Berlin
Eine Heil-Erziehungs-Pflegerin erzählt ihre Geschichte.
Das ist eine Frau.
Sie hilft Menschen mit Behinderung.
Sie arbeitet in Wohn-Heimen.
Sie arbeitet auch in Werk-Stätten.
Sie unterstützt beim Waschen und Anziehen.
Sie macht auch Übungen mit den Menschen.
Sie sagt: Inklusion braucht mehr als gute Wünsche.
Inklusion bedeutet: Alle Menschen machen mit.
Niemand wird ausgeschlossen.
Die Teams sind müde.
Menschen mit Behinderung haben wenig Lebens-Freude.
Erna F. freut sich die ganze Woche auf Samstag.
Dann kann sie für 1 Stunde raus.
Manchmal kann sie 2 Stunden raus.
Sie wohnt in einem Pflege-Heim.
Sonst kommt sie nur zur Arbeit raus.
Sie möchte die Sonne spüren.
Sie möchte den Park sehen.
Sie möchte den Fluss sehen.
Sie möchte frische Luft atmen.
Sie möchte Menschen sehen.
Sie möchte Kinder lachen hören.
Aber am Samstag sind 3 Pfleger krank.
4 Pfleger arbeiten normalerweise.
Erna F. kann nicht raus.
Das passiert oft.
3 von 4 Pflege-Kräften arbeiten am Wochen-Ende.
Das ist sehr anstrengend.
Deshalb arbeiten viele nur Teil-Zeit.
Viele werden krank.
Viele bekommen Burn-Out.
Burn-Out bedeutet: Eine Person ist sehr müde.
Die Person hatte zu viel Stress.
Sie kann nicht mehr arbeiten.
Die Person braucht Hilfe und Ruhe.
Es gibt zu wenig Personal.
Es gibt einen Teufels-Kreis.
Das ist ein Problem.
Das Problem macht ein neues Problem.
Das neue Problem macht das erste Problem schlimmer.
So geht es immer weiter.
Eine Pflege-Kraft wird krank.
Die anderen müssen mehr arbeiten.
Sie werden auch müde.
Dann werden sie auch krank.
Manchmal werden mehrere gleichzeitig krank.
Dann fehlen noch mehr Leute.
Die Frustration wird größer.
Viele Menschen werden älter.
Deshalb brauchen mehr Menschen Pflege.
Viele Pflege-Kräfte hören auf zu arbeiten.
Der Job ist schwer für Körper und Seele.
Viele würden wieder arbeiten.
Aber sie brauchen mehr Wert-Schätzung.
Wert-Schätzung bedeutet: Du findest eine Person gut.
Du zeigst der Person: Du bist wichtig.
Du respektierst die Person.
Das macht die Person glücklich.
Sie brauchen bessere Arbeits-Bedingungen.
Sie brauchen mehr Geld.
Fach-Leute sagen: Bis 2049 fehlen viele Pflege-Kräfte.
Es fehlen 280.000 bis 690.000 Pflege-Kräfte.
Die Gesellschaft hat auch eine Aufgabe.
Die Aufgabe ist bei der Inklusion.
In Wohn-Gruppen sieht man das gut.
Dort kann Teil-Habe gelingen.
Dort kann Teil-Habe auch scheitern.
Eine Heil-Erziehungs-Pflegerin erzählt aus ihrem Alltag.
Sie zeigt: Inklusion braucht genug Personal.
Sie braucht gute Regeln in der Gesellschaft.
Diese Regeln heißen: gesellschaftliche Strukturen.
In ihrer Wohn-Gruppe leben 10 Menschen.
Diese Menschen haben eine Behinderung.
Einige haben eine Schwerst-Mehrfach-Behinderung.
Das bedeutet: Eine Person hat viele Behinderungen.
Die Person kann nicht laufen.
Die Person kann nicht sprechen.
Sie braucht sehr viel Hilfe.
Andere Menschen müssen alles für sie machen.
Die Menschen sind 20 bis 78 Jahre alt.
Die meisten haben keine Familie mehr.
Oder sie haben keinen Kontakt zur Familie.
Die Menschen verlassen die Wohn-Gruppe fast nie.
Das ist seit Jahren so.
Ihre Lebens-Welt besteht aus: Wohn-Gruppe und Arbeit.
Manchmal gehen sie zum Arzt.
Es fehlt fast immer Personal.
Die Mitarbeiter haben viel zu tun.
Sie müssen die Grund-Pflege machen.
Sie müssen den normalen Arbeits-Alltag schaffen.
