immer viel zu selten sichtbar – und das hat Gründe. Vieles ist nicht barrierefrei, manches wirkt abschreckend und oft fehlt einfach die Unterstützung. Deshalb braucht es stabile Netzwerke: Räume, in denen man sich gegenseitig stärkt, sich austauscht und merkt, dass man nicht allein ist. Ich selbst habe solche Strukturen erlebt – und sie haben mich ermutigt, meinen Weg zu gehen. Gleichzeitig ist es mir wichtig, ein Zeichen zu setzen: Wir gehören in die Parlamente, in die Vorstände, in die Gremien. Nicht als Ausnahme, sondern als Selbstverständlichkeit. Ich will, dass junge Menschen mit Behinderung sich nicht fragen: „Darf ich das überhaupt?“ – sondern sagen: „Natürlich gehöre ich da hin“.
kobinet-nachrichten: Wenn Sie zwei Wünsche in Sachen Behindertenpolitik frei hätten, welche wären dies?
Alper Senlik: Mein erster Wunsch wäre: flächendeckende Barrierefreiheit – und zwar in allen Bereichen. Es reicht nicht, wenn nur einzelne Gebäude oder Webseiten zugänglich sind. Barrierefreiheit muss selbstverständlich sein: auf der Straße, in der Verwaltung, im Internet, in der Kommunikation. Denn wer den Zugang versperrt, verhindert Teilhabe.
Mein zweiter Wunsch: ein inklusives Bildungssystem von Anfang an. Kinder mit und ohne Behinderung sollen gemeinsam lernen können – ohne Aussonderung, ohne Sonderwege. Wenn wir wollen, dass Inklusion in der Gesellschaft gelingt, dann muss sie in der Schule beginnen. Alles andere ist unglaubwürdig.
kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg.
Link zum Verein für Inklusion & Vielfalt: www.inklu-migra.de
Link zur Website von Alper Senlik: www.alpersenlik.com





Der Artikel berührt ein wichtiges Thema, verfehlt aber die eigentliche Tiefe der Problematik. Politische Teilhabe scheitert nicht daran, dass Menschen mit Behinderungen zu wenig Mut oder Durchsetzungswillen haben. Die entscheidenden Barrieren entstehen viel früher. Schon in Kindergärten, Schulen, an Hochschulen und in beruflichen Zugängen werden Türen verschlossen. Wer von klein auf ausgesondert wird, wer von Bildungslaufbahnen ferngehalten wird oder an Hochschulen keine gleichen Chancen hat, erreicht selten die Voraussetzungen, um später in politische Räume vorzudringen. Es wird so früh sortiert und selektiert, dass Teilhabe auf den oberen Ebenen nur für wenige Ausnahmen möglich ist.
Was unter dem Schlagwort „Teilhabe“ oft bleibt, sind Alibiposten ohne echte Macht. Das höchste der Gefühle ist häufig ein Sitz in einem Beirat einer Werkstatt oder einer Wohlfahrtsorganisation, wo man zwar mitreden darf, aber nicht dort, wo Entscheidungen tatsächlich fallen. Diese Form von Pseudopartizipation ändert an den Machtverhältnissen nichts und hält die Mehrheit weiter außen vor.
Hinzu kommt, dass politische Räume für Menschen mit Behinderungen fast ausschließlich dort geöffnet werden, wo es um Behindertenpolitik selbst geht. Betroffene dürfen über ihre eigene Lage sprechen, aber andere Themenfelder bleiben weitgehend verschlossen. Das reduziert Menschen mit Behinderungen auf ihre Betroffenheit, als wären sie nicht wie alle anderen politische Bürgerinnen und Bürger mit Interessen und Kompetenzen in allen Bereichen – von Kulturpolitik bis Wirtschaft oder Umweltfragen.
Solange diese strukturellen Ausschlüsse nicht abgebaut werden, solange Zugänge von Anfang an versperrt bleiben und politische Teilhabe auf Nischenrollen beschränkt wird, bleibt die Forderung nach Präsenz in Parlamenten und Gremien ein leeres Versprechen. Es reicht nicht, auf individuelle Erfolgsgeschichten zu setzen. Es braucht tiefgreifende Veränderungen, damit Menschen mit Behinderungen von Anfang an dieselben Chancen haben, echte Machtpositionen zu erreichen und nicht nur symbolisch dabei zu sein.