Oft haben sie keine Energie mehr.
Oft haben sie keine Zeit mehr.
Deshalb können sie nicht mit den Bewohnern raus-gehen.
Die Pflegerin versucht es trotzdem an einem Samstag.
Sie ist schon erschöpft.
Sie hat Zeit-Druck.
Aber sie geht 15 Minuten spazieren.
Sie geht mit 2 Bewohnern spazieren.
Sie arbeitet 10 Stunden an diesem Tag.
Nur 15 Minuten sind ein schöner Moment.
Die restliche Zeit verbringen die Menschen in der Wohn-Gruppe.
Mehr ist nicht möglich.
Die Menschen wünschen sich mehr.
Sie möchten einkaufen gehen.
Sie möchten in die Wilhelma gehen.
Sie möchten ins Restaurant gehen.
Inklusion braucht Hilfs-Mittel.
Diese Hilfs-Mittel heißen: Ressourcen.
Sie braucht Zeit.
Sie braucht Personal.
Sie braucht Unterstützung von der Gesellschaft.
Ohne das bleibt Inklusion nur ein schönes Plan.
Besonders am Wochen-Ende fehlt Personal.
Das ist normal geworden.
Teil-Habe passiert durch Raus-Gehen.
Menschen mit Behinderung müssen in die Öffentlichkeit.
Sie müssen Kontakt zu anderen Menschen haben.
Inklusion bedeutet vor allem: Menschen mit Behinderung sollen sichtbar sein.
Menschen mit Behinderung nehmen am öffentlichen Leben teil.
Dann entstehen Begegnungen.
Es entsteht Normalität.
Es entsteht gegenseitiger Respekt.
Dafür braucht es nicht nur politische Versprechen.
Es braucht praktische Umsetzung.
Es braucht Umsetzung jeden Tag.
Es braucht Umsetzung für jeden Menschen.
Teil-Habe darf kein besonderer Vorteil sein.
Ein besonderer Vorteil heißt: Privileg.
Das ist so: Manche Menschen haben mehr Rechte als andere.
Zum Beispiel: Reiche Menschen können sich teure Sachen kaufen.
Teil-Habe ist Ausdruck der Würde jedes Menschen.
Wir müssen Regeln schaffen.
Diese Regeln müssen Begegnung ermöglichen.
Sie müssen Freizeit ermöglichen.
Sie müssen Selbst-Bestimmung ermöglichen.
Selbst-Bestimmung bedeutet: Man entscheidet für sich selbst.
Niemand anderes bestimmt über einen.
Nur dann wird aus dem Wunsch nach Inklusion eine gelebte Realität.

Foto: Wombat-Paradiso
Berlin (kobinet) Inklusion braucht mehr als gute Absicht – eine Heilerziehungspflegerin berichtet über erschöpfte Teams, verpasste Lebensfreude und die stille Isolation von Menschen mit Behinderung.
Die Sonne auf der Haut spüren, die grüne Parkanlage mit dem schönen Fluss, frische Luft, Menschen sehen, Kinder unbeschwert lachen hören – Erna F. hat sich die ganze Woche auf ihren besonderen Samstag gefreut: Wenn sie für eine oder zwei Stunden raus kommt aus ihrer Pflegeeinrichtung, die sie sonst nur verlassen kann, wenn sie zur Arbeit gebracht wird. Aber ihre Hoffnungen werden enttäuscht. Drei von vier Pflegern sind am Samstag krank. Ein Einzelfall? Von wegen!
Wochenenddienste betreffen nahezu drei Viertel aller Pflegekräfte – und gelten als Mitgrund für häufige Teilzeit, krankheitsbedingte Ausfälle, Burnout und langfristigen Personalmangel. Ein Beispiel für den Teufelskreis: Wegen Überlastung, eben weil es zu wenig Mitarbeiter gibt, meldet sich eine Pflegekraft krank. Die restlichen Mitarbeiter arbeiten dadurch mehr und fangen die Krankheit erstmal „gut“ ab. Jedoch kommen sie im Lauf der Zeit auch an ihre Grenzen. Daraufhin melden sie sich im Wechsel auch krank. Auch oft mehrere gleichzeitig. Dadurch steigen der Mangel an Personal und oft auch die Frustration. Dies führt langfristig zu Kündigungen und zu einem Mangel an Pflegekräften.
Ein wichtiger Treiber dieser Entwicklung ist neben der Alterung unserer Gesellschaft der „Pflexit“, also der reihenweise Ausstieg aus dem seelisch wie körperlich stark belastenden Pflegeberuf. Viele der Berufsaussteiger/-innen ließen sich zurückgewinnen durch ein Mehr an Wertschätzung für diese gesellschaftlich so bedeutsame Arbeit, vor allem durch verbesserte Strukturen, Arbeitsbedingungen und Löhne. (bpb.de/Pflegenotstand) Prognosen zeigen, dass bis 2049 ein Mangel von 280.000 bis 690.000 Pflegekräften eintreten wird (Hans-Böckler-Stiftung, Statistisches Bundesamt, Statistisches Bundesamt.)
Auch die Gesellschaft spielt eine Rolle, denn sie ist genauso mit betroffen, wenn es um das Thema Inklusion geht. Besonders in Einrichtungen wie Wohngruppen wird es deutlich, wie Teilhabe gelingen oder scheitern kann. Dies ist ein Erfahrungsbericht aus meinem Alltag als Heilerziehungspflegerin, der zeigt, wie sehr Inklusion vom Personalstand und von gesellschaftlichen Strukturen abhängt – und wo sie an ihre Grenzen stößt. In meiner Wohngruppe leben zehn behinderte Menschen, einige davon mit einer Schwerstmehrfachbehinderung. Die Menschen sind 20 bis 78 Jahre alt . Die meisten haben keine Angehörigen mehr oder es besteht kein Kontakt zu Angehörigen. Das Verlassen der Wohngruppe ist seit Jahren zur Seltenheit geworden. Die Lebenswelt der Menschen besteht aus Wohngruppe, Arbeit und ab und zu einem Arztbesuch.
Wegen des fast permanenten Personalmangels haben die Mitarbeiter mit der Grundpflege und dem normalen Arbeitsalltag auf der Wohngruppe so viel zu tun, dass oft auch einfach keine Energie und Zeit mehr übrig sind, mit den Klienten rauszugehen. Ich versuche es an diesem Samstag dennoch und gehe – selbst schon erschöpft und unter Zeitdruck – noch immerhin fünfzehn Minuten mit zwei meiner Bewohner spazieren. Von zehn Stunden meiner Arbeitszeit ein schöner Moment für uns drei. Die restliche Zeit verbringen die Menschen zu meinem großen Bedauern in der Wohngruppe, da mehr einfach nicht möglich ist. Dabei würden es sich die Menschen so sehr wünschen zum Beispiel einkaufen zu gehen, in die Wilhelma oder ins Restaurant. Inklusion verlangt Ressourcen – vor allem Zeit, Personal und gesellschaftliche Unterstützung. Ohne diese bleibt sie ein schönes Konzept auf dem Papier, das in der Praxis oft an Grenzen stößt. Besonders an Wochenenden ist personelle Unterbesetzung keine Ausnahme, sondern Realität. Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben geschieht durch Herausgehen, in die Öffentlichkeit treten und die Menschen mit Behinderung in Kontakt treten lassen mit ihren Mitmenschen. Inklusion bedeutet vor allem Sichtbarkeit. Wenn Menschen mit Behinderung aktiv am öffentlichen Leben teilnehmen, entstehen Begegnungen, Normalität und gegenseitiger Respekt. Dafür braucht es nicht nur politisches Bekenntnis, sondern praktische Umsetzung – Tag für Tag, Mensch für Mensch.
Teilhabe darf kein Privileg sein. Sie ist Ausdruck der Würde jedes Menschen. Nur wenn wir Strukturen schaffen, die Begegnung, Freizeit und Selbstbestimmung ermöglichen, wird aus dem Wunsch nach Inklusion eine gelebte Realität.

Foto: Wombat-Paradiso
Berlin (kobinet) Inklusion braucht mehr als gute Absicht – eine Heilerziehungspflegerin berichtet über erschöpfte Teams, verpasste Lebensfreude und die stille Isolation von Menschen mit Behinderung.
Die Sonne auf der Haut spüren, die grüne Parkanlage mit dem schönen Fluss, frische Luft, Menschen sehen, Kinder unbeschwert lachen hören – Erna F. hat sich die ganze Woche auf ihren besonderen Samstag gefreut: Wenn sie für eine oder zwei Stunden raus kommt aus ihrer Pflegeeinrichtung, die sie sonst nur verlassen kann, wenn sie zur Arbeit gebracht wird. Aber ihre Hoffnungen werden enttäuscht. Drei von vier Pflegern sind am Samstag krank. Ein Einzelfall? Von wegen!
Wochenenddienste betreffen nahezu drei Viertel aller Pflegekräfte – und gelten als Mitgrund für häufige Teilzeit, krankheitsbedingte Ausfälle, Burnout und langfristigen Personalmangel. Ein Beispiel für den Teufelskreis: Wegen Überlastung, eben weil es zu wenig Mitarbeiter gibt, meldet sich eine Pflegekraft krank. Die restlichen Mitarbeiter arbeiten dadurch mehr und fangen die Krankheit erstmal „gut“ ab. Jedoch kommen sie im Lauf der Zeit auch an ihre Grenzen. Daraufhin melden sie sich im Wechsel auch krank. Auch oft mehrere gleichzeitig. Dadurch steigen der Mangel an Personal und oft auch die Frustration. Dies führt langfristig zu Kündigungen und zu einem Mangel an Pflegekräften.
Ein wichtiger Treiber dieser Entwicklung ist neben der Alterung unserer Gesellschaft der „Pflexit“, also der reihenweise Ausstieg aus dem seelisch wie körperlich stark belastenden Pflegeberuf. Viele der Berufsaussteiger/-innen ließen sich zurückgewinnen durch ein Mehr an Wertschätzung für diese gesellschaftlich so bedeutsame Arbeit, vor allem durch verbesserte Strukturen, Arbeitsbedingungen und Löhne. (bpb.de/Pflegenotstand) Prognosen zeigen, dass bis 2049 ein Mangel von 280.000 bis 690.000 Pflegekräften eintreten wird (Hans-Böckler-Stiftung, Statistisches Bundesamt, Statistisches Bundesamt.)
Auch die Gesellschaft spielt eine Rolle, denn sie ist genauso mit betroffen, wenn es um das Thema Inklusion geht. Besonders in Einrichtungen wie Wohngruppen wird es deutlich, wie Teilhabe gelingen oder scheitern kann. Dies ist ein Erfahrungsbericht aus meinem Alltag als Heilerziehungspflegerin, der zeigt, wie sehr Inklusion vom Personalstand und von gesellschaftlichen Strukturen abhängt – und wo sie an ihre Grenzen stößt. In meiner Wohngruppe leben zehn behinderte Menschen, einige davon mit einer Schwerstmehrfachbehinderung. Die Menschen sind 20 bis 78 Jahre alt . Die meisten haben keine Angehörigen mehr oder es besteht kein Kontakt zu Angehörigen. Das Verlassen der Wohngruppe ist seit Jahren zur Seltenheit geworden. Die Lebenswelt der Menschen besteht aus Wohngruppe, Arbeit und ab und zu einem Arztbesuch.
Wegen des fast permanenten Personalmangels haben die Mitarbeiter mit der Grundpflege und dem normalen Arbeitsalltag auf der Wohngruppe so viel zu tun, dass oft auch einfach keine Energie und Zeit mehr übrig sind, mit den Klienten rauszugehen. Ich versuche es an diesem Samstag dennoch und gehe – selbst schon erschöpft und unter Zeitdruck – noch immerhin fünfzehn Minuten mit zwei meiner Bewohner spazieren. Von zehn Stunden meiner Arbeitszeit ein schöner Moment für uns drei. Die restliche Zeit verbringen die Menschen zu meinem großen Bedauern in der Wohngruppe, da mehr einfach nicht möglich ist. Dabei würden es sich die Menschen so sehr wünschen zum Beispiel einkaufen zu gehen, in die Wilhelma oder ins Restaurant. Inklusion verlangt Ressourcen – vor allem Zeit, Personal und gesellschaftliche Unterstützung. Ohne diese bleibt sie ein schönes Konzept auf dem Papier, das in der Praxis oft an Grenzen stößt. Besonders an Wochenenden ist personelle Unterbesetzung keine Ausnahme, sondern Realität. Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben geschieht durch Herausgehen, in die Öffentlichkeit treten und die Menschen mit Behinderung in Kontakt treten lassen mit ihren Mitmenschen. Inklusion bedeutet vor allem Sichtbarkeit. Wenn Menschen mit Behinderung aktiv am öffentlichen Leben teilnehmen, entstehen Begegnungen, Normalität und gegenseitiger Respekt. Dafür braucht es nicht nur politisches Bekenntnis, sondern praktische Umsetzung – Tag für Tag, Mensch für Mensch.
Teilhabe darf kein Privileg sein. Sie ist Ausdruck der Würde jedes Menschen. Nur wenn wir Strukturen schaffen, die Begegnung, Freizeit und Selbstbestimmung ermöglichen, wird aus dem Wunsch nach Inklusion eine gelebte Realität.




